Die besten Threads aus dem Mai

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Dass zum Monatswechsel das Sichten von Twitter-Threads gehört, ist inzwischen eine schöne Routine geworden. Und so gut wie jedes Mal begegnen mir dabei Threads derselben Art: US-Bürger, die im (meist europäischen) Ausland waren, dort ärztliche Hilfe brauchten und dann fassungslos waren, wie schnell und wie preiswert sie sie bekommen haben. Jeden Monat könnte ich so einen Thread hier einbauen, aber für Leser in Deutschland ist der Erkenntniswert vermutlich nicht so hoch.

Irgendwie weiß man grob, dass das Krankenversicherungssystem in den USA viele Probleme hat – aber das auserzählte „so einfach war mein Arztbesuch in Großbritannien/Schweden/Italien“ hat nur für die Menschen einen echten Aha-Effekt, die das US-System gewohnt sind. Trotzdem wollte ich diesmal auf einen dieser Threads verweisen, weil er für viele ähnliche steht. Für ihn wie für alle gilt: Den ersten Tweet anklicken, und es öffnet sich der ganze Thread.

1. You found a lump

2. „Lieber Albert Camus“

Post-vom-Wagner-Parodie ist zwar ein recht weit verbreitetes Genre, aber die hier sind wirklich gut:

3. Polizeigewalt

Auch diesen Monat ist wieder das passiert, wofür ich Twitter-Threads so mag: Dass mir ein Geschichts-Thread in die Timeline gespült wird zu einem Thema, von dem ich noch nie gehört hatte. Diesmal geht es um eine extrem dunkle Begebenheit aus den Achtzigern.

4. Warum Büchereien wichtig sind

Was man lernt, wenn man in einer Bücherei arbeitet. Diese Liste fängt lustig an, ist aber ein Thread mit viel Tiefe, der zeigt, wen es trifft, wenn Büchereien klein- oder plattgespart werden.

5. Fagottogott

Winzigkleiner Thread, aber wer wollte nicht schon immer wissen, wie ein Fagott mit Verstärker klingt?

6. „I am the last survivor of the war“

Im Mai 1980 ist der Mount St. Helens ausgebrochen, der im US-Bundesstaat Washington liegt. Rund vier Autostunden entfernt verbrachte ein Wissenschaftler allein die Nacht in einem Observatorium. Als er wach wurde und nur von Asche und Dunkelheit umgeben war, dachte er. es habe einen Atomschlag gegeben – es waren die Achtziger, er konnte also nicht mal eben auf dem Handy nachsehen, was passiert war. Die ganze Geschichte hier:

7. Bilder und ihre Macht

Ein Denkanstoß zum Thema journalistisches Handwerk: Warum Bildauswahl wichtig ist. Bei Slate oder beim Guardian ist mir schon öfter positiv aufgefallen, dass da bei Symbolfotos manchmal einfach jemand im Rollstuhl sitzt/eine Frau ist/nicht weiß ist, ohne dass das Thema des Textes ist. Weil eben das jeweilige Thema nicht nur weiße, männliche Menschen betrifft, die nicht im Rollstuhl sitzen. Mehr als ein kurzes, wohlwollendes Bemerken war bei mir da nie, darum fand ich diesen Thread in seiner Ausführlichkeit so gut:

8. All kinds of Data

„Big Data“-Memes kannte ich, aber hier hat jemand wirklich unverhältnismäßig viel Zeit und Kreativität in Data-Witze inverstiert. Ich begrüße das.

9. WLAN in Londons U-Bahn

Wer in der Londoner U-Bahn das WLAN nutzt, muss in Zukunft damit rechnen, dass geloggt wird, wie er von A nach B kommt. Bisher gab es nur die Daten vom Betreten und Verlassen der jeweiligen Bahnhöfe, wo man seine Oystercard an ein Lesegerät halten muss. Nun erfährt das Transportunternehmen einiges mehr über seine Passagiere. Ein Thread darüber, warum das auch heikel sein kann, und welche Datenschutzregeln gelten sollen.

10. Eine Krähe hackt der anderen… oh.

Wer bei Twitter ist und sich für schwarze Vögel interessiert, folgt vermutlich dem Ravenmaster und erfährt so viel über die Raben im Londoner Tower. Diesen Momat ist mir aber auch ein Thread über Krähen begegnet, den ich interessant fand. Von wegen „kein Auge aushacken“ – Krähen tun einander manchmal sehr viel Schlimmeres an:

11. Eine Art Nachruf

Vielleicht les nur ich als Journalistin gerne über andere Journalisten, aber das hier hat mich berührt. Robert Pear war so ein einfluss- und kenntnissreicher Mann, das sich sogar Nancy Pelosi zu seinem Tod geäußert hat. Diesen Alltagsblick einer deutlich jüngeren Kollegin finde ich aber noch bemerkenswerter:

12. Wissenschaft 1, Marketing 0

Pseudo-Gesundheitswasser und wie man es mit ein wenig Wissenschaft als Schwachsinn entlarvt:

13. Der letzte Arbeitstag

Zum Beinahe-Schluss noch ein bisschen was aus der Reihe warm-ums-Herz:

14. Theresa Shampoo

Im wahrscheinlich letzten Monat mit ihr als Premierministerin gehört der Schluss-Thread diesmal Theresa May. Und ein paar Flaschen Shampoo.

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5 Jahre in Russland: Was fehlen wird und was nicht

Heute ist er da, der Heimflugtag nach fünf Jahren Leben in Russland. In den letzten Tagen war viel Abschiedsfeiern, Tränenwegwischen und Schwelgen in Erinnerungen. Das wäre noch mal ein ganzes Stück härter gewesen, wenn nicht russischer Braindrain und deutsche Arbeitgeber zuletzt dafür gesorgt hätten, dass viele Freunde Moskau schon verlassen haben, einige sogar nach Berlin.

Und ja, vielleicht habe ich es mir in den letzten Wochen auch ein bisschen leichter gemacht mit dem Abschied, indem ich laut vor mich hingemoppert habe über alles, was hier nervt. Allein: Es drängelt sich halt immer wieder Schönes in den Vordergrund und erinnert daran: Das wirst du so in Berlin nicht mehr haben, nicht mehr erleben können.

***

Was mir nicht fehlen wird: Die dreckige Moskauer Luft, durch die jede Erkältung vier Wochen dauert. Die Bürokratie, in der niemand Verantwortung für irgendwas übernehmen mag. Das Verzögern und Schikanieren, wenn man ein wichtiges Dokument braucht und nur Bittsteller sein kann und abwarten. Die maulfaulen, missmutigen Nichtzurückgrüßer. Der fehlende Augenkontakt. Dass die Stadt trotz einiger Umbauten immer noch den Autofahrern gehört und man als Fußgänger sich danach zu richten hat.

Was mir fehlen wird: Die oft nicht mehr ganz jungen Damen, die von der altehrwürdigen Tretjakowgalerie bis zum Heimatmuseum hier alle Museen regieren, streng aber gerecht, und mit viel Fachwissen. Das Gefühl von Triumph, wenn du im Bus mithörst, was jemand neben dir ins Telefon erzählt, und dann merkst: Moment, das war ja Russisch, und ich hab jedes Wort verstanden. Mit Freunden zusammen Musik machen und dabei dorthin kommen, wo nicht jeder hindarf, zum Beispiel im Konservatorium oder in der Erlöserkathedrale. Überhaupt: Die rotgoldene Plüschomanie, vor allem da, wo Kultur stattfindet.

Was mir nicht fehlen wird: Der Rassismus, der oft nicht mal als solcher erkannt wird: „Ich war neulich bei euch in Deutschland, in Freiburg. Schöne Stadt, aber die ganzen Schwarzen!“ Dasselbe, nur für Schwulenfeindlichkeit: „Was, ihr nehmt einen Ballettänzer bei euch auf? Hast du keine Angst, dass der deinen Mann… du weißt schon?“ Militärparaden und Kwaspatriotismus. Kleine Jungs in Tarnfleck und kleine Mädchen in Prinzessinnenpink, die schon vor der Einschulung die gängigen Brust-raus-Schmollmund-Posen für Instagram beigebracht bekommen.

Was mir fehlen wird: Sowjetisches Design und die zeitlose Sachlichkeit, mit der hier Geschäfte benannt werden: Dom Knigi, Haus des Buchs. Mir zwetow, Blumenwelt. Moshostorg, Moshaushand (Moskauer Haushaltswarenhandlung). Dass es für jeden Vornamen (z.B. Katrin) zig Kosenemanevarianten gibt (Katjuscha, Katja, Katjona, Katerinka) und dazu dann noch eine eilige Rufnamenvariante: Kat! Dass es komplett legitim ist, seinen Partner, wenn er denn männlich ist, „Pupsik“ zu nennen.

Was mir nicht fehlen wird: Die Haltung, dass man als Ausländer hier bitte nichts zu kritisieren hat – wem was nichts passt, der kann ja gehen. Die Ratschläge, die einem vom Ömchen bis zum Taxifahrer jeder gibt – vor allem als Frau. Das Gefühl, wenn man sich als Deutsche zu erkennen gibt, der Gegenüber ein zustimmendes Geräusch macht und man nicht weiß: Sagt er als nächstes „Ich hab Rammstein mal live gesehen“ oder doch „Hitler hat auch vieles richtig gemacht“?

Was mir fehlen wird: Die Leute, die einen überraschen mit ihrer Reaktion, wenn man sich als Deutsche zu erkennen gibt: Oh, Peter Zadek! Oh, Friedrich Engels! Oh, Tic Tac Toe! Wobei, das war in der Ukraine. Apropos: Wie viele andere Länder man von Moskau aus entdecken kann: Die Ukraine eben, dann Armenien, wo die Kirchen aussehen wie Burgen und das Alphabet wie ein U neben dem anderen. Georgien, das Land mit der guten Küche. Aserbaidschan, wo man lernt, was ein Schlammvulkan ist. Kirgistan, Usbekistan – und hey, Kasachstan, irgendwas wird das mit uns auch noch mal was.

Was mir nicht fehlen wird: Die Staus, zur Rushhour morgens und abends und dann noch mal mittig dazwischen. Das Desinteresse am Umweltschutz – seien es jetzt wartende Autos mit laufendem Motor, keinerlei Mülltrennung oder die Tatsache, dass ich in fünf Jahren hier nur drei Orte gefunden habe, an denen man alte Batterien entsorgen kann: im Goethe-Institut, bei Ikea und im hippen Museum „Garage.“ Dass es im Winter mal zu kalt ist, mal zu warm, und dazwischen fällt man ständig hin.

Was mir fehlen wird: Die Frau an der Supermarktkasse, die, nachdem ich monatelang mehrfach pro Woche „Nein, danke, ich brauche keine Plastiktüte“ gesagt habe, ihre Kollegin irgendwann anranzt, als die mir wieder eine Tüte aufnötigen will: „Verstehst du denn nicht? Es geht hier um Ö!Ko!Lo!Gie!“ Das Gefühl wie im Studentenwohnheim, wenn die Hälfte deiner Freunde auf demselben Gelände wohnt wie du. Das kollegiale „Kannst du mir das mal einsprechen?“ und „Ich kann dir das auch gern gegenlesen.“ Die Metro, vor allem die Haltestellen Komsomolskaja, Dostojewskaja, Majakowskaja und Nowoslobodskaja. Die Stelle, wo die hellblaue Metrolinie kurz aus dem Untergrund auftaucht, bei Tageslicht über die Moskwa fährt und dann wieder verschwindet.

Was mir fehlen wird: Mit Freunden unter freiem Himmel Plow kochen im Kasan, und dann so lange draußen sitzen, bis auch das letzte Bier getrunken und die letzte Mücke satt ist. Russlands Nicht-Metropolen (also weder Moskau noch St. Petersburg), wo alles etwas langsamer ist, weniger hochglanzig, weniger blinkreklamig. Fernzug fahren und auf Birken gucken. Elektritschka fahren und gucken, was da heute so verkauft wird – Socken? Eis? Kalender? Plötzlich halbwegs Ahnung von Ballett zu haben. Zu wissen, was man beim Fußball zum Anfeuern ruft und was beim Eishockey.

Was mir fehlen wird: Die Gastfreundschaft, die ab dem Moment greift, wo man auch nur einen gemeinsamen Bekannten hat – und dann in kurzer Zeit ausufert, von „hier, ein Apfel aus meinem Garten“ zu „Ich hab mal eben deine restlichen fünf Urlaubstage für dich geplant, morgen früh um 8 hol ich dich ab.“ Die absurden Denkmäler – Ehre dem Kabeljau – die man hier manchmal findet. Das Alte neben dem Neuen. Das Gefühl, wenn man von irgendwo auf Moskau herabguckt, vor allem abends. Das ständige Feuerwerk. Die Beleuchterei.

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Russball, Folge 63: Endlich sponsert Gazprom mal was!

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Ja, sorry, kein Weihnachtsgeschenk von mir dieses Jahr – schließlich kommt der Newsletter erst jetzt, zwischen den Jahren. Dafür schenkt euch die folgende Anekdote vielleicht ein Lächeln. Und weil das allein noch nicht rechtfertigt, dass sie hier vorkommt, leitet sie auch ganz zauberhaft zu den Fußballthemen über.

In meinem ersten Jahr als Redakteurin bei der Moscow Times saßen wir morgens zu zweit im Büro, links die Frühdienst-Kollegin und daneben ich als Social-Media-Frau. Da twitterte uns plötzlich der Präsident von Estland, Toomas Hendrik Ilves, an. Nicht komplett unerhört – Berichterstattung aus Russland auf Englisch, das hatte ich bereits gelernt, bringt einem viele Leser mit blauem Twitter-Häkchen. Aber warum regte der Präsident an, wir sollten uns doch vielleicht diese eine Überschrift, die wir gerade veröffentlicht hatten, noch mal ansehen?

Ein Klick, ein Schock, ein Umdrehen zur Kollegin – was war passiert? Zunächst einmal eine Massenprügelei in einem russischen Krankenhaus. Der Frühdienst hatte die Meldung wie gewohnt in einem Google-Doc vorgeschrieben. Beim Umheben in unser Redaktionssystem allerdings hatte die Überschrift ihren ersten Buchstaben verloren. Wo also „Mass Brawl in Russian Hospital Prompts Firing of Government Officials hätte stehen sollen, stand nun exakt dasselbe – nur ohne das erste M. Ass brawl, ein Kampf der Ärsche – es ist die Sorte Fehler, bei der man sicher sein kann: Wenn sie einem passiert, dann wird es garantiert niemand Geringerem auffallen als einem Staatsoberhaupt.

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⚽  Eine andere Überschrift der Moscow Times hat mich diesen Monat in ihrer Wortspielfreude doch sehr gefreut: „GOAT on a Horse: Russian Football Star Arshavin Spotted Leaving Strip Club by Steed“. GOAT, klar, das ist der Greatest Of All Time: Als Russlands Premjer-Liga letztes Jahr ihren 25. Geburtstag feierte, ließ Sport Express abstimmen, und ja, Arschawin wurde zum besten Spieler aller Zeiten gewählt. (Wobei „aller Zeiten“ hier eben bedeutet: innerhalb von 25 Jahren russischem Erstligafußball.)

Ein GOAT/goat 🐐 auf einem Pferd, das ist schon recht hübsch getextet für folgenden Sachverhalt: Arschawin, der ja vor kurzem seine Spielerkarriere beendet hat, soll aus einem Club in St. Petersburg rausgeschwankt und dann auf einem Pferd in den Sonnenuntergang von dannen geritten sein. Das mit dem Pferd ist so ungewöhnlich nicht, im Petersburger wie im Moskauer Nachtleben begegnen einem immer mal wieder Leute, die mit Pferd am Zügel vor Kneipen warten, ob vielleicht jemand eine Runde drehen will. Arschawin, kann man weiter lesen, wurde offenbar sogar von der Polizei angehalten – er soll nicht genug für den Ritt bezahlt haben.

⚽  Je mehr ich über diese Arschawin-Geschichte nachdenke, desto lauter tuscheln in meinem Hinterkopf tausend russische Großmütter: „Nachts in St. Petersburg, im Dezember und dann auch noch hoch zu Ross – warum macht der Junge nicht die Jacke zu? Und wo ist seine Mütze?“ Sehr viel Babuschka-tauglicher ist da Denis Gluschakow, der hier passend zur Winterpause die vorbildliche Kleidung für einen russischen Fußballer präsentiert. Vielen Dank dafür.

⚽ Fünf Monate nach dem Ende der Fußball-Weltmeisterschaft hat das Meinungsforschungsinstitut Lewada 1600 Russen gefragt, was 2018 die wichtigsten Ereignisse in ihrem Land waren. Ergebnis: Die WM schafft es nicht unter die Top 3. Stattdessen sieht das Ranking so aus: 1. Die Eröffnung der Krim-Brücke über die Straße von Kertsch (ja, das ist die, zu der die Chefin von RT eine Begleit-Romcom schreiben durfte). 2. Die Rentenreform, die schön parallel zur WM durchgedrückt werden sollte, aber dann doch auffiel, zu starken Protesten führte und Wladimir Putin die Popularitätswerte ramponierte. 3. Die Präsidentschaftswahl im Frühjahr, als an vielen WM-Stadien noch gebaut wurde.

Mit Platz 4 war die Weltmeisterschaft den befragten Russen allerdings immer noch deutlich wichtiger als zahlreiche politische Themen, vom russischen Militäreinsatz in Syrien über den Krieg in der Ostukraine bis hin zu den Sanktionen von und gegen Russland. Interessant auch: Bei derselben Umfrage sollten die Teilnehmer sagen, ob das Jahr 2018 ihrer Meinung nach für Russland leichter, schwieriger oder genau so war wie das Vorjahr. Die sommerliche WM-Begeisterung scheint keine langfristigen Auswirkungen auf die Stimmung gehabt zu haben: Nur 11 Prozent stimmten für „leichter“, die Zahlen für „schwieriger“ (45) und „genau so“ (44) liegen deutlich höher. (Ach so, für Wladimir Putin gab es 2018 zwei Ereignisse, die „emotional am bedeutsamsten“ waren: seine Wiederwahl und die WM.)

⚽  Auf einen sehr viel größeren Datensatz als nur 1600 Befragte kann die russische Suchmaschine Yandex zurückgreifen. Sie hat die populärsten Suchbegriffe im Jahr 2018 veröffentlicht, es lohnt vor allem ein Blick uf die Menschen, nach denen am häufigsten gesucht wurde: Erstens Igor Akinfejew, Russlands Heldentorwart, drittens Artjom Dsjuba (mehr zu ihm gleich), außerdem Denis Tscheryschew auf der Acht und Lionel Messi auf der Neun. Was zeigt: Wer am Jahresende zurückblickt, mag die WM bereits ein wenig aus den Augen verloren haben. Beim Suchvolumen hingegen sind ihre Auswirkungen immer noch gut zu sehen.

⚽  „Wurde ja auch Zeit“ – „Na endlich“ – „Dazu gratulieren wir uns allen“. So klingen sie, die Kommentare unter dem Tweet, mit dem der russische Fußballverband am 19. Dezember verkündete: Witali Mutko gibt sein Amt als Verbandspräsident ab – und das, wo es doch zuletzt eher so ausgesehen hatte, als wollte er den Job wiederaufleben lassen.

Ruhen lässt er das Amt ja bereits seit rund einem Jahr, nachdem ihn das Internationale Olympische Komitee wegen seiner Rolle im russischen Staatsdoping lebenslang gesperrt hatte. Sorgen um seine Zukunft muss sich Mutko auch ohne Präsidententitel nicht machen: Er ist weiterhin Vize-Ministerpräsident mit Zuständigkeit für Bauangelegenheiten und regionale Entwicklung.

⚽ Weil es im Fußball ja noch nicht genug Dinge gibt, die von Gazprom gesponsert werden, heißt das Krestowski-Stadion in St. Petersburg seit ein paar Tagen „Gazprom-Arena“. Damit passt der Name endlich zum Verein: Zenit St. Petersburg, das dort seine Heimspiele austrägt, hat ja ebenfalls den Gazpromschriftzug auf den Spielertrikots – mit dem lateinischen Buchstaben G, der mich samt Flamme immer an ein aufgeschnapptes Klappfeuerzeug erinnert.

gazprom

⚽ Wenn jetzt zum Jahresende die Finanzchefs diverser russischer Fußballclubs vor ihren Exceltabellen sitzen, dürfte sich ein Lächeln auf das ein oder andere Gesicht stehlen – jedenfalls bei den Vereinen, die an europäischen Turnieren teilgenommen haben. Lokomotive Moskau zum Beispiel hat – so rechnet es Sport Express vor – in der Gruppenphase der Champions League knapp 18 Millionen Euro eingenommen. Nicht so schlecht, als Gruppenletzter.

Am lukrativsten war der Einsatz in der Champions League dem Bericht zufolge für ZSKA: 21,55 Millionen Euro, zusammengesetzt aus 15.25 Millionen fürs Erreichen der Gruppenphase, 900.000 für das Unentschieden gegen Viktoria Pilsen und 2,7 Millionen für die beiden Siege gegen Real Madrid. Die einstelligen Millionenerträge für Zenit, Krasnodar, Spartak und Ufa kann man hier nachlesen.

⚽  Allein für dieses Fitzelchen nutzloses Wissen hat es sich schon gelohnt, dem Twitter-Account „Russian Non-League Football“ zu folgen: In Wolgograd – auch das eine der WM-Städte des vergangenen Sommers – spielt demnach Russlands ältester aktiver Fußballer (gemeint ist vermutlich: ältester Spieler mit Profi-Karriere). Seit 2011 ist Sergej Nataluschko nicht nur Trainer des FK Dynamo Nikolajewsk. Der Mann, dessen Frisur entfernt an „Zurück in die Zukunft“ erinnert, stellt sich auch immer wieder selber auf:

⚽ Wer in diesen Tagen nach Leonid Slutsky googelt, der bekommt – immer vorausgesetzt, die Suche war auf Russisch – höchstwahrscheinlich mindestens einen Link zu Sport Express als Ergebnis, vielleicht auch mehrere. Denn das lange Interview (Teil 1, Teil 2) , das Igor Rabiner mit dem früheren russischen Nationaltrainer geführt hat, wollte seine Redaktion nicht nur einmal als Gesamtwerk veröffentlichen.

Stattdessen gibt es also reihenweise einzelne Aspekte noch mal als Single-Auskopplungen, jedes Mal ein separater Artikel: Dass ZSKA sein Titelfavorit ist. Dass er bei seinem aktuellen Job in Arnheim die russische Banja vermisst. Dass sein 13-jähriger Sohn ja jetzt rappt. Ist das jetzt noch eine SEO-Strategie oder schon Spam?

Interessant fand ich jedenfalls Slutskys Reaktion, als er darauf angesprochen wird, dass seine TV-Expertenkarriere während der WM plötzlich beendet war, nachdem er im russischen TV den Namen „Nawalny“ in den Mund nahm. Slutsky bleibt dabei: Nein, er sei nicht dafür abgestraft worden, es sei nie etwas anderes anderes geplant gewesen als ein Kurzeinsatz.

⚽ Bei der Auslosung zur Europa League Mitte des Monats ist ja unter anderem rausgekommen, dass der FK Krasnodar gegen Bayer Leverkusen spielen wird. Krasnodar ist keine kleine Nummer, in die Winterpause ist der Verein auf Platz zwei der Premjer-Liga gegangen. Zum Vergleich: Leverkusen überwintert auf Platz neun.

Gefreut hat mich die Auslosung vor allem, weil dann endlich mal ein Stadion Aufmerksamkeit bekommt, das bei der Weltmeisterschaft aus unerfindlichen Gründen vernachlässigt wurde. Ein Quasi-Kolosseum mit riesiger Videowand, einmal rund um den Innenraum. Das „schönste Stadion Russlands„? Vielleicht, wobei… Sotschi… jedenfalls: Hier ein Vorgeschmack.

⚽  Offenbar war ich nicht die einzige, die diesen Sommer im WM-Austragungsort Kasan an ein paar überaus nette, gastfreundliche Einheimische geraten ist. Meine haben mich zwar nicht aufs Trainingsgelände von Rubin Kasan mitgenommen, aber gut, ein bisschen Luft nach oben muss ja noch sein für den nächsten Besuch.

⚽ Diesen Sommer bei der WM war Artjom Dsjuba der Star der russischen Nationalmannschaft. Zum Jahresende blickt Russian Football News (in einer Detailtiefe, die wohl vor allem was für Hardcore-Fans ist) zurück auf eine Karriere, in der er sich mit jedem Vereins- und jedem Trainerwechsel wieder neu beweisen wurde. Selbstverständlich als Spitzenspieler anerkannt war er selten, auch seinen WM-Einsatz hat er unter anderem dem Verletzungspech seines Konkurrenten Aleksandr Kokorin zu verdanken. Mehr, auch zu Dsjubas vielen Spitznamen, hier: The Evolution Of Artem Dzyuba.

Auch die spanische Sportzeitung Marca würdigt Dsjuba: Sie hat ihn, „einen der großen Schützen der Weltmeisterschaft“, unter die Top 100 Fußballspieler des Jahres 2018 gewählt. Platz 97 mag jetzt keinen Top-Position sein, andererseits würdigt die Redaktion ausdrücklich Dsjubas Tor, das für Russland im Spiel gegen Spanien die Verlängerung und das anschließende Elfmeterschießen ermöglichte. Wie das für Spanien endete, das ist sicher nicht nur spanischen Fußballjournalisten bis heute präsent:

⚽ Was bringt es den rusischen Fußballclubs, dass ihre Spieler bei der WM dabei waren? Klar, mehr Erfahrung, vielleicht auch bei Gelegenheit eine höhere Ablöse, wenn jemand verkauft wird, der sich bei der Weltmeisterschaft profilieren konnte. Aber so lange müssen die Clubs gar nicht warten: Die FIFA zahlt ihnen scbon jetzt etwas: Aus den Einnahmen des Turnier gehen rund zehn Millioenn US-Dollar an russische Vereine. Das Spektrum reicht von 1.815.445 Dollar für Zenit bis runter zu Anschi Machatschkala, die immerhin noch 38.205 bekommen. Die ganze Liste, auch mit den Summen der deutschen Vereine, gibt es hier.

⚽  Das letzte Wort hat heute der FK Ural. Dort hat man gehört, dass José Mourinho – dem Kritiker ja gerne vorwerfen, er würde am liebsten den ganzen Mannschaftsbus vor dem eigenen Tor parken – bei Manchester United rausgeflogen ist. In Jekaterinburg hatten sie daraufhin eine Idee, und aus der Idee wurde ein Tweet:

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Das war’s für heute, die nächste Russball-Folge soll Ende Januar bei euch ins Postfach plumpsen. Jedenfalls stelle ich mir das so vor, auch wenn zur selben Zeit der Umzug nach Berlin ansteht. Raus aus Russland, aber weiter über den russischen Fußball schreiben – mal sehen, wie das wird. Eins steht jedenfalls fest: Die ersten beiden Monate des neues Jahres müssen wir noch komplett ohne russischen Erstligafußball auskommen.



 

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Die besten Threads aus dem Oktober

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Eine kleine Umfrage unter Wissenschaftlern hat mich diesen Monat beschäftigt. Die Journalistin Anna-Lena Scholz hat diejenigen Forscher, die Twitter nicht nutzen, nach ihren Gründen dafür gefragt. Der Thread mit den Antworten liest sich für mich vor allem deshalb frustrierend: Weil immer wieder das Argument auftaucht, Twitter tauge nicht dafür, in die Tiefe zu gehen.

Mal ganz abgesehen davon, dass viele der Befragten immer noch von 140 Zeichen sprechen – sich also offensichtlich seit längerem nicht mehr mit Twitter befasst haben – fuchst mich vor allem, dass sie ganz offensichtlich die Arbeit ihrer vielen twitternden Kollegen nicht wahrnehmen oder nicht würdigen. Sonst wüssten sie, wie viele Astrophysiker, Historiker und Zoologen, wie viele Radarfachleute und Experten für Gravitationswellen und Menschen, die wissen, wie unser Hirn uns etwas vorlügt man bei Twitter finden und so schlauer werden kann. Also: Wer mit seiner Antwort in dem Umfrage-Thread vorkommt, sollte vielleicht mal ein paar der folgenden Threads lesen.

Ansonsten gilt wie immer auch in diesem Monat die Gebrauchsanweisung: ein Klick auf den hier eingebundenen Tweet öffnet den ganzen Thread.

1. Ein römisches Boot in einem winzigen See

Caligulas Vergnügungsboot. So groß wie ein Airbus A380. Bebaut mit Palästen aus Marmor. Jahrhundertelang auf dem Boden eines winzigen Sees liegend, bis Mussolini ihn trockenlegen ließ, um das Boot zu heben. Die Geschichte, die Paul Cooper hier erzählt, klingt mit jedem Tweet mehr nach Seemannsgarn, ist aber wahr.

2. Kaum Wikipedia-Beiträge von Frauen

Nur so wenige Frauen, die an Wikipedia mitarbeiten? Na, da müssen sich die Frauen wohl mehr anstrengen! Warum diese Argumentation arg schlicht ist, hat Leonhard Dobusch hier detailliert erklärt. Danke dafür.

3. Ein Versandhauskatalog mit politischer Wirkung

Den Willis Tower, zweithöchster Wolkenkratzer der USA, habe ich dank Schulaustausch noch als Sears Tower kennengelernt – Sears wie die großen Kaufhäuser. Dass das Unternehmen mal als eine Art amerikanischer Otto-Katalog begonnen hat, und warum der für schwarze Amerikaner wichtig und vielen weißen ein Dorn im Auge war, erklärt Louis Hyman.

4. Seehofer auf Trumps Spuren

Wohin es führt, wenn ein prominenter Politiker die Medien zu Volksfeinden erklärt, erleben wir gerade in den USA. Insofern bin ich – trotz Tippfehler an entscheidender Stelle – froh über diesen Thread. Was immer Seehofer sich da zusammenfabuliert, Bastian Obermayer lässt es ihm nicht durchgehen:

5. Inktober trifft Geologie

#Inktober ist, wenn Menschen einen Monat lang täglich etwas mit Tinte zeichnen und das Ergebnis posten. Mika McKinnon ist Geophysikerin und hat sich für ihren Inktober allerlei Wissenschaftsthemen vorgenommen. Mein Lieblingsbild ist das vom 21. Oktober – vor allem wegen des Zusammenhangs zwischen Geologie und Käsekuchen.

6. Zombiepräventionsbestattung

„Und was machen wir jetzt, damit der nicht von den Toten wieder aufersteht und als Zombie zurückkehrt?“ – „Na, wir bestatten ihn mit einer Sichel um den Hals/einem Ziegelstein im Mund/einem Pfahl durch die Genitalien/ohne seine Zunge.“ Alles so passiert:

7. Grünen-Bias bei Journalisten?

Ein Diagramm, das immer mal wieder die Runde macht. Allerdings sind die Zahlen dahinter nicht nur veraltet, die Grafik lässt auch einen ganz entscheidenden Balken weg – den größten sogar. Mehr hier:

7. Aus dem Matheheft eines Dreizehnjährigen

Kommt mir das nur so vor, oder sind es vor allem Museen im englischen Sprachraum, denen die Öffentlichkeitsarbeit per Twitter leicht von der Hand geht? Hier zum Beispiel geht es um einen Archivfund des Museums für ländliches Leben in England. Wir sehen das Heft, in dem Ende des 18. Jahrhunderts ein Schüler namens Richard seine Matheaufgaben erledigte – und vor Langeweile zusätzlich alles Mögliche an den Rand malte: seinen Hund, Schiffe, und dann dieses Huhn…

8. Rechteckige Kühe

Dass man sie besser stapeln wollte wie Melonen kann man wohl ausschließen. Was sonst war also der Grund für eine Epoche, in der Kühe (und Schafe!) in England offenbar rechteckig bzw. quaderförmig waren? Oder zumindest so gemalt wurden? Was will uns der Künstler sagen? So viele Fragen:

9. So. Sahen. Damals. Keine Zeitungen. Aus.

Wirklich nicht. Auch wenn ihr das für euren Historienfilm gern so hättet.

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Polizei und Kacheln – so war das in Usbekistan

Usbekistan kscheib Samarkand Bibi-Chanum-Moschee

Wie war das in Usbekistan? Es ist der Blogpost, den ich seit Monaten schreiben will, und der immer irgendwie liegen geblieben ist. Wegen der WM, ja, aber eben auch, weil es mir schwer fällt, dieses Land, durch das wir im April gereist sind, in einen durchgängigen Text zu zwingen.

Es sind einfach zu viele Eindrücke: Dass Khiwa, die alte Stadt in der Wüste, im Prinzip nur aus drei Farben besteht: Sandbraun für die Mauern, dazu Kacheln in Blau und Türkis. Dass das Brot hier nicht nur lecker, sondern ausgeprägt schön ist, vor allem in Samarkand. Dass die sowjetischen Protzbauten und die postsowjetisch-usbekischen so viel gar nicht unterscheidet.

Dass man bei so gut wie jeder Unterkunft, sei es ein Hotel oder eine schlichte Pension, aufs Dach hinauf darf, dort einen Tee trinken und über die Stadt gucken. Dass man auf der Suche nach Shampoo plötzlich in einem kleinen Geschäft eine Flasche „Head and Shouders“ (ja, ohne l) in der Hand hält, Duftrichtung: „Knoblauch“. Respekt, usbekischer Markenpirat, du hast Humor!

Dass die alten Paläste in Städten, die entlang der Seidenstraße erblühten, im Innenhof oft einen großen, flachen Sockel hatten, falls die Nomadenverwandtschaft vorbei kam und ihr Zelt aufstellen wollte. Dass die Madrasas eine prächtiger als die anderen sind. Dass die Züge hier schnell, sauber und klimatisiert sind wegen der Touristen, aber vor jeder Zugfahrt reihenweise Passkontrollen anstehen – vor dem Bahnhof, am Eingang zum Bahnhof, beim Verlassen des Bahnhofs Richtung Bahnsteig, beim Einsteigen.

Dass es diesem Land ein Anliegen war, schon vor der Anreise unmissverständlich mitzuteilen: Ja, okay, ihr zwei Journalisten dürft hier urlauben, aber kommt mal bloß nicht auf die Idee, hier herumzujournalisten! Ach so, und Fotoverbot in der Metro, ne? Ist klar! Autoritäres Regime und Seidenstraßenromantik, Polizeikontrollen und Kachelkunst, die zwei Schwerpunkte dieser Reise.

Die erzählenswerteste Geschichte trug sich in Samarkand zu, der Stadt, deren Hauptplatz an drei Seiten von Koranschulen flankiert wird, eine prachtvoller, imposanter und blau-türkis-gekachelter als die andere. Tagsüber stehen wir auf diesem Platz, dem Registan, schauen und staunen.

Usbekistand kscheib Registan Samarkand

In einem Reisereportagen-Buch findet sich eine Anekdote, in der der Autor abends an genau diesem Platz von einem Aufseher angesprochen wird, in etwa so: „Na, gefällt Ihnen Samarkand?“ – „Ja, sehr.“ – „Und wie finden Sie die Architektur hier?“ – „Beeindruckend.“ – „Aber wäre das nicht noch schöner, wenn es beleuchtet wäre?“ – „Ja, stimmt.“ – „Alles klar, 10 Dollar für jeden aus ihrer Gruppe.“ Eingesammelt, der Aufpasser legt einen Schalter um, das Licht geht an. Usbekistan gilt als eines der korruptesten Länder in der Region, wir grinsen über die Geschichte und denken nicht weiter nach.

Abends sind wir noch mal am Registan, alles ist beleuchtet, ohne dass jemand nachhelfen müsste. Der Platz selbst ist abends gesperrt, man kann nur an der nicht bebauten Seite entlang eines Zauns stehen und rüberfotografieren. Hier ein Grüppchen Touristen, da noch eins, ich stehe ein wenig am Rand, da kommt ein Polizist: „Na, woher sind Sie?“ – „Aus Deutschland.“ – „Reisen sie mit einer Gruppe“ – „Nein, nur zu zweit.“ – „Gefällt Ihnen Samarkand?“ – „Ja, sehr.“ – „Und wie finden Sie die Architektur hier?“ – „Beeindruckend.“ – „Haben Sie sich die Madrasen schon angesehen?“ – „Ja.“ – „Aber wäre das nicht noch schöner abends, wenn da sonst niemand drin ist?“

Usbekistand kscheib Registan Nacht Samarkand

15 Dollar später schiebt er den Zaun an der Ecke ein wenig zur Seite und winkt uns durch. Ein Manöver zwischen Routine und Ausnahme: Einerseits merkt man sofort: Der macht das nicht zum ersten Mal. Andererseits ist es ihm ein großes Anliegen, dass wir den Weg quer über den leeren Platz laufen, statt nur zu gehen – als würde das irgendwas daran ändern, dass all die Touristen auf der anderen Zaunseitee uns sehen.

Usbekistan Samarkand kscheib Ulugbek-Madrasa

Hinein in die Madrasa zur linken, sie heißt Ulugbek nach dem Khan, der sie im 15. Jahrhundert bauen ließ und so für die Ordnungshüter von Samarkand die Gelegenheit schuf, sich 600 Jahre später ein wenig Geld hinzu zu verdienen. Tagsüber darf man hier nur das Erdgeschoss und den Innenhof besichtigen, und wer die Treppe sieht, die wir nun hochsteigen in den ersten Stock, der weiß, warum.

„Nicht zu nah an den Rand heran, sonst fallen Sie runter“, sagt der Polizist noch, dann sind wir allein. Umgeben von, natürlich, blau und türkisen Wänden, viele Jahrhunderte alt, im Dunkel des Abends. Kacheln und Polizei, Polizei und Kacheln. So war das in Usbekistan.

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Russball, Folge 55: Russland hört gar nicht mehr auf zu feiern

russland sieg spanien roter platz jubel

Nein, wir werden hier jetzt nicht mehr über Deutschland-Südkorea reden. Zu lange her, eh nicht zu ändern, anderswo schon verbloggt. Außerdem ist Schwelgen sowieso schöner als Frust Schieben, also reden wir noch mal über das, was Russland da geschafft hat: Erst den Einzug ins Viertelfinale gegen Spanien, dann ziemlich ausdauerndes Gefeier, nicht nur in Moskau.

Ein bisschen hab ich mich da auch treiben lassen, durch die Straßen rund ums GUM, dann auf den Roten Platz, weiter Richtung Manegenplatz. Ja, es gab einen Autokorso, auch wenn der stellenweise mehr stand, als dass er fuhr – Abendverkehr in Moskau, man kennt das. Und auch das macht Spaß: Nach dem Spiel in den Bus steigen, und der Fahrer beschließt, dass er jetzt auch einen auf Autokorso macht. (Besonders gefreut hat mich ein Hinweis via Twitter, dass selbst das Kartenlesegerät lächelt – das war mir beim Filmen nicht aufgefallen.)

Vielleicht am schönsten hat diesen Abend nach dem Spiel Andrew Roth vom Guardian zusammengefasst:

Cars honked their horns and passengers stuck their heads through windows and sunroofs shouting “Ros-Si-Ya!” Police officers looked on what must have been traffic violations with an air of indifference. Nobody was going to be fined, not for the noise, the errant driving or the copious amounts of public drinking that continued late into Monday morning.

It was wild stuff, the kind of night that ends with you rolling on the grass by the Karl Marx statue, clutching a bottle of champagne and somehow entangled inside of your own Russian tricolor flag.

Actually that was just at 9pm.

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⚽ Lustig auch, wie viele Menschen nicht damit gerechnet hatten, dass Russland jemals so weit kommen könnte – und deshalb munter Karten fürs Ballett gekauft hatten. Im Marinskij-Theater in St. Petersburg zum Beispiel erfuhren die Zuschauer in der Pause einer Aufführung von Dornröschen, dass Russland Spanien geschlagen hatte. Ergebnis: Standing Ovations, später zum Schlussapplaus kam dann der Dirigent mit Russlandfähnchen auf die Bühne.

Auch im Bolschoi, dem Moskauer Gegenstück zum Marinskij, fanden sich einige Zuschauer plötzlich in der Zwickmühle: Wie bleib ich auf dem Stand in Sachen Fußball, während ich hier in diesem Ballett-Palast sitze?

Auch die Ballerinas hinter den Kulissen mussten einen Weg finden, das Spiel zumindest zwischen ihren Auftritten zu verfolgen. Eine von ihnen hat das bei Instagram dokumentiert:

bolschoi⚽  Wir müssen noch mal über Datenschutz reden. Nein, diesmal geht es nicht darum, was man alles an persönlichen Infos für eine Fan-ID preisgeben muss oder welche Daten möglicher Hooligans die deutschen Behörden wohl an die russischen weitergegeben haben. Diesmal geht es um Überwachung und um das Fan-Fest hier in Moskau. Da ist am Tag des Spiels zwischen Spanien und Russland ein Mann festgenommen worden, nach dem wegen Diebstahls gefahndet wurde. Eine der Kameras hatte erkannt, dass da ein Fußballfan unterwegs war, der zu einem Bild in der Datenbank passte.

Interessant ist, was man aus der offiziellen Stellungnahme zur Verhaftung des Mannes noch so über die Gesichtserkennung in Moskau erfährt. Demnach werden das Fan-Fest und das Luschniki-Stadion von zusammen 282 Kameras überwacht. Sie sind verbunden mit einer Datenbank, die Bilder von 50.000 Menschen enthält, darunter auch Aufnahmen von 2000 Ausländern.

⚽  Das hier ist kurz, schön beobachtet und erhellend noch dazu: Zwölf Fragen zum Leben in Russland von einer, die hier lebt. Zwölf Antworten von einem, der hierher stammt: „Versteh einer die Russen“ wirft einen Blick auf das WM-Gastgeberland abseits von Stadien und Fan-Jubel.

⚽ Dass zur WM hier besonders darauf geachtet wird, Touristen in der Moskauer Innenstadt nicht mit allzu sichtbarer Armut die Laune zu verderben, darum ging es hier ja schon mal öfter. Die Moscow Times hat dazu eine eindringliche Geschichte zu erzählen: Am Platz mit den drei Bahnhöfen steht normalerweise ein Zelt, in dem Menschen, die Hilfe brauchen, eine warme Mahlzeit und ärztliche Versorgung bekommen. Allerdings: Wer als WM-Tourist z.B. zu einem Spiel in Nischni-Nowgorod will, der steigt an einem dieser drei Bahnhöfe in seinen Zug.

Damit also die Fußballfans nicht dem Anblick von Obdachlosen und Armen ausgesetzt sind, wurde der Hilfsorganisation, die das Zelt betreibt, ein Umzug verordnet. An den Stadtrand, unsichtbar für WM-Gäste, und für viele Bedürftige schwer zu erreichen. Das ist mehr als nur unbequem: Für Menschen, die auf medizinische Hilfe angewiesen sind und diese bisher am Platz mit den drei Bahnhöfen bekamen, kann es lebensbedrohlich sein.⚽ Unterdessen in Kasan: ein Fußballspiel der Bräute, oder zumindest ein Spiel von Frauen, die Brautkleider anhaben. „Kasan“ ist nicht nur der Name der Stadt, sondern auch für einen großen Topf, unter dem man Feuer macht, um darin etwas zu kochen. Auf dem zweiten Bild sieht man im Hintergrund das Gebäude in Kasan, das an dieses Konstrukt erinnern soll.

⚽  Was tun, wenn man sich mit jemandem unterhält, der diesen Sommer nach Russland kommt und sowas sagt wie: „Aber es ist doch alles so schön hier, die Leute sind zufrieden und freundlich – da zeichnen die Medien aber echt ein ganz falsches Bild“? Bisher habe ich auf einen Thread von Shaun Walker hingewiesen, der darauf hinweist, dass die Dinge eventuell ein bisschen komplexer sind, und dass auch in einem autoritär regierten Land, dessen Bürger nicht viele Freiheiten haben und, wenn sie aufmucken, Probleme kriegen, trotzdem Lebensfreude, Fußballbegeisterung und Gastfreundschaft herrschen können.

Nun hat Marc Bennetts einen Kommentar geschrieben, der vor allem diesen Vorwurf, das mediale Bild Russlands sei zu negativ, aufgreift. Er beginnt mit einer kleinen Erklärung, was die Aufgabe von Jouralismus ist (und was für Infos man eher aus einem Reiseführer erwarten sollte) und spielt dann sehr schön durch, wie es aussähe, wenn man diese Forderung, doch bitte mehr aufs Positive zu blicken, z.B. bei der USA-Berichterstattung einforderte: Wieder ein Amoklauf an einer Schule, aber hey, der Central Park ist echt schön. Oder, anders formuliert: „What is it to be — articles on the reported mass torture of gay men by Chechen security forces, or a detailed examination of the quality of the mozzarella on pizza toppings?“ Bilanz: „Don’t Blame Journalists for Bad News About Russia“.„It’s a lot nicer than I thought it would be“ is the official unofficial slogan of Russia 2018

⚽ Es gibt Gastgeberstädte, für die ist die WM schon vorbei. Saransk zum Beispiel: In der kleinen Stadt können sie die Bürgersteige jetzt wieder hochklappen, der Trubel ist vorbei, die Fans wieder abgereist. Was bleibt: Die Erinnerung an Frauen aus dem Iran, an Jubel im Stadion. Und ein Gouverneur, der poetische Dinge wie dies hier sagt: „Eine große Traurigkeit wird sich über uns legen, aber wir müssen uns wieder an die Arbeit machen, denn uns steht unsere eigene Weltmeisterschaft ins Haus, und das ist die Ernte. Die ist sehr wichtig für uns.“

⚽ Erik Stoffelshaus war früher bei Schalke, ist inzwischen bei Lokomotive Moskau und hat insofern einen guten Blick darauf, wie sich die Fankultur im deutschen und im russischen Fußball unterscheidet.

In einem ZEIT-Interview bringt er das so auf den Punkt: „In Deutschland ist es so: Wenn man einen Fußballverein unterstützt, dann mit Leib und Seele. Wenn der absteigt, dann steigt man mit ab. Wenn der die Meisterschaft gewinnt, dann feiert man mit. Hier kommt mir alles ein wenig distanzierter vor. Man wartet lieber ab, wie das Spiel ausgeht, was es zu sehen gibt, bevor man sich entscheidet, einen Club zu unterstützen.“ Auch was Russland tun muss, damit die WM dem heimischen Fußball einen Schub gibt und nicht einfach verpufft, erklärt er in dem Gespräch, das man hier nachlesen kann.⚽ Was muss man tun, damit die während der WM betont nachsichtige Polizei dann doch aggressiv wird und auf einen einprügelt? Aufs Dach eines Polizeiautos klettern und dort wippend feiern, dass Russland im Viertelfinale ist. Das soll jedenfalls der Hintergrund dieser Szene hier aus Woronesch sein:

⚽  Neulich habe ich eine Stunde lang mit Lars geskyped, er hat geredet und geredet und geredet, und ich hab gedacht: Was für eine Geschichte! Und wie wirst du der jetzt gerecht? Das Ergebnis hat nur am Rande mit Fußball zu tun, dafür aber damit, wie Lars in Russland aufwuchs, warum er das Land verließ und was das alles mit seiner Identität als Transmann zu tun hat: Found in Translation.

⚽ Von Lars‘ Kindheits-Gekicke auf dem Asphalt in einem russischen Innenhof zum Thema russischer Fußball-Nachwuchs im Allgemeinen. Wie teuer es ist, sein Kind auf eine der Fußballschulen im Land zu schicken, davon war ja letzte Woche hier schon mal die Rede. Nun hat Spon ein Interview mit dem russischen Fußball-Kommentator Sergej Krivokharchenko, nach seiner Einschätzung liegt das Problem noch ein ganzes Stück tiefer: Viele Talente werden nicht einmal entdeckt, „die Wahrscheinlichkeit ist ziemlich groß, dass der russische Messi irgendwo in Sibirien als Wachmann arbeitet oder an einer Tankstelle.“

⚽ Dieses Spiel zwischen Japan und Polen, wie war das noch mal? Der Fernsehsender Match TV schaltet zu seinem Mann vor Ort, und dann geht irgendwas schief. Denn der glaubt, er sei nicht live, sondern zeichne auf, gönnt sich erst einen Patzer und dann einen Fluch. Das beste an dem Clip ist der kontrolliert stoische Gesichtsausdruck des Studiomoderators im Anschluss.

⚽ Was passiert, wenn man versucht, mit der Fan-ID von jemand anderem ins Stadion zu kommen? Molly Zuckerman aus St. Petersburg hat es ausprobiert, offenbar nicht als journalistischen Selbstversuch, sondern tatsächlich aus eigener Doofheit. Die wenig überraschende Antwort heißt: Man wird erwischt, festgenommen und muss mit auf die Polizeiwache. So weit, so unspektakulär. Sie hat eine unterhaltsame Reportage darüber geschrieben, auch wenn manchmal wohl die Pointe wichtiger war als die Recherche – wie bei dem Typen, der angeblich nur deshalb festgehalten wird, weil er kein Russisch kann.

Richtig nervig finde ich aber eine Stelle: In den USA, schreibt Zuckerman, habe man sie einfach weggeschickt, wenn sie versucht habe, mit falschem Ausweis in einen Club zu kommen, „but this is Russia“, also habe man sie festgenommen. Ja, klar. Oder vielleicht ist der Unterschied doch eher, dass keiner im Club Schaden nimmt, wenn eine Minderjährige um ihn rumtanzt, dass es bei großen Turnieren aber meist einen blühenden Schwarzmarkt gibt, der die Preise so hochtreibt, dass sie – gerade für Fans mit Normalgehalt – unbezahlbar sind. Oder dass hinter einem Club kein Riesenunternehmen wie die FIFA steht und die Regeln diktiert. Aber das ist natürlich nicht halb so sexy wie „Ich wurde verhaftet, und Russland ist schuld.“

⚽  Schweiz gegen Costa Rica, klar, das kennt man: Das ist eines dieser Spiele, wo die Gefühle hohe Wellen schlagen und sich die Aggression auf den Tribünen Bahn bricht.

⚽ Der Guardian hat in seinen Archiven gegraben und einen Artikel aus dem Juni 1928 online gestellt. Man kann darin lesen, was sich hier seitdem verändert hat („Moscow is still, as it always was, a big village.“) und was nicht („This privilege is shared by those who have enough money to pay bribes. All these things are done openly. There is no concealment about the sums that are paid.“) Fußball kommt in dem Text nicht vor, eigentlich überhaupt kein Sport. Die Jugend, heißt es, spiele lieber Karten.

⚽ Wie das so ist, wenn man mal ein Amt hatte, heute keines mehr hat, aber gerne in den Schlagzeilen bleiben möchte: Gennady Onischtschenko war mal Russlands oberster Hygiene-Wächter (so eine Art Gesundheitsamts-Chef, wenn es ein deutschlandweites Gesundheitsamt gäbe) und war schon damals immer für eine steile These zu haben. Nun hat er wieder eine rausgehauen: Mit jedem Sieg der russischen Nationalmannschaft steigt im Land die Lebenserwartung, so Onischtschenko – die Herleitung hat, vereinfacht gesagt, was mit persönlichem Wohlbefinden und positiver Einstellung zu tun.

Wenn das so ist, möchte man Russland ja den Finaleinzug, ach was: den Weltmeistertitel wünschen, das Land hat es schließlich immer noch bitter nötig. Außerdem hätten dann nach der geplanten Erhöhung des Rentenalters mehr Menschen eine Chance, ihre Pensionierung zu erleben.

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Ein Rausschmeißer noch, der nichts, aber auch gar nichts mit der WM zu tun hat: Wer sich den Twitter-Account „Footballers with animals“ angucken kann, ohne grinsen oder lächeln zu müssen, tut mir leid und ist mir zugleich suspekt. Danke an @Absatzkick für den Tipp! Mehr Russball dann wieder nächsten Mittwoch, das ist dann schon ein Halbfinaltag. Bis dann!



 

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Russland-WM ist, wenn Journalisten übers Zugfahren schreiben

russland bahnhof tula

Hat man auch nicht so oft, dass eine Fußball-WM ihr eigenes journalistisches Genre hervorbringt. Klar, der Livekommentar eines Spiels, sei es im Fernsehen oder im Radio, gehört zur Weltmeisterschaft – aber genau so eben zur Bundesliga oder zur Champions League. Das Interview mit dem Bundestrainer plus anschließender Exegese, es ist hier täglich Brot – aber das war in Brasilien nicht anders und wird auch in Katar nicht anders sein.

Eine Art von Text allerdings gehört wie keine andere nur zu dieser WM in Russland. Exemplare dieser Spezies fangen zum Beispiel so an: „Russland ist groß.“„Als wir am frühen Nachmittag ins Zugrestaurant kommen, ist Sergej schon blau.“„Mittags um zwölf hält der Zug im Niemandsland.“ Es ist, genau, die Große Russische Zugreportage. Täglich begegnen einem im Moment solche Texte, quer durchs journalistische Angebot, von der Neuen Zürcher Zeitung bis zur Neuen Osnabrücker Zeitung.

Es sind Geschichten, in denen Menschen Irina, Olga, Sweta und Mischa heißen, in denen mit Fremden gemeinsam gegessen, getrunken, geschlafen und über Fußball gesprochen wird. Manchmal geht das nur mit Händen und Füßen, manchmal helfen Geduld und Google Translate. Manchmal braucht es viele Anläufe, um eine einzige Sache auszudrücken, aber alle wollen sich unbedingt verständigen. Manchmal gelingt es, 8000 Zeichen zu schreiben, ohne dass auch nur ein einziger russischer Mitreisender zu Wort kommt. So erzählt jeder und jede Reisende auch etwas über sich selbst, absichtlich oder nicht.

Überhaupt finde ich es beim Lesen interessant, mir die Kollegen hinter den Geschichten vorzustellen. Wow, der mag tatsächlich Pastila, diesen extrem zuckrigen russischen Nachtisch. Oh, die hat aber ein gutes Händchen dafür, mit Leuten ins Gespräch zu kommen. Ach guck, die vielen kleinen Details, wie schön beobachtet.

Dass die Zugfahrtreportage rund um die WM so populär ist, hat wohl mehrere Gründe. Zum einen verbinden viele Ausländer mit Russland eben Zugfahrten, was wahrscheinlich am Mythos Transsib liegt. Zum anderen ist so eine Reportage die Chance, nah dran zu sein an den Fans. Die können nämlich, wenn sie eine Fan-ID haben und ein Ticket bekommen, kostenlos mit dem Zug vom einen Austragungsort zum anderen gondeln. Das dauert, denn – siehe oben – Russland ist groß.

Und so fahren sie nun also Zug und schreiben darüber, natürlich nicht nur auf Deutsch. „Extra time in Russia: by train to three World Cup cities“, titelt der Guardian, „Vodka, pine nuts and politics: World Cup fans meet Russians on the world’s longest train line“, schreibt die Washington Post. Irgendwo am Rande des WM-Textgenres 2018 bewegen sich Geschichten, in denen Menschen über ihre Erfahrungen mit dem Zugfahren in Russland interviewt werden („Thurgauer Kantonsrat Didi Feuerle reist mit Bus und Bahn zur WM“) oder Artikel, die schon vor der WM geschrieben wurden, aber mit einem WM-Bezug veröffentlicht.

Wenn es am Ende dieses Turnier noch irgendeinen Journalisten gibt, der nicht über eine Zugfahrt in Russland berichtet hat, kann man wohl davon ausgehen, dass die Kollegen bereits hinter dem Rücken über ihn tuscheln und er beim nächsten großen Turnier zuhause bleiben muss. Da kann er dann aus der Ferne zuschauen, wie alle Kollegen ihr „Wie ich mal auf einem Kamel durch die Wüste ritt“-Stück liefern. Aber bis dahin sind ja noch ein paar Jahre.

Im Jetzt und Hier möchte ich zum Schluss noch zwei Dinge empfehlen. Kunden, die sich für „Journalist schreibt Ich-Reportage aus einem russischen Zug“ interessierten, interessieren sich doch bitte auch für „Luzia in Rossija“, eine Serie kurzer Filme zur WM, Folge 3 spielt im Zug. Und für
Diagnosis, ein Fotoessay über einen russischen Krankenhauszug – ohne WM-Bezug, einfach so interessant.

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Das Trinkspiel zur Fußball-WM in Russland

kscheib Fußball-WM russland trinkspiel

Ein Gastgeberland, das gerade auf ein historisches Tief im FIFA-Ranking gerutscht ist. Ein Weltmeister, der in seinen letzten Spielen vor Turnierbeginn so gar nicht überzeugen konnte. Wer von der Fußball-Weltmeisterschaft in Russland nicht allzu viel Spannung erwartet, der muss sie sich eben schöntrinken.

So entstand die Idee für ein WM-Trinkspiel. Mit ein paar Leuten, die alle in Russland leben oder das mal getan haben, haben wir Klischees, Floskeln und Pannen gesammelt, auf die wir uns bei der Weltmeisterschaftsberichterstattung gefasst machen müssen. Der Spielmodus funktioniert dann ähnlich wie beim Eurovision Drinking Game:

Ihr braucht: Freunde, Gläser und Getränke. Klassisch russisch ist natürlich der Wodka, es geht aber sehr gut auch mit Tschatscha – dem Grappa, den man hier in jedem georgischen Restaurant bekommt. Wer komplett furchtlos ist, entscheidet sich für Medowucha, quasi russisches Met. Vor alle wird ein volles Glas gestellt und nach jeder Runde sofort nachgefüllt. Als Snacks bieten sich saure Gurken, Grenki, Tschetschil und Chips an. Dann nur noch den Fernseher anschalten – für ein komplettes Spiel, einen Bericht in den Nachrichten oder ein Hintergrundstück. Abwarten, was zu sehen und zu hören ist. Und das regelmäßige Nachgießen nicht vergessen.

– ⚽ Die Bond-Floskel. Für jeden Satz, der eine Variation des Filmtitels „Liebesgrüße aus Moskau ist“: Trink einen Schluck!

– ⚽ WatuTINki und SborNAja. Jemand betont den Ort des DFB-Quartiers oder das russische Wort für Nationalmannschaft falsch. Trink einen Schluck!

– ⚽ Der Lada. Ein Lada fährt durchs Bild oder steht am Straßenrand. Trink einen Schluck!

– ⚽ Der unnütze Putin. Putin ist immer gut, da werden die Leute hellhörig. Auch, wenn er ohne wirklichen Zusammenhang erwähnt wird. Putins Armee, Putins Wähler, Putins Kabinett – geschenkt. Putins Fußballmannschaft, Putins Kunstrasen, Putins Kreuzbandriss: Trink einen Schluck!

– ⚽ „Das Riesenreich“. Wann immer Russland mit dieser abgenutzten Phrase beschrieben wird: Trink einen Schluck!

– ⚽ Die Alliterationshölle. Jedes Mal, wenn jemand „der Rubel rollt“ sagt: Trink einen Schluck!

– ⚽ Ist hier Polen? Jemand behauptet, „Prost“ heiße auf Russisch „na sdorowje“. Trink einen extragroßen Schluck!

– ⚽ Kyrillisch-Missbrauch. Es werden kyrillische Schriftzeichen eingeblendet, aber so verwendet, als wären es deutsche – я als R, д als A. Betäube den Schmerz mit einem Schluck!

– ⚽ Die Fischeier. Jemand isst Kaviar. Trink einen Schluck!

– ⚽ Das Schnäpschen. Jemand trinkt Wodka. Lass ihn nicht allein und trink einen Schluck!

– ⚽ Die Schappka Uschanka: Jemand hat eine Fellmütze an. Trink einen Schluck!

– ⚽Der Hattrick. Jemand isst Kaviar, trinkt Wodka und hat eine Fellmütze auf. Trink dein Glas leer!

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So viel Hass auf den Bart von Karl Marx

Der Bart von Karl Marx im Jahr 1867 (Wikicommons)
Der Bart von Karl Marx im Jahr 1867 (Wikicommons)

Lange nicht mehr übers Lesen gebloggt, aber heute muss es dringend mal sein. Vor ein paar Wochen waren wir mit Freunden in St. Petersburg, bei einem Stadtrundgang standen wir igendwann vor einem Haus, und unser Tourguide erzählte, dass dort lange Maxim Gorki gewohnt hat und auch mal Besuch von H.G. Wells hatte. Ja, genau, der mit „Krieg der Welten“, was dann als Hörspiel mit Orson Welles 1938 reihenweise amerikanische Radiohörer in Panik versetzte.

Ein paar Wochen später, und ich habe die Reportagensammlung vor mir liegen, die H.G. Wells über seine Russlandreise im Jahr 1920 geschrieben hat. Sein Besuch, bei dem er tatsächlich bei Gorki wohnte, fiel in eine Zeit, in der in Russland Chaos herrschte: Zwei Jahre nach der Ermordung der Zarenfamilie, die Bolschewiken an der Macht, mit der sie laut Wells‘ Bericht oft kaum wussten, was sie anfangen sollten.

Hier zum Beispiel beschreibt er, wie die Kommunisten, die ja nun so gut wie allen Privatbesitz verboten haben, mit dem umgehen, was vor der Revolution einmal Privatbesitz war: Sie sammeln alles, was irgendwie wertvoll sein könnte, an einem Ort. Wozu? Unklar.

„Der Palast, in dem einst die britische Botschaft untergebracht war, ist nun wie ein vollgestopfter Kunstladen in der Brompton Road. Wir gingen durch Zimmer um Zimmer, in dem sich das schöne Gerümpel des früheren russischen Gesellschaftssystems stapelte. Es gibt dort große Räume, vollgestopft mit Skulpturen; niemals habe ich so viele marmorne Venusse und Nymphen an einem Ort gesehen, nicht einmal im Museum von Neapel. Es gibt Stapel von Bildern jeder Art, Duchgänge, in denen sich Schränkchen mit Intarsienarbeit bis zur Decke türmen, ein Zimmer voller Kisten mit alter Spitze, stapelweise grandiose Möbel. Diese Anhäufung ist gezählt und katalogisiert worden. Und da ist sie nun. Ich konnte nicht herausfinden, dass irgendjemand eine Idee gehabt hätte, was letztlich mit all diesem herrlichen, eleganten Müll geschehen sollte. Das Zeug scheint auf keine Art und Weise in diese neue Welt zu passen, die die russischen Kommunisten organisieren. Sie hatten nie damit gerechnet, dass sie sich einmal um solche Dinge würden kümmern müssen.“

Maxim Gorki in dem von Wells beschriebenen Depot in der früheren britischen Botschaft
Maxim Gorki in dem von Wells beschriebenen Depot in der früheren britischen Botschaft

Den Bolschewisten steht Wells durchaus wohlwollend gegenüber. Vieles, was in Russland derzeit im Argen liege, habe seine Wurzeln in der Zarenzeit, argumentiert er. Mit Karl Marx kann er dagegen gar nichts anfangen, und wie er auf ihm und seinem Bart rumhasst, ist meine bisherige Lieblinsgpassage in dem Buch – schon beim Übersetzen musste ich so lachen, dass ich kleine Pausen einlegen musste:

„Ehe ich zu dieser letzten Reise nach Russland aufbrach, empfand ich keine aktive Feindseligkeit gegenüber Marx. Ich mied seine Werke, und wenn ich Marxisten begegnete, wurde ich sie wieder los, indem ich sie bat, mir zu erklären, welche Menschen genau zum Proletariat gehören. Kein Marxist weiß das. (…) Ich muss gestehen, dass in Russland aus meiner passiven Ablehnung von Marx eine sehr aktive Feindseligkeit wurde. Wo immer wir auch hinkamen, trafen wir auf Büsten, Statuen und Bilder von Marx. Zwei Drittel von Marx‘ Gesicht besteht aus Bart, einem riesigen, ernsten, wolligen, ereignislosen Bart, der jegliche normale Bewegung unmöglich gemacht haben muss. Es ist nicht die Art von Bart, die einem Mann einfach so passiert, es ist ein Bart, der kultiviert, gehegt und patriarchisch der Welt entgegengestreckt wird. Er ist in seiner hirnverbrannten Fülle genau wie „Das Kapital“, und der menschliche Teil des Gesichts blickt eulenhaft darüber, als wolle es sehen, wie der Wuchs die Menschheit beeindruckt. Ich fand die allgegenwärtigen Bildnisse dieses Bartes zunehmend nervtötend. In mir wuchs ein nagendes Bedürfnis, Karl Marx rasiert zu sehen. Irgendwann, wenn ich diesen Tag noch erlebe, werde ich Schere und Rasierer erheben gegen „Das Kapital“, ich werde „Die Rasur des Karl Marx“ schreiben.“

(Aus: H.G. Wells, Russia in the Shadows, Hodder and Stoughton, London, 1921. Mehr Fotos aus dem Buch gibt es hier.)

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Russball, Folge 48: Bau mir ein Stadion, du kriegst auch was zu Essen!

Russball kscheib Suus Agnes 2 signed

Übers Wochenende war ich ein mit Freunden in St. Petersburg und habe, klar, zwischen Eremitage und Kneipentour auch die Augen offen gehalten in Sachen WM-Vorbereitungen. Zwei Dinge sind mir aufgefallen: Am Kiosk gibt es, erstens, inzwischen Unmengen an Süßigkeiten, die mit dem Maskottchen Sabiwaka bedruckt sind – Pfefferminztabletten, Weingummis, Tictacs, Kaugummis, Bonbons.

Zweitens sind die Wegweiser auf Russisch und Englisch nicht nur aufgestellt, sondern auch bereits mit Tags verziert, will sagen: Sie fügen sich harmonisch ein in das Stadtbild dieser Metropole, die im Vergleich zu Moskau weniger geleckt, weniger hochglanzig ist und dafür ein bisschen schmuddeliger und ein bisschen unkonventioneller. Ich mag das ja.

Ein Wegweiser zu einer Metrostation

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⚽  So kann’s gehen: Zwischen „Ich fange mal an, an der neuen Russball-Folge zu arbeiten“ und „Heute muss die neue Folge aber endlich fertig werden“ hat sich die komplette Geschichte rund um Hajo Seppelt abgespielt. Russland verweigert ihm das Visum, weil er nach seiner Doping-Berichterstattung auf einer „Persona non grata“-Liste steht. Die ARD protestiert, die Bundesregierung protestiert. Russlands berühmtester Fußballkommentator kritisiert die Entscheidung, man spiele damit Menschen in die Hände, die von Skandalen lebten. Der Vorsitzende des russischen Journalistenverbands sagt, Seppelts Arbeit sei reine Propaganda, aber man solle ihm dennoch ein Visum geben. Sport Express veröffentlich eine lange Kritik an Seppelt und seiner Berichterstattung unter der ziemlich unfassbaren Überschrift: „Man hat die WM von Seppelt erlöst, das ist eine Hygienemaßnahme“.

Inzwischen hat sich rausgestellt, dass Seppelt nun doch ein Visum bekommen wird. Reist er allerdings nach Russland ein, will ihn das Staatliche Ermittlungskomitee zu seinen Doping-Recherchen vernehmen. Ob Seppelt das tut, kann man – Stichwort Informantenschutz – bezweifeln. Wer weiß, vielleicht gibt es zwischen Dienstag Abend, wo ich hier sitze und diese Zeilen tippe, und Mittwoch früh, wenn der Newsletter in eure Inbox plumpst, ja schon die nächste Entwicklung, zum Beispiel: Seppelt sagt Russland-Reise ab.

⚽ Wie eventuell der ein oder andere mitbekommen hat, steht ja seit gestern der vorläufige deutsche WM-Kader fest. Ich hab mir mal die Mühe gemacht und alle Nationalspieler russlandtauglich gemacht, indem ich ihnen einen Vatersnamen verpasst habe. Nur einer fehlt – falls jemand weiß, wie der Vater von Kevin Trapp mit Vornamen heißt, sagt doch bitte Bescheid! Anschließend hatte sich der DFB noch was ausgedacht: Ein Interview mit Russlands Nationaltrainer Tschertschessow, der als Hologramm mit auf der Bühne saß. Doch, wirklich:

Tschertschessow hat gerade erst selbst seine vorläufige WM-Auswahl präsentiert, wobei zu der sehr viel mehr Spieler gehören als zur deutschen. Eindampfen müssen beide bis Anfang Juni, Russlands schönster Schnäuz und der Bundesjogi. Warum es sich Tschertschessow so viel schwerer gemacht hat, und was er in den paar Tagen noch über seine Spieler rausfinden will, was er bisher noch nicht weiß – keine Ahnung. Hier ist jedenfalls seine Liste, außerdem gibt es noch sieben potenzielle Nachrücker.

⚽ Stell dir vor, die WM rückt näher und dein Stadion ist immer noch nicht fertig. In Nischni Nowgorod haben sie im April offenbar versucht, dieses Problem kreativ zu lösen: Einem Reuters-Bericht zufolge verschickte der städtische Sportminister einen Brief, in dem er Menschen zum kostenlosen Arbeitseinsatz auf der Stadionbaustelle aufrief. Immerhin: Drei warme Mahlzeiten am Tag und eine Unterkunft sollte es geben, Werkzeug, heißt es in dem Schreiben, werde gestellt. Na immerhin.

⚽ „Was Bayern zur Feier seines sechsten Meistertitels verkauft“ ist ein Artikel von Sports.ru überschrieben. Es folgen das Bayern-Grillset, Bayern-Weingummi, eine Bayern-Tasse mit dem Kommentar, seltsamerweise gebe es kein Bayern-Bierglas. Alles eher unspektakulär, warum also erwähne ich es hier? Wegen des Kommentars, den ein Leser unter dem Artikel hinterlassen hat, und den die anderen Leser zum besten Kommentar gewählt haben: „Und was verkauft ZSKA nach der Meisterschaft? Seine besten Spieler.“ Sehr hübsch.

⚽ Was kommt bei Zenit nach Roberto Mancini? In Russland wird in diesen Tagen viel über eine Liste spekuliert, die die Vereinsbosse angeblich zusammengestellt haben. Auslöser dafür war ein Tweet von Georgi Tscherdanzew, einem bekannten Fußballkommentator. Der Mann hat fast 500.000 Follower bei Twitter – kein Wunder also, dass ein Tweet wie dieser hier schnell die Runde macht:

„Hundertprozentiges Insiderwissen von @zenit_spb: Es gibt schon eine Liste mit fünf Trainern, die auf Mancini folgen könnten. Fortsetzung folgt 😉“. Auch in der Redaktion von Championat.com haben sie den Tweet gesehen und brav ihr Handwwerk gemacht, indem sie beim Verein nachgefragt haben, ob das denn auch alles so stimmt. Antwort von Pressesprecher Anton Makarenko: „Ja.“ Wer sind also die fünf Kandidaten? Championat nennt Sergei Semak, Siniša Mihajlović, Miodrag Boschowitsch, Maurizio Sarri und Dick Advocaat, aber kaum ist die Geschichte veröffentlicht, haut Kommentator Tscherdanzew seinen nächsten Tweet raus:

„Hundertprozentiges Insiderwissen von @zenit_spb: Auf der Liste mit fünf Trainern, die auf Mancini folgen könnten, stehen russische Spezialisten. Dick Advocaat steht nicht auf der Liste. Fortsetzung folgt 🔥“.

⚽ Eine Meldung aus der Reihe „Offensichtliches“: Kreml-Sprecher Peskow hat bestätigt, dass Wladimir Putin sich das Eröffnungsspiel der Fußball-Weltmeisterschaft zwischen Russland und Saudi-Arabien ansehen wird, Ria Nowosti ist das eine eigene Meldung wert. Mit angehaltenem Atem warten wir nun auf weitere Peskow-Statements: „In Russland wird während der WM mit Rubeln bezahlt“, „Nawalny wird bei der nächsten Demo verhaftet“ und „Im Winter rechnen wir mit Schnee, vor allem in Sibirien.“

⚽ Ihn hier wollte ich schon öfter mal erwähnen, hatte aber nie einen guten Text zur Hand. Nun hab ich dieses Porträt gefunden: „Jacob Gardiner-Smith: The Englishman who plays for Zenit“. Aufgefallen war er mir nicht nur durch seine Tweets, sondern auch, weil der Nachname „Gardiner“ bei mir sofort allerlei urenglische Assoziationen weckt, von Jane Austen bis Proms.

Im Fall von Jacob Gardiner-Smith sind die passenderen Asoziationen aber dann doch sein Opa John, ein erfolgreicher Fußballer, der 1936 in Berlin für Großbritannien spielte und sein Vater Barry, ein Labour-Abgeordneter. Interessant jedenfalls, wie Jacob mit 17 schon nach Russland gegangen ist, und warum er anderen zu einem ähnlichen Schritt raten würde – auch, wenn das bedeutet, das vertraute, einfache Leben daheim hinter sich zu lassen.

⚽ Fehlt noch der Hinweis auf ein Medium, das ich hier bisher noch nie verlinkt habe. Doch wenn WM im eigenen Land ist, dann heben selbst Frauenzeitschriften plötzlich Fußballer aufs Cover. So geschehen bei der russischen Vogue, deren Heft zum Thema „Fußball und Mode“ ab heute verkauft wird. Auf dem Titel: Nationalspieler Fjodor Smolow, der als leichte Trainingseinheit das Model Natalja Wodjanowa huckepack durchs Bild trägt. Kann man einfach mal auf sich wirken lassen.

Beim Shooting war Smolow übrigens nicht der einzige Fußballprofi: Auch Julian Draxler machte mit, das sieht dann so aus:

Вперёд, Россия!🇷🇺 Встречайте нашу июньскую обложку, приуроченную к Чемпионату мира по футболу, который пройдёт в России в июне: русская супермодель Наталья Водянова вместе с футболистами Фёдором Смоловым, Юлианом Дракслером и Даниэлом Алвес да Силва предстала в объективе звездного дуэта фотографов Луиджи Мурену и Янго Хенци – в продаже с 16 мая!/ As FIFA World Cup in Moscow approaches, meet our June cover starring @natasupernova @smolovfedor_10 @draxlerofficial @danialves. Photo: @luigiandiango Style: @patrickmackieinsta Hair: @luigimurenu Makeup: @mariaduhart

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Zum Schluss noch ein kleiner Nachtrag zur letzten Russball-Folge. Da hatte ich einen Artikel verlinkt, in dem es darum ging, warum Nachwuchsfußballer, die im Dezember geboren sind, es in Russland schwer haben. Schon da war erwähnt, dass es in Deutschland ein ähnliches Problem gibt. Seitdem haben mir mehrere Leute diesen Artikel hier erreicht, der dem Phänomen auf den Grund geht: Dezemberkinder werden selten Fußballstars. Danke für den Hinweis – und bis nächste Woche!



 

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