Tweets zum NYT-Artikel über Wen Jiabaos Familienvermögen

Am Tag nach dem New-York-Times-Artikel über das Vermögen von Wen Jiabaos Familie ist die Homepage der New York Times in China weiterhin geblockt. Wie solche Blockaden funktionieren und wo die Zensur genau ansetzt, kann man hier nachlesen.

Auch in chinesischen Mikroblogs greift die Zensur durch. „Tea Leaf Nation“ hat einige der gesperrten Suchbegriffe gesammelt, gibt aber auch Weibo-Posts zu dem Thema wieder. Manche Nutzer sind erschüttert, andere kritisieren, die New York Times habe sich von Wens Gegnern instrumentalisieren lassen.

Was bedeuten der Artikel und die folgende Sperre für die New York Times, für kritischen Journalismus und für den Umgang mit staatlicher und mit Wirtschaftsmacht? Margaret Sullivan, Public Editor der Times, greift diese Aspekte auf.

Dass Sullivan den Druck der chinesischen Regierung so offen anspricht, hat auch Leta Hong Fincher zu einem Tweet bewegt. Hong ist Soziologie-Doktorandin an der Tsinghua-Universität und mit einem Pekinger Bloomberg-Journalisten vereiratet.

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Warum die Internetseite der New York Times in China nicht mehr erreichbar ist

Vor ein paar Wochen haben wir die Pekinger Niederlassung von Bloomberg besichtigt. Im Gespräch dort ging es auch um einen Text über Xi Jinping, den Bloomberg Ende Juni veröffentlicht hatte. Xi wird aller Erwartung nach Chinas neuer Präsident, und in dem Artikel Xi Jinping Millionaire Relations Reveal Fortunes of Elite“ hatten Bloomberg-Redakteure das Vermögen von Xis Familie aufgedröselt. Ergebnis: Die Bloomberg-Seite wurde in China gesperrt.

Heute dann ein Déjà-vu: Für die New York Times hat David Barboza recherchiert, wie groß das Vermögen der Familie von Wen Jiabao ist. „Unternehmens- und Behördenunterlagen zeigen, dass die Verwandten des Premierministers – von denen einige, wie seine Frau, ein Händchen für harte Geschäftsverhandlungen haben – ein Vermögen von mindestens 2,7 Milliarden Dollar (2,08 Milliarden Euro) kontrolliert haben“, schreibt Barboza.

Chinas Zensoren reagierten schnell: Die Homepage der NYT ist seit Freitag früh in China nicht mehr erreichbar. Nur, wer über einen VPN-Anbieter online geht, kann „Billions in Hidden Riches for Family of Chinese Leader“ noch lesen. Gleiches gilt für die Fassung des Textes auf der chinesischsprachigen Seite, die die Times diesen Sommer ins Leben gerufen hatte.

„In Peking kann man heute weder die NYT noch das Gebäude in 100 Meter Entfernung sehen“, schreibt @KaiserKuo in Anspielung auf die Zensur und die aktuelle Luftverschmutzung bei Twitter.  Bei chinesischen Microblogging-Diensten dagegen wurden nach Angaben der Times am Freitag Einträge gelöscht, die sich mit dem Text über Wen Jiabao beschäftigten.

 

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