Gurke-Dill-Chips sind erst der Anfang

Wer sich mit einem fremden Land auseinandersetzt, fängt oft mit dem Essen an. Ein alltägliches, tagtägliches Thema, jeder kann mitreden. Ob das Wasser im Mund zusammenläuft oder Ekel den Hals eng macht, Essen sorgt für Reaktionen.

Die gängigen Themen, über die Nichtrussen in Russland gerne reden, sind Käse-Sehnsucht (der russische ist nur selten gut, Import aus der EU verboten, der aus der Schweiz unglaublich teuer) und Dill-Abneigung (die „Dillwatch“-Facebookgruppe, in der Begegnungen mit dem omnipräsenten Kraut protokolliert werden, ist in den vergangenen Jahren auf über 3000 Mitglieder gewachsen), gepaart mit regelmäßigem „Wo kriege ich dieses oder jenes Gewürz aus meiner Heimat?“

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Wenn Besuch kommt, tischen wir zum Begrüßungsbier darum gerne ein Schälchen Gewürzgurke-Dill-Chips auf. Sie riechen durch die halbe Wohnung, sie schmecken genau so, wie man es sich vorstellt, aber es ist halt ein Erlebnis, und irgendwie wird das Schälchen immer leer.

Für die meisten Gäste enden die Versuche mit russischen Knabbereien damit. Das ist schade, denn es gibt da durchaus noch einige Eskalationsstufen bei den Geschmacksrichtungen. Trägermedium sind auch nicht immer die für uns gewohnten Chipsarten, sondern manchmal auch Suchariki, eine russische Darreichungsform irgendwo zwischen Brotchips und Croutons.

Barbecue Wings

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Pfifferlinge in saurer Sahne

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Philadelphia Roll

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Bayerische Würstchen mit Senf

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Schinkenbraten

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Tintenfisch

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Knoblauch-Dill, mit beigelegtem Saure-Sahne-Dip

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Cheeseburger

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Königskrabbe

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Schaschlik

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Lachs mit Käse

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Sülze mit Meerrettich

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Was bleibt nach all den wilden Knabbereien? Eine Art Tütensuppenaroma im Mund, dazu das Bedürfnis nach Bier, viel Bier. Und diese Chips-Packung, die bisher noch ungeöffnet ist und das vermutlich auch bleibt. „Rate den Geschmack und gewinn 20.000 Pfund“ steht drauf. Aber ganz ehrlich: Ich trau mich nicht.

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Carepakete nach Russland

Irgendwann merkt man beim Heimatbesuch, dass man eine Einkaufsroutine entwickelt hat. Kein Zettel mehr nötig, die Hand holt im Supermarkt schon automatisch dieselben Dinge aus dem Regal. Parmesan. Das Lieblingsmüsli. Diese Obstriegel. Mandelcreme. Mandelcreme.

Das hat natürlich mit den von Russland verhängten Lebensmittelsanktionen zu tun, aber auch mit den Preisen und dem Sortiment in den Moskauer Geschäften: Viele Produkte gibt es hier zwar auch, sie sind halt nur bekloppt teuer. Oder nur in diesem einen Laden zu bekommen, zwölf Metrostationen entfernt. Oder es geht um diese kleinen Stücke Zuhause, die nur in der heimischen Variante genau richtig schmecken oder riechen. Auch die werden beim Heimatbesuch gehamstert oder von Gästen bei ihrer Russlandreise im Koffer mitgebracht.

Natürlich hat jeder andere Vorlieben, trotzdem gibt es auch Parallelen. Netterweise haben einige Moskauer Freunde Fotos von ihren Carepaketen gemacht und erklärt, was sie warum mitbringen (lassen).

1. Aus England

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„Also, das ist geräuchtertes Paprikapulver (bekommt man hier bestimmt auch irgendwo, hab mir noch nicht die Mühe gemacht, danach zu suchen), Roibuschtee (dito), selbstgemachte Marmelade (Orange, klar), brown sauce, Chiasamen und klassischer, britischer schwarzer Tee – damit ich mir einen anständigen Pott builders‘ brew machen kann.“

2. Aus Deutschland

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„Ist zwar nicht sanktioniert, aber diese Halsbonbons bekommt man hier nicht. Jedenfalls habe ich die noch nicht gesehen. Und für russische Bonbons in der Apotheke zahlt man ein Vermögen, ein Päckchen 500 bis 600 Rubel.“

3. Aus den USA

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„Meine Ausbeute aus den USA bestand dieses Mal vor allem aus ziemlich viel Sardellenpaste. Unerlässlich, wenn man im Winter Eintopf kocht.“

4. Aus Frankreich

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„Käse, Käse, Käse, Käse, Käse, Käse – und ein Glas Rillettes.“

5. Aus Irland

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„Mitbringsel aus der Heimat: Butter, Brie, Camembert, Würstchen, black pudding, Schokolade, soda bread, Kosmetika und der obligatorische Alkohol.“

Danke an Birgit, Frances, Grace, Jennifer und Maik für ihre Fotos.

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Der Moskauer Warenkorb nach einem Jahr Lebensmittel-Importverbot

Ein Jahr lang gilt nun der russische Einfuhrstopp für eine ganze Reihe westlicher Lebensmittel. Obst, Gemüse, Fisch, Fleisch, Milchprodukte – das großflächige Verbot hat nur kleine Lücken. Für den eigenen Verbrauch zum Beispiel darf man quasi mundgerechte Mengen der sanktionierten Lebensmittel weiterhin nach Russland importieren. In den Supermärkten aber sucht man den guten lettischen Joghurt, die finnische Milch oder die irische Butter erfolglos.

Ja, das ist lettischer Joghurt. Nein, den bekommt man in Moskau nicht mehr.
Ja, das ist lettischer Joghurt. Nein, den bekommt man in Moskau nicht mehr.

Teilweise hat Russland sich im vergangenen Jahr bemüht, andere Lieferanten für diese Lebensmittel zu finden, teilweise soll die russische Agrarwirtschaft selbst in die Bresche springen. Das klappt nicht von jetzt auf gleich, also sind die Preise gestiegen. Vor allem in den Monaten unmittelbar nach dem Einfuhrstopp war der Trend unverkennbar: Selbst Gemüse wie Weißkohl, ein Klassiker der russischen Küche, entpuppte sich als Importgut.

Ein Jahr danach lohnt sich der Vergleich also doppelt: Wie sind die Moskauer Lebensmittelpreise heute im Vergleich zum August 2014? Und wie war der Weg dorthin? Hier erst mal der Jahresvergleich, angefangen mit dem Perekrestok-Supermarkt bei uns um die Ecke:

Möhren für 39,90 Rubel/Kilo (August 2014: 29)
Tomaten für 62 Rubel/Kilo (August 2014: 39)
Weißkohl für 10,91 Rubel/Kilo (August 2014: 10)
Äpfel für 49,90 Rubel/Kilo (August 2014: 44,50)
Birnen für 125 Rubel/Kilo (August 2014: 69)

Milch (2,5%) für 67,74 Rubel/Liter (August 2014: 63,44)
Naturjoghurt (bio) für 17,81 Rubel/100g (August 2014: 37,60)
Butter für 37,50 Rubel/100g (August 2014: 46,50)
Brie für 127 Rubel/100g (August 2014: 97,50)

Hähnchenbrust (aus der Fleischtheke) für 249 Rubel/Kilo (August 2014: 185)
Schweinekotelett (aus der Fleischtheke) für 419 Rubel/Kilo (August 2014: 406)

Und so sind die Preise heute bei Utkonos, dem Online-Lebensmittelhändler.

Kartoffeln für 22,50 Rubel/Kilo (August 2014: 28)
Zwiebeln für 27,50 Rubel/Kilo (August 2014: 34)
Gurken für 40,50 Rubel/Kilo (August 2014: 109)
Zucchini für 28,90 Rubel/Kilo (August 2014: 26)
Auberginen für 48 Rubel/Kilo (August 2014: 145)
Rote Bete für 21,50 Rubel/Kilo (August 2014: 17)
Kohlrabi für 208 Rubel/Kilo (August 2014: 85)

Nektarinen für 194 Rubel/Kilo (August 2014: 117)
Zitronen für 169 Rubel/Kilo (August 2014: 139)
Mango für 329 Rubel/Kilo (August 2014: 330)
Bananen für 52,90 Rubel/Kilo (August 2014: 47)
Orangen für 123 Rubel/Kilo (August 2014: 85)
Grapefruit für 114 Rubel/Kilo (August 2014: 82)
Kiwi für 214 Rubel/Kilo (August 2014: 229)

Milch für 53,05 Rubel/Liter (August 2014: 66,10)
Butter für 53,78 Rubel/100 g (August 2014: 49,88)

Graubrot, geschnitten, für 82,50 Rubel/Kilo (August 2014: 76,56)
Toastbrot für 90,60 Rubel/Kilo (August 2014: 79,80)

Rinderhack für 400 Rubel/Kilo (August 2014: 412)
Ganzes Hähnchen für 170 Rubel/Kilo (August 2014: 150)
Durchwachsener Speck für 822,50 Rubel/Kilo (August 2014: 650)

Lachssteak (TK) für 832 Rubel/Kilo (August 2014: 576)

In dem Jahr von August 2014 bis August 2015 sind die Preise im Schnitt also um 14,4 Prozent gestiegen – im Supermarkt etwas mehr (18,3 Prozent), online etwas weniger (10,5). Zu den Preistreibern bei der Supermarkt-Bilanz gehören zum Beispiel Birnen – heute 81,2 Prozent teurer als vor einem Jahr – und Tomaten. Die kommen inzwischen eben nicht mehr aus den Niederlanden, sondern meist aus Aserbaidschan, kosten dafür aber eben auch 59 Prozent mehr. Auch beim Online-Einkauf sind die Veränderungen bei frischem Gemüse bemerkenswert: Kohlrabi kosten, das ist dann allerdings auch der Spitzenwert, inzwischen fast 145 Prozent mehr als vor dem Einfuhrverbot.

Andererseits fallen einige Lebensmittel auf, die heute nicht oder kaum teurer sind als vor einem Jahr: Die Supermarktmilch kostet nur knapp 7 Prozent mehr, bei Butter und Graubrot ist es ähnlich. Einige Lebensmittel gibt es heute sogar günstiger zu kaufen als vor einem Jahr – anderes Herkunftsland, anderer Anbieter, andere Produktionsstandards, andere Preispolitik.

 

Auberginen gehören zu den Gemüsen mit heftigen Preisschwankungen
Auberginen gehören zu den Gemüsen mit heftigen Preisschwankungen

In einigen Fällen versteckt der Vergleich zwischen August 2014 und 2015 die krassen Preissprünge in den Monaten dazwischen. Die Kartoffeln von Utkonos mögen mit 22,50 Rubel/Kilo heute sogar ein wenig unter dem Vorjahrespreis liegen – Anfang des Jahres musste man noch mehr als das Doppelte (46,90) fürs Kilo zahlen. 229 Rubel für ein Kilo Gurken – das war der Dezember. 494 Rubel fürs Rinderhack? Hallo, Januar. Und im Februar dann 283 Rubel für ein Kilo Auberginen – die Liste der Preisausreißer nach oben lässt sich beliebig fortschreiben. Was bleibt, ist genug Material für ein Proseminar in Angebot, Nachfrage und Substitution.

Als jemand, der diese Lebensmittel nicht nur bezahlt, sondern auch zubereitet und isst, würde mich aber bei aller Theorie ganz praktisch vor allem eines interessieren: Wie hat sich mit den Preisen wohl die Qualität entwickelt?

Dass da nach Jahren ganz plötzlich das Einfuhrverbot für chinesisches Schweinefleisch fällt, das vorher mit Gesundheitsbedenken begründet wurde – ich wäre gern so naiv und sähe darin etwas anderes als nur den Wunsch, Ersatz für gestoppte Westimporte zu finden. Das russische Käse-Angebot „zwischen eingetrocknetem Tippex und Turnhallenmief“ hat der Guardian in all seiner Trostlosigkeit hier beschrieben. Und jedes Mal, wenn jemand in Deutschland bei Facebook irgendwelche Na-da-wiehert-aber-der-Amtsschimmel-Sprüche postet, bekomme ich in Moskau Sehnsucht nach so einer richtig nickeligen, paragraphenreiterischen, unnachgiebigen Lebensmittelaufsicht.

Das Kleingedruckte: Der Moskauer Warenkorb ist nicht repräsentativ – nur zwei Stichproben, ziemlich willkürliche Produkte, nicht danach gewichtet, was der Durchschnittsrusse so konsumiert. Hinzu kommt, dass manche Produkte (Papajas etwa) aus dem Jahresvergleich komplett rausfallen, weil es sie heute schlicht nicht mehr gibt (oder nur für so viel Geld, dass der Durchschnittshändler sie nicht mehr im Sortiment hat).

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Wie wir im sanktionierten Russland über Käse reden

Irgendwann am Abend öffnet jemand einen Karton, eine Tupperdose oder einfach den Kühlschrank. Manchmal wird die Stimme gesenkt, manchmal begleitet ein gesprochener Tusch die Geste: Tadaaaa!

Wir wissen, in welchen Stufen die Temperatur im Gepäckraum eines Flugzeuges reguliert wird. Wir fachsimpeln über Verpackungsmethoden und wissen, welche Sorten sich gut einfrieren lassen. Auf Parties reden wir mit fremden Menschen darüber, wo die so einkaufen – als gäbe es irgendwo in Moskau diesen einen Marktstand mit direktem Portal zu einer deutschen Käsetheke.

Wir machen Witze über weißrussischen Parmesan und den berühmten weißrussischen Mozzarella. Und schneiden am Ende eines von Gästen importierten Stücks mit dem schärfsten Küchenmesser noch einmal ganz eng innen an der Rinde entlang. Und wir sagen Dinge wie diese:

– „Samstag sind wir bei X. und Y. eingeladen.“
– „Warum?“
– „Käse aus dem Urlaub.“

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„Das ist Heukäse, da musst Du unbedingt den Rand mitessen. Hab ich der Käseverkäuferin in Deutschland versprochen.“

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„Im Koffer war kein Platz mehr, also hab ich den ganzen Käse in meinen neuen Geigenkoffer gepackt. Ging auch alles gut, bis der russische Zoll meine Geige sehen wollte. Ich hab gesagt, da ist gar keine Geige drin – also haben sie den Koffer durchleuchtet. Und mich letztlich dann einfach durchgewunken.“

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„Mein Vater kennt wen, der hat so eine Maschine, mit der man Sachen vakuumverpacken kann!“

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„Und dann war es plötzlich schon so spät, und ich musste los, und beim Check-in ist mir dann eingefallen, dass die sechs Stücke Parmesan noch bei meinen Eltern im Keller liegen.“

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„Mädels, ich hab ein Stück Stilton. Wann sehen wir uns?“

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„Es gibt da diesen Typen, der wohnt irgendwo im Moskauer Umland und macht selber Gouda. Mit Brennesseln drin oder Kürbiskernen, hab ich neulich auf dem Kirchenfest probiert. Irgendwo zuhause hab ich seine Nummer, such ich Dir raus.“

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„Und, wie war’s in Frankreich? Guter Käse? Hast Du welchen mitgebracht? Auch fürs Büro?“

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„Der Brie mit dem Chili ist von Aldi, hat nur 99 Cent gekostet. Unfassbar.“

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„Super Restaurant, an den Sauberen Teichen, müsst ihr unbedingt mal ausprobieren. Deren Ziegenkäse schmeckt echt nach Ziege!“

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Moskauer Warenkorb, März 2015

 width=Zeit, über Kohl zu sprechen. Kohlsuppe, Kohlrouladen, mit Kohl gefüllte Teigtaschen, das sind alles russische Klassiker. Keine Edelküche, sondern traditionelles Alltagsessen, lecker und günstig. So war das früher.

„Früher“ heißt in diesem Fall bis zum vergangenen Spätsommer, als Russland das Importverbot für zahlreiche Lebensmittel aus westlichen Ländern erließ. Russland ist weit davon entfernt, sich mit Lebensmitteln selbst versorgen zu können, und ja, auch Kohl gehörte vor dem Verbot zum Importgemüse.

Vom Jahresbeginn bis Anfang März stieg der Preis für Kohl um 63 Prozent, Ende März waren es sogar 66 Prozent – und das sind offizielle Zahlen des Landwirtschaftsministeriums. Wie es dann im konkreten Supermarkt aussieht, ist noch mal eine ganz andere Sache.

Bei uns im Laden hat das Kilogramm Weißkohl jetzt die 50-Rubel-Marke geknackt. Zur Erinnerung: Vor dem Importverbot im August waren es nur 9,90 Rubel pro Kilo, der Preisanstieg seitdem sind also satte 450 Prozent. Kein Produkt, nicht mal der Brie, hat eine so steile Preiskurve. Hier die Details:

Supermarktpreise:

Möhren für 71 Rubel/Kilo (Februar: 65)
Tomaten für 129 Rubel/Kilo (Februar: 129)
Weißkohl für 55 Rubel/Kilo (Februar: 45)
Äpfel für 93 Rubel/Kilo (Februar: 71)
Birnen für 99 Rubel/Kilo (Februar: 119)

Milch (2,5%) für 61 Rubel/Liter (Februar: 72)
Butter für 38 Rubel/100g (Februar: 25)
Brie für 439 Rubel/100g (Februar: 339)

Hähnchenbrust für 209 Rubel/Kilo (Februar: 209)
Schweinekotelett für 389 Rubel/Kilo (Februar: 469)

Onlinehändlerpreise:

Kartoffeln für 46,90 Rubel/Kilo (Februar: 46,90)
Zwiebeln für 48 Rubel/Kilo (Februar: 53)
Gurken für 215 Rubel/Kilo (Februar: 299)
Zucchini für 172 Rubel/Kilo (Februar: 236)
Auberginen für 223 Rubel/Kilo (Februar: 283)
Rote Bete für 35,50 Rubel/Kilo (Februar: 35,50)
Kohlrabi für 226 Rubel/Kilo (Februar: 299)

Zitronen für 124 Rubel/Kilo (Februar: 139)
Mango für 364 Rubel/Kilo (Februar: 385)
Bananen für 98 Rubel/Kilo (Februar: 125)
Orangen für 75 Rubel/Kilo (Februar: 108)
Grapefruit für 95 Rubel/Kilo (Februar: 112)
Kiwi für 159 Rubel/Kilo (Februar: 175)

Milch für 72,21 Rubel/Liter (Februar: 70,53)
Butter für 53,78 Rubel/100 g (Februar: 52,22)
Graubrot, geschnitten, für 82,50 Rubel/Kilo (Februar: 82,50)
Toastbrot für 90,60 Rubel/Kilo (Februar: 90,60)

Rinderhack für 446 Rubel/Kilo (Februar: 446)
Ganzes Hähnchen 153 für Rubel/Kilo (Februar: 150)
Durchwachsener Speck für 556 Rubel/Kilo (Februar: 556)

Kabeljau (TK) für 330 Rubel/Kilo (Februar: 236)
Lachssteak (TK) für 832 Rubel/Kilo (Februar: 746,67)

Die grundsätzliche Tendenz ist damit: steigende Preise im Supermarkt (11,4 Prozent im Schnitt), fallende beim Onlinehändler (-7,5), vor allem, weil einiges an Obst jetzt weniger kostet als im Vormonat. Warum das nur im Internet so ist und nicht im Laden, kann ich mir noch nicht so recht erklären und freue mich über Ideen und Denkanstöße in den Kommentaren.

Die Preisbremse im Supermarkt, auf die sich hier ja einige Ketten verpflichtet haben, merkt man tatsächlich, etwa bei der Milch: Sie ist nicht nur günstiger als zuvor, es ist diesmal auch eine andere Marke die billigste als in den Vormonaten. Vielleicht hat also unser Supermarkt gerade mit diesem Lieferanten ein günstiges Kontingent ausgehandelt. Nur beim Weißkohl, siehe oben, greift die Bremse nicht. Dabei steht auch er auf der Liste der 20 „sozial relevanten“ Produkte, die theoretisch seit Ende Februar nicht mehr teurer werden sollten.

Das Kleingedruckte: Der Moskauer Warenkorb ist nicht repräsentativ. Und der Brie im Supermarkt-Einkauf ist in diesen Tagen wohl eher „Brie“ oder „brieartiger Weichkäse“. Außerdem kommt ab sofort kein Eisbergsalat mehr in der Wertung vor, weil Utkonos seine Angaben von Stückpreis auf Kilopreis umgestellt hat und ich nicht spekulieren möchte, wie viel wohl die Salatköpfe der vergangenen Monate so gewogen haben.

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Moskauer Warenkorb, Februar 2015

"Masleniza" heißt auch "Pfannkuchenwoche". Süße. Herzhafte. Blini. Aladuschki. Alle gut.
Die Masleniza heißt auch „Pfannkuchenwoche“. Süße. Herzhafte. Blini. Aladuschki. Alle gut.

Die fetten Tage sind vorbei. Das ist durchaus wörtlich zu nehmen, denn nach Masleniza, der Butterwoche, ist nun Fastenzeit. Was in Russland eine ziemlich lange Liste an verbotenen Speisen bedeutet, von Fleisch und Fisch über Eier bis hin zur Butter.

Für Vegetarier (und bloggende Vegetarier-Partnerinnen) hat das erfreuliche Nebenwirkungen: Selbst im schrabbeligsten Restaurant gibt es eine eigene Fastenzeit-Karte; der Wunsch, kein Fleisch zu essen, ruft plötzlich weder Mitleid (hat’s Dir der Arzt verboten?) noch perplexes Kopfschütteln hervor. Beim Stöbern im Online-Supermarkt stoße ich auf Joghurt mit Rote-Bete-Geschmack und auf Tofu, allerdings unter dem Tarnnamen „Sojakäse“. Das ist definitiv neu, Tofu war dort zuletzt im Spätsommer 2014 zu kriegen.

Bemerkenswert ist in diesem Fastenmonat nicht nur, dass die ersten russischen Regionen gerade Lebensmittelmarken eingeführt haben. Oder die Prognose, dass Russen bis Jahresende möglicherweise die Hälfte ihres Gehalts für Lebensmittel ausgeben werden. Unmittelbar auf den Warenkorb wird sich wahrscheinlich die Entscheidung der großen Supermarktketten auswirken, die Preise für 20 Grundnahrungsmittel zu deckeln. Auch Perekrestok, wo die Zahlen für diesen Blogpost herkommen, hat sich dazu verpflichtet.

Supermarktpreise:

Möhren für 65 Rubel/Kilo (Januar: 59,90)
Tomaten für 129 Rubel/Kilo (Januar: 269,00)
Weißkohl für 45 Rubel/Kilo (Januar: 46,90)
Äpfel für 71 Rubel/Kilo (Januar: 69,90)
Birnen für 119 Rubel/Kilo (Januar: 119,00)

Milch (2,5%) für 72 Rubel/Liter (Januar: 60)
Butter für 25 Rubel/100g (Januar: 45)
Brie für 339 Rubel/100g (Januar: 142)

Hähnchenbrust für 209 Rubel/Kilo (Januar: 199)
Schweinekotelett für 469 Rubel/Kilo (Januar: 379)

Utkonos, der Online-Händler, hat sich nicht dazu verpflichtet, irgendwelche Preise einzufrieren. Das wird also im kommenden Monat interessant, ob sich da bei Ladenlokal- vs Browsereinkauf Preise für manche Lebensmittel auseinander entwickeln. Bisher sieht es jedenfalls so aus:

Onlinehändlerpreise:

Kartoffeln für 46,90 Rubel/Kilo (Januar: 43,90)
Zwiebeln für 53 Rubel/Kilo (Januar: 42,50)
Gurken für 299 Rubel/Kilo (Januar: 237,00)
Zucchini für 236 Rubel/Kilo (Januar: 349,00)
Auberginen für 283 Rubel/Kilo (Januar: 499,00)
Rote Bete für 35,50 Rubel/Kilo (Januar: 39,00)
Eisbergsalat für 138 Rubel/Stück (Januar: 148,00)
Kohlrabi für 299 Rubel/Kilo (Januar: 349,00)

Zitronen für 139 Rubel/Kilo (Januar: 147)
Mango für 385 Rubel/Kilo (Januar: 389)
Bananen für 125 Rubel/Kilo (Januar: 89)
Orangen für 108 Rubel/Kilo (Januar: 105)
Grapefruit für 112 Rubel/Kilo (Januar: 99)
Kiwi für 175 Rubel/Kilo (Januar: 189)

Milch für 70,53 Rubel/Liter (Januar: 64,21)
Butter für 52,22 Rubel/100 g (Januar: 52,22)
Graubrot, geschnitten, für 82,5 Rubel/Kilo (Januar: 82,5)
Toastbrot für 90,60 Rubel/Kilo (Januar: 90,60)

Rinderhack für 446 Rubel/Kilo (Januar: 494)
Ganzes Hähnchen 150,00 für Rubel/Kilo (Januar: 150,00)
Durchwachsener Speck für 556,00 Rubel/Kilo (Januar: 556,00)

Kabeljau (TK) für 236 Rubel/Kilo (Januar: 236,00)
Lachssteak (TK) für 746,67 Rubel/Kilo (Januar: 640)

Wie man sieht, bleibt Brie der Haupt-Preistreiber beim Supermarkt-Einkauf. Ein einsames Stück aus der Schweiz lag da noch in der Käsetheke, 138,7 Prozent teurer als im Januar, sogar 247,7 Prozent im Vergleich zum August, als das Importverbot erlassen wurde. Deutlich preiswerter als im Vormonat sind Tomaten (-52 Prozent) und Butter (-44 Prozent). Auf den Gesamtzeitraum gerechnet legt allerdings der Weißkohl den steilsten Preisanstieg hin: von 10 Rubel im August auf heute 45, das sind 350 Prozent. Insgesamt ist der Supermarkt-Einkauf 7,3 Prozent teurer geworden.

Online ist der durchschnittliche Preisanstieg mit nur 0,5 Prozent gering, trotz Ausreißern wie Bananen (40,4 Prozent), darum diesmal ein Blick auf die Lebensmittel, deren Preis von Januar auf Februar konstant war: Butter, Grau- und Toastbrot, Hähnchen, Speck und Kabeljau. Sollte da jemand, ganz ohne öffentliches Verkünden, auch ein paar Preise gedeckelt haben?

Das Kleingedruckte: Der Moskauer Warenkorb ist nicht repräsentativ.

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Moskauer Warenkorb, Januar 2015

birnen januar supermarktAch guck, es gibt wieder preiswerte Birnen im Supermarkt. Die sehen zwar aus, als hätten sie gerade den Großen Vaterländischen Krieg hinter sich gebracht, aber gut.

Ansonsten war der Januar der Monat, in dem das Lebensmittel-Einfuhrverbot zu diversen dämlichen Politiker-Statements geführt hat. Das Spektrum reicht von Marie Antoinette („Dann esst halt weniger„) bis Mimimi („Das subventionierte Essen in unserer Kantine für Besserverdienende ist jetzt nur noch 63 Prozent billiger als auf dem freien Markt, vorher waren es 86 Prozent„).

Immerhin haben sich ein paar Dezember-Preistreiber nach unten korrigiert, nicht nur die Birnen, auch der Kabeljau. In der Käsetheke liegt zumindest wieder eine Sorte bezahlbarer Schimmelkäse, der hier mal großzügig unter „Brie“ geführt wird – auch wenn die Käsefachverkäuferin nicht sicher war, ob es auch welcher ist. Unter den Sachen, die teurer geworden sind, ist dagegen auch klassisches, nicht importiertes Wintergemüse wie Weißkohl oder rote Bete.

Der Supermarkt-Teil des Warenkorbes ist von Dezember auf Januar etwas günstiger geworden (7,3 Prozent). Birnen, Brie, Fleisch – einiges war kurz vor Silvester noch deutlich teurer. Am grundsätzlichen Trend ändert das aber nichts: Den Moskauer Warenkorb gibt es seit August, in dem Zeitraum sind die Supermarkt-Einkäufe insgesamt 123,3 Prozent teurer geworden.

Supermarktpreise:

Möhren für 59,90 Rubel/Kilo (Dezember: 69)
Tomaten für 269,00 Rubel/Kilo (Dezember: 165)
Weißkohl für 46,90 Rubel/Kilo (Dezember: 39)
Äpfel für 69,90 Rubel/Kilo (Dezember: 94)
Birnen für 119,00 Rubel/Kilo (Dezember: 269)

Milch (2,5%) für 60 Rubel/Liter (Dezember: 57)
Butter für 45 Rubel/100g (Dezember: 36,11)
Brie für 142 Rubel/100g (Dezember: 329)

Hähnchenbrust für 199 Rubel/Kilo (Dezember: 429)
Schweinekotelett für 379 Rubel/Kilo (Dezember: 319)

Beim Online-Supermarkt Utkonos geht der Preisanstieg weiter, im vergangenen Monat um 8 Prozent. Die Preistreiber sind hier Rote Bete, Auberginen und Kartoffeln. Wer von sinkenden Preisen profitieren will, für den empfiehlt sich im Januar eine Speck-Gurken-Kabeljau-Diät.

Onlinehändlerpreise:

Kartoffeln für 43,90 Rubel/Kilo (Dezember: 32,00)
Zwiebeln für 42,50 Rubel/Kilo (Dezember: 33,00)
Gurken für 237,00 Rubel/Kilo (Dezember: 299,00)
Zucchini für 349,00 Rubel/Kilo (Dezember: 255,00)
Auberginen für 499,00 Rubel/Kilo (Dezember: 519,00)
Rote Bete für 39,00 Rubel/Kilo (Dezember: 22,50)
Eisbergsalat für 148,00 Rubel/Stück (Dezember: 148,00)
Kohlrabi für 349,00 Rubel/Kilo (Dezember: 265,00)

Zitronen für 147 Rubel/Kilo (Dezember: 123,00)
Mango für 389 Rubel/Kilo (Dezember: 315,00)
Bananen für 89 Rubel/Kilo (Dezember: 99,50)
Orangen für 105 Rubel/Kilo (Dezember: 94,00)
Grapefruit für 99 Rubel/Kilo (Dezember: 97,00)
Kiwi für 189 Rubel/Kilo (Dezember: 154,00)

Milch für 64,21 Rubel/Liter (Dezember: 58,13)
Butter für 52,22 Rubel/100 g (Dezember: 52,22)
Graubrot, geschnitten, für 82,5 Rubel/Kilo (Dezember: 82,50)
Toastbrot für 90,60 Rubel/Kilo (Dezember: 90,60)

Rinderhack für 494 Rubel/Kilo (Dezember: 398,00)
Ganzes Hähnchen 150,00 für Rubel/Kilo (Dezember: 158,00)
Durchwachsener Speck für 556,00 Rubel/Kilo (Dezember: 1010,00)

Kabeljau (TK) für 236,00 Rubel/Kilo (Dezember: 502,00)
Lachssteak (TK) für 640 Rubel/Kilo (Dezember: 640,00)

Das Kleingedruckte: In diesem Monat mussten wir uns leider von der Papaya verabschieden, Utkonos hat keine mehr im Sortiment. Und es gilt weiterhin: Der Moskauer Warenkorb ist nicht repräsentativ.

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Moskauer Warenkorb, Dezember 2014

kaboompics.com_baglesUnter den bekloppten Ideen des Monats war die, am 30. Dezember noch schnell im Supermarkt ein paar Preise nachzusehen, schon sehr weit vorne. Schließlich ist hier in Russland Silvester und nicht Weihnachten das wichtige Fest zum Jahresende, meist mit großem, selbst gekochtem Essen im Familienkreis.

11,5 Millionen Menschen lebten bei der letzten offiziellen Zählung in Moskau; sie und alle, die seitdem hinzugekommen sind, waren gleichzeitig mit mir im Supermarkt, plus bereits angereister Gäste. Und einer von denen war sogar so nett, den halbvollen Einkaufswagen leer zu machen und wegzuräumen, als ich ihn kurz aus dem Auge gelassen habe, um was aus dem Regal zu nehmen. Danke dafür.

Auffällig sind bei der Preisentwicklung diesmal zwei Dinge. Zum einen, dass das Sortiment in unserem großen Supermarkt immer kleiner wird. Parmesan gibt es jetzt endgültig nicht mehr, rote Paprika waren auch aus, Brie nur noch ein teurer Rest aus der Schweiz. Das heißt nicht, das man das hier in Moskau überhaupt nicht mehr bekäme – aber man muss eben die Läden abtingeln oder in den Luxus-Markt gehen und entsprechend viel bezahlen. Das macht den Russen den Alltag schwer und mir das Vergleichen von Monat zu Monat.

Das andere ist die Sache mit dem Brot. Brot ist, wie eine Tausendermarke beim DAX, psychologisch wichtig, auch wenn die Formulierung abgenudelt ist. Brot ist ein Grundnahrungsmittel, Brot gehört zum Tagesablauf, bei manchen Leuten zu zwei von drei Mahlzeiten. Die russischen Behörden geben sich darum große Mühe, die Brotpreise stabil zu halten (mehr dazu hier und hier). Trotzdem sind diesen Monat die Brotpreise im Warenkorb gestiegen, zum ersten Mal seit einem Vierteljahr.

4,4 Prozent beim Graubrot, 10 Prozent beim Toast. Ob das nun ein Trend wird, muss sich zeigen – blickt man aber auf den August, als das Einfuhrverbot für westliche Lebensmittel beschlossen wurde, so ist Brot seitdem insgesamt 7,8 Prozent (Graubrot) bzw. 13,5 Prozent (Toast) teurer geworden.

Und hier die ganze Übersicht:

Supermarktpreise:

Möhren für 69 Rubel/Kilo (November: 34,90)
Tomaten für 165 Rubel/Kilo (November: 99,00)
Weißkohl für 39 Rubel/Kilo (November: 21,00)
Äpfel für 94 Rubel/Kilo (November: 44,90)
Birnen für 269 Rubel/Kilo (November: 65,00)

Milch (2,5%) für 57 Rubel/Liter (November: 63,44)
Butter für 36,11 Rubel/100g (November: 27,22)
Brie für 329 Rubel/100g (November: 111,20)

Hähnchenbrust für 429 Rubel/Kilo (November: 179,00)
Schweinekotelett für 319 für Rubel/Kilo (November: 369,00)

Onlinehändlerpreise

Kartoffeln für 32,00 Rubel/Kilo (November: 29,00)
Zwiebeln für 33,00 Rubel/Kilo (November: 27,00)
Gurken für 299,00 Rubel/Kilo (November: 207,00)
Zucchini für 255,00 Rubel/Kilo (November: 153,00)
Auberginen für 519,00 Rubel/Kilo (November: 199,00)
Rote Bete für 22,50 Rubel/Kilo (November: 21,00)
Eisbergsalat für 148,00 Rubel/Stück (November: 210,00)
Kohlrabi für 265,00 Rubel/Kilo (November: 215,00)

Zitronen für 123,00 Rubel/Kilo (November: 98,00)
Papaya für 610,00 Rubel/Kilo (November: 455,00)
Mango für 315,00 Rubel/Kilo (November: 315,00)
Bananen für 99,50 Rubel/Kilo (November: 59,90)
Orangen für 94,00 Rubel/Kilo (November: 72,00)
Grapefruit für 97,00 Rubel/Kilo (November: 78,00)
Kiwi für 154,00 Rubel/Kilo (November: 115,00)

Milch für 58,13 Rubel/Liter (November: 66,74)
Butter für 52,22 Rubel/100 g (November: 50,39)

Graubrot, geschnitten, für 82,50 Rubel/Kilo (November: 79,06)
Toastbrot für 90,60 Rubel/Kilo (November: 82,40)

Rinderhack für 398,00 Rubel/Kilo (November: 398,00)
Ganzes Hähnchen 158,00 für Rubel/Kilo (November: 119,00)
Durchwachsener Speck für 1010,00 Rubel/Kilo (November: 747,50)

Kabeljau (TK) für 502,00 Rubel/Kilo (November: 251,00)
Lachssteak (TK) für 640,00 Rubel/Kilo (November: 640,00)

Was heißt das zusammengerechnet? Der Supermarkteinkauf ist um 101,8 Prozent teurer geworden, was zum größten Teil an den Birnen lag (313,8 Prozent teurer als im November). Der Online-Einkauf kostet 28,9 Prozent mehr, hier sind die Preistreiber Auberginen, Kabeljau, Zucchini und Bananen. Mal sehen, ob das Brot im Januar ein größerer Faktor wird.

(DAS KLEINGEDRUCKTE: DER WARENKORB IST NICHT REPRÄSENTATIV. AUSSERDEM GIBT ES IN UNSEREM SUPERMARKT JETZT NICHT MAL MEHR GERIEBENEN PARMESAN UND AKTUELL AUCH KEINE ROTE PAPRIKA. BEIDE SIND ALSO AUS DER WERTUNG RAUSGEFLOGEN.)

(Foto: Kaboompics)

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Moskauer Warenkorb, November 2014

November – Zeit, Plätzchenzutaten zu kaufen auf dem Dorogomilowski-Markt, nicht weit vom Kiewer Bahnhof. Ein Gelände mit Markthalle und kleinen Buden, dessen Atmosphäre sich am besten genießen lässt, wenn man vergisst, je das Wort „Kühlkette“ gekannt zu haben. Dann ist es wirklich interessant zwischen all den Metzgern, den drei Dutzend Sorten Honig, den duftenden Bäckereiständen und den Fischen, die unter freiem Himmel auf Eis liegen, während über ihnen die Tauben schweben.

„Mandeln, geschnitten?“ Die Händlerin nickt, telefoniert, kurz danach bringt ihr jemand einen Kilobeutel. Okay, sie sind gehobelt, taugen also nicht für Wespennester. Aber da findet sich schon was, einfach improvisieren.

Das ist diesen Monat auch das Stichwort für den Warenkorb. Denn auf Dauer macht Preislistenlesen wahrscheinlich genau so wenig Spaß wie Preislistenschreiben. Eigentlich sollte es hier darum allerlei schicke Diagramme geben – und für mich die Gelegenheit, mit ein paar Programmen rumzuspielen. Nach einigen Stunden Frickeln und Frust mir Datawrapper und Tableau hier also der Versuch einer Erklärgrafik mit Piktochart.

Empfehlungen für laientaugliche Datenvisualisierungs-Programme gerne in den Kommentaren posten, dann versuch ich mich in den kommenden Monaten mal daran. Und wer sie ernsthaft vermisst, findet die ausführlichen Preislisten weiter unten.

Moskauer Warenkorb November 2014 kscheib

Supermarktpreise:

Möhren für 34,90 Rubel/Kilo (Oktober: 28,00)
Tomaten für 99,00 Rubel/Kilo (Oktober: 99,90)
Rote Paprika für 185,00 Rubel/Kilo (Oktober: 194,00)
Weißkohl für 21,00 Rubel/Kilo (Oktober: 11,90)
Äpfel für 44,90 Rubel/Kilo (Oktober: 69,90)
Birnen für 65,00 Rubel/Kilo (Oktober: 69,90)

Milch (2,5%) für 63,44 Rubel/Liter (Oktober: 63,44)
Butter für 27,22 Rubel/100g (Oktober: 41,66)
Brie für 111,20 Rubel/100g (Oktober: 111,20)
Parmesan für 96,66 Rubel/100g (Oktober: 91,90)

Hähnchenbrust für 179,00 Rubel/Kilo (Oktober: 199,00)
Schweinekotelett für 369,00 für Rubel/Kilo (Oktober: 369,00)

Onlinehändlerpreise

Kartoffeln für 29,00 Rubel/Kilo (Oktober: 29,00)
Zwiebeln für 27,00 Rubel/Kilo (Oktober: 27,00)
Gurken für 207,00 Rubel/Kilo (Oktober: 145,00)
Zucchini für 153,00 Rubel/Kilo (Oktober: 139,00)
Auberginen für 199,00 Rubel/Kilo (Oktober: 195,00)
Rote Bete für 21,00 Rubel/Kilo (Oktober: 18,50)
Eisbergsalat für 210,00 Rubel/Stück (Oktober: 210,00)
Kohlrabi für 215,00 Rubel/Kilo (Oktober: 188,00)

Zitronen für 98,00 Rubel/Kilo (Oktober: 93,00)
Papaya für 455,00 Rubel/Kilo (Oktober: 455,00)
Mango für 315,00 Rubel/Kilo (Oktober: 299,00)
Bananen für 59,90 Rubel/Kilo (Oktober: 63,00)
Orangen für 72,00 Rubel/Kilo (Oktober: 72,00)
Grapefruit für 78,00 Rubel/Kilo (Oktober: 99,00)
Kiwi für 115,00 Rubel/Kilo (Oktober: 142,00)

Milch für 66,74 Rubel/Liter (Oktober: 63,40)
Butter für 50,39 Rubel/100 g (Oktober: 45,35)

Graubrot, geschnitten, für 79,06 Rubel/Kilo (Oktober: 79,06)
Toastbrot für 82,40 Rubel/Kilo (Oktober: 82,40)

Rinderhack für 398,00 Rubel/Kilo (Oktober: 336,00)
Ganzes Hähnchen 119,00 für Rubel/Kilo (Oktober: 150,00)
Durchwachsener Speck für 747,50 Rubel/Kilo (Oktober: 498,33)

Kabeljau (TK) für 251,00 Rubel/Kilo (Oktober: 251,00)
Lachssteak (TK) für 640,00 Rubel/Kilo (Oktober: 640,00)

(Das Kleingedruckte: Der Warenkorb ist nicht repräsentativ. Außerdem gibt es in unserem Supermarkt jetzt keinen Parmesan am Stück mehr – dafür aber frischen geriebenen in der Tüte, zum fast exakt gleichen Rubelpreis pro Kilo. Darum habe ich mir erlaubt, den geriebenen hier in die Wertung zu nehmen.)

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Moskauer Warenkorb, Oktober 2014

Wenn der letzte Warenkorb-Blogpost mit Parmesan aufgehört hat, darf der hier auch mit Parmesan anfangen. Genau genommen mit einem Drama in zwei Akten – der berühmte szenische Einstieg.

– „Entschuldigung, wo ist der Parmesan?“
– „Weiß ich nicht.“ (geht weg)
– „Wer weiß das denn?“
– (kneift die Lippen zusammen und geht schneller)

– „Entschuldigung, wo ist der Parmesan?“
– „Weiß ich nicht.“ (geht weg)
– „Wer weiß das denn?“
– (bückt sich hinter eine Palette H-Milch)

Der Klarheit halber sollte man sagen, dass es zwei verschiedene Gesprächspartnerinnen waren, wenn auch kurz hintereinander. Beide angetroffen im selben Biotop, zwischen zwei Kühltheken. Ein Kunde mit einer Frage und eine Servicekultur mit armdicken Wurzeln im Sozialismus, das ist schon eine unterhaltsame Kombination. Also, es sei denn, es ist einem wichtig, eine Antwort zu bekommen.

Parmesan Perekrestok Oktober 2014 

Dass trotzdem im Oktober-Warenkorb noch ein Stück Parmesan drin ist, liegt an dem kleinen Menschenauflauf (keine Gratin-Witze jetzt, bitte) vor einem schmalen Kühlregal, einschließlich Beiseitestoßen mit Hüften und Ellenbogen. Für mich oberhalb der Augenhöhe, außerdem ganz hinten an der Wand, lagen sie: die letzten Parmesanstücke im ganzen, großen Perekrestok-Laden. Und dazu auch noch günstig – vermutlich Reste aus dem Lager, die abverkauft werden mussten.

Und sonst? Hier die Supermarkt-Liste.

Möhren für 28,00 Rubel/Kilo (September: 17,90)
Tomaten für 99,90 Rubel/Kilo (September: 44,00)
Rote Paprika für 194,00 Rubel/Kilo (September: 189,00)
Weißkohl für 11,90 Rubel/Kilo (September: 9,90)
Äpfel für 69,90 Rubel/Kilo (September: 32,00)
Birnen für 69,90 Rubel/Kilo (September: 129,00)

Milch (2,5%) für 63,44 Rubel/Liter (September: 56,99)
Butter für 41,66 Rubel/100g (September: 37,22)
Brie für 111,20 Rubel/100g (September: 111,20)
Parmesan für 91,90 Rubel/100g (September: 232,67 )

Hähnchenbrust für 199,00 Rubel/Kilo (September: 195,00)
Schweinekotelett für 369,00 für Rubel/Kilo (September: 384,00)

Wer kein Ladenlokal betritt, sondern bei Utkonos.ru online bestellt, tut das im Oktober zu diesen Preisen:

Kartoffeln für 29,00 Rubel/Kilo (September: 21,50)
Zwiebeln für 27,00 Rubel/Kilo (September: 21,50)
Gurken für 145 Rubel/Kilo (September: 99,90)
Zucchini für 139,00 Rubel/Kilo (September: 36,00)
Auberginen für 195,00 Rubel/Kilo (September: 178,00)
Rote Bete für 18,50 Rubel/Kilo (September: 19,00)
Eisbergsalat für 210,00 Rubel/Stück (September: 148,00)
Kohlrabi für 188,00 Rubel/Kilo (September: 188,00)

Zitronen für 93,00 Rubel/Kilo (September: 139,00)
Papaya für 455,00 Rubel/Kilo (September: 417,00)
Mango für 299,00 Rubel/Kilo (September: 759,00)
Bananen für 63,00 Rubel/Kilo (September: 57,50)
Orangen für 72,00 Rubel/Kilo (September: 75,00)
Grapefruit für 99,00 Rubel/Kilo (September: 99,50)
Kiwi für 142,00 Rubel/Kilo (September: 225,00)

Milch für 63,40 Rubel/Liter (September: 66,11)
Butter für 45,35 Rubel/100 g (September: 49,89)

Graubrot, geschnitten, für 79,06 Rubel/Kilo (September: 79,06)
Toastbrot für 82,40 Rubel/Kilo (September: 82,40)

Rinderhack für 336,00 Rubel/Kilo (September: 412,00)
Ganzes Hähnchen 150,00 für Rubel/Kilo (September: 150,00)
Durchwachsener Speck für 498,33 Rubel/Kilo (September: 650,00)

Kabeljau (TK) für 251,00 Rubel/Kilo (September: 228,00)
Lachssteak (TK) für 640,00 Rubel/Kilo (September: 640,00)

Die Listen sind lang, die Erkenntnisse aus ihnen lassen sich kurz fassen: Knapp die Hälfte der Preise sind, verglichen mit September, weiter gestiegen – im Schnitt wurde der Supermarkt-Warenkorb um 20 Prozent teurer, der Online-Einkauf um 11,6 Prozent. Das ist in beiden Fällen aber ein geringerer Preisanstieg als von August auf September. Bei einigen Lebensmitteln in dieser Stichprobe sind die Preise sogar gefallen – Birnen zum Beispiel, Butter und auch Rinderhack waren im Oktober alle günstiger.

Gleichzeitig sind einige Dinge, die Utkonos im September noch als „nicht auf Lager“ markiert hatte, nun wieder lieferbar, wobei sich oft die Marken geändert haben. Beides zusammen legt eine Deutung nahe: Nach dem überstürzt verkündeten Einfuhrverbot für westliche Lebensmittel haben russische Händler inzwischen Lieferanten aus anderen Ländern gefunden, die zum Teil sogar billigere Ware anbieten.

Zum Beispiel darf China neuerdings wieder Schweinefleisch nach Russland einführen – das war seit zehn Jahren aus Angst vor Krankheitserregern verboten gewesen. In Namibia planen die Rinderzüchter für künftige Bestellungen aus Russland, und auf den Philippinen gucken die Krokodile mit Tränen in den Augen in die Zukunft.

Krokodile Pixabay 

(Das Kleingedruckte: Der Warenkorb ist nicht repräsentativ. Er ist auch kein Beleg dafür, dass das Lebensmittel-Importverbot als alleiniger Faktor die Preise hochtreibt – im Spätherbst haben halt nicht mehr allzu viele Obst- und Gemüsesorten Saison. Außerdem sind nach dem Naturjoghurt nun auch die Nektarinen aus der Wertung geflogen, weil es bei Utkonos keine mehr gab. Damit der Vergleich nicht hinkt, hab ich die beiden Produkte auch aus den Warenkorb-Summen für August und September rausgerechnet.)

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