Die besten Threads aus dem September

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Zeit für die monatliche Sammlung lesenswerter Threads. Wobei, ich mach das hier ja auch erst zum zweiten Mal, also lerne ich noch: Letztes Mal war ich zu früh dran, der Monat noch nicht komplett vorbei, also ist mir ein interessanter Thread aus dem August entgangen. Der wird hier direkt mal als Nummer 1 nachgereicht. In Zukunft gibt es diese Sammlung also immer erst dann, wenn der Monat wirklich vorbei ist, um sowas zu vermeiden.

Was gleich bleibt: der Dank an alle, die Interessantes am Stück getwittert haben und an diejenigen, die mich darauf hingewiesen haben. Und wieder gilt: Den ersten Tweet habe ich eingebunden – mit einem Klick könnt ihr ihn öffnen und den gesamten Thread darunter lesen.

1. Gerechte unter den Völkern

Meine frühere Kollegin Ola Cichowlas hat ein Stück Familiengeschichte getwittert. Es geht um Mut, Hilfsbereitschaft und eine späte Anerkennung.

2. The Hitchhiker’s Guide to Flying

Okay, you had me at „Douglas Adams“.

3. Das Mittelalter in Farbe

Wer sich für mittelalterliche Manuskripte interessiert, der sucht nach ihnen vielleicht nicht gerade als erstes auf Twitter. Sollte er aber, schon wegen Damien Kempf.

4. Das Leben und der Programmierer

Ein Thread, zu dessen Anfang man denkt, es geht um Technologie – und dann versteht: Das Thema ist ein wenig größer.

5. Was ist das da auf dem Regenradar?

Ist es ein Vogelschwarm? Sind es Fledermäuse? Oder doch Libellen? Ja, es gibt tatsächlich Menschen, die das anhand von Radarbildern unterscheiden können, und die Logik dahinter ist faszinierend:

6. „The long run. Wasn’t that long ago.“

Kein wissenschaftlicher Thread, sondern ein hoch persönlicher, über die Zeit, als sich HIV/AIDS in den USA erstmals verbreitete. All diese Trauer, in so vielen kleine Beobachtungen – dieser Thread ist mehr als ein paar Tweets, das ist Literatur. Nur halt in einem Format, das wir so noch nicht gewohnt sind.

7. Mosaike aus Georgien

Georgien hat nicht nur grandiose Natur und extrem leckeres Essen, sondern – natürlich – auch seinen Anteil an der sowjetischen Geschichte. Dieser Thread zeigt, was aus den farbenfrohen Dekorationen eines Pionierlagers geworden ist.

8. Virtual-Reality-Vagina

Wer ein Android-Handy hat, kann neuerdings per App durch die Vagina einer Ente reisen. Doch, wirklich. Was sich die Forscher hinter dem Projekt dabei gedacht haben, und warum man im Internet deutlich mehr Infos über Tierpenisse findet als über Tiervaginas, steht hier:

9. Mineral gegen Mineral

Gestern endete ein Turnier, das den ganzen September hindurch in einer Twitter-Nische begeistert verfolgt wurde, nämlich von Geologen: Beim #MinCup2018 treten jeden Tag zwei Minerale gegeneinander an, Wissenschaftler argumentieren per Twitter, welches von ihnen besser ist. Da stehen dann Menschen mit Schutzhelmen in der Landschaft und rufen „Quartz! Quartz! Quartz!“, schreiben Gedichte über die Final-Entscheidung Eis vs. Granat. Das Ergebnis gibt’s hier.

10. Eine Familiengeschichte in Russland und anderswo

Wir haben mit einer Familiengeschichte angefangen, dann hören wir auch mit einer auf. Leonid Ragozin erzählt am Beispiel seiner Vorfahren, was es in den letzten paar Generationen bedeutet hat, in Osteuropa zu leben. Wieviel Umsturz, Krieg und Leid. Wie oft man sich auf verschiedenen Seiten fand oder wechselnden, willkürlichen Mächten ausgesetzt war.

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Russball, Folge 59: Warten auf Schalke

Russball kscheib Suus Agnes 2 signed

Sie haben die Heizung eingeschaltet in Moskau. Ein wichtiger Schritt, denn das geschieht hier zentral – ehe bei der Stadt nicht jemand zum Schluss kommt, dass es ausreichend kalt ist, kann bei sich daheim niemand heizen. Aber gut, vor ein paar Tagen gab es den ersten Hagel, daraufhin hat sich wohl jemand erbarmt.

Das mit dem Herbst geht hier immer schnell, letzte Woche konnte man noch Wäsche auf dem Balkon trocknen. Da hingen sie nebeneinander, ein blau-weißes Trikot und ein blau-weißer Schal, die demnächst hier Großes vorhaben: Es geht in die RZD-Arena, das einzige der großen Moskauer Stadien, in denen ich noch kein Spiel gesehen habe. RZD ist die Abkürzung für Russlands Eisenbahnunternehmen, es ist also nur folgerichtig, dass dort Lokomotive Moskau spielt. Und am 3. Oktober bekommt der Verein Besuch aus Deutschland: Schalke kommt.

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⚽ Das Champions-League-Spiel zwischen Schalke und Loko ist nicht nur für diesen einen Moskauer Schalke-Fan-Haushalt interessant, zu dem ich gehöre. Beide Vereine stehen deutlich schlechter da als vergangene Saison und brauchen dringend ein Erfolgserlebnis: Lokomotive, russischer Meister der vergangenen Saison, steht nur auf dem 6. Tabellenplatz, Schalke ist sogar noch tiefer gefallen, from Vizevorjahresmeister zum aktuell Vizetabellenletzten.

Besonders spannend wird das Spiel durch die, sagen wir mal, personellen Verbindungen zwischen Schalke und Loko. Der Sportdirektor (und Ex-Schalker) Erik Stoffelshaus hat Benedikt Höwedes nach Moskau geholt, Jefferson Farfan spielt schon seit 2017 bei Lokomotive. Ein kleines Nest an früheren Schalkern also. Wie sich das für die drei anfühlt, hat Stoffelshaus in einem Interview mit Transfermarkt umrissen. Höwedes selbst kommt bisher in Moskau nur selten zum Einsatz und muss mit Kommentaren wie diesem leben: „Höwedes mag Weltmeister sein, aber er ist ein Pilot, der nicht abhebt.“

Wie blickt Russlands Sportpresse auf das Spiel am 3. Oktober? „Schalke ist schrecklich in die Bundesliga gestartet, Loko muss gewinnen“, schreibt Bombardir, Sports.ru veröffentlicht eine tiefgehende Analyse, was bei Schalke derzeit alles schief läuft – kommt aber letztlich zu dem Fazit, dass Tedesco dennoch der richtige Trainer für den Verein ist. Und, auch wichtig: Lokomotive muss gegen Schalke auf einen großen Namen verzichten, nachdem Fjodor Smolow sich an der Schulter verletzt hat.

⚽ Wen man mal im Auge behalten sollte: Maxim Warnawskij. Er ist 16 Jahre alt, spielt für den FK Kuban und hat dort gerade dieses Zückerchen hier geliefert:

⚽  Die Geschichte mit Pjotr Wersilow habt ihr in den vergangenen Tagen sicherlich verfolgt. Der Pussy-Riot-Aktivist, der als einer von vier Flitzern (bei russischen Fußballfunktionären scheint da eine gewisse Unklarheit über die Anzahl zu herrschen, aber lassen wir das mal beiseite) beim WM-Finale gegen Polizeigewalt protestiert hatte, wurde allem Anschein nach vergiftet und daraufhin zur Behandlung nach Deutschland gebracht. Inzwischen geht es ihm langsam wieder besser.

Bemerkenswert ist, dass er nur wenige Tage zuvor ein Interview zur Frage gegeben hat, wie sich das Verhalten der russischen Polizei verändert hat – jetzt, wo die Weltmeisterschaft vorbei ist, das Interesse der Welt an Russland nachgelassen hat und die Inszenierung von fröhlichem Alltag mit nachsichtig-entspannten Ordnungshütern keine Priorität mehr hat. Daraus entstand ein Text, den zu lesen sich lohnt: „Two months after World Cup final, Russian police no longer relaxed“.

⚽ Wie das so ist im Pokal: Da muss man selbst als halbwegs etablierter Verein plötzlich an entlegene Orte fahren, wo man sonst nie hinkäme. Für den FK Jenissei Krasnojarsk war es diesen Monat Welikije Luki, das musste ich auch erst mal googlen – und dann ordentlich rauszoomen, um zu sehen, wo diese Stadt liegt: Wer auf die Idee kommt, mit dem Auto von Moskau Richtung Lettland zu fahren, der stößt irgendwann auf Welikije Luki. (Ich hatte sehr gehofft, dass der Name „Große Zwiebeln“ bedeutet, aber wenn man sich das Stadtwappen ansieht, ist hier wohl eher die zweite Bedeutung von „Luki“ gemeint, nämlich Bögen. Schade.)

Das Spiel in Welikije Luki jedenfalls bedeutet für die Jenissei-Spieler: erst der Flug nach Moskau, von dort aus dann fast acht Stunden weiter mit dem Zug. Die Tweets von der Zugfahrt umweht ein Hauch von Klassenfahrt, vor allem einer von ihnen spiegelt sehr genau wieder, mit welcher logistischen Souveränität Russen solche langen Zugfahrten antreten: „Wir haben ein Hähnchen in Alufolie, wir haben hartgekochte Eier, wir haben Doschirak gekauft. Fehlt noch was?“ Doschirak ist die Marke, unter der hir allerlei Nudelsnacks verkauft werden, die man nur noch mit heißem Wasser aufgießen muss. Das nämlich kann man in vielen russischen Langstreckenzügen bequem aus einer Art Riesen-Samowar im Gang zapfen.

⚽ Zwei, vielleicht drei Tage nach dem Umzug nach Russland Anfang 2014 muss das gewesen sein, als mir diese Meldung hier begegnete: Ein Streit zwischen zwei Freunden darüber, was besser ist, Dichtung oder Prosa, dazu Alkohol, der Streit eskaliert – am Ende ist der Freund, der Gedichte kritisiert hatte, tot, der andere wird später zu acht Jahren Gefängnis verurteilt.

Mir wurde also halbwegs flau, als ich hörte, dass zwei Spartak-Spieler in einen Streit um ein Gedicht verwickelt waren. Die Wahrheit war hier dann aber gottseidank etwas weniger dramatisch: Denis Gluschakow und Andrey Yeshchenko sollen beide ein Instagram-Video geliked haben, in dem der Schauspieler Dmitri Nasarow ein Spottgedicht über Massimo Carrera aufsagt. Kleiner Haken: Der Mann ist Trainer bei Spartaak, Gluschakow und Yeshchenko haben also dem eigenen Coach ans Bein geliked. Ergebnis: Alle Beteiligten noch am Leben, aber die beiden durften nicht mit zum Spiel gegen Rapid Wien.

Sieh dir diesen Beitrag auf Instagram an

#fcsm

Ein Beitrag geteilt von Дмитрий Назаров (@dmitry_nazarov_official) am

⚽ Lang keine Debatte mehr gehabt über Reformbedarf im russischen Fußball, da hat die Gute-Laune-WM tatsächlich mal für ein paar Wochen verhältnismäßige Ruhe gesorgt. Aber jetzt geht’s wieder los, diesmal kommt der Impuls von Leonid Fedun, dem Präsidenten von Spartak Moskau. „Ohne Reformen ist unser Fußball dazu verdammt, dahinzuvegetieren“, sagt er und fragt: Wie kann man den Schwung der erfolgreichen WM nun mitnehmen, so dass er dauerhaft dem Fußball in Russland verbessert?

Mehr Geld für die Vereine aus Fernsehrechten wünscht sich Fedun zum Beispiel, aber seine Kritik ist sehr viel grundlegender. Weil in Russland immer noch viele Vereine im Besitz des Staates oder von Staatsunternehmen sind, fehle „in 95 Prozent der Fälle ein Zusammenhang zwischen dem finanziellen Wohlstand und dem sportlichen Erfolg der russischen Profi-Clubs.“ Das müsse sich dringend ändern, als Erfolgsanreiz. Feduns weitere Ideen (wie etwa den Vorschlag, nur diejenigen Vereine in die Premjer Liga zu lassen, deren Stadion mindestens Platz für 20.000 Fans bietet – sorry, Orenburg! Sorry, Ufa! Knapp Schwein gehabt, Tula!) könnt ihr hier nachlesen.

⚽ Was machst du, wenn du in der Nationalmannschaft spielst und deinem Trainer, dem ollen Schnauzbartträger, für den WM-Erfolg danken willst? Klar, kommste auch mit Schnäuzer zum Training. In diesem Sinne: Heiner-Brand-Gedächtnispreis für die russischen Spieler, und bravo, Stanislaw Tschertschessow!

⚽ Wer kann langfristig von der Fußball-WM in Russland profitieren und wer nicht? Den kleineren Vereinen, die plötzlich in schicken neuen Stadien spielen, hat das Turnier offenbar mehr genutzt als den schon etablierten Spitzenclubs. AP hat dazu eine gute Analyse samt Ausblick: „The challenge now is to maintain that World Cup buzz through the winter, and to pay for the costly stadiums.“

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Als Rausschmeißer nun noch ein Video von einem dieser öffentlichen Heiratsanträge, bei denen ich mir nie ganz sicher bin, ob sie nun niedlich sind oder bloße Nötigung. (Danke an David Hagemeister für den Tipp.) Während ihr euch diesen Clip mit Torjubel und roten Rosen anseht, such ich dann schon mal die die blau-weiße Schminke raus. Wie oben ja schon ganz kurz erwähnt: Schalke kommt!



 

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Die Holzhausfensterkollektion aus Sibirien

Was bleibt nach zwei Wochen Spätsommerurlaub in Sibirien? Die tiefe Ruhe beim Blick auf den Teletzker See. Das Kratzen im Hals beim Gedanken an die Drecksluft in Nowosibirsk, die fast nach Peking schmeckt. Das perplexe Gefühl zwischen Dankbarkeit und Machtlosigkeit, wenn du plötzlich von netten Tomskern adoptiert wirst, die nun deinen Tagesablauf planen. Die Birken, Birken, Birken, Birken vorm Zugfenster.

Überhaupt der Genuss einer Zugfahrt, die eine eigene Liege, Kopfkissen und Bettdecke mit dem Blick aus dem Fenster vereint. Der von Tag zu Tag schwindende Enthusiasmus, wenn es schon wieder mittelwarme Kascha zum Frühstück gibt. Die Freude über frei herumstromernde Hunde, Kühe, Pferde im Altai. Und eben die ganzen Holzfenster, blau und braun und beige und bunt. Das bleibt.

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Odessa oder Odesa?

Odessa oder Odesa, wie heißt das nun richtig? Die Russen schreiben es mit zwei S, die Ukrainer nur mit einem, die Deutschen dafür aber wieder mit zwei, die Briten auch, eigentlich, nur auf den Glastüren am Flughafen steht dann irgendwie doch „Odesa International Airport“.

Ein S, zwei S, vielleicht ist das gar nicht so wichtig. Hauptsache, wir sind hier, was von Moskau aus gar nicht so einfach war. Direktflüge zwischen Russland und der Ukraine gibt es seit drei Jahren nicht mehr, unsere Anreise war also ein Umweg mit zwischenzeitlichem Rumsitzen in Warschau. Der Preis für eine Woche in der Stadt, die bei allen Freunden, die schon mal hier waren, das große Hach auslöst. „Hach, Odessa – da kann keiner einen Satz sagen, ohne dass Humor drin steckt.“- „Hach, Odessa – wie Italien, nur näher.“ – „Hach, Odessa, ich hab selten so gut gegessen.“

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Am ersten Abend direkt mal in die Oper, das wohl schönste Gebäude der Stadt. Groß und opulent, rote Samtsitze und -vorhänge, dazu vergoldete Lampen, vergoldete Decke, vergoldete Brüstungen – vielleicht sollte man besser aufzählen, was nicht vergoldet ist. Trotzdem sind die Karten günstig: 200 Hrywnja, also 6 Euro, für die teuersten Plätze.

Draußen sind es immer noch 28 Grad, drinnen nicht viel weniger. Ein Blick runter in den Orchestergraben: viele Tops mit Spaghettiträgern, einige Hemden, die bis zum dritten Knopf offen sind. Eine Erinnerung, dass Musizieren bei solcher Hitze harte Arbeit ist – auch, wenn man es dem Orchester nicht anhört.

Gespielt wird heute Abend Donizettis „L’elisir d’amore“, allerdings nur im Prinzip, mit umgedeuteter Handlung. Statt um Liebe auf einem italienischen Landgut geht es um Menschen, die verrückt sind nach Aufmerksamkeit, Fernsehruhm, Selfies. Mit großen Tablets machen die Sänger auf der Bühne permanent Fotos voneinander. „Wir haben hier auch eine sehr schöne Treppe“, sagt die Platzanweiserin, als die Pause beginnt, „da können Sie sich gut fotografieren.“

Odessa Opernhaus Treppe Selfies

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Es gab Zeiten, da war jeder dritte Mensch, der in Odessa lebte, Jude. Im Handel, in der Kultur und im intellektuellen Leben der Stadt spielte die jüdische Bevölkerung eine wichtige Rolle. Erste Pogrome gab es schon zur Zarenzeit, während des Zweiten Weltkriegs wurden mehrere Hunderttausend Juden in Odessa ermordet. Von „Odessa Mama“ wurde in den Vorkriegsjahren auf Jiddisch so gesungen:

Ver es iz nor nit geven
In der sheyner shtot Odess
Hot di velt gor nit gezeyn
Un er veyst nit fun progress.

Vos mir Vin un vos Pariz,
Blotte, khoyzik, kayn farglaykh,
Nor Odess ot dortn iz
A Gan Eydn, zog ikh aykh.

(Wer noch nicht gewesen ist/in der schönen Stadt Odessa,/hat die Welt nicht gesehen/und weiß nichts vom Fortschritt. Was sind mir Wien und Paris/Unsinn, ein Scherz, kein Vergleich./Nur in Odessa ist/ein Garten Eden, sag ich euch. Eine englische Nachdichtung gibt es hier.) Und weiter: Oy, Odessa Mama, du bist mir endlos lieb und teuer. Oy, Odessa Mama, ach, ich sehne mich nach dir.

Heute begegnet einem das jüdische Erbe in Odessas Gebäuden, in seinen Denkmälern und Museen, aber vor allem in seiner Küche. Hummus, Falafel, Forschmak stehen auf vielen Speisekarten, in manchen Restaurants wird man mit Musikvideos auf Hebräisch beschallt. Pizza Makkabi, anyone?

odessa pizzeria makkabi

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Wie sieht Odessas berühmter Humor aus, wenn man ihn auf die Architektur anwendet?

Vielleicht so: „Ach komm, ich bau jetzt mal ein Haus, das aussieht, als hätte es nur eine Wand.“ (Unbekannter Architekt, achtzehnhundertdunnemals).

odessa haus mit nur einer wand kscheib

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„Ich separiere Sie mal“, sagt Irina, die ältere Dame, die uns durch die Stadt führt. „Separatismus ist ja sehr populär in diesen Tagen, also machen wir das jetzt auch.“ Spricht’s und stellt sich zwischen uns, damit wir trotz der Bauarbeiten kurz vorm Stadtgeburtstag beide hören können, was sie über Odessa erzählt. Von dem Haus mit der weiß-rosa Fassade, das sich eine reiche Familie einst bauen ließ. In welchem Stil, wollte der Architekt wissen, Antwort: „Wir haben Geld genug, machen Sie einfach alle Stile.“

Die Straße, an der das Haus liegt, nennen manche Bewohner von Odessa übrigens die schamlose Straße, erzählt Irina. Das liegt an den Platanenbäumen, die hier stehen und deren Rinde abblättert, wenn darunter neue nachgewachsen ist. „Die ziehen sich einfach so hier um, wo es jeder sehen kann“, sagt Irina und lächelt. „Darum ’schamlose Straße‘.“

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Das mit dem Strand allerdings, das haben sie hier nicht so drauf. Man muss aus der Stadt rausgondeln mit dem Bus nach Arcadia, was nach einem dystopischen Staat klingt. Tatsächlich hat das Allgemeinwohl hier keine allzu große Priorität: Nur ein schrabbeliger, kleiner, betonbegrenzter Teil des Strandes ist kostenlos und für alle zugänglich. Für alle weiteren Abschnitte muss man Eintritt in einen Beach Club zahlen – mit Glück findet man einen, in dem man nicht beschallt wird. Sonne ist Sonne, Meerblick ist Meerblick, auf einer Liege unterm Sonnenschirm ist gut Liegen. Aber mehr als einmal muss man das nicht erleben.

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Was sie hingegen hier können: Blickkontakt, Lächeln, kleines Schwätzchen. Kopfsteinpflaster, Fußgängerzone, Wind, der vom Wasser her weht. Und Stuck, den können sie auch.

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Die korrekte Schreibweise, das versteht man spätestens mit der Abschiedswehmut am letzten Abend, ist übrigens weder Odessa noch Odesa. Richtig schreibt man es: Ohdessa.

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Die Menschenkette von Tomsk

Da stehen wir nun also bei Viktor im Garten und bewundern seine Dahlien. Während er erzählt, dass seine Frau gerade verreist ist – den neuen Enkelsohn besuchen! – pflückt Viktor eine Hand voll kleiner, roter Äpfel für uns und packt sie in eine Tüte. Dann noch eine unterschenkelgroße Zucchini. Drei Tomaten. Noch ein paar Äpfel.

Anschließend gucken wir gemeinsam auf Viktors Handy ein Video, in dem der kleine Enkel zum ersten Mal in ein Stück Melone beißt. „Ihr könnt auch noch Möhren haben,“ ruft Viktor uns nach, als wir uns verabschieden.

tomsk sibirien aepfel

Zu Viktor hat uns Ekaterina geführt. Morgens um zehn holt sie uns ab – los geht‘s, Stadtrundgang! Sie ist Historikerin, Expertin für Tomsks alte Holzhäuser, für deren Erhalt sie vor ein paar Jahren selber mitgekämpft hat.

Sie führt uns durch Hinterhöfe und in Treppenhäuser, erzählt von den Leuten, die hier wohnen und davon, wie das war, als vor langer Zeit der Wald noch bis an die große Straße reichte und an ihr entlang Soldaten lebten, um Reisende vor Räubern und Bären zu schützen. Zwei Stunden sollte unser Rundgang dauern, am Ende sind es fast vier.

tomsk holzhaus sommer sibirien kscheib

Ekaterina hat sich für uns Zeit genommen, weil Dmitry sie angesprochen hat. Persönlich lernen wir ihn erst an unserem letzten Tag in Tomsk kennen – da ist die Flasche sibirischer Beerenwein, die er zusammen mit einem sibirischen Käse und ein bisschen sibirischem Gebäck an der Hotelrezeption für uns hinterlassen hatte, schon leer. Dmitry führt uns mitten rein in den Festsaal des alten Unigebäudes, quer durch den botanischen Garten, über Trampelpfade, durch Hinterhöfe und Trödelläden.

Mit dem Bus raus aus der Stadt in ein Waldstück, bis wir schließlich auf den Tom herabblicken, den Fluss, der Tomsk seinen Namen gegeben hat. Im Vorbeilaufen treffen wir: die oppositionelle Bürgermeisterkandidatin, diverse Uni-Mitarbeiter, eine Galeristin, drei Mitarbeiterinnen eines Trödelladens, eine armenische Restaurantbesitzerfamilie und einen Taxifahrer, die Dmitry alle, alle kennt.

Am nächsten Morgen noch ein Abschiedskaffee, Dmitry hat Tomsker Souvenirs mitgebracht – und Gurken von der Datscha seiner Eltern. Mit Grüßen, unbekannterweise.

tom tomsk fluss sibirien kscheib

Unser Kontakt zu Dmitry ist entstanden, weil Inna gerade nicht in Tomsk ist. Dabei hatte sie sich schon so viel für uns überlegt: einen Stadtrundgang, ein Abendessen bei Freunden von ihr, zu deren Haus eine echte russische Banja gehört. Dazu hatte sie allerlei Tipps für Vegetarier geschickt, wo man in Tomsk gut essen kann.

Leider kam es dann so aus, dass bei ihr genau dann, als wir nach Tomsk wollten, ebenfalls eine Reise anstand. Also hat sie eine Vertretung organisiert.

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Inna hat sich unserer angenommen, weil wir Alice erzählt haben, dass wir nach Tomsk wollen. „Ich kenn da wen“, hat sie gesagt, „soll ich euch mal zusammenbringen?“ Dann hat sie uns per Chat einander vorgestellt. Alice ist der einzige Mensch in dieser Geschichte, den wir schon kannten, ehe wir nach Tomsk kamen.

Alles andere hat sich entwickelt, indem ein Mensch uns angereiste Fremde an den nächsten weitergereicht hat. Inna, Dmitry, Ekaterina, Viktor. Sibirische Gastfreundschaft als Menschenkette.

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Darth Lenin in Odessa

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„Ehre sei Jesus Christus“ steht an der Wand, aber darum sind wir nicht hier. Huldigen wollen wir auch, aber auf der anderen Straßenseite. Schließlich sind wir extra mit dem Bus hier herausgegondelt, an den Stadtrand von Odessa, um ihn zu besuchen: Den Mann mit dem schwarzen Helm und dem schwarzen Cape, der angeblich irgendwo hier auf einem Innenhof rumsteht. Wir haben ein Date mit Darth Vader.

„Da müssen sie da rüber, durch die Glastür“, sagt der erste Securitymann, und das ist immer noch mehr als der zweite rausbringt. Ob wir mal zu Darth Vader dürfen? Keine Antwort, nicht einmal ein heiseres Röcheln, nur eine Geste zum Drehkreuz. Schon stehen wir im Hof, und blicken auf zu ihm. Darth Vader, oder besser: Darth Lenin, denn diese Statue hat eine doppelte Persönlichkeit. Lange war sie ein Lenin-Denkmal, bis Lenin-Denkmäler in der Ukraine nicht mehr erwünscht waren und abgerissen wurden. Nur bei diesem Exemplar setzte sich ein Künstler durch mit seinem Vorschlag: Ach komm, wir lassen den Lenin stehen – aber wir verkleiden ihn als Darth Vader. Dauerhaft.

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Helm auf, Cape um, Laserschwertgriff in die Hand – viel musste nicht geschehen, um Wladimir Uljanow in Anakin Skywalker zu verwandeln. Zwei Männer mit einem Faible für Pseudonyme, und nun steht der eine hier und birgt den anderen in sich. Der Lenin im Darthpelz. Mit einer Inschrift auf dem Sockel, verfasst im besten Sowjetduktus: „Dem Vater der Nation, von seinen dankbaren Kindern und Stiefkindern“. Auf einer Bank nebenan macht gerade ein Bauarbeiter Kaffeepause.

Wirklich absurd wird es, wenn man sich auf dem Gelände weiterbewegt, das sehr viel größer ist als ein bloßer Innenhof. Eine überwucherte Industriebrache mit bröckelnden Gebäuden ist das heute, aber bald, sehr bald soll hier der „Grand Empire Business Park“ entstehen, gebaut von einer Firma, deren Website im Bereich „Neuigkeiten“ seit Anfang 2017 eine echte und eine Dummy-Meldung veröffentlicht hat.

Vorläufig wurde schon mal eine bunte Wand aufgestellt – links das Logo, rechts der Lageplan, dazwischen vier Gesichter: Erst Davy Jones aus „Fluch der Karibik“, dann der eben schon erwähnte Darth Vader, schließlich Steve Jobs und Kim Jong-un. „Odessa ist stolz auf sie“ ist die Sammlung untertitelt, und man fragt sich. Man fragt sich wirklich sehr.

darth vader odessa steve jobs

Zumal die vier alle zusammen mit absoluten Nonsense-Zitaten abgebildet sind, irgendwo zwischen Büttenrede und Managergeschwafel. Davy Jones, der Pirat mit dem Oktopuskinn, sagt zum Beispiel: „Wenn es hoffnungslose Idioten gibt, bedeutet das, dass es irgendwo auch welche gibt, für die noch Hoffnung besteht.“ Und Darth so: „Mein Charakter ist super, aber ich hab halt so schwache Nerven.“ Und Steve: „Es gibt keine unerreichbaren Ziele, es gibt nur einen hohen Koeffizienten an Faulheit, Ideenmangel und Ausreden.“

Und Kim? „Wenn du versuchst, einen gesunden Lebensstil zu haben, hast du weder Leben noch Stil.“ Was ist das für ein Humor – denn Humor muss das doch wohl bitte sein. Oder ein Kunstprojekt? Oder hat da ein frustrierter PR-Mensch, der den Grand Empire Business Park bewerben sollte, lieber den Auftraggeber getrollt? Oder ist der ganze Businesspark nur ein Pseudodings – Empire, Darth Vader, knick knack, ihr versteht schon – und in Wirklichkeit ein riesiges soziales Experiment? So viele Fragen, und keine Antwort in Sicht.

Apropos: Die Darth-Vader-Statue hat von Lenin auch dessen Körperhaltung geerbt, den permanenten, visionären Blick in die bessere Zukunft. Keine Ahnung, ob man die unter dem schwarzen Helm so richtig erkennen kann. Aber zumindest eines klärt sich dann zum Schluss doch noch. Die Frage nämlich, ob in diesem Helm tatsächlich ein Router steckt, der Darths Besucher mit kostenlosem WLAN versorgt.

Mag sein, dass das bei der Enthüllung der Skulptur so gewesen ist, heute gibt es diesen Hotspot jedenfalls nicht mehr. Dafür ist Darth Lenin heute ein Pokéstop, was ja auch passt: Schließlich geht es bei dem Spiel darum, Figuren zu anderen Figuren weiterzuentwickeln. Mal sehen, was nach Lenin und Darth Vader die nächste Evolutionsstufe dieses Denkmals ist.

darth vader pokestop pokemon go odessa kscheib

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Die besten Threads aus dem August

kscheib threads august pixabay

Ein paar Wochen ist es her, da habe ich hier mal ein paar der interessantesten, klügsten, schönsten Threads zusammengebloggt, die Twitter so hergab. Das hat mir großen Spaß gemacht, euch offenbar auch (danke für die Rückmeldungen), außerdem wurde seitdem schon wieder eine ganze Reihe neuer Threads veröffentlicht, die ich gerne festhalten und feiern möchte.

Darum versuche ich das ab sofort mal monatlich, als kleine Thread-Kollektion – so, wie die Lieblingstweets von Anne Schüßler, der Kaltmamsell oder Maximilian Buddenbohm.  Erkennen könnt ihr diese Blogpost-Reihe an ihren formschönen Stockfotos mit allerlei Nähgarn. (Threads, geddit?). Jeweils den ersten Tweet eines Threads binde ich ein, wer weiterlesen will, muss nur draufklicken. 

1. Streets of Mannheim

Stell dir vor, du willst abbgiegen, aber die Straße auf deiner Karte gibt es nicht. Warum sollte man Stadtpläne oder Landkarten bewusst fälschen? So viele Gründe!

2. Professionelle Pflegekräfte

Diesen Thread habe ich mit Rührung gelesen – und mit dem Gefühl, dass ihn bitte auch all diejenigen lesen sollen, die den Pflegenotstand beenden wollen, indem sie Schulabgänger dienstverpflichten.

3. Mehr als nur Arielle

Nicht jede Meerjungfrau ist weiß – egal, wie oft man „Arielle“ guckt.

4. Ein Haar-Spickzettel

Afros, Dreadlocks, Braids, Weaves kannte ich. Conks, Twists, Instadreads und TWAs (teeny weeny afros) nicht. Ein Frisuren-Thread mit vielen politischen Aspekten.

5. Doping im Detail

Wer wie Mehmet Scholl nicht mit diesen leidigen Berichten über Doping in Russland behelligt werden will, der sollte diesen Thread besser überspringen. Zu dreist und zu absurd ist, was dort beschrieben wird.

6. Technik, die begeisterte

Vor gar nicht allzu langer Zeit haben viele Menschen Zeit und Erfindungsreichtum investiert, um Taschenrechner praktischer, kleiner und manchmal auch schöner zu machen.

7. Der Fotofund

Noch eine Zeitreise, diesmal deutlich weiter zurück. Zwischen Faszination, Grusel und Grinsen über diesen Typen, der auf dem Flohmarkt einen Verkäufer knallhart noch von 5 auf 4 Pfund runtergehandelt hat, um dies hier zu erstehen:

8. Für Radioleute

Es gab Zeiten, da hatte ich mal denselben Job wie dieser Twitterer hier: Bei einem kleinen Radiosender am Wochenende morgens als einzige auflaufen, und dann einen Tag lang darauf achten, dass die Musik wie geplant läuft. Hätte ich mal, statt zwischendurch Verkehrshinweise vorzulesen, lieber so einen großarigen Patzer gemacht wie er:

9. Lenins Fahrradpannen

Lenin und Slapstick, das fällt einem aus dem Stand nicht zusammen ein. Diese Sammlung an Missgeschicken, die ihm beim Radfahren geschehen sind, ist um so lustiger.

Das war’s mit den Threads für August. Wenn euch welche begegnen, die in der Septemberausgabe dringend dabei sein sollten, dann sagt gern Bescheid – in den Kommentaren, bei Twitter oder wie auch immer ihr mögt.

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Russball, Folge 59: Gibt es ein Fußball-Leben nach der WM?

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So ist das also, einen guten Monat nach Ende der Fußball-Weltmeisterschaft: In Moskau sieht man wieder Bettler auf den Straßen im Zentrum, auf der Nikolskaja Ulitsa trifft man abends keine feiernden Menschen mehr, die WM-Deko ist aus dem Stadtbild verschwunden. Nur in den kleinen Souvenirkiosken in den Unterführungen warten übriggebliebene Maskottchen noch auf ein Zuhause. Neulich habe ich ganz kurz sogar bei Gett, der Taxi-App meines Vertrauens, einen Fahrtpreis angezeigt bekommen, an dem nicht „wegen besonders hoher Nachfrage“ stand. Ich glaube, das habe ich zuletzt irgend wann Anfang Juni gesehen, vor der WM.

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⚽  Wie war das noch zu Beginn der WM? Russland dümpelte irgendwo unten im FIFA-Ranking rum, kein anderes Teilnehmerland war schlechter eingestuft. Und jetzt, nach dem überraschend erfolgreichen Turnier? Ein Sprung nach oben in die Top 50, wo sich nun Russland und Nigeria den 49. Platz teilen. Gleichzeitig ist Deutschland deutlich eingebrochen – Platz 15 statt Platz 1.

kscheib russball russland fifa ranking

Betriebe man sehr schlichte Statistik und schriebe diese Tendenz so fort (also Russland erneut 21 Plätze rauf und Deutschland erneut 14 Plätze runter), dann stünde schon beim nächsten Update der FIFA-Liste die russische vor der deutschen Fußball-Nationalmannschaft: Platz 28 zu Platz 29. Klar, so einfach ist das nicht mir der Rechnerei hinter dem Ranking. Aber dass die beiden Mannschaften so schnell so nah aneinanderrutschen, hätte vor der WM wohl niemand vorhergesagt.

⚽ Noch eine entscheidene Veränderung nach der WM, auch diesmal geht es um die russische Nationalmannschaft, oder zumindest um einen ihrer Spieler: Fjodor Smolow, der vor dem Turnier als die eine große Hoffnung des Teams galt, dann aber von Mannschaftskameraden wie Artjom Dsjuba in den Schatten gestellt wurde. Smolow jedenfalls spielt nach rund drei Jahren beim FK Krasnodar ab sofort bei Lokomotive Moskau, dem amtierenden Meister.

Wäre es bei der Weltmeisterschaft für ihn besser gelaufen, dann würde er jetzt vielleicht international spielen, vermutet Russian Football News und sagt voraus: Damit wird’s wohl nun nichts mehr, schließlich ist der Mann schon 28. Wer Smolow bei Krasnodar ersetzen könnte, das hat unterdessen Sports.ru aufgeschrieben.

⚽ Besagter Artjom Dsjuba, das soll hier nur kurz erwähnt werden, hat ebenfalls einen neuen Job, allerdings ohne den Verein gewechselt zu haben. Der Mann ist ab sofort Führungskraft, als Stimme bei Yandex Navigator führt er Autofahrer durch den Verkehr,, mit allerlei Anspielungen aus der Fußball-Sprache einschließlich Abpfiff-Jubel beim Erreichen des Ziels. Dsjuba ist als Neuzugang im Navi-Sprechteam in illustrer Gesellschaft: Bisher konnte man sich schon von Darth Vader und von Optimus Prime durch den Verkehr lotsen lassen.

⚽ Was ist der Stoff, aus dem gute virale Inhalte gemacht werden? Die Frage, mit der sich Social-Media-Leute in aller Welt beschäftigen, ist nun endgültig beantwortet, und zwar von einem Fan des FK Rostow. Statt Fahne oder Banner brachte er einen Teppich mit ins Stadion, um seinen Verein beim Spiel gegen Jenissei Krasnojarsk anzufeiern. Erfolgreich, Rostow gewann mit 4:0 und twitterte anschließend ein Foto des Fans samt Jubelteppich. Dazu das Versprechen: „500 Likes, und wir legen so einen Teppich bei uns ins Vereinsheim!“

Die Likes waren schnell zusammen, aktuell sind es bereits über 2000 – der Teppich liegt nun wie versprochen am Ehrenplatz. In einem Interview erzählte Alexej, der Rostow-Fan, dass dies nicht sein erster Ausflug mit dem Teppich war, der normalerweise einfach bei ihm zuhause rumliegt: „Ein paar mal hab ich ihn auch schon mit ans Meer genommen, einfach um da mit ein paar Freunden zu entspannen.“ Rostow hat jetzt noch mal nachgelegt und bietet ab sofort auch ein Fußball-Trikot in Teppichmuster an. Hübsch hässlich – Vorbestellungen gibt es schon ein paar hundert.

Rostow teppich shirt kscheib russball

⚽ Wo wir gerade beim Thema Virales sind und der FK Jenissei schon erwähnt wurde: Bei dem hat neulich ein Fußball-Fan seiner Freundin in der Halbzeitpause einen Heiratsantrag gemacht, verkleidet als das Vereinsmaskottchen. Wer’s mag. Wobei mir die Vorstellung gefällt, dass auf deren Kaminsims daheim nun dauerhaft ein Foto steht, er mit Löwenkörper, sie mit diesem Gesichtsausdruck: „Ich kann nicht fassen, dass du das hier gerade vor all den Leuten machst. Aber ich lächle mal, und den Rest klären wir zuhause.“

⚽ Beim Nachrichtensichten für diese Russball-Ausgabe musste ich kurz daran denken, wie das damals vorm Volontariat war. Ich hab in Dortmund studiert, die Voloplätze wurden über das Institut für Journalistik vergeben. Vor der Beginn des Vergabeverfahrens gab es für jeden Jahrgang eine Abstimmung: Wollt ihr einen Sozialfonds gründen – jetzt, wo ihr noch nicht wisst, wer die anständig bezahlten Plätze bekommt und wer die schlecht bezahlten? Ein bisschen interne Umverteilung, bei der die paar Glücklichen mit Tarifgehalt (was de facto hieß: die Volontäre bei der Rheinischen Post) den Kommilitonen mit dem schlechtesten Gehalt (RTL? Ich weiß es nicht mehr genau) ein bisschen was abgeben. Wir haben dafür gestimmt.

An diese Entscheidung fühlte ich mich erinnert, als ich von einer Idee hörte, die unter den Vereinen der russischen Premjer-Liga kursiert. Dort mitzuspielen, das bedeutet lange, teure Reisen zu Auswärtsspielen, oft halbvolle Stadien – und nicht jeder Verein hat das Privileg, einem Staatsunternehmen oder reichen Unternehmer zu gehören. Russlands oberste Liga spielt daher nun mit dem Gedanken, einen „Stabilisierungsfonds“ einzurichten, um Vereinen bei akuten Geldproblemen unter die Arme zu greifen. In Dagestan werden sie diese Idee sicherlich mit Freude hören: Anschi Machatschkala spielt zwar in der Premjer-Liga, der Verein ist aber bei den Spielergehältern aktuell mit rund drei Millionen Euro im Rückstand.

⚽ Das Problem mit den nur halbvollen Stadien ist aktuell übrigens nicht so ausgeprägt wie sonst. Die Fußball-Begeisterung, angefacht durch Russlands unrwartet gutes Abschneiden bei der WM, hält an, viele Vereine verkaufen derzeit deutlich mehr Tickets als sonst. Mehr als 400.000 Zuschauer bei den ersten 15 Liga-Spielen – „ein großer Sieg für den russischen Fußball“, sagt Vizeministerpräsidentin Olga Golodez. Am vierten Spieltag der aktuellen Premjer-Liga-Saison kamen insgesamt 172 407 Zuschauer in die diversen Stadien, das ist laut Russian Football News nur ganz knapp hinter dem ewigen Liga-Rekord:

⚽  „Es ist inakzeptabel, dass Anlagen, die für solch ein großes Sportereignis gebaut wurden, und in die riesige Summen aus dem Haushalt investiert wurden, so schnell verfallen.“ Das sagt nicht irgendwer, sondern Alexander Wassiljew, Duma-Abgeordneter und hochrangiges Mitglied der Putin-Unterstützungsorganisation „Gesamtrussische Volksfront“.

In einer Pressemitteilung zählt sie Beispiele aus Samara, Wolgograd und Nischni Nowgorod auf, wo Teile der WM-Infrastruktur bereits beschädigt sind, Wege unterspült, gepflanzte Sträucher schon wieder verdorrt. Die Volksfront fordert nun von den Behörden vor Ort Erklärungen, wie es dazu kommen konnte – und wird die angesichts ihrer bekanntermaßen guten Kontakte in den Kreml wohl auch bekommen.

⚽ Was auch in diese August-Ausgabe gehört: Das Spiel zwischen Zenit St. Petersburg und Dinamo Minsk in der Europa League. Ich hab lange überlegt, wie ich dieses Spiel hier knackig zusammenfasse – und dann fiel mir auf, dass mein früherer Kollege Henni das netterweise übernommen hat:

Es war das erste Mal, dass ein russischer Fußballclub in einem europäischen Wettbewerb ein 0:4 aus dem Hinspiel wiedergutgemacht hat. Für Sergei Semak sicher ein Highlight seiner noch nicht allzu langen Zeit als Zenit-Trainer. Da wird man schon mal zum Poeten: „Das war ein heldenhaftes Spiel der Mannschaft, erst recht in Unterzahl“ sagte Semak nach dem Sieg. „Sie haben sich selbst in diese Situation gebracht, und sie haben sich selbst da wieder rausgeholt. Da schmeckt der Sieg um so süßer.

⚽ Dass ihr mit eurer Fan-ID bis Jahresende visafrei nach Russland einreisen dürft, haben diejenigen von euch, die im Sommer hier waren, sicher schon mitbekommen. Schließlich fiel die politische Entscheidung dazu schon Ende Juli, seit 3. August ist die Regelung in Kraft. Und weil Besucher Geld ins Land bringen und es für Hotelbetten, Eintrittskarten, Bier und Pelmeni ausgeben, wird die Sache jetzt noch mal beworben, mit einer Mail an alle, die damals zur WM eine Fan-ID beantragt haben. Eine Mail, die mit dem längsten, verschachteltesten Satz beginnt, den ich seit langem gelesen habe:

kscheib fussball fan id email screenshot

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Zum Schluss noch ein Abstecher nach Weißrussland, quasi „Weißrussball“: Ihr erinnert euch, dass Diego Maradona als Präsident von Dinamo Brest vorgestellt wurde und da zum Auftakt mal ganz dezent mit einem Fahrzeug vorfuhr, das wohl entsteht, wenn sich ein Jeep und ein Panzer sehr, sehr lieb haben.

Seitdem hat sich Präsident Maradona in Brest nicht mehr blicken lassen. Wann oder ob überhaupt er mal mit der Arbeit beginnt – unklar. Wie Maradona den Fanboy für Weißrusslands autoritären Präsidenten Lukaschenko gibt, und was Dinamo-Fans sagen, wenn man sie auf den neuen Vereinschef anspricht, hat Denis Trubetskoy aufgeschrieben.

Die nächste Russball-Folge gibt es Ende September – bis dann!



 

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Mission Fallobst in Kolomenskoje

Kolomenskoje Apfelbaeume Kirche kscheib

Dass der Weg über die Wiese überhaupt erträglich ist, liegt am bedeckten Himmel. Nur, weil der Moskauer Sommer heute eine kleine Pause einlegt, muss ich mir den Park in Kolomenskoje nicht mit tausend Menschen und zehntausend Wespen teilen. An Sonnentagen ist es hier voll, Moskauer und Touristen genießen das Grün, bewundern die alte Holzkirche und den Blick hinab zur Moskwa.

Heute ist das anders: Der Himmel sieht schon seit einer Stunde aus, als ob es in fünf Minuten anfängt zu regnen. Die Menschen, die hier trotzdem herumlaufen, ignorieren die weiße Kirchturmspitze, die zwischen den Ästen hindurchscheint. Wer heute in Kolomenskoje ist, hat eine Mission, und meist auch einen Beutel in der Hand. Die Mission heißt: Fallobst.

Kaum Menschen also, keine Wespen, dafür aber dieser Geruch. Als wate man durch ein Kneippbecken voller Cidre, der kurz davor ist, zu Apfelessig zu kippen. Alle paar Meter zertritt man einen braunen Apfel zu Matsch oder tritt in den Matsch, den ein Vorgänger hinterlassen hat. Aber der Apfel da vorne, der sieht noch gut aus, der wird aufgehoben. Der da auch, und der, und der, wobei – na, das kann man wegschneiden. Ab in den Beutel damit.

Die Apfelbäume von Kolomenskoje in voller Blüte oder als Schattenspender im Sommer, das habe ich beides schon erlebt. Viele Instagrammer sind dann hier unterwegs, es wird posiert und sich an die Bäume drapiert, was das Zeug hält. Jetzt, im Spätsommer, sieht das anders aus. Gebückte Menschen sammeln die verschiedenen Apfelsorten vom Boden auf – die großen, knatschgrünen und die kleinen, ganz zart rotgestreiften. Wobei, da vorne lehnt tatsächlich ein Mann an einem Baum, allerdings nicht für ein Selfie: Als die Gärtnertruppe, die nebenan den Rasen mäht, vorbei ist, greift er mit beiden Händen fest zu und rüttelt an dem Baum. Was ist besser als Fallobst? Mehr Fallobst.

kolomenskoje kleiner apfel kscheib

Äpfel von den Bäumen zu pflücken scheint verpönt oder, wer weiß, sogar verboten zu sein – auch, wenn viele Äste unter ihrem Obstgewicht bis zum Boden hängen. Aber was auf der Erde liegt, das ist Allgemeingut, manchmal sogar als Nest: Mehrfach stoße ich auf sechs, sieben gute Äpfel, weder angefault noch angefressen, die gemeinsam im Gras liegen – vielleicht hat da jemand gemerkt, dass sein Beutel doch zu voll ist zum Tragen, und ein paar Fundstücke für den nächsten zurückgelassen.

Beim Sammeln fällt mir ein Fallobstgedicht aus der Grundschule ein: Dies ist ein Herbsttag, wie ich keinen sah/die Luft ist still, als atmete man kaum/und dennoch fallen raschelnd, fern und nah/die schönsten Früchte ab von jedem Baum. Schön, passt aber halt nur bedingt: Es ist noch kein Herbst, die Regenwolken haben Wind mitgebracht, und es sind auch nicht die schönsten Äpfel, sondern die leicht ramponierten, die hier runterfallen.

Aber was macht das schon. Das hier ist vielleicht mein letzter Besuch in Kolomenskoje, eh es im Winter zurück nach Deutschland geht. Und diese Äpfel – vier Kilo wird die Küchenwaage später anzeigen – werden zu einem Andenken verkocht. Apfelchutney vielleicht, Apfelmus oder Apfelgelee. Kolomenskojer Ernte.

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Polizei und Kacheln – so war das in Usbekistan

Usbekistan kscheib Samarkand Bibi-Chanum-Moschee

Wie war das in Usbekistan? Es ist der Blogpost, den ich seit Monaten schreiben will, und der immer irgendwie liegen geblieben ist. Wegen der WM, ja, aber eben auch, weil es mir schwer fällt, dieses Land, durch das wir im April gereist sind, in einen durchgängigen Text zu zwingen.

Es sind einfach zu viele Eindrücke: Dass Khiwa, die alte Stadt in der Wüste, im Prinzip nur aus drei Farben besteht: Sandbraun für die Mauern, dazu Kacheln in Blau und Türkis. Dass das Brot hier nicht nur lecker, sondern ausgeprägt schön ist, vor allem in Samarkand. Dass die sowjetischen Protzbauten und die postsowjetisch-usbekischen so viel gar nicht unterscheidet.

Dass man bei so gut wie jeder Unterkunft, sei es ein Hotel oder eine schlichte Pension, aufs Dach hinauf darf, dort einen Tee trinken und über die Stadt gucken. Dass man auf der Suche nach Shampoo plötzlich in einem kleinen Geschäft eine Flasche „Head and Shouders“ (ja, ohne l) in der Hand hält, Duftrichtung: „Knoblauch“. Respekt, usbekischer Markenpirat, du hast Humor!

Dass die alten Paläste in Städten, die entlang der Seidenstraße erblühten, im Innenhof oft einen großen, flachen Sockel hatten, falls die Nomadenverwandtschaft vorbei kam und ihr Zelt aufstellen wollte. Dass die Madrasas eine prächtiger als die anderen sind. Dass die Züge hier schnell, sauber und klimatisiert sind wegen der Touristen, aber vor jeder Zugfahrt reihenweise Passkontrollen anstehen – vor dem Bahnhof, am Eingang zum Bahnhof, beim Verlassen des Bahnhofs Richtung Bahnsteig, beim Einsteigen.

Dass es diesem Land ein Anliegen war, schon vor der Anreise unmissverständlich mitzuteilen: Ja, okay, ihr zwei Journalisten dürft hier urlauben, aber kommt mal bloß nicht auf die Idee, hier herumzujournalisten! Ach so, und Fotoverbot in der Metro, ne? Ist klar! Autoritäres Regime und Seidenstraßenromantik, Polizeikontrollen und Kachelkunst, die zwei Schwerpunkte dieser Reise.

Die erzählenswerteste Geschichte trug sich in Samarkand zu, der Stadt, deren Hauptplatz an drei Seiten von Koranschulen flankiert wird, eine prachtvoller, imposanter und blau-türkis-gekachelter als die andere. Tagsüber stehen wir auf diesem Platz, dem Registan, schauen und staunen.

Usbekistand kscheib Registan Samarkand

In einem Reisereportagen-Buch findet sich eine Anekdote, in der der Autor abends an genau diesem Platz von einem Aufseher angesprochen wird, in etwa so: „Na, gefällt Ihnen Samarkand?“ – „Ja, sehr.“ – „Und wie finden Sie die Architektur hier?“ – „Beeindruckend.“ – „Aber wäre das nicht noch schöner, wenn es beleuchtet wäre?“ – „Ja, stimmt.“ – „Alles klar, 10 Dollar für jeden aus ihrer Gruppe.“ Eingesammelt, der Aufpasser legt einen Schalter um, das Licht geht an. Usbekistan gilt als eines der korruptesten Länder in der Region, wir grinsen über die Geschichte und denken nicht weiter nach.

Abends sind wir noch mal am Registan, alles ist beleuchtet, ohne dass jemand nachhelfen müsste. Der Platz selbst ist abends gesperrt, man kann nur an der nicht bebauten Seite entlang eines Zauns stehen und rüberfotografieren. Hier ein Grüppchen Touristen, da noch eins, ich stehe ein wenig am Rand, da kommt ein Polizist: „Na, woher sind Sie?“ – „Aus Deutschland.“ – „Reisen sie mit einer Gruppe“ – „Nein, nur zu zweit.“ – „Gefällt Ihnen Samarkand?“ – „Ja, sehr.“ – „Und wie finden Sie die Architektur hier?“ – „Beeindruckend.“ – „Haben Sie sich die Madrasen schon angesehen?“ – „Ja.“ – „Aber wäre das nicht noch schöner abends, wenn da sonst niemand drin ist?“

Usbekistand kscheib Registan Nacht Samarkand

15 Dollar später schiebt er den Zaun an der Ecke ein wenig zur Seite und winkt uns durch. Ein Manöver zwischen Routine und Ausnahme: Einerseits merkt man sofort: Der macht das nicht zum ersten Mal. Andererseits ist es ihm ein großes Anliegen, dass wir den Weg quer über den leeren Platz laufen, statt nur zu gehen – als würde das irgendwas daran ändern, dass all die Touristen auf der anderen Zaunseitee uns sehen.

Usbekistan Samarkand kscheib Ulugbek-Madrasa

Hinein in die Madrasa zur linken, sie heißt Ulugbek nach dem Khan, der sie im 15. Jahrhundert bauen ließ und so für die Ordnungshüter von Samarkand die Gelegenheit schuf, sich 600 Jahre später ein wenig Geld hinzu zu verdienen. Tagsüber darf man hier nur das Erdgeschoss und den Innenhof besichtigen, und wer die Treppe sieht, die wir nun hochsteigen in den ersten Stock, der weiß, warum.

„Nicht zu nah an den Rand heran, sonst fallen Sie runter“, sagt der Polizist noch, dann sind wir allein. Umgeben von, natürlich, blau und türkisen Wänden, viele Jahrhunderte alt, im Dunkel des Abends. Kacheln und Polizei, Polizei und Kacheln. So war das in Usbekistan.

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