Russball, Folge 67: Fußballspielen auf alten Bierbechern

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„Guck mal, der Nachtkönig sitzt auf dem Thron und guckt Fußball“, schreibt eine Moskauer Bekannte. Sie war gerade Lokomotive beim Spiel gegen den FK Jenissei anfeuern – erfolgreich, Loko hat 2:1 gewonnen. Und das Foto, das sie da schickt – joah, ganz nett. Haben die halt so nen Typen aus Game of Thrones auf der Leinwand gezeigt, mit einem rot-grünen Fanschal.

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„Es gibt noch mehr Bilder“, schreibt sie weiter, ich soll dringend mal bei Lokomotive auf Instagram gucken. Da sieht das Ganze dann doch etwas beeindruckender aus: Der Typ war nicht nur eingeblendet, sondern wirklich dort. Sie haben ihm ein Stück Tribüne freigeräumt, schön schneeweiß abgedeckt, so einen Thron hingestellt und von da hat er dann das Spiel verfolgt. Alles ein subtiler kleiner Hinweis, dass man demnächst das Finale von Game of Thrones im Stadion gucken kann. Und vielleicht auch, um die Jungs von Jenissei ein bisschen aus dem Konzept zu bringen.

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⚽ Tom Tomsk klingt wie ein Mensch, als hieße da jemand Peter Petersson. Tatsächlich aber ist es ein Fußballclub, der nach einem Fluss und der daran gelegenen Stadt heißt – als spiele da Düssel Düsseldorf oder Donau Donaueschingen. Aber der Name steht nicht nur für Fluss und Stadt, sondern auch für ein Problem, das in Russlands Ligafußball weit verbreitet ist: die Angst vor dem Aufstieg, aus Geldgründen. Im Detail ist hier bei Futbolgrad gut erklärt, warum der aktuelle Zweite der zweithöchsten Liga nicht in die höchste Liga aufsteigen will.

Kurz lässt sich die Lage so zusammenfassen: Viele Vereine, die in der Ersten Division spielen (der Name ist etwas irreführend, es handelt sich um Russlands zweite Liga), kämpfen schon genug damit, ihren Alltag finanziert zu kriegen. Aufzusteigen und mit den Teams der Premjer-Liga mitzuhalten, würde noch teurer. Oft haben Clubs, die auf Zweitliganiveau spielen, auch keine reichen Sponsoren, sondern gehören der Stadt, der Region, irgendeinem Teil des Staates. Keine Grundlage für große Sprünge, erst recht nicht rauf in die Premjer-Liga. Championat hat sich unter den Vereinen der Ersten Division umgehört, wer überhaupt an einem Aufstieg interessiert wäre, und kommt zu dem Schluss: Kann sein, dass sich da demnächst in den Playoffs zwei Mannschaften gegenüberstehen, von denen keine gewinnen will.

⚽  Budweiser und Umweltschutz, das gehört bekanntlich zusammen wie Russland und Mülltrennung: Eigentlich gar nicht, aber für die Öffentlichkeitswirkung stellt man dann doch mal ein paar Eimer in unterschiedlichen Farben auf. Oder schreddert eben 50.000 Plastikbecher, die bei der WM im Stadion liegengeblieben sind, und macht daraus einen kompletten neuen Fußballplatz.

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Wie fühlt es sich an, auf sowas zu stehen oder gar zu spielen? Marco Materazzi hat es ausprobiert und zwei Dinge gesagt: Erstens „Das ist ein ausgezeichneter Platz, auch wenn er ungewöhnlich ist,“ und zweitens, was die Sache vielleicht ein wenig relativiert, „Fußball kann man überall spielen, sogar auf Asphalt.“ Budweiser gibt unterdessen eine Pressemitteilung raus, in der fünfmal Varianten von „Recycling“ vorkommen und nennt das Plastikbecherfeld die „ReCup Arena“. Ich verkneife mir derzeit, auszurechnen, wieviel Prozent (oder Promille?) der bei der WM verwendeten Plastikbecher diese 50.000 Stück wohl ausmachen.

⚽ Entstanden ist das Plastikbecherfeld nicht weit vom Fischt-Stadion in Sotschi, also reden wir doch kurz mal darüber, was für ein Verein dort seine Heimspiele austrägt: Klar, der PFC Sotschi, soweit einleuchtend. Der allerdings wurde erst im Juni 2018 gegründet, oder vielmehr: umgewidmet. Das ganze war ein halbwegs komplexer Prozess, bei dem der Traditionsverein Dynamo St. Petersburg in FK Sotschi umbenannt wurde und von der Ostsee ans Schwarze Meer umzog. Alte Spieler, neues Trikot, fertig. Ergebnis: Es spielt jetzt immerhin ein Zweitligaclub in dem schicken WM-Stadion. Soweit Teil eins der Geschichte, das war vor knapp einem Jahr.

Teil zwei spielt sich derzeit ab. Der PFC Sotschi spielt ganz gut und hat sogar Aufstiegschancen, obwohl zu den Spielen kaum jemand kommt. Aber nach dem Manöver „Bestehender Club wird umgetauft und zieht in eine 2000 Kilometer entfernte Stadt“ war ja nun ein Vereinsname mit viel Tradition vakant. Das kann so nicht bleiben, weshalb das bisschen, was in Petersburg noch von Dynamo übrig war (die Jugendmannschaft?) nun mit dem FK LAS Luga zusammengeht. Luga liegt im Petersburger Umland, das bisherige Highlight in der Vereinsgeschichte war laut VKontakte-Seite der dritte Platz unter allen Männerteams im Bezirk Leningrad im Jahr 2015. Mal sehen, ob der neue, alte Name noch höhere Höhenflüge möglich macht.

⚽ Wir müssen mal über Saransk reden. Ihr erinnert euch: Die eher kleine Stadt, bei der man nicht so genau wusste, warum sie zu den WM-Gastgebern gehören durfte. Seitdem spielt dort der FK Mordowija, derzeit im Mittelfeld der Ersten Division, in einem schicken WM-Stadion. Kleiner Haken: Mordowija hatte in der Spielzeit 2017/18 im Schnitt nicht mal ein Prozent der Zuschauer, die in das Stadion passen. Zu Beginn der aktuellen Saison sah das besser aus, statt wie zuvor ein paar tausend kamen nach Vereinsangaben um die 20.000.

Dann kamen der Herbst, der Winter, immer weniger Leute. Und nun, im Frühling, war ein Reporter von Championat dort und fand beim Spiel gegen Wladiwostok ein nahezu leeres Stadion vor. Hier, wie war das mit 20.000 Zuschauern? Naja, sagt der Mann an der Ticketkasse, damals haben sie halt die Eintrittskarten kostenlos verteilt. „Der Klub stellt Zuschauerrekorde auf, indem er nicht nur Arbeiter, sondern auch Studenten und Schüler hierherbringen lässt“, hatte es ein Saransker schon im Oktober auf den Punkt gebracht. Klar, dass es andere Vereine ärgert, wenn dann Besucherrekorde verkündet werden. Aber damit scheint, zumindest in Saransk, ja nun Schluss zu sein – jedenfalls, wenn man sich das fast menschenleere Stadion ansieht, in dem vor einem Jahr noch Cristiano Ronaldo einen Elfmeter verschoss.

⚽  Ihr erinnert euch an Alexander Kokorin und Pawel Mamajew? Die beiden Fußballer sitzen in Untersuchungshaft, seit sie sich an einem Abend im Oktober mit mehreren Leuten geprügelt haben sollen. Keiner von beiden streitet das ab, es gab öffentliche Entschuldigungen, inzwischen läuft der Prozess. Kokorin hat bei seiner Aussage eingeräumt, einen Mann namens Denis Pak mit einem Stuhl geschlagen zu haben, Mamajew gab zu, einen anderen Mann leicht verletzt zu haben. Soweit dieser Fall. Und dann gab es den hier:

Noch ein Verletzter, noch ein prügelnder Profifußballer, diesmal Ajas Gulijew von Spartak. Die Boulevardzeitung Moskowski Komsomolez textet launing und kaum verholen schadenfroh, da habe ein Amerikaner das Unglück gehabt, zu erfahren, wie rau Moskauer Autofahrer sein können. Nun ja. Opfer und Täter einigten sich später, Gulijew entschuldigte sich und spendete Geld an einen guten Zweck. Glimpflich gelaufen – aber warum nur für ihn und nicht für Kokorin und Mamajew? Vielleicht, weil unter deren Opfern eben Denis Pak ist, ein nicht ganz unwichtiger Mitarbeiter des Industrie- und Handelsministeriums. Oder weil es immer gut ist, wenn man den Leuten was anderes gibt zum Empören als politische Themen, die ihre Empörung wert wären.

⚽  Das Porträt-aller-Porträts von Kokorin hat übrigens Neil Salata drüben bei Russian Football News geschrieben. Ausgedruckt auf Papier wäre es vermutlich länger als Kokorin groß ist. „Despite the growth in his wages since 2012-2013, arguably, the only other visible consistent growth for much of the time was his scandals“, heißt es da unter anderem sehr treffend. Dass er bei seiner ersten Chance, für einen Proficlub zu spielen, alles vor Wut noch vor dem Start wieder hingeschmissen hat, passt auch ins Bild. Das war’s dann aber jetzt auch mal mit Kokorin, jedenfalls für diesen Monat.

⚽ Ach, ich mag ja die Bilder, die bei Twitter unter @RUSNLF gepostet werden, hab ich vielleicht schon mal erwähnt. Die Abkürzung steht für „Russian Non-League Football“ – ein guter Einblick, wie es aussieht, wenn Fußball Breitensport wird, mit weniger prominenten Clubs, aber genau so begeisterten Fans. Und eben mit Plätzen wie diesem hier:

Womit man nicht rechnet: Dass bei solch unterklassigen Spielen ein früherer Nationalspieler antritt. Roman Pawljutschenko hat das dennoch getan. Er war bei Spartak, Lokomotive und sogar ein paar Jahre in England unter Vertrag. Dmitriy Podrubniy hat aufgeschrieben, wie es war, als Pawljutschenko letzten Herbst plötzlich für den FK Snamja spielte, in einem Stadion mit dem traditionell sowjetischen Namen „Awtomobilist“. Eine lesenswerter Ausflug in die Provinz.

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Zum Schluss noch etwas, das zwar nichts mit Fußball, aber doch mit Sport in Russland zu tun hat. Es geht um dieses Wesen hier, eine Mischung aus Bär, Matrjoschka und Stehaufmännchen.

Er ist eines von zwei neuen Maskottchen der russischen Olympiamannschaft, entworfen natürlich vom Studio Art.Lebedev, das alles erledigt, was gerade mal wegdesignt werden muss – in Moskau etwa die Gullydeckel, den Metroplan oder das überraschend interessante Muster für die Sitze im Bus. Als die Premjer-Liga letztes Jahr ein neues Logo wollte, hat das Studio auch ihnen einen Bärendesigndienst erwiesen.

Dass dieser Olympia-Stehaufbär besonders ist, liegt an den Worten, die in dem kleinen Video an ihm vorbeisausen. „Doping“ steht da, „Sanktionen“ und „Skandale“. Ist dem Bären alles egal, er steht wieder auf. Viel deutlicher kann man nicht signalisieren: Eure Vorschriften sind uns egal, oder bestenfalls Futter für einen Bärenwitz. Nicht nur ich hab mich gefragt, ob das wohl ernstgemeint ist, aber die neuen Maskottchen wurden Mitte des Monats vorgestellt, seitdem gab es weder ein Dementi noch eine total meta-mäßige „Da haben wir’s euch aber gezeigt“-Erklärung. Der Doping-ist-kein-Problem-Bär ist also ebenso echt wie sein Co-Maskottchen, eine Katze, die an eine russische Fellmütze mit Ohrenklappen erinnert. Doch, wirklich.



 

Russball, Folge 63: Endlich sponsert Gazprom mal was!

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Ja, sorry, kein Weihnachtsgeschenk von mir dieses Jahr – schließlich kommt der Newsletter erst jetzt, zwischen den Jahren. Dafür schenkt euch die folgende Anekdote vielleicht ein Lächeln. Und weil das allein noch nicht rechtfertigt, dass sie hier vorkommt, leitet sie auch ganz zauberhaft zu den Fußballthemen über.

In meinem ersten Jahr als Redakteurin bei der Moscow Times saßen wir morgens zu zweit im Büro, links die Frühdienst-Kollegin und daneben ich als Social-Media-Frau. Da twitterte uns plötzlich der Präsident von Estland, Toomas Hendrik Ilves, an. Nicht komplett unerhört – Berichterstattung aus Russland auf Englisch, das hatte ich bereits gelernt, bringt einem viele Leser mit blauem Twitter-Häkchen. Aber warum regte der Präsident an, wir sollten uns doch vielleicht diese eine Überschrift, die wir gerade veröffentlicht hatten, noch mal ansehen?

Ein Klick, ein Schock, ein Umdrehen zur Kollegin – was war passiert? Zunächst einmal eine Massenprügelei in einem russischen Krankenhaus. Der Frühdienst hatte die Meldung wie gewohnt in einem Google-Doc vorgeschrieben. Beim Umheben in unser Redaktionssystem allerdings hatte die Überschrift ihren ersten Buchstaben verloren. Wo also „Mass Brawl in Russian Hospital Prompts Firing of Government Officials hätte stehen sollen, stand nun exakt dasselbe – nur ohne das erste M. Ass brawl, ein Kampf der Ärsche – es ist die Sorte Fehler, bei der man sicher sein kann: Wenn sie einem passiert, dann wird es garantiert niemand Geringerem auffallen als einem Staatsoberhaupt.

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⚽  Eine andere Überschrift der Moscow Times hat mich diesen Monat in ihrer Wortspielfreude doch sehr gefreut: „GOAT on a Horse: Russian Football Star Arshavin Spotted Leaving Strip Club by Steed“. GOAT, klar, das ist der Greatest Of All Time: Als Russlands Premjer-Liga letztes Jahr ihren 25. Geburtstag feierte, ließ Sport Express abstimmen, und ja, Arschawin wurde zum besten Spieler aller Zeiten gewählt. (Wobei „aller Zeiten“ hier eben bedeutet: innerhalb von 25 Jahren russischem Erstligafußball.)

Ein GOAT/goat 🐐 auf einem Pferd, das ist schon recht hübsch getextet für folgenden Sachverhalt: Arschawin, der ja vor kurzem seine Spielerkarriere beendet hat, soll aus einem Club in St. Petersburg rausgeschwankt und dann auf einem Pferd in den Sonnenuntergang von dannen geritten sein. Das mit dem Pferd ist so ungewöhnlich nicht, im Petersburger wie im Moskauer Nachtleben begegnen einem immer mal wieder Leute, die mit Pferd am Zügel vor Kneipen warten, ob vielleicht jemand eine Runde drehen will. Arschawin, kann man weiter lesen, wurde offenbar sogar von der Polizei angehalten – er soll nicht genug für den Ritt bezahlt haben.

⚽  Je mehr ich über diese Arschawin-Geschichte nachdenke, desto lauter tuscheln in meinem Hinterkopf tausend russische Großmütter: „Nachts in St. Petersburg, im Dezember und dann auch noch hoch zu Ross – warum macht der Junge nicht die Jacke zu? Und wo ist seine Mütze?“ Sehr viel Babuschka-tauglicher ist da Denis Gluschakow, der hier passend zur Winterpause die vorbildliche Kleidung für einen russischen Fußballer präsentiert. Vielen Dank dafür.

⚽ Fünf Monate nach dem Ende der Fußball-Weltmeisterschaft hat das Meinungsforschungsinstitut Lewada 1600 Russen gefragt, was 2018 die wichtigsten Ereignisse in ihrem Land waren. Ergebnis: Die WM schafft es nicht unter die Top 3. Stattdessen sieht das Ranking so aus: 1. Die Eröffnung der Krim-Brücke über die Straße von Kertsch (ja, das ist die, zu der die Chefin von RT eine Begleit-Romcom schreiben durfte). 2. Die Rentenreform, die schön parallel zur WM durchgedrückt werden sollte, aber dann doch auffiel, zu starken Protesten führte und Wladimir Putin die Popularitätswerte ramponierte. 3. Die Präsidentschaftswahl im Frühjahr, als an vielen WM-Stadien noch gebaut wurde.

Mit Platz 4 war die Weltmeisterschaft den befragten Russen allerdings immer noch deutlich wichtiger als zahlreiche politische Themen, vom russischen Militäreinsatz in Syrien über den Krieg in der Ostukraine bis hin zu den Sanktionen von und gegen Russland. Interessant auch: Bei derselben Umfrage sollten die Teilnehmer sagen, ob das Jahr 2018 ihrer Meinung nach für Russland leichter, schwieriger oder genau so war wie das Vorjahr. Die sommerliche WM-Begeisterung scheint keine langfristigen Auswirkungen auf die Stimmung gehabt zu haben: Nur 11 Prozent stimmten für „leichter“, die Zahlen für „schwieriger“ (45) und „genau so“ (44) liegen deutlich höher. (Ach so, für Wladimir Putin gab es 2018 zwei Ereignisse, die „emotional am bedeutsamsten“ waren: seine Wiederwahl und die WM.)

⚽  Auf einen sehr viel größeren Datensatz als nur 1600 Befragte kann die russische Suchmaschine Yandex zurückgreifen. Sie hat die populärsten Suchbegriffe im Jahr 2018 veröffentlicht, es lohnt vor allem ein Blick uf die Menschen, nach denen am häufigsten gesucht wurde: Erstens Igor Akinfejew, Russlands Heldentorwart, drittens Artjom Dsjuba (mehr zu ihm gleich), außerdem Denis Tscheryschew auf der Acht und Lionel Messi auf der Neun. Was zeigt: Wer am Jahresende zurückblickt, mag die WM bereits ein wenig aus den Augen verloren haben. Beim Suchvolumen hingegen sind ihre Auswirkungen immer noch gut zu sehen.

⚽  „Wurde ja auch Zeit“ – „Na endlich“ – „Dazu gratulieren wir uns allen“. So klingen sie, die Kommentare unter dem Tweet, mit dem der russische Fußballverband am 19. Dezember verkündete: Witali Mutko gibt sein Amt als Verbandspräsident ab – und das, wo es doch zuletzt eher so ausgesehen hatte, als wollte er den Job wiederaufleben lassen.

Ruhen lässt er das Amt ja bereits seit rund einem Jahr, nachdem ihn das Internationale Olympische Komitee wegen seiner Rolle im russischen Staatsdoping lebenslang gesperrt hatte. Sorgen um seine Zukunft muss sich Mutko auch ohne Präsidententitel nicht machen: Er ist weiterhin Vize-Ministerpräsident mit Zuständigkeit für Bauangelegenheiten und regionale Entwicklung.

⚽ Weil es im Fußball ja noch nicht genug Dinge gibt, die von Gazprom gesponsert werden, heißt das Krestowski-Stadion in St. Petersburg seit ein paar Tagen „Gazprom-Arena“. Damit passt der Name endlich zum Verein: Zenit St. Petersburg, das dort seine Heimspiele austrägt, hat ja ebenfalls den Gazpromschriftzug auf den Spielertrikots – mit dem lateinischen Buchstaben G, der mich samt Flamme immer an ein aufgeschnapptes Klappfeuerzeug erinnert.

gazprom

⚽ Wenn jetzt zum Jahresende die Finanzchefs diverser russischer Fußballclubs vor ihren Exceltabellen sitzen, dürfte sich ein Lächeln auf das ein oder andere Gesicht stehlen – jedenfalls bei den Vereinen, die an europäischen Turnieren teilgenommen haben. Lokomotive Moskau zum Beispiel hat – so rechnet es Sport Express vor – in der Gruppenphase der Champions League knapp 18 Millionen Euro eingenommen. Nicht so schlecht, als Gruppenletzter.

Am lukrativsten war der Einsatz in der Champions League dem Bericht zufolge für ZSKA: 21,55 Millionen Euro, zusammengesetzt aus 15.25 Millionen fürs Erreichen der Gruppenphase, 900.000 für das Unentschieden gegen Viktoria Pilsen und 2,7 Millionen für die beiden Siege gegen Real Madrid. Die einstelligen Millionenerträge für Zenit, Krasnodar, Spartak und Ufa kann man hier nachlesen.

⚽  Allein für dieses Fitzelchen nutzloses Wissen hat es sich schon gelohnt, dem Twitter-Account „Russian Non-League Football“ zu folgen: In Wolgograd – auch das eine der WM-Städte des vergangenen Sommers – spielt demnach Russlands ältester aktiver Fußballer (gemeint ist vermutlich: ältester Spieler mit Profi-Karriere). Seit 2011 ist Sergej Nataluschko nicht nur Trainer des FK Dynamo Nikolajewsk. Der Mann, dessen Frisur entfernt an „Zurück in die Zukunft“ erinnert, stellt sich auch immer wieder selber auf:

⚽ Wer in diesen Tagen nach Leonid Slutsky googelt, der bekommt – immer vorausgesetzt, die Suche war auf Russisch – höchstwahrscheinlich mindestens einen Link zu Sport Express als Ergebnis, vielleicht auch mehrere. Denn das lange Interview (Teil 1, Teil 2) , das Igor Rabiner mit dem früheren russischen Nationaltrainer geführt hat, wollte seine Redaktion nicht nur einmal als Gesamtwerk veröffentlichen.

Stattdessen gibt es also reihenweise einzelne Aspekte noch mal als Single-Auskopplungen, jedes Mal ein separater Artikel: Dass ZSKA sein Titelfavorit ist. Dass er bei seinem aktuellen Job in Arnheim die russische Banja vermisst. Dass sein 13-jähriger Sohn ja jetzt rappt. Ist das jetzt noch eine SEO-Strategie oder schon Spam?

Interessant fand ich jedenfalls Slutskys Reaktion, als er darauf angesprochen wird, dass seine TV-Expertenkarriere während der WM plötzlich beendet war, nachdem er im russischen TV den Namen „Nawalny“ in den Mund nahm. Slutsky bleibt dabei: Nein, er sei nicht dafür abgestraft worden, es sei nie etwas anderes anderes geplant gewesen als ein Kurzeinsatz.

⚽ Bei der Auslosung zur Europa League Mitte des Monats ist ja unter anderem rausgekommen, dass der FK Krasnodar gegen Bayer Leverkusen spielen wird. Krasnodar ist keine kleine Nummer, in die Winterpause ist der Verein auf Platz zwei der Premjer-Liga gegangen. Zum Vergleich: Leverkusen überwintert auf Platz neun.

Gefreut hat mich die Auslosung vor allem, weil dann endlich mal ein Stadion Aufmerksamkeit bekommt, das bei der Weltmeisterschaft aus unerfindlichen Gründen vernachlässigt wurde. Ein Quasi-Kolosseum mit riesiger Videowand, einmal rund um den Innenraum. Das „schönste Stadion Russlands„? Vielleicht, wobei… Sotschi… jedenfalls: Hier ein Vorgeschmack.

⚽  Offenbar war ich nicht die einzige, die diesen Sommer im WM-Austragungsort Kasan an ein paar überaus nette, gastfreundliche Einheimische geraten ist. Meine haben mich zwar nicht aufs Trainingsgelände von Rubin Kasan mitgenommen, aber gut, ein bisschen Luft nach oben muss ja noch sein für den nächsten Besuch.

⚽ Diesen Sommer bei der WM war Artjom Dsjuba der Star der russischen Nationalmannschaft. Zum Jahresende blickt Russian Football News (in einer Detailtiefe, die wohl vor allem was für Hardcore-Fans ist) zurück auf eine Karriere, in der er sich mit jedem Vereins- und jedem Trainerwechsel wieder neu beweisen wurde. Selbstverständlich als Spitzenspieler anerkannt war er selten, auch seinen WM-Einsatz hat er unter anderem dem Verletzungspech seines Konkurrenten Aleksandr Kokorin zu verdanken. Mehr, auch zu Dsjubas vielen Spitznamen, hier: The Evolution Of Artem Dzyuba.

Auch die spanische Sportzeitung Marca würdigt Dsjuba: Sie hat ihn, „einen der großen Schützen der Weltmeisterschaft“, unter die Top 100 Fußballspieler des Jahres 2018 gewählt. Platz 97 mag jetzt keinen Top-Position sein, andererseits würdigt die Redaktion ausdrücklich Dsjubas Tor, das für Russland im Spiel gegen Spanien die Verlängerung und das anschließende Elfmeterschießen ermöglichte. Wie das für Spanien endete, das ist sicher nicht nur spanischen Fußballjournalisten bis heute präsent:

⚽ Was bringt es den rusischen Fußballclubs, dass ihre Spieler bei der WM dabei waren? Klar, mehr Erfahrung, vielleicht auch bei Gelegenheit eine höhere Ablöse, wenn jemand verkauft wird, der sich bei der Weltmeisterschaft profilieren konnte. Aber so lange müssen die Clubs gar nicht warten: Die FIFA zahlt ihnen scbon jetzt etwas: Aus den Einnahmen des Turnier gehen rund zehn Millioenn US-Dollar an russische Vereine. Das Spektrum reicht von 1.815.445 Dollar für Zenit bis runter zu Anschi Machatschkala, die immerhin noch 38.205 bekommen. Die ganze Liste, auch mit den Summen der deutschen Vereine, gibt es hier.

⚽  Das letzte Wort hat heute der FK Ural. Dort hat man gehört, dass José Mourinho – dem Kritiker ja gerne vorwerfen, er würde am liebsten den ganzen Mannschaftsbus vor dem eigenen Tor parken – bei Manchester United rausgeflogen ist. In Jekaterinburg hatten sie daraufhin eine Idee, und aus der Idee wurde ein Tweet:

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Das war’s für heute, die nächste Russball-Folge soll Ende Januar bei euch ins Postfach plumpsen. Jedenfalls stelle ich mir das so vor, auch wenn zur selben Zeit der Umzug nach Berlin ansteht. Raus aus Russland, aber weiter über den russischen Fußball schreiben – mal sehen, wie das wird. Eins steht jedenfalls fest: Die ersten beiden Monate des neues Jahres müssen wir noch komplett ohne russischen Erstligafußball auskommen.



 

Russball, Folge 57: Was von der WM übrig bleibt

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Sag mal, Russland. So hatten wir aber nicht gewettet! Ich wollte doch noch ein bisschen schwelgen, ein wenig den WM-Afterglow genießen. Nach dem Finale (neun Freunde aus fünf Ländern vor einem Fernseher, grob je die Hälfte für Frankreich und für Kroatien) hatte ich mich auf den Weg Richtung Stadtzentrum gemacht, um mich noch einmal treiben zu lassen in dieser Menschenmenge.

Leute, die vor dem Erlöserturm um ein Handy mit angeschlossenem Lautsprecher tanzen. Eine Prozession trommelnder, trillerpfeifender Menschen, die kurz darauf ebenfalls beginnen zu tanzen. Spontaner Applaus von Passanten, wann immer ein Grüppchen Kroaten vorbeikommt. Frankreich-Fans, die im Brunnenbecken hinter dem GUM feiern und sorgfältig darauf achten, möglichst viele Zuschauer nass zu machen. Und dann, zuletzt, das langsame Geschiebe über die proppenvolle Nikolskaja. „Hey, hey, qui ne saute parle pas français!“ Eine Frau hält ein weißes Shirt hoch, auf das sie geschrieben hat: „Danke, Fußballfans, dass ihr keine Angst hattet, nach Russland zu kommen!“

wm nikolskaha shirt

Wie gesagt, für mich hätte das gerne noch ein bisschen so weitergehen können. Aber nein, am Tag danach veröffentlicht eine große russische Zeitung einen unsäglich rassistischen Kommentar über die vielen Schwarzen in der Weltmeistermannschaft. Aus mehr als einer WM-Stadt kommen Meldungen, dass die Infrastruktur rund um die Stadien bereits bröckelt. Ein Video macht die Runde, in dem offenbar ein Polizist die Pussy-Riot-Aktivisten verhört, die beim Finale aufs Spielfeld gerannt waren. „Wie schade, dass nicht mehr 1937 ist“, hört man ihn sagen. Das war die Zeit, in der Stalin massenweise politische Gegner verschleppen und ermorden ließ.

Für n-tv.de hatte ich für den Tag nach der WM einen fiktiven Ausblick auf Russland nach der WM geschrieben, durchaus süffisant. Darüber, was von der WM bleibt und was wieder dem Alltag weichen muss. Liebes Russland, ganz ehrlich: Ich mag da befangen sein, aber meine Variante hat mir besser gefallen.

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⚽ Woran man auch merkt, Dass die WM vorbei ist: Die in den vergangenen Wochen ausgesprochen zurückhaltenden Moskauer Polizisten lassen sowas hier nicht mehr durchgehen:

⚽ Normalerweise ist es ja gerne mal so, dass man erst einen Artikel liest und dann beim Blick in die Kommentare den Glauben an die Menschheit verliert. Bei diesem Text von Sport Express ist es andersrum: „Fans von Torpedo sind gegen Wechsel eines dunkelhäutigen Russen“ ist er überschrieben, es geht darin um eine Fangruppierung des FK Torpedo Moskau. Die protestiert online gegen die Verpflichtung von Erving Botaka. Botaka ist Russe, seine Fußballjugend verbrachte er bei Torpedo, nun kehrt er dorthin zurück. Was eine Gruppe von Ultras zu Posts wie „Auf unserem Trikot gibt es Schwarz, aber in unseren Reihen nur Weiße“ veranlasst. So weit, so dumm.

Deutlich dagegen halten aber viele der Leserkommentare unter dem Artikel. „Ist es nicht Zeit, solche ‚Fans‘ plattzumachen“, fragt einer, ein zweiter schlägt etwas milder vor: „Einfach diesen Abschaum nicht ins Stadion lassen. Das ist die beste Entscheidung, von der alle profitieren.“ Ein anderer Kommentator fühlt sich von der Haltung der Fangruppe an „die Neunziger des vergangenen Jahrhunderts“ erinnert, muss sich aber seinerseits korrigieren lassen: „Wohl eher an die Steinzeit.“ Den einen Leser schließlich, der unter dem Artikel munter rassistische Parolen postet, haben die anderen bereits weit nach unten gevoted.

⚽ Einen erfreulichen WM-Effekt dokumentieren derzeit die Kollegen von Russian Football News: überraschend gut gefüllte Stadien. Selbst Russlands Top-Vereine mussten sich bisher ins Zeug legen, um ihre Ränge voll zu kriegen. Da sind solche Bilder hier schon beeindruckend, erst Recht für ein Zweitligaspiel:

⚽  Stell dir vor, du bist Fan von St. Pauli und bekommst mitgeteilt, dass dein Verein ab sofort FC Garmisch-Partenkirchen heißt und dorthin auch umzieht. Weil da halt ein tolles Stadium rumsteht, was irgendwie mit Leben gefüllt werden muss. Sowas passiert hier gerade in Russland.

Denn da steht nun also in Sotschi dieses Stadion, das zwar bei den Olympischen Spielen, dem Confed Cup und der WM ein paar Mal gebraucht wurde, aber ansonsten – höflich gesagt – nicht allzu ausgelastet ist. Es gibt nicht mal einen örtlichen Verein, der dort in Zukunft spielen könnte. Also wird ein anderer Club umgetopft, vom finnischen Meerbusen runter ans Schwarze Meer: Dynamo St. Petersburg soll künftig PFK Sotschi heißen. Was das für die Fans in Petersburg heißt, scheint dabei niemanden so recht zu interessieren. Aber was sind schon knapp 30 Stunden Autofahrt zu einem Heimspiel, wenn man seinen Verein wirklich liebt.

⚽ Habt ihr das mit den Nigerianern mitbekommen? Dutzende von ihnen sind während der WM in Russland gestrandet – eingereist per Fan-ID, weil ihnen dubiose Vermittler erzählt hatten, sie könnten hier Arbeit in Fabriken oder sogar als Profifußballer finden. Die Rückflugtickets haben besagte Vermittler dann storniert, den Betroffenen blieb nichts übrig, als vor iher Botschaft zu warten und um Hilfe zu bitten. Inzwischen sieht es so aus, als ob sich die nigerianische Regierung wohl ihrer annehmen und sie zurück nach Hause holen wird.

⚽ Was mir fehlen wird: Die regelmäßigen Podcast-Gespräche mit Max vom Rasenfunk. Gestern haben wir das vorerst letzte aufgezeichnet, und dafür, dass ich beim ersten mal im Dezember noch ziemlich Muffensausen hatte (Was, wenn der von mir jetzt echte Fußballexpertenfragen beantwortet haben will?), ist mir dieses Format echt ans Herz gewachsen. Max hat mich jedes Mal beeindruckt als gut informierter und so ziemlich an allem interessierter Gesprächspartner, bei dem man in guten Händen ist. Jemand, der Spaß daran hat, sich auch mal zu einem abwegigen Thema zu verquatschen, aber gleichzeitig ein gutes Gefühl davon, wann es dann auch gut ist. Was er da während der WM gewuppt hat, ist bemerkenswert.

⚽ Es sprach der Scheich zum Emir: Jetzt zahlen wir, und dann gehn wir. Es sprach der Emir zum Scheich: Zahlen wir nicht, und gehn gleich! Einer dieser Vatersprüche, mit denen ich aufgewachsen bin – nie hätte ich damit gerechnet, dass ich ihn mal irgendwo sinnvoll anbringen könnte. Aber so kann’s gehen:

Da saß nun also der Gastgeber der nächsten WM, der Emir von Katar, im Restaurant des superschicken Moskauer Hotel Lotte und bestellte dort ausgerechnet einen Latte. Getrunken hat er ihn vermutlich, bezahlt aber nicht, weshalb die Kellnerin nun die Gäste nebenan fragt, ob sie die Rechnung nicht vielleicht bezahlen wollen. Weder der Journalist Jamil Chade noch sein Begleiter wollten das. Eine lustige Begebenheit, die damit endet? Aber nein.

Am Tag darauf twitterte Chade, die Hotel-Security habe ihn soeben rausgeworfen, als einzigen Journalisten. Warum? Erst keine Angabe, dann ein Missverständnis, schließlich: Chade habe mit seinem Tweet die Privatsphäre des Emirs verletzt. Dass er als derjenige, bei dem die Kellnerin versucht hatte, das Geld einzufordern, unmittelbar von der Emir’schen Zechprellerei betroffen war – offenbar kein Argument. Chade, der den ganzen Vorfall für O Estado de S. Paulo, Brasiliens älteste Tageszeitung, aufgeschrieben hat, zog folgende Bilanz:

⚽ Erinnert ihr euch an die Frage vor der WM? Wird das denn auch alles rechtzeitig fertig, die Stadien, die Straßen, die Fußwege? Die Antwort hieß „ja“, aber nun, kaum dass die WM vorbei ist, merken wir: Sie hieß eigentlich „ja, aber…“ Es hat zwar alles gerade noch rechtzeitig geklappt, aber wer so auf den letzten Drücker baut, baut eben nicht gerade für die Ewigkeit. Wir Moskauer kennen das von Bürgersteigen, die huschhusch hübsch gemacht werden, dann nach dem ersten Winter wie eine Buckelpiste aussehen, also wieder neu aufgehübscht werden. Es ist ein Zyklus.

So begab es sich also, dass ein Regen fiel in Wolgograd. Ziemlich ausdauernd, ja, es war die Niederschlagsmenge von zwei Monaten innerhalb von 24 Stunden. Ergebnis: Dieser asphaltierte Hang neben dem Stadion… sagen wir mal so: Heute ist er weder Hang noch asphaltiert. Schuld war nach Angaben der Stadtverwaltung das Fundament des neuen Stadions, das so gebaut sei, dass das Wasser nicht anständig abgeleitet wurde. Ähnlich in Nischni Nowgorod: Schon vor ein paar Wochen hatte der Blogger Ilja Warlamo darauf hingewiesen, dass da vielleicht das ein oder andere Abflussrohr gut täte. Dann kam der Regen und unterspülte so manches, was gerade erst gebaut oder hübsch gemacht worden war. Witze wie diesen hier haben sich die Architekten also selber eingebrockt:

„Schaut nur, wie das Stadion von Saransk, das zur WM 2018 gebaut wurde, nach einem leichten Regen aussieht. Einfach beschissen.“

⚽ Die WM-Infrastruktur und die Frage, was aus ihr wird, steht auch im Mittelpunkt des Fazits, das Sports.ru von der Weltmeisterschaft zieht. Doch es geht auch um Größeres, um Grundsätzliches. Es ist ein philosophischer Text geworden und es lohnt sich, daraus eine ganze Passage zu zitieren:

„Es hat sich gezeigt, dass es irgendwo in diesem Universum ein prächtiges, strahlendes Russland gibt, in dem es möglich und nötig ist, das Leben zu genießen und nicht bloß zu überleben. Wir lebten vier schöne Wochen lang in einem hastig aufgebauten Potemkinschen Dorf, das in kürzester Zeit einstürzen würde, wenn wir nichts dagegen tun. Wir haben gelernt, dass wir unter bemerkenswerten Bedingungen leben können, und dass wir nun lediglich vom Staat (und von uns) verlangen müssen, all das Schöne zu erhalten, was für die ausländischen Gäste gebaut wurde.“

Ein guter Einstieg für einen kleinen Bilanzblock: Wer zieht sonst so welches Fazit aus der WM?

⚽ Die Reporter des Guardian: Diese Mischung aus Sportlichem und russischem Alltag gefällt mir sehr. Und die Mottokuchen zu den einzelnen Spielen auch.
⚽ Das Sportblatt „Sowjetski Sport“: Dort haben sie schon mal durchgerechnet, was passiert, wenn am Donnerstag das neue FIFA-Ranking veröffentlicht wird. Ein Sprung nach oben für Russland, eventuell um ganze 32 Plätze, dank der guten WM-Leistung.
⚽ Die russischen Zeitungen: Irgendwo zwischen „Russisches Rebranding“, Stolz und „Schau mal, wie viel Geld wir verdient haben“

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Zum Schluss noch die Antwort auf eine Frage, die einige von euch in den vergangenen Tagen gestellt haben: Wie geht es weiter mit dem Russball? Die einfache Antwort ist: Das kommt auf euch an. Ich werde den Newsletter diesen Monat noch wöchentlich schreiben, so lange es viel nachzuberichten gibt. Danach dann in größeren Abständen, also vielleicht monatlich oder wenn irgendwas Besonderes anfällt. Denn: Mir macht das zwar weiterhin Spaß, aber ich will auch niemanden zuspammen. Außerdem spiele ich mit dem Gedanken, vom Mittwoch auf einen anderen Wochentag zu wechslen – demnächst ist wieder Chorsaison, und wir proben dienstags.

Damit auch ihr eure Zukunft planen könnt, kommt ganz zum Schluss noch ein Servicehinweis: Die Fan-ID soll bis Ende des Jahres als Visumsersatz gelten, man kann damit also weiterhin nach Russland reisen. Was erst eine Ankündigung Wladimir Putins nach dem Finale war, liegt nun bereits als Gesetzentwurf in der Duma auf dem Tisch. Noch vor Monatsende soll darüber abgestimmt werden. Also, wenn jemand von euch Tipps für Russlandreisen auch abseits der WM-Austragungsorte sucht: Gerne fragen!