Russball, Folge 15: Jogi Löw gerät unter die Deutschlehrer

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Willkommen zur neuen Russball-Folge, die mit einer Zahl beginnt: 500.000. Laut FIFA sind schon mehr als eine halbe Million Bestellungen für WM-Tickets eingegangen, seit der Verkauf letzte Woche begonnen hat.

Im Moment läuft die erste von vier Verkaufsphasen, in der man feste Reihen von Karten kaufen kann, zum Beispiel für einen bestimmten Ort oder ein bestimmtes Team. Wer in Russland lebt, für den gibt es übrigens eine eigene Kategorie mit besonders preisgünstigen Tickets – schließlich haben viele Fans hier deutlich weniger Geld zur Verfügung als in anderen WM-Teilnehmerländern.

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⚽  Konstantin Rausch vom 1. FC Köln hat mit Futbol darüber gesprochen, wie es zu seinem Einsatz für die russische Fußball-Nationalmannschaft gekommen ist und welche Verbindungen er zu Russland hat. Es geht sowohl um seine Lebensumstände (in einem sibirischen Kuhkaff geboren, ab dem fünften Lebensjahr in Deutschland) als auch ums Sportliche (Ausdauer, Geschwindigkeit, gute Flanken nennt er als seine Stärken). Man kann den ganzen langen Riemen von einem Gespräch hier nachlesen.

Oder man nimmt einfach die Erkenntnis mit, dass es in Russland offenbar ein Ritual gibt, wie es klischee-russischer nicht sein könnte. Gerade hat Rausch erzählt, dass es für ihn nicht schwer war, einen russischen Pass zu bekommen, da erklärt ihm die Interviewerin: „In Russland haben wir eine Tradition: Wenn du deinen Pass erhältst, musst du als erstes die letzten beiden Ziffern deiner Passnummer ansehen. Sie stehen für die Anzahl der Liter Alkohol, die du zur Feier des Tages trinken musst.“ Ich könnte jetzt hier noch einen Witz mit Konstantin Rauschs Nachnamen machen, aber dafür bin ich mir zu fein.

⚽ Endlich mal eine Kick-Off-Veranstaltung, die den Namen verdient: Am Goethe-Institut hier in Moskau war letzte Woche großes Gewusel zum Start in ein russlandweites Projekt. Dabei lernen Kinder Deutsch, indem sie sich mit Fußball beschäftigen. Die Schüler zwischen 11 und 13 Jahren, die bei „Mit Deutsch zum Titel“ mitmachen, bekommen jede Woche zwei zusätzliche Unterrichtsstunden: eine zum Fußballtraining, eine zum Deutschlernen mit Fußballbezug.

kscheib Russball Goetheinstitut Wladislaw Schaworonkow

Zum Anpfiff (schön stilecht mit Trillerpfeife) waren einige Schüler aus Moskau direkt ins Institut gekommen. Wladislaw Schaworonkow, einer der beteiligten Deutschlehrer, hat das Foto aufgenommen – vielen Dank dafür! Der Schirmherr des Projekts spricht selber übrigens zwar nicht immer Hochdeutsch, aber gut, dafür kennt er sich mit der anderen Hälfte des Projektes gut aus: Jogi Löw hat den Job übernommen. Das kann man ja dann auch direkt mal als Anlass nehmen, um über Umlaute zu sprechen.

⚽ Hat man eigentlich mal wieder was gehört, wo die deutsche Nationalmannschaft während der Fußball-WM wohnen will? Letzter Stand war ja, dass Sotschi noch im Rennen ist – der Strand, die Ruhe, die kurzen Wege. Die USA jedenfalls haben sich laut Sports Illustrated bereits entschieden, und zwar für St. Petersburg. Jetzt fehlt nur noch eines: Die US-Mannschaft muss sich für das Turnier auch qualifizieren.

⚽  Spannung, Tore, Fangesänge, Debatten über Schiedsrichterentscheidungen. Einige Dinge, die die Fußball-Weltmeisterschaft mit sich bringt, fallen einem sofort ein. Russlands Zentralbank hat nun auf etwas hingewiesen, was wohl nicht jeder Fußballfan direkt mit der WM verbindet: Inflation. Durch die steigende Nachfrage werden demnach rund um die Austragungsorte wahrscheinlich die Preise steigen, wenn auch nur kurzfristig. Insgesamt sind elf Städte davon betroffen.

⚽ Pyros im Stadion sind in Russland leider keine Seltenheit. Beim Champions-League-Spiel von Spartak Moskau gegen Maribor flog aus dem Spartak-Fanblock eine Leuchtrakete in Richtung des deutschen Schiedsrichters Deniz Aytekin und nur knapp an ihm vorbei:

Die UEFA wird sich morgen, am Donnerstag, mit dem Vorfall befassen. Auf die Entscheidung blicken auch viele Engländer mit großem Interesse, denn Spartaks nächstes Spiel geht gegen den FC Liverpool. Falls die UEFA entscheidet, dieses Spiel zur Strafe ohne Publikum stattfinden zu lassen, würden viele Liverpool-Fans ihre Reisepläne sicher noch mal überdenken.

⚽ Und als hätte Spartak damit nicht genug Baustellen, haben sie es in der Liga noch nicht mal geschafft, den FK Tosno zu besiegen. Dabei war Tosno nach einer Roten Karte den größten Teil des Spiels in Unterzahl. Der amtierende Meister erreicht nur ein 2:2 gegen den Dreizehnten der Tabelle. Das ist, als scheitere Bayern München an Eintracht Frankfurt.

Nach dem Abpfiff soll es bei Spartak in der Kabine ziemlich abgegangen sein: „Wollt ihr, dass ich gehe? Macht ihr das absichtlich?“ soll Trainer Massimo Carrera gefragt und danach einen nicht näher bezeichneten Gegenstand an die Wand geworfen haben. Und Bombardir.ru analysiert so schlicht wie vernichtend: „Spartak hat vergessen, wie man gewinnt.“ Unterm Strich: Keine Situation, wo man als Journalist bei einer Pressekonferenz unbedacht lachen sollte.

⚽ Letzte Woche hab ich hier schon auf das Foto-Essay hingewiesen, mit dem Sports.ru Jekaterinburg vorgestellt hat, eine der Gastgeberstädte der Fußball-Weltmeisterschaft. Nun ist mir noch eines begegnet, die Bilder sind schon von Ende August, diesmal geht es um Samara. Die Stadt liegt südöstlich von Moskau, auch dort sollen WM-Spiele stattfinden, allerdings hängt man mit den Vorbereitungen etwas hinter dem Zeitplan.

Hässliche Wohnklötze, dafür die Lage der Stadt direkt an der Wolga – ein Blick auf Samaras Kontraste lohnt sich. Und wer danach noch Interesse hat, klickt hier für eine Übersicht der schäbigsten Ecken der Stadt. Sie sollen bis zur Weltmeisterschaft im kommenden Jahr hinter hohen Zäunen versteckt werden, damit Besucher sie nicht zu Gesicht bekommen.

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Mit einer Zahl ging es diese Woche los, mit einer anderen Zahl hören wir auf, es ist ein Negativrekord: 64 – so einen niedrigen Rang auf der FIFA-Liste hat Russland noch nie gehabt. Mal sehen, ob sich Russland da bis zum WM-Beginn in neun Monaten wieder ein bisschen weiter nach oben kämpfen kann.

Wenn ja, werde ich es hier selbstverständlich erwähnen – ihr könnt ja den Russball-Newsletter abonnieren, dann bekommt ihr es garantiert mit. Und nun packe ich den Zaunpfahl wieder ein und verabschiede mich bis zur nächsten Woche. Macht’s gut!



 

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Wie sich Frauen im Jahr 2016 in Russland verhalten sollen

Felix ist da! Das ist nicht nur eine wunderbare Nachricht für seine deutsch-russischen Eltern, mit denen wir hier schon so einiges erlebt haben. Es ist auch ein Anlass, über die Gesellschaft nachzudenken, in die er da gerade hereingeboren wurde. Denn Felix‘ Mutter bekam vor einigen Monaten von ihrem Arzt dieses Heft in die Hand gedrückt.

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Sieht aus wie eine Werbebroschüre, ist aber eine Art russischer Mutterpass, nur eben finanziert durch Anzeigen. „Jedes Mal, wenn ich am Eingang zu einem Einkaufszentrum nicht durchleuchtet werden will, muss ich den Sicherheitsleuten jetzt dieses Heft mit der Frau in der ollen Blümchenunterwäsche zeigen“ – gut, dass der Sinn für Humor von Felix‘ Mama so groß ist wie ihr Babybauch kurz vor der Geburt. Denn schlägt man das Heft auf, sind dort nicht nur die üblichen Formulare für Voruntersuchungen drin und Anzeigen für Babykleidung und Kinderwagen, sondern auch wohlfeiler Rat. Seitenweise.

„Nützliche Ratschläge zur Stärkung familiärer Beziehungen“ ist das Ganze überschrieben, was in seiner offiziösen Piefigkeit an Begriffe wie „Ehehygiene“ erinnert. Die Kapitelüberschriften werden da schon konkreter: „Wie versteht man, was ein Mann will?“ (Im Zweifel will er Respekt und Hochachtung. Der Grund, warum Männer in gehobenen Positionen sich in ihre Sekretärinnen verlieben, ist, dass die ihnen respektvoller begegnen als ihre Ehefrau zuhause.) – „Was sind die Stärken von Frauen? Was sind ihre Pluspunkte?“ (Die Schönheit, mit der Gott sie so großzügig ausgestattet hat. Männer mögen keine Frauen, die sich nicht um ihre äußerliche und innerliche Schönheit kümmern.) – „Was tun, wenn Ihr Mann nicht im Haushalt hilft, weil er das für Frauensache hält?“ (Die Erledigung von Hausarbeit ist dem Manne nicht eigen, das ist das Vorrecht der Frauen. Außer, die Frau ist krank, oder der Mann ist eine Ausnahme.)

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Nein, das kommt nicht aus einer Zeitkapsel, die irgendwer in den Fünfzigern am Moskwa-Ufer verbuddelt hat. Das ist die aktuelle Handreichung, die werdende Mütter hier bekommen. In einem Land, das das „Werben für nichttraditionelle Lebensentwürfe“ unter Strafe stellt (und damit nicht nur Engstirnigkeit, sondern auch historische Ahnungslosigkeit beweist), wird eben auch in Mann-Frau Beziehungen darauf geachtet, die Geschlechterklischees aufrecht zu erhalten.

Damit das verfängt, werden auch gleich noch einige Autoritäten ins Feld geführt, genau genommen: Präsidentengattinnen. Und sicherheitshalber, damit man ihnen ordentlich was in den Mund legen kann, ist mit „Präsident“ nicht etwa Putin gemeint, sondern Roosevelt (welcher?), Lincoln und Churchill (Premierminister, nicht Präsident). Ob deren Frauen wiederum das nun selbst gesagt haben sollen oder nur nach diesen Regeln gelebt, wird sicherheitshalber offen gelassen. Diffuser – und damit schwerer zu widerlegen – geht’s kaum. Hier also die ganze Seite als Übersetzung:

Praktische Ratschläge von Präsidentengattinnen zur Verbesserung familiärer Beziehungen

Bekanntermaßen steht hinter jedem berühmten Mann eine Frau. Wenn wir die Biografien berühmter Menschen aus verschiedenen Bereichen lesen, sehen wir dort die Bestätigung. Zum Beispiel bei Roosevelt, Lincoln, Churchill. Lassen Sie uns also einige Ratschläge überprüfen, die diesen Frauen geholfen haben, ihren Männern zu Größe zu verhelfen.

1. Erinnern Sie sich an alle starken Qualitäten und Vorzüge Ihres Mannes und erläutern sie diese laut im Gespräch mit ihm.

2. Schreiben Sie eine „Liste der Dankbarkeiten“ und lesen Sie sich oft durch, wofür Sie Ihrem Gatten dankbar sind. Bringen Sie Ihre Dankbarkeit ihm gegenüber jeden Tag zum Ausdruck – durch konkrete Handlungen, durch Ihr Verhalten, Ihr Gefühl, Ihren Lebenswandel. ( Ich danke Gott oft laut dafür, dass er mir einen prächtigen Mann und Vater meiner Kinder gab, und damit mir diese große Ehre, seine Frau zu sein.)

3. Geben Sie sich Mühe, Ihrem Mann stets mit gutem, zugeneigtem Geist gegenüber zu stehen – fröhlich, friedlich, heiter. Wie sagte schon Salomon: Ein fröhliches Herz ist so heilsam wie Medizin, aber ein trauriger Geist lässt die Knochen vertrocknen.

4. Würdigen Sie seine Arbeit und bringen Sie ihm gegenüber jeden Tag aufrichtiges Interesse zum Ausdruck. Seien Sie sich bewusst und erinnern Sie sich, dass das einer seiner wichtigsten Geltungsbereiche ist, in den er ein Höchstmaß an Kraft und Energie steckt.

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5. Seien Sie ihm dankbar für alles, was er tut, und bringen Sie Ihre Dankbarkeit zum Ausdruck eingedenk dessen, dass Männer versuchen, alles für uns zu tun.

6. Schaffen Sie zuhause eine Atmosphäre, in der er wieder Kraft tanken kann. So verhindern Sie, dass er erst spät nach Hause kommt und bis spät in den Abend mit seinen Freunden unterwegs ist.

7. Laufen Sie Ihrem Gatten entgegen, wenn er von der Arbeit kommt, und freuen Sie sich mit Ihren Kindern, dass Papa zuhause ist. Nichts ist so wichtig für einen Mann wie die Art, wie er zuhause begrüßt wird.

8. Bringen Sie ihn zur Tür, wenn er zur Arbeit muss. Küssen und umarmen Sie ihn, damit er schnell zurückkommen will.

9. Drücken Sie Ihr Vertrauen in ihn aus, indem Sie einfach sagen: „Ich glaube an Dich und vertraue Dir vollständig.“

10. Würdigen Sie kleine Erfolge und sagen Sie: „Ich bin stolz auf Dich!“ Aufmunternde Worte sind für Männer sehr wichtig.

11. Hören Sie ihm aufmerksam zu, wenn er von seiner Arbeit erzählt (schauen Sie ihm in die Augen und tun Sie dabei nichts anderes).

12. Lernen Sie, nicht mit seiner Arbeit zu konkurrieren und auch die Familie nicht als Konkurrenz der Arbeit zu verstehen.

13. Erlauben Sie ihm, Sie zu versorgen und betonen Sie das im Kontakt mit ihm. Und wenn Sie etwas für sich, für Ihr Zuhause oder für Ihre Kinder kaufen, drücken Sie Ihre Dankbarkeit aus und erzählen Sie, dass das der Verdienst Ihres Gatten ist.

Lieben bedeutet, einem Menschen das zu geben, was er am meisten braucht, wenn er es am wenigsten verdient!

Was wünscht man einem Kind, das in eine Zeit geboren wird, wo solche Hefte noch gedruckt werden? Vielleicht, dass ihm seine Mutter die Seiten aufbewahrt, bis er groß ist und seine erste eigene Wohnung renoviert. Schließlich sitzt Tapete auf Makulatur besonders schön.

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Fünfmal staunen in der fünften Klasse

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Letzte Woche war ich zum ersten Mal an der Deutschen Schule Moskau, zu Gast bei zwei fünften Klassen. Silke, bloggende Fünftklässlermutter, hatte die Idee gehabt: eine Fragestunde rund um soziale Netzwerke, weil die Schüler allmählich in das Alter kommen.

90 Minuten in einem proppenvollen Raum, in einer Atmosphäre, die einem die Kinder sympathisch macht und die Lehrerinnen direkt dazu: Normale Geräuschkulisse, normal viel Konzentration, normal viel Gewusel und Ich-muss-mal-schnell-aufs-Klo. Viele, viele, viele Fragen, und zwar von so gut wie allen.

Gelegentlich souffliert mal eine Mitschülerin das richtige deutsche Wort – einige Kinder hier wachsen zweisprachig auf. 90 Minuten Hin und Her, Frage, Antwort, Nachfrage, bessere Antwort. Alles von „Wer hat Facebook erfunden“ bis „Ist Cyber-Mobbing schlimmer als normales Mobbing?“ Das hier ist mir besonders aufgefallen:

1. Hardware

„Wie viele Geräte gibt es bei euch zuhause, mit denen man ins Internet kommt?“ Die Antworten gehen von zwei bis zu spektakulären 30 (folgt die Beschreibung des zugehörigen Vaters und seines Jobs). Und wehe, man erklärt nicht präzise genug – zum Beispiel den Trend, dass Hardware-Firmen versuchen, immer kleinere, leichtere Geräte auf den Markt zu bringen. „Das iPhone sechs ist aber größer als das fünfer.“ Äh. Ja. Stimmt.

2. Wissensstand

Jaja, alles Digital Natives, schon klar. Aber wenn ich auf die Frage hin, ob Leute per Computer Banken das Geld wegnehmen können, erkläre, was ein Hacker ist – und sofort der Hinweis kommt: „Es gibt aber auch gute Hacker, die nur gucken, ob alles sicher genug ist.“ Wenn es um WhatsApp-Alternativen geht und ein halbes Dutzend Schüler Threema kennt. Wenn einer wissen will, wo Edward Snowden gerade ist und ein anderer, ob Amerika echt Merkels Handy abhört. Dann ist das schon ziemlich beeindruckend.

3. Kompromisse

Vielleicht am interessantesten fand ich, welche Deals die einzelnen Schüler mit ihren Eltern haben. Genauer gesagt: Unter welchen Bedingungen sie in sozialen Netzwerken aktiv sein dürfen. „Keine Fotos aus unserer Wohnung.“ – „Den Instagram-Account so einstellen, dass man jeden Kontakt erst erlauben muss.“ – „Ich darf keine Fotos posten, aber meine Zeichnungen.“ Klang alles sehr pragmatisch.

4. Kettenbriefe

Kettenbriefe sind echt immer noch ein Ding. „Sind die immer fake?“, hieß die Ausgangsfrage – wir haben dann noch etwas allgemeiner über Gerüchte im Internet gesprochen. Populär war in der Klasse vor allem die Behauptung, bei einem Online-Spiel (hab den Namen leider nicht mitbekommen) sitze hinter den Augen der Katzen auf dem Bildschirm ein Mensch und gucke einem beim Spielen zu.

5. Privatsphäre

Ich dachte immer, das klassische Muster ist: Kinder geben leicht zu viel preis und Eltern müssen sie davor schützen. Stimmt aber gar nicht immer, mehrere Schüler haben vom umgekehrten Problem erzählt: „Meine Mutter postet Bilder von mir bei Facebook und ich will das nicht.“ – „Meine Mutter hat ein Bild von mir gepostet und ich find doof, was sie da druntergeschrieben hat.“ Bei allen Kindern, die sowas angesprochen haben, war es die Mutter.

Und hier die ganze Liste der Fragen – zumindest die vorher eingesammelten:

  • Spioniert man mich bei Facebook aus?
  • Instagram: Kann sich jemand in meine Kamera hacken und Fotos nehmen?
  • Kann jemand lesen, was wir im Internet schreiben?
  • Kann man die Bilder, die wir posten, für Werbung benutzen?
  • Sind alle Kettenbriefe („schicke das an 10 Personen weiter und Du bekommst…“) fake?
  • Wer hat Facebook erfunden?
  • Kann man mich auf den Netzwerken ausspionieren?
  • Wieso gibt es Cybermobbing und warum machen manche das?
  • Welches der sozialen Netzwerke ist am bedrohlichsten?
  • Wer hat Whats-App erfunden?
  • Ist Cyber-Mobbing schlimmer als normales Mobbing?
  • Sollte man auf einer Sozialen Netzwerk-Seite sein?
  • Wie wurden die Sozialen Netzwerke so erfolgreich?
  • Warum gibt es WhatsApp nur für Handy und nicht für Tablets?
  • Warum muss man auf Facebook seine Identität bestätigen?
  • Sind alle Sozialen Netzwerke sicher?
  • Gibt es viele Leute, die die sozialen Netzwerke missbrauchen?
  • Wenn man was auf Deutsch schreibt, können andere Menschen, die die Sprache nicht sprechen, den Post automatisch lesen (wird er automatisch übersetzt)?
  • Wieso wurde Faceboook gegründet?
  • Ist es möglich, Cyber-Mobbing zu verhindern?
  • Welches soziale Netzwerk ist am sichersten?
  • Wozu ist Snapchat gut?
  • Warum kann man Kommentare, die andere Leute beschimpfen, nicht blockieren?
  • Wie kommt man zu Bing?
  • Wie entstehen soziale Netzwerke?
  • Ab wie vielen Jahren darf man soziale Netzwerke benutzen?
  • Sagen Sie uns jetzt, dass WhatsApp und so doof ist?
  • Kann jeder einfach mein Kontakt sein?
  • Wie funktioniert Werbung in sozialen Netzwerken?

Zum Weiterlesen:

Osterbesuch mit Kindern in Moskau

Ein Facebook-Trick für große Nachrichtenlagen

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Osterbesuch mit Kindern in Moskau

Was man so lernt, wenn Besuch mit vielen Kindern nach Moskau kommt: Dass die Menschen in der Metro und im Bus aufstehen, manchmal sogar aufspringen, um ihre Sitzplätze anzubieten. Dass den Moskauer Stadtplanern hingegen Kinder genau so egal sind wie Rollstuhlfahrer oder alte Menschen – kaum Ampeln, dafür Unterführungen; kaum Rampen, dafür Treppen. Dass man darum im Idealfall nur so viele Kinder bei sich haben sollte, wie man tragen kann.

Dass, wer bei einstelligen Plusgraden einem zufriedenen Kind mit warmen Händen und Ohren keine Mütze aufnötigt, alle paar hundert Meter von russischen Frauen in international verständlichen Vorwurfsgesten getadelt wird. Weht zusätzlich ein leichter Wind, stimmen auch russische Männer mit ein. Kinder, die einen Fünf-Meter-Radius um ihre Eltern verlassen, bekommen von anderen Spielplatzbesuchern auch schon mal die offene Jacke zugemacht.

Dass georgisches Essen (Chatschapuri! Auberginenröllchen! Schaschlik!) und usbekisches Essen (Hummus! Manti! Schaschlik!) über Generationen hinweg konsenstauglich ist. Dass die Rutsche vorm Haus echt für Babys ist, die kann man ja rauflaufen.

Dass nach einer gemeinsamen Woche die ersten russischen Worte beim Kinderbesuch hängen bleiben (iswinitje und spasibo, gottseidank). Und dass man „Stimmt es, dass in Russland Ostereier mit Zwiebelschalen gefärbt werden?“ mit ein bisschen Geschick abbiegen kann in Richtung einer deutlich einfacheren, unterhaltsameren Variante.

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