Russball, Folge 35: So klingen die elf WM-Gastgeberstädte

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Erinnert ihr euch an die Korobka? Viele russische Kinder haben in dieser Art Käfig, den man oft in russischen Wohngebieten findet, zum ersten Mal Fußball gespielt. Manchmal hängt dort zusätzlich auch noch ein Basketballkorb – Hauptsache, was mit Bällen. Seit letzter Woche weiß ich nun, wozu so eine Korobka im russischen Winter gut ist: Einfach den Boden fluten, gefrieren lassen, und siehe da: ein Eishockeyfeld! Puck statt Ball – hier ein kleiner Schwenk.

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⚽ Wird eine Heuschreckenplage über die Stadien der Fußball-Weltmeisterschaft herfallen? Ja, sagt ein Abteilungsleiter im russischen Landwirtschaftsministerium. Nein, sagt der Leiter des WM-Organisationskomitees. Welche der beiden Meinungen in mehr Medienberichten zitiert wurde, könnt ihr euch selber denken. Aber gut, Dementis machen halt auch Arbeit und sind eher unsexy.

Darum hier schon mal prophylaktisch meine extrem subjektive Einschätzung: Auch in Blut verwandeltes Wasser, Frösche, eine Viehpest, schwarze Blattern, Hagel, Finsternis und den Tod aller Erstgeborenen werden wir diesen Sommer in Russland eher nicht erleben. Nur bei den Punkten „Stechmücken“ und „Stechfliegen“ sind sich die Propheten noch unsicher. Nein! Doch! Oh!

⚽ Guus Hiddink hat fünf verschiedene Nationalmannschaften trainiert, darunter die russische. Eine gute Ausgangslage, um sich zu den Chancen des russischen Teams bei der WM im eigenen Land zu äußern. Nach dem Confed-Cup neigt Hiddink nicht zu übermäßigem Optimismus: Russland habe gute Momente gehabt, aber auch Schwächen gezeigt. Daraus auf das Abschneiden bei der WM zu schließen, sei also schwierig.

Was Hiddink sonst noch zu sagen hat? Das, was jeder, der den russischen Fußball analysiert, als Knackpunkte ausmacht: Zur professionellen Entwicklung sei es möglicherweise gut, wenn russische Spieler sich auch mal bei ausländischen Vereinen bewähren müssten, wo die Konkurrenz größer ist. Und dass der russische Fußball endlich eine anständige Nachwuchsförderung braucht, das hat Hiddink nach eigenen Worten schon 2010 angeregt. (Den ganzen Artikel gibt es auf Seite 8 in diesem PDF.)

⚽ Gleiches Thema, anderer Gesprächspartner: Kevin Kuranyi, der ja einige Jahre bei Dynamo Moskau gespielt hat, hat sich vom russischen Staatssender RT interviewen lassen. Neben ein paar Höflichkeiten (Kuranyi vermisst Borschtsch und den Roten Platz) geht es auch hier um die Chancen der russischen Nationalmannschaft bei der Fußball-Weltmeisterschaft.

Großes Potential sehe er beim Team, so Kuranyi, nach „einigen schweren Fehlern“ in der Vergangenheit werde es Russland deshalb definitiv über die Gruppenphase hinaus schaffen – erst recht im eigenen Land, mit den eigenen Fans im Rücken. Und Kuranyis Zukunft? Er kann sich da durchaus eine Rückkehr nach Russland vorstellen, als Trainer oder in einer ähnlichen Rolle.

⚽ Manchmal fühlt es sich an, als hätte inzwischen jede Webseite, jeder Radiosender, jede Zeitung die elf Austragungsorte der Fußball-WM vorgestellt. Aber nun ist mir etwas begegnet, das mir tatsächlich neu war: Eine Musik-Weltkarte. Für 3000 Orte kann man dort nachsehen, was derzeit das meistgehörte Lied bei YouTube ist. Das ist doch vielleicht ganz nützlich für deutsche Fußballfans, um sich ins Gastgeberland schon mal ein bisschen reinzuhören.

Tatsächlich sind die elf Gastgeberstädte genau aufgeteilt: In Kaliningrad, Saransk, Rostow, Sotschi und Wolgograd hören die Leute am liebsten „Troll“:

In Kasan, Samara, St. Petersburg, Jekaterinburg und Nischni Nowgorod liegt dagegen „Rosowoje Wino“ vorne, was übersetzt „Rosé(wein)“ bedeutet.

Was ist nun besser, komischer, absurder? Das „Troll“-Video, in dem ein Mann am Bananentelefon mit einer Frau am Hummertelefon spricht? Oder doch der „Rosowoje Wino“, wo ein Mann mal mit durchsichtigem Regenschirm und mal mit Ramennudeln und Essstäbchen in der Hand singt und tanzt? Macht es einen Unterschied, dass der erste Clip wahrscheinlich absichtlich lustig ist und der zweite möglicherweise ernst gemeint? Schwer zu sagen, ich fühle mich da wie Moskau, die elfte WM-Stadt. Die liegt auf der Landkarte genau im Grenzgebiet zwischen Troll-Land und Rosé-Land.

⚽ Die Zeitung „Wedomosti“ hat diese Woche einen Text veröffentlicht, der einen guten Einblick in die Weltmeisterschafts-Logistik gibt. Es geht vor allem um die Firma „Match Accommodation“, die für die FIFA – also für Offizielle, für Mannschaften, für Dienstleister – Hotelunterkünfte während des Turniers organisiert. Gut vier Monate vor dem Eröffnungsspiel hat Match Accommodation nun ein Drittel der ursprünglich reservierten Hotelbetten wieder freigegeben, weil inzwischen klarer wird, welche Teams, und damit auch welche Mitarbeiter, sich wann in welcher Stadt aufhalten.

Für Otto Normalfan macht das beim Hotelbuchen keinen großen Unterschied, dazu ist die absolute Zahl der jetzt frei gewordenen Betten zu niedrig. Als detaillierter Einblick in einen Bereich der WM-Vorbereitungen lohnt der ganze Artikel dennoch das Lesen.

⚽ Angenommen, ihr habt Pech. Angenommen, ihr habt Geld. Trifft beides zusammen, dann seid ihr unterm Strich immer noch fein raus, jedenfalls in Sachen WM-Tickets: Wer auf dem regulären Weg nicht an Karten für sein Lieblingsspiel kommt (weil zum Beispiel zu viele andere das Spiel ebenfalls sehen wollen), kann dieses Problem lösen, indem er es mit ordentlich Geld bewirft. Das Zauberwort – okay, die beiden Zauberwörter – heißen: „Hospitality Package“.

Wer gewillt ist, rund 1300 Euro in die Hand zu nehmen, kann beispielsweise jetzt sofort eine Karte für Deutschland – Mexiko am 17. Juni buchen. Dafür kriegt der solvente Gast dann nicht nur einen Sitzplatz, sondern wird an einem separaten Eingang von lächelnden Hostessen persönlich eingewunken, bekommt Getränke und Essen (vermutlich nicht gerade auf Bier-und-Bratwurst-Niveau) und am Schluss noch ein Geschenk zum Mitnehmen. Das mit den 1300 Euro pro Ticket ist übrigens nur die niedrigste „Hospitality“-Stufe. Wer Deutschland beim Spiel gegen Mexiko lieber aus einer privaten Suite zujubeln will, kann das für 43.000 Euro pro Ticket tun.

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⚽ Wechselnde Bauunternehmen. Verzögerter Baubeginn. Sumpfiger Boden. Schlechtes Baumaterial. Nicht gezahlte Löhne. Streikende Bauarbeiter. Sports.ru schreibt über „Das problematischste Stadion der WM 2018“ und meint damit das in Kaliningrad. Allein schon die Infografik dazu – man scrollt und scrollt, und es wird immer schlimmer. Ein Gebäude, bei dessen Inspektion nicht mal die VIP-Toiletten akzeptabel waren. Mehr dazu hier.

⚽ Es. Ist. Immer. Noch. Winterpause. Wenig zu erzählen also aus dem russischen Ligafußball, höchstens mal ein Transfer oder eine Spielerfrau, die sich daneben benimmt. Aber immerhin, es gibt ja noch Denis Tirin. Als Sportfotograf hat er früher bei Championat.ru gearbeitet, inzwischen ist er bei ZSKA Moskau und darum aktuell mit der Mannschaft im spanischen Trainingslager.

Dort ist eine Fotoreportage entstanden, die neben typischen Trainingssituationen auch ein paar ungewohnte Motive zeigt: Stell dir vor, du liegst auf der Massagebank, und plötzlich krabbelt ein Fotograf unter dir lang. Stell dir vor, du bist ein Vogel und plötzlich sind da diese lauten Sportler auf deinem Rasen. Stell dir vor, du hast so hart trainiert, dass dein ganzes Gesicht nur noch aus Schweißtropfen besteht. (Alle Bilder hier.)

⚽ Und wenn sie dann irgendwann mal vorbei ist, die Winterpause? Dann sollten sich Russlands Fußballfans schon mal auf eine Überraschung einstellen, schreibt Bombardir.ru. Der FK Rostow, aktuell Zehnter in der Tabelle, werde es allen zeigen, heißt es dort. Ende Dezember hat der Club Waleri Karpin als Trainer verpflichtet, der mit kurzer Unterbrechung von 2009 bis 2014 Spartak Moskau trainiert hat. Unterstützung bekommt er vom frisch aus England heimgekehrten Leonid Slutsky – auch keine kleine Nummer.

Dazu noch eine Reihe früherer Spartak-Spieler und die drei Isländer Sverrir Ingason, Ragnar Sigurðsson und Björn Sigurðarson (die letzten beiden frisch eingekauft) – für Bombardir sind das alles Gründe, warum sich Rostow in der Rückrunde besser schlagen wird als bisher. Nur die Leser sehen das anders: Bei der Abstimmung unter dem Artikel geht die Mehrheit von ihnen davon aus, dass der Club auch zum Ende der Saison irgendwo in der Tabellenmitte rumdümpeln wird.

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Zum Schluss noch ein kleiner Dialog. Der Gesprächspartner arbeitet bei einem internationalen Medienkonzern, und wir unterhalten uns darüber, wie verschiedene Redaktionen die WM-Berichterstattung organisieren, wen sie wann wohin schicken und so weiter.

„Weiß du, bei uns gibt es einen Sport-Kollegen, bei dem sich zwei Termine überschneiden. Darum kann er nicht bei der ganzen WM dabei sein, sondern nur die ersten beiden Wochen.“ – „Und jetzt?“ – „Naja, sie haben ihm halt die englische Mannschaft zugeteilt.“

Bis nächste Woche!



 

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Russball, Folge 34: In diesen Hotels wollt ihr keine WM-Zimmer buchen

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Das Wichtigste zuerst: Bei der Fußball-Weltmeisterschaft im Sommer wird es Bier im Stadion geben. So richtiges, mit Alkohol drin. Das hat Witali Mutko jetzt noch mal klargestellt.

Eigentlich war schon länger klar, dass Russland für das Turnier eine Ausnahme von seinem Alkoholverbot im Stadion macht, dann allerdings kursierten Gerüchte, in Rostow gelte das Verbot vielleicht doch… alles vom Tisch. Es wird Budweiser ausgeschenkt und Klinskoje, ist ja beides von derselben Firma. Und preiswert wird’s offenbar auch.

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⚽ Heute um 10 Uhr endet die aktuelle Verkaufsrunde für WM-Tickets – eine von fünf Runden insgesamt und die erste, an der ich mich beteiligt habe. Dabei ließ sich auch gleich eine Frage klären: Ja, die Tickets der extra eingeführten Billigkategorie stehen tatsächlich allen Leuten offen, die in Russland leben – es entscheidet der Wohnort, nicht die Nationalität. Was ja auch sinnvoll ist: Wer hier lebt, auf dem russischen Arbeitsmarkt nach russischen Konditionen bezahlt wird, steht finanziell anders da als jemand, der vielleicht in London, Paris oder Baden-Baden lebt, aber einen russischen Pass hat.

45 Prozent der Anträge auf Tickets kamen in dieser Runde aus dem Ausland. Zu den Top-Ten-Ländern mit dem größten Interesse gehören neben Deutschland auch die Niederlande – dabei ist deren Mannschaft ja noch nicht mal qualifiziert. Umgekehrt schickt England zwar ein Team zur WM, das Interesse im Land ist aber eher niedrig: Von mehr als 4 Millionen Ticketanträgen kamen gerade mal 26,670 aus England – das ist Platz 15.

⚽ Da ist sie also, die Liste der russischen Hotels, die mit überhöhten Zimmerpreisen während der WM Fußballfans abzocken wollten. Russlands Tourismusbehörde hat ihre Namen veröffentlicht, Auszüge kann man nun überall lesen: 5000 Prozent Preissteigerung bei einem Null-Sterne-Hotel in Kaliningrad (genau genommen sogar 5283 Prozent, aber wer will da pingelig sein). Auch große Ketten wie Hampton by Hilton sind beteiligt.

Das Hotel "Agora" in Kalinigrad steht an der Spitze der schwarzen Liste
Das Hotel „Agora“ in Kaliningrad steht an der Spitze der schwarzen Liste

Die komplette Übersicht gibt es bisher nur auf Russisch. Darum, als kleiner Service für euch, hier eine Übersetzung der offiziellen Liste überteuerter Hotels ins Deutsche. Könnt ihr ja bookmarken, falls ihr plant, im Sommer nach Russland zu kommen – dann wisst ihr, wo ihr eher nicht buchen wollt. Und wer keine solchen Reisepläne hat: Bitte jetzt kurz und energisch runterscrollen. Da gibt es dann Neues von Sepp Blatter, okay?

Kaliningrad

Hotel „Agora“
Apartment-Komplex „Longin“
Hotel „Berlin“
Apartment-Komplex „Orangefarbenes Haus“

Moskau

Hotel „Tschaikowski“
Hotel „Slawjanka“
Hotel „Stari Gorod“
Hotel „City Comfort“
Hotel „Seven Hills Trubnaja“
Hotel „Deco“
Hotel „LeonArt“
Hotel „Kamergersky“
Hotel „Petrowka“
Hotel „Max 2“
Hostel „Napoleon“

Rostow am Don

Hotel „Kolibri“
Hotel „1007. Nacht“
Hotel „Dom 17“
Hotel „Kokos“ (lohnt einen Blick bei Google Maps, das Hotel hat eine eigene Autowaschanlage)
Hotel „Pamir“
Hotel „Don Major“
Hotel „Otschakowski“
Hotel „Avenue“
Hotel „Agathe“ (liegt im Vorort Bataisk, nicht in Rostow selber)
Apartment-Komplex „Akropolis“
Hotel „Tichie Sady“
Banja-Hotel „Russkiy Stil“
Hotel „Raspberry Paradise“
Hotel „Kars“

Samara

Hotel „Tonika“

Rund um Sotschi

Hotel „Fidan“, Sotschi
Hotel „Crystal“, Sotschi
Hotel „Alean“, Anapa
Kempinski Grand Hotel, Gelendschik
Hotel „Intourist“, Krasnodar

Wolgograd

Hotel „Astoria“, Wolgograd
Hotel „Lukomorje“, Wolgograd
Hotel Hampton by Hilton Profsojusnaja, Wolgograd
Hotel „Gallery Park“, Wolgograd
Hotel „Stalingrad“, Wolgograd

Warum aus Jekaterinburg, Kasan, St. Petersburg, Nischni Nowgorod und Saransk keine Hotels auf der Wucherpreisliste stehen? Schwer zu sagen. Vielleicht sind die Kontrolleure vor Ort einfach weniger aufmerksam.

⚽  Neues von Sepp Blatter – wobei, können wir an der Stelle mal kurz innehalten? Wie habt ihr den Mann gerade im Kopf ausgesprochen? Sepp, mit weichem, stimmhaftem S – wie bei Sahne, Samt, Silber? Oder Sepp mit stimmlosem, scharfem S – Skulptur, Sex, Skala? Ja, das ist wichtig. Nein, das sind keine Assoziationen zu Blatter. Geht’s noch. Pfff.

Sepp Blatter also hat am Montag dieses Bild hier getwittert, das aussieht wie das Cover eines Computerspiels, aber der Aufschrift nach wohl doch eher ein Buch ist: „Sepp Blatter: Der Fußball und ich – eine offenherzige Geschichte“.

Coming soon, so so – veröffentlicht der Blattersepp also wirklich ein Buch auf Russisch? Eine deutschsprachige Vorlage scheint es jedenfalls nicht zu geben. Infos zum Verlag? Keine. Berichterstattung in russischen Medien? Nix. Und dann noch diese seltsame Schreibweise: Auf Russisch heißt dem Mann seit Jahren „Зепп Блаттер“ – weiches S, zwei P. Auf dem getwitterten Cover hingegen steht Сеп Блаттер – scharfes S, ein P – und das auch noch in einer so komischen Schrift, dass es wie „Set Blatter“ aussieht.

Also: Wo hat er sich das so amateurhaft zurechtphotoshoppen lassen? Und warum sollte das in Russland erscheinen – weil man hier noch zu ihm hält? Putin hat den eigentlich gesperrten Blatter ja als persönlichen Gast zur WM eingeladen. Die russischen Reaktionen auf Blatters Tweet sind bisher vor allem eines: verwirrt. „Wieso heißt der denn jetzt Set Blatter?“„Seth, Horus und Osiris Blatter.“

⚽  „War doch kein Rassismus! War doch nur Spaß!“ So lasen sich viele Reaktionen in der russischen Sportpresse, nachdem Spartak Moskau in einem Tweet seine schwarzen Spieler als „Schokolade, die in der Sonne schmilzt“ bezeichnet hatte. Nun, wie sich rausstellt, war es dann doch Rassismus, Russlands Fußballverband hat Spartak deshalb zu einer Geldstrafe verurteilt. Das Strafmaß zeigt dann auch direkt, wie ernst das Thema Rassismus hier im Profifußball genommen wird: Der Leiter von Spartaks Öffentlichkeitsarbeit muss 20,000 Rubel Strafe zahlen – ganze 286 Euro.

⚽  Drew, ein Freund hier aus Moskau, war übers Wochenende in Wolgograd, also habe ich ihn gebeten, doch mal Fotos vom Baufortschritt am Stadion mitzubringen. Sieht gut aus, durchaus, und erinnert mehr als nur ein bisschen ans Vogelnest in Peking.

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Auch eine Straßenbahn hat er bei seinem Kurztrip fotografiert, komplett im dunkelroten WM-Design, mit dem Schriftzug der „Gastgeberstadt Wolgograd“. Drew hatte genug Zeit, das Foto zu machen, denn sowohl die schicke WM-Tram als auch seine in die Gegenrichtung standen still, berichtete er: „Kein Strom auf der Leitung – hoffentlich kriegen die das bis Juni noch hin.“

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⚽ „Womit beschäftigt sich Philipp Lahm nach dem Abschluss seiner Karriere?“, fragte Championat.ru im vergangenen September (Die Überschrift wurde dann noch mal geändert, aber in der URL kann man die ursprüngliche Variante noch sehen). Das hat der Konkurrenz von der Zeitschrift „Futbol“ so gut gefallen, dass sie vier Monate Schamfrist verstreichen ließen und dann diese Woche ihren eigenen Artikel zum selben Thema veröffentlichte. Überschrift: „Business-Lunch“. Unterzeile: „Womit beschäftigt sich Philipp Lahm nach dem Ende seiner Karriere?“

„Vor neun Monaten verabschiedete sich Philipp Lahm vom Fußball ohne eine Träne im Auge und mit breitem Lächeln im Gesicht“, heißt es da. In Lahms neuem Leben habe der Ball keinen Platz mehr, stattdessen gehe es nun um gesunde Ernährung, Fanprojekte und den Kampf gegen Rechts. Es geht auch nicht nur um Lahm: Timo Hildebrand, so erfahren wir, ist bei Veganz eingestiegen, Marcell Jansen investiert in Sportkleidung. Und zum Eiskrem-Döner-Kleidung-Portfolio von Lukas Podolski schreibt „Futbol“ sehr hübsch: „Podolski mag nach Japan gewechselt sein, aber seine Seele bleibt in Köln. Und sein Geld auch.“

⚽ Wenn ein Geschäftsmann bis zu 100.000 Rubel (rund 1400 Euro) in etwas investiert, dann rechnet er sich aus, dass er das Geld mit seiner Investition auch wieder rausholt. Das gilt auch, wenn der Geschäftsmann ein Krimineller ist, das Geschäftsmodell Betrug und die Zielgruppe ahnungslose WM-Touristen: Laut einem Bericht von „Kommersant“ kaufen Verbrecher derzeit ausrangierte Geldautomaten auf, um sie während der Fußball-WM aufzustellen und damit Menschen abzuzocken, die glauben, sie könnten dort Geld abheben.

Wie verhindert man also, dass man Opfer dieser Masche wird? Zum Beispiel, indem man nur Automaten nutzt, die in Bankgebäuden, großen Einkaufszentren und Hotels, am Flughafen oder in Regierungsgebäuden stehen – sprich: da, wo Sicherheitskräfte darauf achten, dass niemand ein manipuliertes Gerät aufstellt. Oder indem man darauf achtet, ob der Geldautomat lange Zeit im Standby ist oder unvermittelt neu startet. Weitere Hinweise hat die russische Zentralbank auf ihrer Website veröffentlicht.

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So, fertig. Wobei: Beim Korrekturlesen ist mir dieser eine Satz in der Einleitung aufgefallen: „Das hat Witali Mutko jetzt noch mal klargestellt.“ Wie absurd ist das bloß, dass Witali Mutko zum Thema WM noch irgendwas klarzustellen hat? Mutko, der wegen seiner Doping-Verwicklung lebenslang von allen Olympischen Spielen gesperrt ist, der seine Ämter beim russischen Fußballverband und beim WM-Organisationskomitee deshalb ruhen lässt?

Aber es bleibt ihm ja immer noch sein Job als stellvertretender russischer Ministerpräsident. Und wenn er als solcher dann halt gelegentlich mal was klarstellen muss, was mit der Fußball-WM zu tun hat – nun, das lässt sich wohl leiderleider nicht vermeiden.

Bis nächste Woche!



 

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