Putin der Woche (XLI)

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Gesehen: In einem Sketch im „Comedy Club“, beim russischen Fernsehsender TNT. Nicht der echte Putin, natürlich – aber eine gar nicht mal so unähnlich aussehende Version.

Begleitung: Donald Trump. Er sitzt in seinem Büro, als Putin anruft. Trump kommt das ungelegen, er beendet das Gespräch schnell, sie verabschieden sich. Unmittelbar darauf betritt Putin Trumps Büro.

Text:
Putin: „Guten Tag.“
Trump: „Guten Tag. Äh, wie… wie sind Sie denn so schnell…“
Putin: „Wir haben einen Kampfjet, der schafft es in einer Sekunde bis nach Amerika.“
Trump: „Ja?“
Putin: „War nur ein Witz. Wir haben hier in der Nähe ein Büro angemietet.“
Trump: „Wo?“
Putin: „Hier, im Weißen Haus. Direkt über Ihnen.“
Trump: „Ernsthaft?“
Putin: „War nur ein Witz. Es war doch der Kampfjet.“

Subtext: Putin kann Trump alles erzählen – und tut das auch. It’s funny cause it’s true.

Oben-Ohne-Punkte: 0/10.

(Den ganzen „Comedy Club“ gibt es hier zum Nachgucken, der Sketch mit Putin und Trump beginn ungefähr bei 40 Minuten.)

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Drei Jahre Moscow Times – sowas wie ein Fazit

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Dass es hier in den letzten Wochen ruhig war, lag daran, dass ich ein bisschen was sortieren musste – erst im Kopf, dann im echten Leben. Fünf Jahre Moskau heißt der Plan, die bisherigen drei habe ich bei der Moscow Times gearbeitet. So einen Abschnitt beendet man nicht ohne Nachdenken. Aber irgendwo zwischen „gehen, wenn’s am schönsten ist“ und „gehen, solange es noch schön ist“ ist der Zeitpunkt jetzt dann doch gekommen: Ende Januar höre ich auf.

Als ich bei der Moscow Times anfing, hatte Russland gerade die Krim annektiert, Boris Nemtsow lebte noch und der Krieg in Syrien war, von Russland aus gesehen, ganz weit weg. Was habe ich seitdem nicht alles gelernt in dieser kleinen, durch und durch unwahrscheinlichen Redaktion. Allem voran, wie man (komplett ohne Budget) einen Social-Media-Auftritt aufbaut, der rund um die Welt und rund um die Uhr funktioniert. Welche Posts für die russischen, für die amerikanischen, für die indischen Leser? Welcher Dreh, welche Uhrzeit? Anfang 2014 hatte die MT keine 50.000 Facebook-Fans, nach einem Jahr waren es schon 500.000. Steiles Wachstum, hohe Motivation.

Überhaupt, die Reichweite, die man mit englischsprachigen Inhalten so erreicht. Das Interesse an Russland wächst und wächst; wer kein Russisch kann und nicht auf Staatsmedien angewiesen sein will, der liest nun einmal die Moscow Times. Solch eine internationale, politisch interessierte Leserschaft zu haben, das ist meistens faszinierend. Nur ganz gelegentlich lässt es einen in Sekundenbruchteilen erblassen. Wie an dem einen Morgen, als dem Artikel über eine Massenschlägerei in einem Krankenhaus versehentlich das „M“ am Anfang der Überschrift fehlte. Ach guck, wie nett, da twittert ein Leser, ob wir uns die Zeile mit dem „Ass Brawl“ nicht noch mal ansehen wollen. Ach guck, es ist der Präsident von Estland.

Ich habe gelernt, woran man Kreml-Trolle bei Facebook erkennt (und wie viel Arbeit es ist, das dann auch zu überprüfen und sie zu blocken). Ich habe von den Englisch-Muttersprachlern im Team so zauberhafte Wendungen gelernt wie „He’s as useful as a chocolate hairdryer“ und, in harten Zeiten, den extrem einleuchtenden Begriff des „seagull management“. Ich habe den Unterschied gelernt zwischen dem, was in der russischen Verfassung drinsteht, und dem, was sie im Alltag auch tatsächlich gewährleistet.

Ich habe gelernt, nicht öfter als dreimal pro Woche zu fragen, ob wir an dem Bild, das wir da gerade verwenden, denn wohl auch die Rechte haben. Ich habe so, so viel über die russische Sprache gelernt. Ich habe gelernt, dass der große Mailverteiler (alle Kollegen nicht nur bei der Moscow Times, sondern im ganzen Gebäude, mit Vedomosti, Cosmopolitan usw.) dazu da ist, darüber informiert zu werden, wenn es besonders günstigen Honig oder besonders günstigen Kaviar zu kaufen gibt („Hast du den Preis für Kaviar gesehen? Bei Reuters kriegen sie ihn deutlich billiger, hat X erzählt.“)

Ich habe gelernt, Rosselkhoznadzor, Roskomnadzor und Rostechnadzor auseinander zu halten. Ich habe gelernt, dass die Standard-Anrede im Newsroom „Dude“ ist und „Katrin“ von all den anderen Dudes konsequent auf der zweiten Silbe betont wird. Ich habe gelernt, wie wichtig in einem autoritären Staat mit permanentem Druck auf die wenigen unabhängigen Medien ein Chefredakteur mit Rückgrat ist – einer, der nicht sagt „das können wir nicht schreiben“, sondern nur: „Wenn du das nächste Mal sowas schreibst, sag mir vorher Bescheid, dann bin ich vorbereitet.“ Ich habe gelernt, dass man jedes Live-Blog eines Putin-Auftritts mit viel Luft planen muss. Beginn: definitiv verspätet. Ende: komplett unplanbar.

Die Moscow Times ist ein Durchlauferhitzer. Die Mehrheit meiner Kollegen ist deutlich jünger, für sie ist es einer der ersten Jobs nach der Uni, manchmal der erste überhaupt. Mit, zwei, drei Jahren MT im Lebenslauf stehen einem dann viele Türen offen: Neulich habe ich eine Twitterliste gebastelt mit Ex-MT-Leuten, und wenn man sieht, wo die inzwischen überall sind, von New York Times bis Buzz Feed, von AFP bis Washington Post, dann ist das schon ziemlich beeindruckend – und ich bin stolz, mich da einreihen zu dürfen.

Welches neue Medium in dieser Twitterliste bald hinter meinem Namen steht, muss sich finden. Ich habe nach drei Jahren mit drei Chefredakteuren erst mal nur ganz grundsätzlich beschlossen, dass es Zeit für etwas Neues ist. Neue Kollegen, so großartig die aktuellen auch sind. Neue Projekte, die aber hoffentlich weiterhin mit Journalismus und Russland zu tun haben. Ein bisschen weiß ich schon, in welche Richtung es gehen soll, anderes muss sich finden. Zwei Jahre in Moskau bleiben noch.

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Putin der Woche (XXXIX)

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Gesehen: Im YouTube-Kanal des Musikers und Komikers Oleg Lobowoi, der der Welt damit nicht sein erstes Putin-Lied schenkt.

Begleitung: Gutes Stichwort. Denn auch, wenn Putin selbst in dem Video nicht auftaucht – dass der Akkordeon-Begleiter dieses kleinen Frauenchors zufällig so aussieht, wie er aussieht, kann mir keiner erzählen.

Text: „Höre, geliebte Heimat, mein Lied über Putin: Putin, Putin, wir alle wollen Putin heiraten.“

Subtext: Ihr wollt ein Liebeslied? Ihr kriegt ein Liebeslied. Ein Lied, das ihr liebt, weil einfach alles drin vorkommt: das Vaterland, seine Birken, und ganz viel Putin, alles besungen von Menschen in russischer Tracht. Tadaaadada, daaadada, daaa-daaa, daaa-daaa.

Oben-Ohne-Punkte: 0/10, wegen unsichtbarem Putin

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Putin der Woche (XXXVIII)

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Gesehen: Bei Amazon, auf dem Cover des Fanfiction-Bandes „Putin on the Trump“. (Wobei das offenbar nicht der einzige Ort für Putin/Trump-Slash ist: Auch das Archive Of Our Own hat eine Handvoll.)

Begleitung: Donald Trump, heute Präsidentschaftskandidat der Republikanischen Partei. Laut Klappentext dieses Buchs allerdings war er zu Unizeiten mal der Mitbewohner von Putin und, nun ja…

Text: „Putin on the Trump – a Vladimir Putin/Donald Trump erotic journey. There are also a lot of beets“, versprechen Titel und Untertitel, ehe der erste Satz dann direkt zur Sache kommt: „There is a universal truth that a wealthy egotistical man is in need of a good f***.“

Subtext: „Vom verunglückten Jane-Austen-Zitat zum ersten F-Wort in nur einem Satz – mehr könnt ihr für dieses Kindle-Prachtwerk zum Preis von nur 99 Cent nun wirklich erwarten! Nein, auch keine anständige Zeichensetzung.“

Oben-Ohne-Punkte: 10/10 – gut möglich, dass dieser Wert nach dem Ende von Amazons kostenloser Leseprobe noch weiter steigt.

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Putin der Woche XXXVII

Putin der Woche Village People

Gesehen: In einem Tweet von Josh Simmons – gemalt hat das Bild Jim von „Jim’ll Paint It“.

Begleitung: Wenn der Polizei-Putin im Vordergrund die Hauptfigur ist, dann sind seine Begleiter Handwerker-Putin, Cowboy-Putin, Indianer-Putin, Soldaten-Putin und Biker-Putin.

Text: Keiner

Subtext: Auch keiner – aber wenn man den Atem anhält und sehr genau hinhört, buchstabiert ganz in der Ferne jemand leise „YMCA„.

Oben-Ohne-Punkte: Im Schnitt nur 4/10 – auch wenn sich Indianer-Putin und Biker-Putin alle Mühe geben.

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Putin der Woche XXXVI

putin der woche häuptling

Gesehen: Bei Twitter, dort gepostet von Dennis Stjaschkin.

Begleitung: Ein ausgehölter Bär und ein Preisschild – 750 Rubel, das sind aktuell 10,50 Euro.

Text: „Häuptling“

Subtext: Wie hieß das noch mal? Dings im Dingspelz? „Der ganze Stamm muss diese Kapuzenpullis tragen“, hat Dennis als süffisanten Kommentar dazu getwittert. Und was wäre für einen Russenhäuptling schon treffender als ein Bär, Russlands Wappentier. Das Land ist bis zur inneren Leere ausgehöhlt, und drin steckt nichts als Putin? Ziemlich klare Metapher für ein Hoodie.

Oben-Ohne-Punkte: 8/10

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Putin der Woche (XXXV)

Putin der Woche kscheib Kinder

Gesehen: Auf dem Markt in Ismailowo.

Begleitung: François Hollande, Angela Merkel und Barack Obama, alle in der Kinderversion. Obama liebevoll ausstaffiert in Stars-and-Stripes-Hose und mit Weißem Haus auf dem Oberteil, die anderen beiden mit deutlich weniger Kreativität gestaltet.

Text: „Versteht ihr jetzt endlich, was ihr ausgefressen habt?“

Subtext: Wie zeigen wir jetzt, dass Putin der Chef ist und die anderen drei machtlos und unterlegen? Hey, lass uns doch was mit Gewalt gegen Kinder machen – Putin schön mit dem Gürtel in der Hand, bereit, die drei zu schlagen. Das finden sicher alle lustig und wollen es als T-Shirt tragen!

Oben-Ohne-Punkte: 0/10

Danke an Kerstin Palzer für das Fundstück!

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Wie sich Frauen im Jahr 2016 in Russland verhalten sollen

Felix ist da! Das ist nicht nur eine wunderbare Nachricht für seine deutsch-russischen Eltern, mit denen wir hier schon so einiges erlebt haben. Es ist auch ein Anlass, über die Gesellschaft nachzudenken, in die er da gerade hereingeboren wurde. Denn Felix‘ Mutter bekam vor einigen Monaten von ihrem Arzt dieses Heft in die Hand gedrückt.

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Sieht aus wie eine Werbebroschüre, ist aber eine Art russischer Mutterpass, nur eben finanziert durch Anzeigen. „Jedes Mal, wenn ich am Eingang zu einem Einkaufszentrum nicht durchleuchtet werden will, muss ich den Sicherheitsleuten jetzt dieses Heft mit der Frau in der ollen Blümchenunterwäsche zeigen“ – gut, dass der Sinn für Humor von Felix‘ Mama so groß ist wie ihr Babybauch kurz vor der Geburt. Denn schlägt man das Heft auf, sind dort nicht nur die üblichen Formulare für Voruntersuchungen drin und Anzeigen für Babykleidung und Kinderwagen, sondern auch wohlfeiler Rat. Seitenweise.

„Nützliche Ratschläge zur Stärkung familiärer Beziehungen“ ist das Ganze überschrieben, was in seiner offiziösen Piefigkeit an Begriffe wie „Ehehygiene“ erinnert. Die Kapitelüberschriften werden da schon konkreter: „Wie versteht man, was ein Mann will?“ (Im Zweifel will er Respekt und Hochachtung. Der Grund, warum Männer in gehobenen Positionen sich in ihre Sekretärinnen verlieben, ist, dass die ihnen respektvoller begegnen als ihre Ehefrau zuhause.) – „Was sind die Stärken von Frauen? Was sind ihre Pluspunkte?“ (Die Schönheit, mit der Gott sie so großzügig ausgestattet hat. Männer mögen keine Frauen, die sich nicht um ihre äußerliche und innerliche Schönheit kümmern.) – „Was tun, wenn Ihr Mann nicht im Haushalt hilft, weil er das für Frauensache hält?“ (Die Erledigung von Hausarbeit ist dem Manne nicht eigen, das ist das Vorrecht der Frauen. Außer, die Frau ist krank, oder der Mann ist eine Ausnahme.)

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Nein, das kommt nicht aus einer Zeitkapsel, die irgendwer in den Fünfzigern am Moskwa-Ufer verbuddelt hat. Das ist die aktuelle Handreichung, die werdende Mütter hier bekommen. In einem Land, das das „Werben für nichttraditionelle Lebensentwürfe“ unter Strafe stellt (und damit nicht nur Engstirnigkeit, sondern auch historische Ahnungslosigkeit beweist), wird eben auch in Mann-Frau Beziehungen darauf geachtet, die Geschlechterklischees aufrecht zu erhalten.

Damit das verfängt, werden auch gleich noch einige Autoritäten ins Feld geführt, genau genommen: Präsidentengattinnen. Und sicherheitshalber, damit man ihnen ordentlich was in den Mund legen kann, ist mit „Präsident“ nicht etwa Putin gemeint, sondern Roosevelt (welcher?), Lincoln und Churchill (Premierminister, nicht Präsident). Ob deren Frauen wiederum das nun selbst gesagt haben sollen oder nur nach diesen Regeln gelebt, wird sicherheitshalber offen gelassen. Diffuser – und damit schwerer zu widerlegen – geht’s kaum. Hier also die ganze Seite als Übersetzung:

Praktische Ratschläge von Präsidentengattinnen zur Verbesserung familiärer Beziehungen

Bekanntermaßen steht hinter jedem berühmten Mann eine Frau. Wenn wir die Biografien berühmter Menschen aus verschiedenen Bereichen lesen, sehen wir dort die Bestätigung. Zum Beispiel bei Roosevelt, Lincoln, Churchill. Lassen Sie uns also einige Ratschläge überprüfen, die diesen Frauen geholfen haben, ihren Männern zu Größe zu verhelfen.

1. Erinnern Sie sich an alle starken Qualitäten und Vorzüge Ihres Mannes und erläutern sie diese laut im Gespräch mit ihm.

2. Schreiben Sie eine „Liste der Dankbarkeiten“ und lesen Sie sich oft durch, wofür Sie Ihrem Gatten dankbar sind. Bringen Sie Ihre Dankbarkeit ihm gegenüber jeden Tag zum Ausdruck – durch konkrete Handlungen, durch Ihr Verhalten, Ihr Gefühl, Ihren Lebenswandel. ( Ich danke Gott oft laut dafür, dass er mir einen prächtigen Mann und Vater meiner Kinder gab, und damit mir diese große Ehre, seine Frau zu sein.)

3. Geben Sie sich Mühe, Ihrem Mann stets mit gutem, zugeneigtem Geist gegenüber zu stehen – fröhlich, friedlich, heiter. Wie sagte schon Salomon: Ein fröhliches Herz ist so heilsam wie Medizin, aber ein trauriger Geist lässt die Knochen vertrocknen.

4. Würdigen Sie seine Arbeit und bringen Sie ihm gegenüber jeden Tag aufrichtiges Interesse zum Ausdruck. Seien Sie sich bewusst und erinnern Sie sich, dass das einer seiner wichtigsten Geltungsbereiche ist, in den er ein Höchstmaß an Kraft und Energie steckt.

Mutterpass Russland

5. Seien Sie ihm dankbar für alles, was er tut, und bringen Sie Ihre Dankbarkeit zum Ausdruck eingedenk dessen, dass Männer versuchen, alles für uns zu tun.

6. Schaffen Sie zuhause eine Atmosphäre, in der er wieder Kraft tanken kann. So verhindern Sie, dass er erst spät nach Hause kommt und bis spät in den Abend mit seinen Freunden unterwegs ist.

7. Laufen Sie Ihrem Gatten entgegen, wenn er von der Arbeit kommt, und freuen Sie sich mit Ihren Kindern, dass Papa zuhause ist. Nichts ist so wichtig für einen Mann wie die Art, wie er zuhause begrüßt wird.

8. Bringen Sie ihn zur Tür, wenn er zur Arbeit muss. Küssen und umarmen Sie ihn, damit er schnell zurückkommen will.

9. Drücken Sie Ihr Vertrauen in ihn aus, indem Sie einfach sagen: „Ich glaube an Dich und vertraue Dir vollständig.“

10. Würdigen Sie kleine Erfolge und sagen Sie: „Ich bin stolz auf Dich!“ Aufmunternde Worte sind für Männer sehr wichtig.

11. Hören Sie ihm aufmerksam zu, wenn er von seiner Arbeit erzählt (schauen Sie ihm in die Augen und tun Sie dabei nichts anderes).

12. Lernen Sie, nicht mit seiner Arbeit zu konkurrieren und auch die Familie nicht als Konkurrenz der Arbeit zu verstehen.

13. Erlauben Sie ihm, Sie zu versorgen und betonen Sie das im Kontakt mit ihm. Und wenn Sie etwas für sich, für Ihr Zuhause oder für Ihre Kinder kaufen, drücken Sie Ihre Dankbarkeit aus und erzählen Sie, dass das der Verdienst Ihres Gatten ist.

Lieben bedeutet, einem Menschen das zu geben, was er am meisten braucht, wenn er es am wenigsten verdient!

Was wünscht man einem Kind, das in eine Zeit geboren wird, wo solche Hefte noch gedruckt werden? Vielleicht, dass ihm seine Mutter die Seiten aufbewahrt, bis er groß ist und seine erste eigene Wohnung renoviert. Schließlich sitzt Tapete auf Makulatur besonders schön.

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Putin der Woche (XXXIII)

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Gesehen: Im Youtube-Kanal des slowenischen Komikers Klemen Slakonja, der mit dem Lied „Putin, Putout“ gerne beim Eurovision Song Contest angetreten wäre. Das wird nichts, aber über zwei Millionen Aufrufe sind ja nun so schlecht auch nicht.

Begleitung: Allerlei Tanzpersonal, eine Flasche Wodka und ein weißes Pferd, auf dem Putin oben ohne reiten darf.

Text: Zu Beginn des Videos geht es um Putins mehr oder weniger vorhandene Englichkenntnisse. Da ist es nur konsequent, dass er in absichtlich holprigem Englisch singt: „I know that World War Three, nobody wants to see – so please, EU and USA, don’t mothersuckers mess with me.“ Und später dann, mit Binnenreim: „And by the way, Eurovision is so gay! But please don’t take my soccer World Cup 2018 away!“

Subtext: Wodka, Militär, Ballerinas, Bären, Schach, Pussy Riot, rote Nelken, Gasvorkommen, High Heels, Hammer und Sichel, Raumfahrt, Buranowskije Babuschki, die Olympischen Winterspiele in Sochi, Amurtiger, Fellmützen – wie viele Russland-Klischees passen eigentlich in ein Youtube-Video? Und wird es lustiger, je mehr wir unterbringen? Warte, wir lassen noch mal den halbnackten Mann auf dem Pferd durchs Bild reiten.

Oben-Ohne-Punkte: 7/10, weil nicht konsequent durchgehalten

(Danke an Oliver Bilger für den Link.)

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Putin der Woche (XXXII)

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Gesehen: Im Handy-Spiel „Демократия“ (Demokratie). Das Prinzip ist einfach: Baut man drei Dollarbündel nebeneinander, entsteht daraus ein Schaf. Aus drei Schafen wird ein Wähler, aus drei Wählern ein Wahllokal, aus drei Wahllokalen eine Wahlurne, aus drei Wahlurnen ein Abgeordneter, aus drei Abgeordneten ein Weißes Haus, aus drei Weißen Häusern ein Dmitri Medwedew und, endlich, aus drei Medwedews ein Putin. Und bei jedem Schritt erscheint Russlands derzeit berühmtester Schnurrbart, Regierungssprecher Dmitri Peskow, und gibt seinen Senf dazu.

Begleitung: Neben den schon erwähnten Vorstufen zum Präsidenten ist vor allem der Bereich über dem Spielfeld interessant. Eine Wüste in der prallen Sonne, in der irgendwann ein bärtiger Mann mit Maschinengewehr erscheint und „“Allahu akbar“ ruft. Es folgt ein russisches Militärflugzeug und, kurz darauf, Baschar al-Assad. Er wirft ein paar Goldmünzen in die Luft, die direkt auf das Konto des Spielers gehen.

Text: „Innovation, Skolkowo, Retweet! Schaffst Du drei Präsidenten in einer Reihe? … welche Verfassung?“

Subtext: Aus Schafen werden Wähler, und am Ende erscheint Putin? Die Macher dieser App haben jeglichen Subtext überflüssig gemacht.

Oben-Ohne-Punkte: 0/10

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