Elf Polizisten müsst ihr sein

Es gibt so Geschichten, bei denen kann man gar nicht fassen, dass man sie erlebt. So eine habe ich gerade hinter mir, und eigentlich müsste man danach mit einem Kräutertee aufs Sofa und von da nahtlos ins Bett, es ist ja auch schon halb eins. Geht aber nicht, ich muss ja gleich noch Albrecht anrufen. Da kann ich sie auch aufschreiben: Die Geschichte, wie ich mal einen Abend mit elf Polizisten verbrachte.

***

Alles fängt damit an, dass R. in der Stadt ist. Zum Arbeiten, als Journalist bei der WM. Am Vortag gelandet, akkreditiert und im Hotel eingecheckt, heute wollen wir zum Abendessen beim Lieblingsgeorgier. Wird nur leider nichts, weil sein Pass weg ist. Gemerkt hat er das am Schlagbaum zu unserem Wohngelände, wo die Wachmänner die Papiere kontrollieren, verloren gegangen sein muss das Ding in der Metro, die kleine Tasche an seinem Rucksack, deren Reißverschluss er geschlossen hatte, stand offen. R. geht den Weg zurück zur Haltestelle, ich telefoniere diverse Hotlines ab, beides erfolglos. Dann geht er an der Metro auf einen Polizisten zu, spricht ihn auf Englisch an, was der Polizist nicht versteht. Der will nun aber von R. erst mal den Pass sehen. Und so beginnt es.

Kurz nach 19 Uhr, herbeitelefoniert stoße ich zu R. hinzu in die kleine Polizeikammer in der Metrohaltestelle. Er und vier Polizisten stehen da, in unterschiedlichen Uniformen, mit Jacke oder nur im Hemd, gelegentlich kommt ein Neuer hinzu und ein Alter verabschiedet sich. R. erzählt auf Englisch, was passiert ist, ich übersetze mir einen zurecht, die Polizisten fragen, einer schreibt langsam und in Handschrift alles auf, was R. heute getan hat. Zu diesem Zeitpunkt weiß ich noch nicht, dass das Albrecht ist. Er wird uns heute noch öfter begegnen, erst aber verbringen wir ein Stündchen mit Protokoll, Rumstehen, Rumstehen, Protokoll, zwischendurch kurz in den Supermarkt.

Inzwischen sind eine ganze Reihe Polizisten hinzugekommen. Einer in Zivil, in einem weißen Blouson, der wissen will, ob um den verlorenen Pass eine Hülle war. Einer im Anzug, der R.s Metrokarte ausliest und so erfährt, dass er um 17.03 Uhr in die Metro gestiegen ist. Einer in blauem Tarnfleck, mit Schutzweste und Schäferhund. Einer mit einer Kamera, der Bilder von R. mit seinem Rucksack macht und sie zu Leuten schickt, die die Kameraufnahmen aus der Metro nach ihm durchsuchen sollen. Eine Frau in Rock und Bluse, mit Pistole im Halfter und Ministeriumswappen am Ärmel. Die Atmosphäre ist routiniert bis sonntäglich, mit gelegentlich aufblitzender Freundlichkeit.

Warum zieht sich das hier alles so? Auf Nachfrage kommt raus, dass R. leichtfertigerweise die Grenzen zwischen mehreren Polizeibezirken überschritten hat: In einem Bezirk in die Metro gestiegen. In einem Bezirk gemerkt, dass der Pass weg ist. In einem Bezirk einen Polizisten um Hilfe gebeten. Darum dürfen hier so viele Leute mitspielen, darum müssen wir nun alle noch mal zu uns nach Hause fahren, ans Schrankenwärterhäuschen, um auch diesen Bezirk abzuhaken. Erste Fahrt im Leben mit einem russischen Polizeiauto? Check! Für uns alle reicht der Wagen natürlich nicht, darum fährt der Rest in einem Kleinbus hinterher. Am Schrankenwärterhäuschen zähle ich durch: zehn. Es sind zehn Polizeikräfte, die uns hier betreuen, für einen verlorenen Pass.

Enlight277R. muss vor dem Wärterhäuschen posieren, wird zusammen mit ihm fotografiert – Beweisaufnahme. Ein Nachbar, der uns gesehen hat, kommt und bietet Hilfe an. Ein Polizist raucht. Der Schäferhund setzt sich. Das hier wird wohl noch länger dauern. Ob R. vielleicht inzwischen in sein Hotel fahren könnte, da im Zimmer noch mal gründlich gucken? Nein, erst muss die Anzeige aufgenommen werden. In neuer Besetzung, diesmal zu fünft, steigen wir ins Polizeiauto, der Beifahrer ist sicher wichtig, er trägt Zivil. Zur WM sei R. also das? England gegen Russland habe er mal in Wembley gesehen, sagt der Zivilist, er selber sei ja Fan von Spartak, was wir denn zu der Sache mit Leicesters Meisterschaft 2016 sagen, und dass ja leider dieser deutsche Torwart Liverpool den Sieg in der Champions League verbockt hat. Wir nicken und hmmmmmen, um ihn möglichst wohlwollend zu stimmen.

„Gucken Sie nicht so genau hin, das Gebäude ist schon alt, von 1935“, sagt der Zivilmann, als wir an der Wache angekommen sind. Was wir betreten, fühlt sich an wie die sowjetische Interpretation eines Gebäudes aus einem Harry-Potter-Band: Die Wache ist rund, man läuft in der Kurve den Gang entlang, hier mal eine Gittertür, rissige Farbe an den Wänden. Nachfrage ergibt: Das Ding ist rund, weil die Polizeiwache ringförmig in die Metrostation „Smolenskaja“ eingebaut ist, einmal rund um die Kuppel der Eingangshalle. R. und ich werden in einen Aufenthaltsraum gebracht, der, natürlich, auch gerundet ist. An der Wand Fotos der Mitarbeiter beim gemeinsamen Skifahren und beim Tauziehen im Schnee. Rechts an der Wand Bilder von Kollegen, die im Dienst gestorben sind. „Guck mal, da ist einer von unseren“, sagt R. und zeigt auf die Pinnwand, über der „Die Besten ihres Berufs“ steht. Ach schau, da hängt er – der Mann, der später Albrecht sein wird.

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Dann holt man uns auch schon wieder ab, in einen winzigen, zugestellten Raum mit zwei Schreibtischen „Ich hab eine Übersetzerin, die Englisch kann“, verkündet der Zivilist dem Kollegen, der dort sitzt und tippt – Nummer elf des heutigen Tages. Der ist durchaus attraktiv und es ist nicht ganz ohne, von so jemandem angesehen zu werden, als sei man die Antwort auf all seine Fragen. Ob ich vielleicht diesem jungen Mann hier aus Ägypten mal seine Aussage vorlesen und übersetzen könnte, ob man sich richtig verstanden habe? Sein Portemonnaie ist weg, er ist seit zwei Tagen auf der Wache, hat dort übernachtet. Zu Gast in Moskau, ohne Geld, ohne Freunde. Der Polizist will, dass das Protokoll unterschrieben wird. Dem Ägypter ist das Protokoll egal, er weiß nicht, wie er ohne Geld zurück nach Tambow kommen soll, wo er studiert und übermorgen seine letzte Prüfung hat. „Das tut uns leid, aber wir sind ja nur die Polizei, keine Bank“, sagt einer. An der Wand lehnt ein Bügelbrett mit buntem Stoffbezug. Fische schwimmen in einem winzigen Aquarium, der Zivilist erklärt, dass das seine sind und wie stolz er auf sie ist.

Munteres Übersetzen mit viel Geholper, mal für den Beamten, der R.s Fall in den Rechner tippt, mal für den anderen. Ich wundere mich, was für Vokabeln man sich alle erschließen kann, wenn einen ein Polizist erwartungsvoll anguckt. Vielleicht ein Thema für Didaktiker. Dazwischen reden wir über Ägyptens Chancen bei der WM, der Zivilist klinkt sich ein, das mit Salah, was der Ramos da gemacht hat, war eine ganz dreckige Sache. Ich denke daran, wie ich vor zwei, drei Stunden noch geglaubt habe, mit einem russischen Polizeiauto zu fahren sei sicherlich das Verrückteste, was mir diese Woche passieren würde. „Wir erleben hier gerade eine Kurzgeschichte“, sage ich zu R. „Ist aber nicht besonders kurz“, antwortet er.

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Der Ägypter, den die drei Beamten alle beim Vornamen nennen und nahezu väterlich behandeln, wischt durch die Fotos auf seinem Handy und zeigt seine Zeichnungen: Eine junge Frau mit hochgesteckten Haaren, eine ältere Frau mit Kopftuch. „Der ist ein echter Künstler“, sagt einer der Polizisten, „Komm, zeig denen doch mal deinen Putin.“ Der Ägypter zeigt ein YouTube-Video, in dem er einen Leinwand bemalt. Man erkennt nur seltsame Formen, bis er das fertige Bild auf den Kopf stellt und es plötzlich unverkennbar Putin ist. „Damit hab ich einen Wettbewerb gewonnen, ‚Tambov’s got talent‘,“ sagt er stolz. Ich kann und kann und kann das hier alles überhaupt nicht fassen.

Der Ägypter findet, dass wir doch jetzt alle mal Freunde bei Facebook werden sollten. R. und ich vereinbaren in einer stillen Minute, dass wir ihm gleich jeder 1000 Rubel geben, dann kann er sich ein Zugticket nach Tambow kaufen. Dann wollen die Beamten wissen, ob R. während der WM noch andere russische Städte sehen wird. Was, echt, Saransk? Ist ja ein Ding, da ist doch der Polizist her, der gerade R. s Protokoll schreibt! „Der ist nämlich kein Russe, der ist Tatar“, frotzelt der Zivilist. Großes Hallo, der Tatar holt das Handy raus, zeigt Fotos von sich vorm Saransker Stadion, von seinen Kindern, der Sohn in Eishockeymontur. Der Zivilist geht mit, er war auch schon mal in Saransk, bitte mal gerade für R. übersetzen: Es gebe dort eine Kirche an einem Platz, und ein Denkmal für einen berühmten russischen Admiral. Es geht auf Mitternacht zu, wir sitzen in einem ranzigen alten Büro auf einer Polizeiwache und bekommen Tipps zur Freizeitgestaltung in Saransk. Das Maskottchen der Stadt, sagt der Zivilist,sei übrigens das Eichhörnchen.

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Irgendwann sind die Protokolle fertig. R. muss unter seins auf Englisch schreiben, dass seine Aussage richtig aufgeschrieben und ihm vorgelesen wurde. Darunter schreibt der Polizist denselben Satz auf Russisch und daneben: Beglaubigt von der Übersetzerin, Frau Katrin Scheib. Gleiches Prozedere beim Ägypter, dann werden die Unterlagen abgeheftet, in einen Safe gelegt und ich denke mir, dass es bei der Moskauer Polizei jetzt auf ewig oder zumindest bis zur endgültigen Digitalisierung zwei Protokolle gibt, auf denen steht: „Übersetzerin: Frau Katrin Scheib“. Wäre ich nicht komplett ausgelastet mit dem Gedanken, wie unglaublich das hier alles ist, ich wäre stolz.

So, sagt der Zivilist, „übersetzen Sie bitte dem jungen Mann, dass wir ihm jetzt ein Ticket kaufen für den Bus nach Tambow.“ Der Ägpter strahlt. „Nicht wir, die Polizei, sondern wir als Menschen.“ Der Ägypter nickt. „Fragen Sie ihn mal, ob er am Fenster sitzen will oder am Gang.“ Wo der Bus denn losfährt, will der Ägypter wissen, und der Zivilist sagt: „Wir haben hier einen Auszubildenden, der steigt morgen mit dir in die Metro, fährt mit dir bis zum Busbahnhof und setzt dich in den Bus, auf den richtigen Platz.“ R und ich gucken uns an und sehen im Blick des anderen die Frage, was wohl für ein Gefühl kommt, wenn „komplett fassungslos“ nicht mehr reicht.

„Bitte übersetzen Sie ihm, dass er sein Portemonnaie in Zukunft in die Hosentasche steckt oder in die Innentasche der Jacke, nie außen“, sagt der Zivilist noch. Der Ägypter bedankt sich, strahlt noch ein bisschen mehr, als wir ihm die 2000 Rubel geben, und verabschiedet sich, es gibt im Untergeschoss einen Schlafplatz für ihn. Der Polizist, der R.s Fall getippt hat, sagt, dass er Albrecht heißt, dass er und ich jetzt mal Telefonnummern austauschen, und dass R. dann mit dem Taxi in sein Hotel fahren soll, irgendwo in der Nähe des DFB-Mannschaftsquartiers. „Und wenn er gut angekommen ist und geguckt hat, ob da sein Pass liegt, dann ruft er Sie an, Katrin, und Sie rufen mich an und sagen es mir. Auf Wiedersehen.“

***

Fünf Minuten später stehen wir auf der Straße vor der Polizeiwache, R. und ich, umarmen uns und vergewissern uns, was wir da gerade erlebt haben. Fünf Stunden mit elf verschiedenen Moskauer Polizisten, mit viel Warterei, viel Protokollschreiben und viel Übersetzen. Eine Stunde später wird R. sein Hotelzimmer betreten und feststellen, dass der Pass dort nirgends ist, morgen muss er also mit seinem Polizeiprotokoll zur Botschaft. Doch was immer er dort erlebt – den heutigen Tag wird es nicht übertreffen.

Mehr über den Alltag in Russland während der WM hier.

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Russball, Folge 51: Ein russischer Verein lockt Ronaldo

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Zum Start muss ich kurz etwas richtigstellen: In der letzten Russball-Folge sind mir bei einem verlinkten Text Spartak und ZSKA durcheinandergeraten – das kommt davon, wenn man parallel mit zu vielen offenen Tabs hantiert. Netterweise hat sich Witali Leonow, der den Artikel über ZSKA geschrieben hat, gemeldet und auf meinen Fehler hingewiesen. In der Blog-Version ist er bereits korrigiert, ich wollte aber heute auch noch alle Newsletter-Leser darauf hinweisen – sorry!

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⚽ Nun steht also auch der russische WM-Kader, weder Konstantin Rausch noch Roman Neustädter haben es reingeschafft. Die 23 Namen, die man bis zum Turnierbeginn kennen sollte, hier also im Überblick. Und nein, natürlich gibt es solch eine Entscheidung nicht ohne Kritik – die Mehrheit der Leser von Bombardir.ru zum Beispiel ist unzufrieden, wie die Umfrage unter diesem Artikel hier zeigt. Ähnlich klingen die Kommentare, die Championat.com gesammelt hat. Tenor: „Die Titanic ist auf Kurs.“

⚽ Wie teuer ist die russische Nationalmannschaft, und wieviel Geld bringt sie ein? Sport Express beantwortet diese Fragen in zwei separaten Artikeln und geht dort jeweils die großen Turniere der vergangenen Jahre durch. Aussagekräftiger wäre das ja, wenn man Ausgaben und Einnahmen pro Jahr jeweils auf einen Blick sähe, ohne von einem Text zum anderen springen zu müssen.

Darum hier zum Vergleich: Für die WM 2014 in Brasilien kommt Sport Express auf Kosten von rund 17 Millionen Euro, wovon das Gehalt von Trainer Fabio Capello allein 7 Millionen ausmachte. Eingenommen habe die Mannschaft im Gegenzug etwas über 8 Millionen Euro, der Artikel nennt die Zahlen in Dollar: 1,5 Millionen für die geschaffte WM-Quali, weitere 8 Millionen für die Teilnahme an der Gruppenphase. Wer sich noch weiter in das Thema reinlesen will: Hier gibt es die Ausgaben seit 2011, hier die Einnahmen ab 2002.

⚽ Christiano Ronaldo will ja wechseln, hört man, weg von Real Madrid. Der FK Jenissei Krasnojarsk ist jetzt kein russischer Spitzenclub im klassischen Sinne, hebt aber schon mal die Hand und macht mit einem Tweet auf sich aufmerksam, in dem er sich als Alternative zu Madrid und Manchester positioniert:

Die Botschaft der Bilder kann man vielleicht so zusammenfassen: Ja, okay, bei den Top-Vereinen gibt es große Stadien, du gewinnst Trophäen, kannst dir schicke Autos und ne Villa leisten. Bei uns fährt man Lada (man beachte das Nummernschild), wohnt in einfachen Häuschen – aber dafür zahlt du hier auch weniger Steuern! Tatsächlich liegt der Steuersatz in Russland bei gerade mal 13 Prozent, und wir wissen ja alle, wie wichtig das Thema für Christiano Ronaldo ist.

⚽ Langweilige Überblicke über die WM-Stadien haben wir inzwischen ja alle genug gesehen und gelesen. Bei diesem hier hat der Autor hingegen mal so richtig auf die Sahne gehauen. Schon der Einstiegssatz gibt die Richtung vor: „Es ist eine wenig bekannte Tatsache, dass Fußballfans zu den intelligentensten Menschen auf dem Planeten gehören.“

Im selben Stil dann auch die Einzelkritik, so blumig, dass man sie im englischen Original wiedergeben muss: „a bit of a stinker“ ist das Stadion in Jekaterinburg, „your classic Allianz Arena knock-off“ das in Saransk und die Arena in Rostow ganz einfach „booooooooring“. Okay, beim Fischt-Stadion liegt er mit seiner Einschätzung komplett falsch – das sage ich mal so als Fußballfan, also als einer der intelligentesten Menschen auf diesem Planeten.

⚽ Die Stuttgarter Kinderzeitung wollte ihren Lesern kurz vor der WM mal erzählen, wie ein Tag eines russischen Schülers aussieht. Also war ich an der Moskauer Schule Nummer 1955 und habe dort Dmitrij durch seinen Schultag begleitet. Er ist Spartak-Fan, lernt Deutsch, diskutiert gerne – wir mussten also nicht lange nach Gesprächsthemen suchen.

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Wenn es gut klappt, entstehen beim Schreiben für Kinder manchmal Texte, die klarer sind als die für Erwachsene. Ich bin bestimmt nicht die einzige, die schon mal in einer Redaktionskonferenz gesessen hat, wo vorgetragen wird, was welche Agentur zu einem Thema berichtet – und am Ende jemand sagt: „Also, die beste Meldung ist eigentlich die vom dpa-Kinderdienst.“) Wenn’s schief geht allerdings, dann sind Journalistentexte für Kinder albern, betulich, von oben herab und irgendwie dutzidutzidutzi.

Ich hab also an Patenkind 1 und 2 gedacht, was die wohl gerne lesen würden und auch gut selber lesen können. In kurzen Sätzen, anschaulich, das war der Anspruch. Ob’s geklappt hat, könnt ihr hier nachlesen. Ich freu mich über Feedback, von euch oder von euren Kindern.

⚽ Was man nicht unterschätzen darf, ist übrigens, wie sehr sich die Moskauer Metro in die WM-Vorbereitungen stürzt. Durchsagen, Schilder, Personal, alles wird da auf Englisch getrimmt, die Mitarbeiter sollen außerdem lernen, höflich zu sein und auch mal zu lächeln. Englisch, höflich, wer fällt einem dazu ein? Genau, Kanada. Journalisten von CBC waren es also, die sich mal genauer angesehen haben, wie dieses Training für Metromitarbeiter funktioniert.

Ergebnis: eine Reportage und ein Foto vom Lehrmaterial, zum Genießen. Denn da werden die englischen Floskeln kyrillisch verlautschriftlicht. (Danke an Pascal Dumont, dass ich das Bild hier verwenden darf.) Wenn euch in der Moskauer U-Bahn demnächst also jemand ein fröhliches „Ju a welkem“ entgegenschleudert, ein leises „Ekskju mi“ oder ein hellwaches „Gud moning“, wisst ihr, woher das kommt!

#5

⚽ Anderes Verkehrsmittel, gleicher Ansatz: Moskaus Taxifahrer werden auch geschult in Sachen Englisch. Jedenfalls diejenigen, die eine besondere Lizenz bekommen wollen, mit der sie nah ans Stadion heranfahren dürfen, um dort Passagiere abzusetzen oder aufzusammeln. Knapp 5000 Fahrer sollen sich darum beworben haben.

Hübsch in der Reportage aus diesem Kurs: Die These eines Fahrers, dass man eigentlich nur eine Floskel beherrschen müsse: „One thousand“, Rubel nämlich, das sind 14 Euro. Für Fahrten in der Innenstadt ein ziemlich hoch angesetzter Preis, die Reporterin fragt also nach, ob das keine Abzocke sei und somit schlecht für das Image der Stadt. Einer der Fahrer hält dagegen: „Wenn ein Mensch zur Arbeit geht, worum geht es ihm dann – um Moskaus Image oder ums Geldverdienen?“

⚽ Fragen, von denen ich auch nicht dachte, dass sie hier mal gestellt werden: Wie sieht eigentlich ein Fallrückzieher in der Schwerelosigkeit aus? Die Antwort kommt von der russischen Raumfahrtbehörde Roscosmos. Der Ball, mit dem in dem Video auf der ISS gespielt wird, ist inzwischen wieder auf der Erde, rechtzeitig zum WM-Beginn. Er soll nämlich beim Eröffnungsspiel zwischen Russland und Saudi-Arabien verwendet werden.

⚽ Panama ist dieses Jahr zum ersten Mal für die WM qualifiziert. Der Präsident hat daraufhin den Trainingsanzug der Nationalmannschaft angezogen und ein Gesetz unterschrieben, wobei dieses Ereignis ab sofort mit einem eigenen Feiertag gewürdigt wird. Ich stell mir das jetzt mal kurz mit Angela Merkel vor – die hätte in ihrer Amtszeit schon so einiges zu unterschreiben gehabt, und wir ein paar Feiertage mehr. Die Panama-Anekdote stammt aus einem Projekt von 120 Minuten, das zu jedem WM-Teilnehmerland eine Geschichte gesammelt hat.

Wie Schweizer Fußballer gegen Chiracs Atomtests protestiert haben, wie italienischstämmige Austalier zu ihrer Fußball-Nationalmannschaft stehen, dass der Iran seinen bisher einzigen Sieg bei einer WM ausgerechnet gegen die USA holte – hab ich alles vorher nicht gewusst und mir bei 120 Minuten mit viel Spaß erlesen. Egal, welches Team ihr bei der WM unterstützt – hier gibt es eine hintergründige Geschichte zu ihm.

⚽ Vom schwarzen Humor, mit dem russische Fußballfans ihrer Nationalmannschaft gegenüberstehen, war hier ja schon öfter die Rede, wir erinnern uns an die Sache mit dem Slogan für den Bus. Daraus kann man ableiten, dass es kein ganz einfacher Job ist, Social-Media-Mensch der Sbornaja zu sein. Ab und zu gelingt es einem vielleicht, zu vermeiden, dass man eine ungewollte Vorlage liefert. Aber dann gibt es halt doch immer wieder mal ein Bild, wo es unvermeidbar ist.

„Die Puppen spielen sicher auch nicht schlechter“ – „Gesprächspartner gefunden“ – „Was? Gegen die habt ihr auch verloren?“ – „Da ist die Verstärkung.“ Es war eine Vorlage, und die Fans haben sie verwandelt.

⚽ Thielko Grieß war für den Deutschlandfunk draußen in Watutinki, sich das WM-Quartier der deutschen Nationalmannschaft ansehen. Geht natürlich nicht, alles abgesperrt, oder Baustelle, oder abgesperrte Baustelle. Trotzdem ist es ein anschauliches Stimmungsbild geworden über Moskau, ganz kurz vor der WM: „Bauunternehmen verdienen viel an dieser WM. Und für viele andere ist Fußball nicht die größte Leidenschaft, aber wenn das Turnier schon mal im eigenen Land stattfindet, kann man es sich ja auch anschauen. Wer weiß, vielleicht wird es ja doch ganz interessant, diese Sache mit dem Ball und den Stadien und den Spielern und Fans von überall her.“

⚽ Ihr erinnert euch an die Studenten der Lomonossow-Universität, die gegen die Fanzone direkt vor ihrer Haustür protestieren? Sie haben Angst, vor vollgepinkelten Grünflächen, vor betrunkenen Fans, vor allem aber vor dem Lärm an allen Spieltagen, mitten in der Prüfungsphase. Wie nah an der Uni das Party-Areal hochgezogen wird, zeigt diese Fotostrecke hier ganz gut.

Drei Studierenden droht nun ein Prozess. Sie sollen auf eine Litfaßsäule nahe der Uni den Slogan „Keine Fanzone!“ geschrieben haben. Das fällt unter Vandalismus, das Strafmaß reicht laut Vedomosti von einer Geldstrafe bis hin zu drei Jahren Haft. Aktuell sind die drei nach ihrer Festnahme vorläufig wieder auf freiem Fuß.

⚽ Das hier hat die eine oder der andere von euch vielleicht schon gesehen, ein paar deutsche Websites hatten das Video ja auch. Aber es ist so cool und mit seinen simplen physikalischen Gesetzen so Sendung-mit-der-Maus-würdig, dass es auch hier noch mal mit rein darf. Frage: Was passiert, wenn man einen fußballrunden Wasserkanister entwirft? Antwort: das hier.

Wasser, das ein Feuer entfacht. Vielleicht sollten wir uns bei WM-Gimmicks doch auf die fußballrunde Fleischwurst beschränken.

⚽ Wer die Fußball-WM im Fernsehen verfolgen will, kann sich schon mal auf ziemlich viel Bandenwerbung chinesischer Sponsoren einstellen. Klingt jetzt erst mal unspektakulär, wenn da plötzlich „Wanda“, „Mengniu“ oder „Yadea“ steht, aber dahinter steckt eine spannende Geschichte. Über einen Weltfußballverband, der so korrupt ist, dass viele westliche Marken nicht mehr mit ihm in Verbindung gebracht werden wollen. Über Chinas Hoffnung, eine Fußball-Supermacht zu werden und dann bitte auch gerne direkt Weltmeister. Und über die Kalkulation chinesischer Firmen, sich auf dem Weltmarkt zu etablieren: China Won’t Play in This World Cup. It Still Hopes to Profit.

⚽ Steve Rosenberg ist BBC-Korrespondent in Moskau, der ein oder andere kennt ihn vielleicht, weil er rund um den Eurovision Song Contest bei Social Media immer ziemlich aufdreht. 2016 hat er mal ganz groß aufgedreht und bei einem Facebook-Live auf Zuruf alle Eurovision-Titel am Klavier gespielt, die die Zuschauer sich gewünscht haben. „Peter wünscht sich den Siegertitel von Dänemark aus dem Jahr 1964. Peter, du meinst sicherlich 1963.“ Sprachs und spielt los. Ganz großes Tennis.

Zur WM hat Rosenberg nun einen kleinen Clip bei Twitter veröffentlicht, in dem er typisch russisches Essen empfiehlt. Das ist nicht nur super, weil er die langweiligen Klassiker von Borscht bis Kaviar ignoriert, sondern weil wir offenbar beide große Fans von Syrok sind, einem zuckersüßen Quarkriegel. Die Liebe zu Buchweizen hingegen – Steve, Steve, Steve. Ich weiß ja nicht.

⚽ Seit Wochen warte ich darauf, dass das Calvert Journal endlich mal mit seinem WM-Guide in die Pötte kommt. Weil das eben eine Redaktion ist, die anders auf Russland und die Region blickt: Mit einem speziellen Fokus auf Kultur, Architektur, Zeitgeschichte und Alternatives. Nun ist das Ding online, am besten stöbert ihr mal selbst darin rum.

Was mir beim ersten Durchgucken aufgefallen ist: Ein Stadtrundgang durch die Moskauer Fußballgeschichte (der allerdings deutlich leichter zu lesen wäre, wenn man anstelle der ganzen ausformulierten Wegbeschreibungen einfach eine Karte integriert hätte), und ein Rückblick in die Geschichte des Stadions von Jekaterinburg, einschließlich Baueinsätzen deutscher Zwangsarbeiter. Für einige WM-Städte sind die Texte schon online, die restlichen folgen im Laufe der Woche nach und nach.

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Zum Schluss noch was in eigener Sache: Im März habe ich angefangen, für n-tv.de einen täglichen WM-Countdown zu bloggen. Nun sind nur noch wenige Tage über, aber es gibt immer noch viele Fragen rund um den Alltag hier in Russland und die WM. Wenn ihr also Lust habt: Morgen, am Donnerstag, übernehme ich ab 15 Uhr den Twitter-Account der Sportredaktion.

Wenn ihr wissen wollt, ob man für Russland einen Adapter braucht, warum in der Bahn Aufkleber mit Hasen an der Wand kleben oder ob ihr es riskieren könnt, für russische Freunde trotz Sanktionen ein bisschen Parmesan ins Land zu bringen – dann twittert das doch. Der Hashtag heißt #WMFragen und ich werde morgen versuchen, so viele wie möglich davon zu beantworten. Bis dann!



 

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Was für ein Moskau erwartet die WM-Besucher diesen Sommer?

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Kann eine Stadt zu sauber sein? Seit ein paar Tagen denke ich herum auf einem Kommentar, den Ilja Klischin, Digitaldirektor des Fernsehsenders RTVi, für die Zeitung Wedomosti geschrieben hat. Er kritisiert, vor der Weltmeisterschaft werde Moskau so sehr gesäubert und auf Hochglanz poliert, dass in der Stadt inzwischen „leblose Sterilität“ herrsche: „Kein Müll liegt herum, die Sockel der Gebäude sind nicht beschmiert, keine zerbrochenen Fenster, keine oder kaum Obdachlose. (…) Auf den ersten Blick wäre es töricht, darin etwas Schlechtes zu sehen. Sauberkeit ist besser als Schmutz, aber es gibt eine Sauberkeit, die ungesund und sogar schmerzhaft ist, wie in einem Krankenhausflur.“

Tatsächlich beschäftigt mich dieses Gefühl, dass hier in Moskau ein bisschen arg viel Wert auf Oberfläche gelegt wird, auch immer mal wieder. Wenn man sich zum Beispiel fragt, warum man im Stadtzentrum (also da, wo die Geld bringenden Touristen sich aufhalten) so gut wie keine Spuren von Armut sieht, keine Bettler oder Obdachlose. Oder wenn mit dem Ende des Winters in der ganzen Innenstadt Plastik-Kirschbäume mit rosa Blüten aufgestellt werden – kein Duft, keine Natur, keine lang herbeigesehnten Frühlingsboten. Nur für teures Geld gekaufte Fakes, weil’s gut aussieht bei Instagram. Ein autoritär regiertes Land, in dem gleichzeitig Arbeitskraft billig ist – kein Wunder, dass Putzen und Dekorieren da so verbreitet sind. Sekundärtugenden.

Ich frage mich dann manchmal, was Leute, die zur WM zum ersten Mal nach Russland kommen, von hier wohl für Eindrücke mitnehmen. Versteht mich nicht falsch: Ich bin froh über jede und jeden, der überhaupt hierher kommt, das tun viel zu wenige. Sich selbst ein Bild zu machen ist immer erst mal eine gute Idee. Das Problem ist nur, dass dieses Bild halt auch täuschen kann – wenn es in einem Aspekt dem Bekannten gleicht und man daraufhin auf alle anderen Aspekte verallgemeinert.

Konkret: Wie oft habe ich mich mit Leuten unterhalten, die gerade frisch in Moskau gelandet waren und überrascht, wie modern, wohlhabend, lebendig diese Stadt ist. Kein Sowjetgrau, keine verhärmten Gesichter – na sowas. Und dann folgt oft der Schluss: Na, wenn die hier Porsche-Autohäuser, ausreichend Obst im Supermarkt und Straßen mit Radwegen haben, dann wird ja der Rest hier sicher auch so sein, wie ich es aus meiner westlichen, demokratisch regierten Heimat kenne. Schließlich sehen die Menschen hier auf der Straße ja auch überhaupt nicht so aus, wie man aussehen müsste, wenn man in einem Land lebt, das seine Bürger nur so lange in Ruhe lässt, wie sie nicht gegen die Politik der Regierung protestieren.

Das sind so Trugschlüsse, die ich ein paar Mal zu oft gehört habe in den vergangenen Jahren. Und es hilft sicher auch nicht, wenn der, der da anreist, kein Fußballfan oder regulärer Tourist ist. Sondern ein Journalist, der zu einem G20-Gipfel, einem Sportturnier oder einem Staatsbesuch kommt. Natürlich wohnt man dann in einem schicken Hotel, natürlich ist jedes Essen und jede Taxifahrt tiptop organisiert und natürlich wird man selber keine Probleme bekommen, wenn man seine Meinung zur Annektion der Krim oder zur Korruption in der Politik äußert.

Zurück zu Ilja Klischin und seinem Kommentar über Moskaus Hochglanzoberfläche. Er schlägt den Bogen von der von oben verordneten Sauberkeit zu anderen Dingen, die ebenfalls von oben verfügt werden: „Wir sind hier nicht in Singapur, aber noch weniger sind wir in der Schweiz im Sinne autoritärer oder demokratischer Reinheit.“ Stattdessen spiegle die Säuberung im öffentlichen Raum die zunehmende Reglementierung des öffentlichen Lebens wieder: „Man darf nicht einfach ein Unternehmen gründen, man darf nicht einfach zu einer Demo gehen, man darf nicht einfach etwas retweeten, man darf keinen Schritt machen ohne vorherige Rücksprache.“

Was für ein Moskau werden die Menschen, die zur Fußball-WM anreisen, also erleben? Mein Blick auf die Stadt ist nicht so düster wie der von Klischin, aber ich kann nachvollziehen, wie er zu seinem Fazit kommt: „Leer und sauber. Kein Ausdruck des Lebens ist authentisch und nicht bloßes Imitat, keinem liegt ein unabhängiger Gedanke (…) zugrunde. In diesem sterilen Paradies der Reinheit muss alles angemeldet und genehmigt sein, und alles atmet eine tödliche Kälte. Das ist das Moskau, das Ausländer diesen Sommer während der Fußball-WM sehen werden.“

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Wie ich einmal Gesangsunterricht auf Russisch nahm

kscheib gesangsunterricht auf russisch

Meine Gesangslehrerin hab ich mir ja nach ihrem Lächeln ausgesucht. Also: Das soll nicht heißen, dass sie nicht kompetent ist – ihre Qualifikationen kann auf „Wasch Repetitor“, der Webseite, die Schüler und Lehrer für alle möglichen Fächer zueinander bringt, jeder nachlesen. Aber qualifiziert sind die anderen da ja auch, mich hat nur deren Mimik abgeschreckt. Dieser Blick, der sagt: „Soso, Sie haben also schon Erfahrung? Hört man gar nicht.“ „Na, war wohl keine Zeit zum Üben seit dem letzten Mal?“„Also wenn Sie nicht mal das können, wollen Sie dann nicht vielleicht noch mal von vorne anfangen? In der Orff-Gruppe, mit Klanghölzern und Schellenkranz?“

Statt mir das anzutun, gehe ich nun also zu D., die auf ihrer Wasch-Repetiror-Seite lächelt, freundlich und konstruktiv. Der Unterricht findet im Büro ihres Mannes statt, ein Souterrain-Raum mit ein paar Schreibtischen, einem Kopierer (sehr praktisch für Noten) und gelegentlich dem einen oder anderen Mitarbeiter, der vor Stundenbeginn von D. höflich verscheucht wird. Manchmal feudelt eine Putzfrau durchs Bild. In der einen Ecke liegen Stücke dicker Metallrohre – die Männer, die hier arbeiten, überprüfen Schweißnähte auf Baustellen. In der anderen Ecke steht das E-Piano. Und daneben, einmal die Woche, ich.

⁃ „Also im (…..) müssen Sie mehr (…)“, sagt D.

⁃ Ich sage: „Wie bitte?“

⁃ „Naja, beim Singen ist ihr (…) zu (…).“

⁃ „Entschuldigung, das versteh ich nicht.“

⁃ „Sie müssen singen, als hätten Sie ein Äpfelchen im Mund.“

Aaah, der Rachenraum. Die Klangfarbe. Kein Standardvokabular. Ich bin froh, dass D. sich auf diese seltsame Schülerin mit den seltsamen Wünschen eingelassen hat: Bitte komplett auf Russisch, auch wenn’s dann länger dauert – kein Ausweichen auf Englisch oder Musiker-Italienisch. Und bitte auch nicht die üblichen Gassenhauer aus dem internationalen Repertoire, nicht wieder „Voi che sapete“. Ich möchte die Stücke kennenlernen, an denen sich russische Gesangsschüler so abarbeiten.

Wie es läuft? Schwer zu sagen. Einerseits merke ich, wie gut es tut, sich mal wieder konzentriert mit der eigenen Stimme und dem eigenen Körper auseinanderzusetzen, statt nur die grundlegenden Choranforderungen (richtige Töne, richtiges Tempo und im Zweifel gerne richtig laut) zu erfüllen. Andererseits ist Musikausbildung in Russland, auch für Amateure, um einiges anspruchsvoller als in Deutschland. Jeder Musikschüler muss hier regelmäßig Prüfungen ablegen, es geht nicht nur ums gemeinsame Musizieren.

Entsprechend hoch sind, Lächeln hin oder her, auch die Ansprüche von D. So viel und so schwierig wie hier musste ich zum Beispiel lange nicht mehr vom Blatt singen. Ergebnis: „Patschti choroscho“ – beinahe gut. Zwischendurch erzählt und erklärt D. auch gerne: „Das russische Repertoire besteht zu einem hohen Anteil aus Liedern über unglückliche Liebe. Weil das Land halt so groß ist. Stellen Sie sich vor, Sie sind allein, gucken aus dem Fenster und sehen nur Wald, Wald, Wald. Keinen anderen Menschen. Da entstehen dann solche Lieder.“

Oder, in einer anderen Stunde, mal wieder zum Thema Rachenraum: „Russischen Schülern muss man immer beibringen, alles ein bisschen enger zu machen Westliche Schüler müssen lernen, ihn zu weiten. Das liegt an der Phonetik unserer Sprachen, daran, was wir gewöhnt sind.“ Interessant, und noch dazu verständlich – wie schön, wenn der Schlüsselbegriff ein Fremdwort ist! Direkt mal probieren, den weiten Rachenraum – „patschti choroscho!“

Was auch bei der Verständigung hilft: Bei den Sprachbildern scheinen sich deutsche und russische Musiklehrer nicht groß zu unterscheiden. Mein Atem ist eine Springbrunnenfontäne, oben drauf liegt ein Tennisball, und der muss immer auf derselben Höhe bleiben? Sehr gern. Stehen wie eine Marionette, bei der jemand am Kopf-Faden noch mal extra gezogen hat? Natürlich. In die Stirn atmen und in den Raum unterhalb der Augen? Bitte sehr, bitte gleich.

Andere Stunden sind deutlich härter. Vergiss alles, was du über Artikulation, Intonation und Phrasierung gelernt hast – wir arbeiten heute nur am Klang, 60 Minuten lang. Sing mit rausgestreckter Zunge! Patschti choroscho, aber nicht so nasal! Nochmal, nur diese zwei Takte. Und jetzt mit einem kleinen Glissando von jeder Note zur nächsten. Patschti choroscho, aber leiser! Egal, wenn die Tonhöhe verrutscht, wir reden hier über Klang, wiederholt D.: „Man sagt ja immer, wir Russen können gut Fünfe gerade sein lassen und ihr Deutschen plant, bis alles perfekt ist. Also, Sie müssen russischer singen.“

Ich schaue auf meine Notenmappe, in der inzwischen Stücke von Glinka und von Rubinstein liegen, russische Volkslieder, vertonte Puschkingedichte. Dann strecke ich die Zunge raus, atme ein, versuche es ein weiteres Mal. Und verdränge die Stimme, die aus dem Hinterkopf ruft: „Wenn es auch diesmal wieder nur ‚patschti choroscho‘ ist, werfe ich mich auf die Rohre in der Ecke da drüben und beiße ihnen allen die Schweißnähte durch.“

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Mein kleiner, roter Koffer: Aeroflot ändert zweimal in einem Monat seine Handgepäck-Regeln

kscheib aeroflot handgepäck

Diese Geschichte spielt zwar in Russland, aber sie beginnt in China. Dort habe ich Ende 2012 nach ein paar Monaten in Peking gemerkt, dass auf dem Rückflug nach Deutschland nicht alles in den Koffer passen würde. Kurz darauf stand ich in einer Markthalle einem Verkäufer gegenüber, der die Vorzüge eines kleinen, roten Hartschalenköfferchens demonstrierte, indem er mit beiden Füßen darauf rumhüpfte: Sehen Sie mal, wie robust der ist!

Stimmt. Als Handgepäck ist der kleine Trolleykoffer seitdem mit mir in alle möglichen Länder gereist, mit allen möglichen Fluglinien, auch Aeroflot. Wir waren zusammen in London und in Bischkek, in Dänemark und Dubai, in Irkutsk und in Israel. Die Gurte innendrin sind ein bisschen leierig, aber die Hartschale weiterhin hart. Es hätte ewig so weitergehen können. Dann dachte sich jemand bei Aeroflot etwas Neues aus.

Reise mit einer russischen Fluglinie, und du lernst eine völlig neue Definition des Begriffs „Handgepäck“ kennen: Während ich den roten Koffer und meine Jacke ins Klappfach über den Sitzen schiebe, verstaut der Sitznachbar: einen Koffer, zwei Plastiktüten aus dem Duty-Free-Shop, einen Blumenstrauß, eine Reitgerte, ein Paar Stiefel, einen Reithelm, einen Ledersattel, vier Ballen Heu und ein leise vor sich hin wieherndes Shetlandpony. Wer da zu spät kommt, den bestraft der Platzmangel.

Kein Wunder also, dass Aeroflot da was ändern will und ankündigte: 1. Ab Mitte Februar nur noch ein Stück Handgepäck (plus Handtasche, das bleibt). 2: Das Handgepäck darf nur noch 40 x 55 x 20 Zentimeter groß sein. Zollstock ans rote Köfferchen: 22 cm. Bei Lufthansa dürfte er 23 haben, bei British Airways und vielen anderen Fluglinien 25. Anders gesagt: Fünf Reisejahre lang hat niemand uns getrennt, nun stehe ich in Moskau am Flughafen, und ein Aeroflot-Kontrollmann sagt: Nein, stop, das müssen Sie aufgeben, das ist kein Handgepäck. Ja, auch wenn die Kollegin beim Check-in den Trolley gerade durchgewunken hat – zurück auf Null, noch mal von vorne in die Schalterschlange.

Mit dem Ärger, der bei der zweiten Runde Anstehen im Bauch grollt, bin ich nicht allein. Als erstes haben sich Russlands Musiker gegen die neuen Regeln gewehrt – und eine Sonderregelung für sich erkämpft. In einer Moskauer Facebookgruppe für Journalisten beraten vor allem die Fernseh- und Fotokollegen, welche Airline in Sachen Kamera und Stativ im Handgepäck entgegenkommender sind. Und bei Twitter und Facebook bekommt Aeroflot die volle Breitseite an Fragen und Beschwerden ab – und antwortet dort oft eher ungelenk.

Nach dem Doppel-Check-in ist genug Zeit, ein Beschwerdeformular auf der Aeroflotseite auszufüllen. Kurzfassung: Ich verstehe, dass ihr weniger Handgepäck-Stücke zulasst. ich verstehe nicht, warum eure Größenvorgaben unter denen der Konkurrenz liegen. Sollen eure Passagiere sich jetzt ein neues Köfferchen kaufen, nur für Aeroflot-Flüge? Abgeschickt, rein in den Flieger nach Deutschland und eine Woche lang Wichtigeres getan: Mit der Familie den 80. Geburtstag der Lieblingstante feiern. Freunde besuchen. Von Patenkind 1 hören, wie es nach der Grundschule weitergeht. Mit Patenkind 2 eine seiner ersten Skatrunden spielen. Patenkind 3 die subtile Frage nach eventuell mitgebrachten Geschenken beantworten. Visumskram. Arztkram. Kramkram.

Auch Aeroflot scheint die Zeit gut genutzt zu haben: In der Woche zwischen meinem Hin- und Rückflug hat es die neue Regel wieder abgeschafft, jedenfalls den Teil mit den Koffermaßen. Oder, wie es in der Antwortmail auf meine Beschwerde heißt: Zwei lange Absätze „Warum die neue Regeln gut und richtig sind“, gefolgt von einem kleinen Absatz „…aufgrund der hohen Zahl von Nachfragen unserer Passagiere nach einer Änderung der Maße für Handgepäck (…) gelten nun 55 cm Länge, 40 cm Breite und 25 cm Höhe.“

Nach zwei Wochen (und was wird eigentlich aus all den Gebühren, die Passagiere in dieser Zeit unverhofft für ein zweites Gepäckstück zahlen mussten?) nun das große Zurückrudern. Wir werden also weiter zusammen reisen können, auch bei Aeroflot – der kleine, rote, chinesische Koffer und ich. Nur der Typ mit dem Shetlandpony – der hat weiterhin ein Problem.

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Rollmops, Anschlag, Kammerton: Deutsche Wörter im Russischen

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Fünf Minuten bis zum Konzertbeginn, das Haus ist voll – und hier unten im Keller steht immer noch eine lange Schlange vor dem Damenklo. „Oh Gott, wieder voll der Anschlag hier“, murmelt die Frau hinter mir, und ich denke: Mensch, du wolltest doch immer mal über deutsche Wörter bloggen, die es ins Russische geschafft haben.

„Anschlag“ gehört im Russischen ganz in den Bereich von Kultur und Freizeit – keine Bomben, keine Attacke. Aber wenn ein Theaterstück ausverkauft ist, ein Opernhaus bis auf den letzten Platz gefüllt, bei einem Konzert nicht mal mehr Stehplätze frei, dann herrscht dort „аншлаг“ (anSCHLAG), es ist also bis zum Anschlag voll. Nicht zu verwechseln mit дуршлаг (durSCHLAG):

Klar gibt es im Russischen einige Begriffe, die nur nötig sind, um mehr oder weniger deutsche Phänomene zu beschreiben. Der доберман (doberMANN), der ризеншнауцер (riesenSCHNAUzer) und der рольмопс (ralMOPS) sind solche Fälle, брудершафт (bruderSCHAFT) trinken und кегельбан (kegelBAHN) ebenso. Ihr versteht das Prinzip – und auch, dass sich die Betonung meistens verschiebt.

Dann gibt es die Wörter, von denen jeder schon mal gehört hat. Ja, Russisch hat tatsächlich einen бухгалтер (buchGALter) und ein бутерброд (butterBROD). Ja, der Friseur heißt hier tatsächlich парикмахер (paRIKmacher), von Perückenmacher. Und ja, aus Halstuch ist tatsächlich галстук (GALStuk) geworden, wobei das nun eine Krawatte bezeichnet. Alles schon mal gehört, müssen wir uns hier nicht mit aufhalten. Auch nicht mit den фейерверки (fejerWERki), die hier regelmäßig über der ландшафт (landSCHAFT) abgefackelt werden.

Stattdessen eine definitiv unvollständige, aber hoffentlich unterhaltsame Liste deutscher Lehnwörter im Russischen, die noch nicht jeder kennt.

1. бакенбарды

Was hat das Hipster-Männchen rechts und links an Wange und Kinn? Koteletten? Höchstens in Deutschland. In Russland ist das natürlich ein бакенбард (backenBARD) oder, wenn man links und rechts zusammenzählt, бакенбарды (backenBARDI). Hier schön zu sehen an Russlands original hipster, Alexander Puschkin.

2. кабель

Handy schon wieder leer? Dann her mit dem кабель (KAbel) oder, auch nicht unüblich, der шнур (SCHNUR). Die endet, natürlich, mit einem штекер (STEcker) oder, besonders niedlich, mit einem штепсель (STEPsel).

3. цейтнот

Wer Englisch spricht, kennt die deutschen Begriffe Zeitgeist und Weltschmerz. Ins Russische hat es, thematisch irgendwo dazwischen, die Zeitnot geschafft, die als цейтнот hier aber eher zejtNOT gesprochen wird. Verwendet wird der Begriff vor allem beim Schachspiel – wenn dort цейтнот herrscht, gerät ein Spieler schon mal unter цугцванг (zugZWANG). Bis vor ein paar Jahren gab es auch eine russische Band namens ЦейтноТ, deren Lied „Времени нет“ man hier anhören kann. Übersetzt bedeutet das: „Keine Zeit“.

4. гастарбайтер

Manche Lehnwörter setzen sich durch, weil sie kürzer, griffiger, einfacher sind. Wer im deutsch-russischen Wörterbuch nach „Gastarbeiter“ sucht, findet deshalb zwar „иностранный рабочий“ oder „рабочий-иностранец“, was beides „ausländischer Arbeiter“ bedeutet. Im Alltag aber hört man auch regelmäßig гастарбайтер (gastarBEIter). Das Wort wie auch der Sachverhalt gehören hier zum Alltag – es gibt komplette Staaten, oft in Zentralasien, die davon abhängig sind, dass ihre Bürger in Russland arbeiten und Geld nach Hause zu ihren Familien schicken.

5. дюбель

Die Werkstatt. Unendliche Weiten. Dies sind die deutschen Wörter, die inzwischen auch Russen verwenden: дюбель (DJUbel), also der Dübel, mit dem der Haken für ein Bild in der Wand befestigt wird. Лобзик (LOBsik), die Laubsäge oder inzwischen auch Stichsäge, mit deren Hilfe ein Rahmen für das Bild entsteht. Und, wenn einem das Bild irgendwann nicht mehr gefällt, man es abhängt, den Haken entfernt und nur noch ein Loch in der Wand hat, was braucht man dann? Klar doch, den шпатель (SPAtel).

6. капут

Die Lexikon-App auf meinem Handy verweigert sich: капут (kaPUT) kennt sie nicht, auch LEO hat keine Ahnung. Ja, okay, das Wort ist auch eher umgangssprachlich – immerhin schlägt Google Translate „aus“ und „erledigt“ vor. „Hinüber“ würde auch noch gut passen, im Sinne von „da kannst du nichts machen, Totalschaden – das Auto ist hinüber“. Am häufigsten tritt капут allerdings zusammen mit dem Mann auf, der in Deutschland Hitler heißt und den die Russen vorne mit einem G-Laut sprechen: Гитлер. Wenn sich Anfang Mai das Ende des Zweiten Weltkriegs jährt, sieht man schon mal Plakate für „гитлер капут“ (GITler kaPUTT)-Partys; 2008 lief auch eine Komödie mit diesem Titel im Kino. Aber natürlich können auch andere Dinge капут sein:

 

Game over 😫💕☠️. . #newdesign#minniemouse#капут

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7. шлагбаум

Besonders großzügig bedient haben sich die Russen beim deutschen Vokabular zum Thema „Recht und Ordnung“. Der шлагбаум (schlagBAUM), an dem man nicht so leicht vorbeikommt – heute hilft meist ein Ausweis, früher tat es auch die richtige лозунг (LOsung). Der штаб (STAB), der Dinge organisiert und leitet. Die штраф (STRAF), die Schwarzfahrer zahlen müssen, wenn sie erwischt werden. Einigen Begriffen merkt man noch ihren militärischen Hintergrund an: Der Weg, den zum Beispiel ein Linienbus durch die Stadt nimmt, heißt bis heute маршрут (marschRUT).

7. форшлаг

Wenn ein Mensch einem anderen Menschen einen Vorschlag macht, sagt man auf Russisch am besten предложение. Dass es außerdem auch das Wort форшлаг (farSCHLAG) gibt, liegt an der Musik. Dort gehören Vorschlag und Nachschlag/нахшлаг/(nachSCHLAG) zu den musikalischen Verzierungen. (Das hört sich dann in etwa so an wie hier.) Damit Chorsänger den richtigen Ton zu treffen, greift ihr Dirigent gerne mal zur Stimmgabel, die auf Russisch камертон (kammerTON) heißt. Und wenn die Musiker richtig gut sind, ist sicher auch mal ein Gastspiel irgendwo drin, auf Russisch: гастроль (gastROL). Wer weiß, vielleicht ja in einem idyllischen курорт (kurORT).

Welche französischen Wörter es im Russischen gibt, steht hier.

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Wer gut massiert, macht auch gute Pelmeni

Ein kleines Rätsel zum Start: Wofür könnten diese Dinger hier gedacht sein?

kscheib pelmeni pelmeniza

Buntes Plastik, vielleicht so 30 mal 30 Zentimeter groß, leicht gewölbt, mit Löchern. Das Ding, von dem auf dem Bild gleich drei sind, ist eine Pelmeniza – also ein Gerät, mit dem man Pelmeni macht. Immer noch nicht schlauer? Okay: Pelmeni sind das, was für Italiener Ravioli sind, für Deutsche Maultaschen, für Chinesen Jiaozi: lecker gefüllter Nudelteig. Ein einfaches, traditionelles Essen, mit dem man viele Leute satt kriegt.

Mit „einfach“ ist allerdings nicht die Herstellung gemeint. Wer Pelmeni nicht tiefgekühlt kaufen, sondern sie selber machen will, der nimmt sich für diesen Tag besser nichts anderes vor – die verschiedenen Schritte brauchen ihre Zeit. Über Pelmeni zu reden ist deshalb auch eine der einfachsten Arten, russischen Bekannten Anekdoten zu entlocken. „Letztes Jahr haben meine Mutter und ich über 1000 Stück auf einmal gemacht, dann eingefroren und Monate davon gegessen.“ – „Also wir haben das früher immer auf der Datscha gemacht, einen ganzen Tag lang, wie am Fließband. Jede von uns wusste, was ihre Aufgabe war.“ Ich habe Freundinnen, die verabreden sich zu „Pelmeni-Partys“. Heute bin ich zum ersten Mal zu einer eingeladen.

Alles beginnt mit dem Teig. Die Zutaten sind unspektakulär – Mehl, Wasser, Salz, ein Ei. Die Mengen? „Musst du halt ausprobieren“, sagt Wilena, die heute den Nichtrussen in ihrem Freundeskreis das Pelmenimachen beibringt. 300 Gramm Mehl, schätze ich den Hügel auf dem Tisch. In die Mitte des Hügels das Ei, dann eine Prise Salz und einen Schuss Wasser. Und jetzt: Kneten, kneten, kneten. Dann kneten. Danach kneten. Anschließend kneten. Der Teigklumpen bekommt Handkanten zu spüren, wird durchgewalkt, hochgehoben und wieder auf den Tisch geknallt. „Wenn du gut darin bist, jemanden zu massieren, dann machst du auch gute Pelmeni“, sagt Wilena.

kscheib pelmeni zutaten

Das Ausrollen ist nicht anders als beim Weihnachtsplätzchenbacken. Und auch der nächste Schritt ist überraschend bekannt: Ehe wir das mit der Pelmeniza probieren, entscheidet unsere Koch-Dozentin, sollen wir erst mal ein paar Pelmeni von Hand formen. Also: Mit einem Trinkglas Kreise ausstechen, den Kreis auf die Handinnenfläche legen, einen Klecks Füllung – bei uns Truthahn-Hack mit Zwiebel – draufsetzen. Dann kommt das Gefalte: Erst den Kreis zum Halbkreis, dann den Rand festdrücken, dann die Seiten über die Mitte… Wilenas Pelmeni sehen nach jahrelanger Übung aus, meine wie von einem ungelenken Kind mit Wachsmalstiften gezeichnet.

Dürfen wir jetzt endlich mit dem richtigen Werkzeug hantieren? Moment, erst müssen die fertigen Pelmeni auf einem eingemehlten Tablett eingefroren werden, damit sie gleich beim Kochen nicht aneinanderpappen. Aber dann: Pelmeniza so hinlegen, dass die Wölbung nach oben zeigt. Ausgerollten Teig drüberlegen und leicht festdrücken, so dass das Wabenmuster sichtbar wird. In 25 Waben 25 Kleckse Füllung, dann die zweite Schicht ausgerollten Teig drüber – und nun der Zaubermoment. Mit dem Nudelholz drüberrollen, und voilà: 25 ebenmäßig schöne Pelmeni!

So geht es den restlichen Abend. In 25-er Ladungen wandern Pelmeni vom Tisch in die heiße Gemüsebrühe, mit kurzem Zwischenstopp im Gefrierfach. Neue Ladungen Teig entstehen. Freunde trudeln ein, helfen beim Essen und gelegentlich auch beim Kneten. Wir diskutieren, wie man die Füllung möglichst mittig auf ihrem Stückchen Teig platziert. Vor allem aber essen wir Pelmeni, mit Brühe oder ohne, aber definitiv mit saurer Sahne und frisch gemahlenem Pfeffer. Dazu gibt es Bier, Wein, was auch immer. Passt schon.

Am Ende des Abends haben wir gut 300 Stück gemacht, gekocht und gegessen. Und ich habe verstanden, dass es Wilena mit ihrem Spruch von den Pelmeni und der Massage nicht um die Kraft ging, die nötig ist. Beides braucht seine Zeit, wenn man es richtig macht. Und beides ist den Aufwand nur wert, wenn man jemandem mal was richtig Gutes tun will.

kscheib Pelmeni mit saurer Sahne

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Immerwährender Moskauer Social-Media-Kalender

So sieht der Frühling als sowjetisches Mosaik im Garage-Museum aus. Wie er bei Facebook, Twitter oder Instagram aussieht, ist leicht vorherzusagen
So sieht der Frühling als sowjetisches Mosaik im Garage-Museum aus. Wie er bei Facebook, Twitter oder Instagram aussieht, ist leicht vorherzusagen

Vier Jahre in Moskau, da ist vieles inzwischen lieb vertraut. Heimat. Routine. Und gleichzeitig immer noch Besonders genug, um darüber zu posten, bei Twitter, Facebook, Instagram oder sonstwo. Neulich fiel mir dazu ein Blogpost ein, den ich vor einigen Jahren mal gelesen hatte. Isabel Bogdan und Maximilian Buddenbohm haben dort die ewig wiederkehrenden Themen gesammelt, zu denen wir alle so Monat für Monat in sozialen Netzwerken posten.

Damals fand ich das lustig und fühlte mich ertappt. Jetzt hatte ich das Gefühl: Für Moskau kann ich das inzwischen auch. Also, als kleines Geschenk zum neuen Jahr: Endlich nie wieder überlegen, was man gerade schreiben oder fotografieren soll! Bedient euch!

Januar

Frohes Neues Jahr!
Hier, ein Foto, wie ich mich bei -22 Grad aus dem Haus gewagt habe.
Frohe orthodoxe Weihnachten!
Hier, ein Foto, wie ich mich bei -26 Grad aus dem Haus gewagt habe.
Frohes Altes Neues Jahr!
Hier, ein Foto, wie ich mich bei -28 Grad aus dem Haus gewagt habe.
Wer kommt mit in die Banja?
Wer hat noch einen Trick, damit der Handyakku nicht so schnell leer geht?
Stollen in gute Hände abzugeben.

Februar

Wer empfiehlt mir eine Powerbank, die auch bei Minustemperaturen funktioniert?
Hier, ein Foto von einem Pfannkuchen mit Pilzen.
Hier, ein Foto von einem Pfannkuchen mit Lachs.
Hier, ein Foto von einem Pfannkuchen mit Äpfeln und Zimt.
Hier, ein Foto von einem Pfannkuchen mit saurer Sahne.
Wer kommt mit in die Banja?
Schaut mal, diese total ironisch gemeinte Karte habe ich zum Tag des Vaterlandsverteidigers verschenkt.

März

Mädels, alles Gute zum Weltfrauentag! Hier, eine Grußkarte aus Sowjetzeiten.
Hier, ein Foto von meiner Badewanne – das Wasser kommt heute mal wieder braun aus dem Hahn.
Hach, Tauwetter, mon amour.
Warum hat diese Stadt eigentlich keine funktionierende Kanalisation?
Ach, schade, sie haben die Winterbeleuchtung abgebaut.

April

Oh, die Cafés bauen ihre Holzterrassen auf.
Wann wird eigentlich das warme Wasser abgedreht? Hat mal wer den Link zur Übersicht?
Es riecht nach Farbe! Frühling!
Hier, ein Foto, wo jemand einen Gitterzaun neu anstreicht.

Mai

Kalt duschen nervt! (Alternativ: Hier, ein Foto vom eigens für diese paar Tage gekauften Boiler im Bad.)
Oh Mann, bei mir vorm Fenster üben Panzer für die Parade.
Oh Mann, bei mir vorm Fenster blockiert ein Müllauto die Zufahrt, damit die Panzer für die Parade üben können.
Oh wow, da üben Kampfjets über meinem Haus.
Wo gucken wir eigentlich dieses Jahr die Parade?
Weiß einer, welche Metrostationen während der Parade dicht sind?
Hier, ein Foto vom Sonnenbrand, den ich mir bei der Parade geholt habe.
Yes, endlich wieder warmes Wasser – ich bin dann mal duschen!

Juni

Draußensitzen mit Gurkenlimonade. Das Leben ist gut.
Mist, schon wieder nicht zur Apfelblüte in den Park von Kolomenskoje geschafft.
Wieso hängen schon wieder überall Fahnen?

Juli

Hier, ein Foto von meiner Badewanne – das Wasser kommt heute mal wieder braun aus dem Hahn.
Ah, toll – man kann abends draußen sitzen, bis es wieder hell wird.
Oh, nerv – man wird morgens viel zu früh wach, weil es wieder hell ist.
Riecht ihr das auch? Brennt da irgendwas?

August

Schön leer in der Stadt, sind wohl alle auf der Datsche.
TGIF! Gleich geht’s raus auf die Datsche!
Dritte Stunde im Stau und noch immer 28 Kilometer bis zur Datsche.
Hier, ein Foto von einem Weinglas auf einem Gartentisch. #dachalife
Wieso hängen schon wieder überall Fahnen?

September

Kreisch, der Sommer kann jeden Tag vorbei sein! #carpediem
Hier, ein Foto vom Schwimmen in der Moskwa.
Hier, ein Foto vom Sonnenuntergang hinter der Erlöserkathedrale, fotografiert von der Dachterrasse der Strelka-Bar.
Hier, ein Foto von Leuten in nassen T-Shirts am Springbrunnen im Gorkipark.
Oh, die Cafés bauen ihre Holzterrassen ab.
Nein, nein, nein! (Screenshot der Wetter-App).
Hello Wintermantel, my old friend.

Oktober

Mist, schon wieder nicht zur Apfelernte in den Park von Kolomenskoje geschafft.
Irgendwas mit Putins Geburtstag.
Ich friere. Ist eure Heizung schon an?
Hurra, meine Heizung ist endlich an!
Mist, die Heizung ist wieder aus – wo muss ich anrufen?
Oh Mann, meine Haut ist so trocken von der Heizung.
Hier, ein Foto vom ersten Schnee. Und ein Video! Und noch eins!
Es ist erst der soundsovielte und im Supermarkt gibt’s schon Weihnachtsdeko zu kaufen.

November

Schon wieder Regen – ich will den Schnee zurück!
Warum hat diese Stadt eigentlich keine funktionierende Kanalisation?
Hier, ein Urlaubsfoto aus einem heißen Land und ein Kommentar à la „Noch mal Wärme tanken“.
Wieso hängen schon wieder überall Fahnen?
Hier, ein Foto von meiner Badewanne – das Wasser kommt heute mal wieder braun aus dem Hahn.
Hier, ein Foto von der Winterbeleuchtung am Gartenring!
Hier, ein Foto von der Winterbeleuchtung an der Twerskaja!
Hier, ein Foto von der Winterbeleuchtung auf dem Roten Platz!
Hier, ein Foto von der Winterbeleuchtung an den Patriarchenteichen!
Wer kommt mit in die Banja?

Dezember

Endlich richtiger, fluffiger Schnee!
Yay, noch mehr Schnee.
Schon wieder Schnee.
Und Eis. Müsste mal einkaufen, will mich aber nicht draußen auf die Nase legen.
Wie machen das die Russinnen bloß: bei der Glätte auf Absätzen, und nie fällt eine hin?
Geil, habt ihr die Schneeräummaschine gesehen?
Wer fliegt in den nächsten Tagen nach Deutschland und kann Stollen mitbringen?
Ist das Feuerwerk heute Abend im Gorkipark echt erst um eins?
Hallo Deutschland – also bei uns ist ja schon das neue Jahr!

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Ein Jahr, 52 neue Dinge

Ein Jahr in Moskau bleibt noch, und gelegentlich setzt schon die Verklärung ein
Ein Jahr in Moskau bleibt noch, und gelegentlich setzt schon die Nostalgie ein.

2018, das heißt auch: noch ein Jahr in Russland. Als wir Anfang 2014 hierher gezogen sind, wussten wir, dass fünf Jahre das Maximum sind. Länger schickt die ARD ihre Korrespondenten normalerweise nicht ins Ausland, jedenfalls nicht am Stück.

Januar 2019 ist also Schluss mit Moskau für Markus und für mich. Und so schwer ich mich am Anfang auch mit vielem hier getan habe, und so viel wir seitdem zusammen erlebt, erreist und entdeckt haben: Wenn ich über dieses letzte Moskaujahr nachdenke, bekomme ich schon jetzt so ein leichtes Ziehen im Bauch. Abschiedsschmerz auf Vorschuss, bei den albernsten Anlässen. Neulich habe ich tatsächlich gedacht: „Oh Mann, das ist bestimmt schon die letzte Packung Wattestäbchen, die du hier kaufst, so selten wie du die brauchst.“

Was soll dann erst aus den Dingen werden, an denen das Herz hängt? Wie viele Sommermorgende auf der Datscha noch? Wie oft noch das Gefühl, vor die Tür zu treten bei einer solchen Kälte, dass sofort die Feuchtigkeit in der Nase gefriert? Wie oft noch mit Freunden um den Tisch beim Lieblingsgeorgier sitzen? Wie oft noch in eine neue Stadt kommen und sich zwischen Marx-Straße und Lenin-Straße orientieren?

Außerdem gibt es noch so viele Sachen, die ich hier noch nie gemacht habe. Schlichte touristische – das mit der Führung im Großen Kremlpalast hat nie geklappt, Tolstois Haus kenne ich nur von außen. Ums Eisbaden hab ich mich bisher gedrückt, dabei soll das doch ein ganzes Jahr lang Segen und Gesundheit bringen. Ich hab immer noch niemanden gefunden, der an der Lomonosow-Uni studiert und mich da mal mit rauf nimmt, vom Hauptgebäude runtergucken. Ganz Moskau spielt Quests, nur ich war noch nie bei einem. Sollte ich nicht vielleicht doch mal eine Prüfung beim Puschkin-Institut ablegen, um mal zu wissen, wo ich sprachlich so stehe? Gesangsunterricht bei einer russischen Lehrerin wollte ich auch immer mal nehmen. Außerdem: Wie kann man zig Konzerte im Konservatorium und im Dom Musiki gehört haben, aber noch kein einziges im Tschaikowsky-Saal?

Und das sind nur die Moskauer Ideen. In Kaljasin guckt ein Glockenturm aus einem Stausee raus – die AirBnB-Wohnung am Ufer ist schon seit Monaten gebookmarkt. Wladiwostok soll sich anfühlen wie eine Mischung aus San Francisco und Japan. In Kamtschatka gibt es Vulkane und in Ulan-Ude die weltgrößte Lenin-Büste.

Kurz dahinter beginnt die Mongolei.

Von Moskau nach Kasachstan ist auch nicht so weit.

Vielleicht schafft Usbekistan 2018 ja endlich mal die Visumspflicht ab.

So viele Ideen, da kam die Nachricht einer Freundin genau recht. Sie organisiert eine Fotochallenge für 2018: jede Woche etwas erleben, was man noch nie erlebt hat, und das dann dokumentieren. Hashtag: #52newthings. Immer sonntags wird dann ein Bild fällig, das zeigt, was diese Woche neu war. Ein Impuls, aus diesem einen, letzten Russlandjahr noch mal alles herauszuholen.

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Troika am Finger: One ring to ride them all

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Dem russischen Winter begegne ich in diesem Jahr mit zweifachem Tuning am eigenen Körper. Zum einen Kontaktlinsen, nach Jahren mal wieder – weil es einfach nervt, wenn du von Mitte November bis Mitte März kein Gebäude betreten kannst, ohne erst mal blind zu sein. Und zum anderen ein neuer Ring. Knatschblau, aus Keramik, glänzend.

Wer ihn gegen das Licht kippt, sieht den Schriftzug: „Troika“, das ist für Moskau, was für London die Oyster Card ist – eine aufladbare Guthabenkarte für Bus und U-Bahn. „Payring“ steht auch noch drauf, das ist der Hersteller mit Sitz in Moskau.

kscheib troika payring schrift

Direkt nach der Sache mit den beschlagenen Brillengläsern nervt kaum etwas so sehr, wie im Winter am Metro-Eingang zu stehen und den Verkehr aufzuhalten, weil erst wieder Hand-, Hosen- und Jackentasche nach der Troika-Karte durchsucht werden müssen, gerne auch zweimal. Seit die Moskauer Metro vor einigen Wochen verkündet hat, dass es die Troika nun auch als Ring geben soll, hab ich immer mal wieder versucht, einen zu bekommen.

Die Antwort war immer entweder „Haben wir noch nicht“ oder „Haben wir nicht mehr.“ Bis zu dem netten Mann am Souvenirstand in der Metrostation Kiewskaja: „Troika-Ringe? Wir haben nur blaue, und nur Größe 17 oder 21, aber die können sie gerne mal anprobieren.“

2200 Rubel und keine fünf Minuten später gehe ich frisch beringt zur Kasse, um meinen Ring aufzuladen. Dazu muss man ihn erst mal wieder ausziehen und einer milde desinteressierten Kassiererin aushändigen – Aufladen am Automaten kann man den Ring im Gegensatz zur Karte nicht, dazu müsste man ihn in den flachen Kartenschlitz reinquetschen. Aber wenn nicht gerade Rush-Hour ist, kommt man ja auch an der Kasse schnell dran.

kscheib troika payring kasse

Dann der erste Test: An der Schleuse kurz vor der Rolltreppe, wo man sonst seine Karte hinhält, wedle ich mit dem Ringfinger rum – nichts. Nochmal – nichts. Aber schon beim nächsten Versuch klappt es: Der Trick ist, eine Faust zu machen und die dann, Handrücken nach oben, gerade vor das Kartenlesefeld zu halten. Kein Wackeln, kein Wedeln – die Schleuse schwenkt auf.

Ich fahre an diesem Tag noch ein paar Mal Metro, immer mit dem ganzen Tamtam: hochfahren, rausgehen, wieder reinkommen. Jedes Mal klappt das Bezahlen mit dem Ring problemlos, solange die Handhaltung stimmt. Ein bisschen nervig nur: An den Schleusen vor der Rolltreppe hält man die Karte normalerweise an den Pfosten rechts von sich. Ich trage den Bezahlring aber links, weil rechts schon der Ehering steckt.

Also, jedes Mal den Arm vorm eigenen Körper querhalten zum Durchschleusen – das braucht ein bisschen Training, bis es sich nicht mehr seltsam anfühlt. Andererseits: Jeder Linkshänder macht das mit seiner Troika-Karte schon lange genau so. Kein großes Ding.

kscheib troika payring metro

Wichtig auch: In den Eingangshallen der Metro – der Russe sagt „Vestibül“, weil er französische Lehnwörter liebt – hängen gelbe Kästen mit Bildschirm, an die man seine Troika-Karte halten kann, um zu sehen, wie viel Geld noch drauf ist. Hier dauert es zwei, drei Versuche, bis das Gerät meinen Ring erkennt und richtig anzeigt, was er noch an Rubeln auf sich hat. Aber was soll das schon, wenn die Schleuse in der Metro ebenfalls anzeigt, was nach dem Durchgehen noch an Guthaben bleibt?

kscheib troika payring lesegerät

Den Bus-Test besteht der Troika-Ring ebenfalls: Hand dahin am Drehkreuz halten, wo man sonst die Karte platziert, und sofort geht das grüne Licht an und das Kreuz lässt sich drehen. Kein Gewarte, kein Hantieren, keine unangenehme Schlange hinter mir.

Bleiben noch auf der persönlichen Testliste: Straßenbahn, Oberleitungsbus, Flughafenschnellzug. Alles Verkehrsmittel, die man mit der Karte bezahlen kann, also auch mit dem Ring bezahlen können soll. Wahrgenommen habe ich ihn ohnehin nur die erste Stunde oder so – ich trage gerne Ringe, also fühlte sich auch die Bezahlvariante nicht wie ein Fremdkörper an. Und wer weiß: Wenn hier in Moskau demnächst richtiger Winter ist, also -25 statt nur -5 Grad, dann probiere ich mal, ob der Ring auch durch Handschuhe hindurch funktioniert.

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