Die besten Threads aus dem September

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Zeit für die monatliche Sammlung lesenswerter Threads. Wobei, ich mach das hier ja auch erst zum zweiten Mal, also lerne ich noch: Letztes Mal war ich zu früh dran, der Monat noch nicht komplett vorbei, also ist mir ein interessanter Thread aus dem August entgangen. Der wird hier direkt mal als Nummer 1 nachgereicht. In Zukunft gibt es diese Sammlung also immer erst dann, wenn der Monat wirklich vorbei ist, um sowas zu vermeiden.

Was gleich bleibt: der Dank an alle, die Interessantes am Stück getwittert haben und an diejenigen, die mich darauf hingewiesen haben. Und wieder gilt: Den ersten Tweet habe ich eingebunden – mit einem Klick könnt ihr ihn öffnen und den gesamten Thread darunter lesen.

1. Gerechte unter den Völkern

Meine frühere Kollegin Ola Cichowlas hat ein Stück Familiengeschichte getwittert. Es geht um Mut, Hilfsbereitschaft und eine späte Anerkennung.

2. The Hitchhiker’s Guide to Flying

Okay, you had me at „Douglas Adams“.

3. Das Mittelalter in Farbe

Wer sich für mittelalterliche Manuskripte interessiert, der sucht nach ihnen vielleicht nicht gerade als erstes auf Twitter. Sollte er aber, schon wegen Damien Kempf.

4. Das Leben und der Programmierer

Ein Thread, zu dessen Anfang man denkt, es geht um Technologie – und dann versteht: Das Thema ist ein wenig größer.

5. Was ist das da auf dem Regenradar?

Ist es ein Vogelschwarm? Sind es Fledermäuse? Oder doch Libellen? Ja, es gibt tatsächlich Menschen, die das anhand von Radarbildern unterscheiden können, und die Logik dahinter ist faszinierend:

6. „The long run. Wasn’t that long ago.“

Kein wissenschaftlicher Thread, sondern ein hoch persönlicher, über die Zeit, als sich HIV/AIDS in den USA erstmals verbreitete. All diese Trauer, in so vielen kleine Beobachtungen – dieser Thread ist mehr als ein paar Tweets, das ist Literatur. Nur halt in einem Format, das wir so noch nicht gewohnt sind.

7. Mosaike aus Georgien

Georgien hat nicht nur grandiose Natur und extrem leckeres Essen, sondern – natürlich – auch seinen Anteil an der sowjetischen Geschichte. Dieser Thread zeigt, was aus den farbenfrohen Dekorationen eines Pionierlagers geworden ist.

8. Virtual-Reality-Vagina

Wer ein Android-Handy hat, kann neuerdings per App durch die Vagina einer Ente reisen. Doch, wirklich. Was sich die Forscher hinter dem Projekt dabei gedacht haben, und warum man im Internet deutlich mehr Infos über Tierpenisse findet als über Tiervaginas, steht hier:

9. Mineral gegen Mineral

Gestern endete ein Turnier, das den ganzen September hindurch in einer Twitter-Nische begeistert verfolgt wurde, nämlich von Geologen: Beim #MinCup2018 treten jeden Tag zwei Minerale gegeneinander an, Wissenschaftler argumentieren per Twitter, welches von ihnen besser ist. Da stehen dann Menschen mit Schutzhelmen in der Landschaft und rufen „Quartz! Quartz! Quartz!“, schreiben Gedichte über die Final-Entscheidung Eis vs. Granat. Das Ergebnis gibt’s hier.

10. Eine Familiengeschichte in Russland und anderswo

Wir haben mit einer Familiengeschichte angefangen, dann hören wir auch mit einer auf. Leonid Ragozin erzählt am Beispiel seiner Vorfahren, was es in den letzten paar Generationen bedeutet hat, in Osteuropa zu leben. Wieviel Umsturz, Krieg und Leid. Wie oft man sich auf verschiedenen Seiten fand oder wechselnden, willkürlichen Mächten ausgesetzt war.

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Garry Kasparov bei der #rp17: Links zum Weiterlesen

Garry Kasparov bei der re:publica, das ist nur eine von vielen Sessions, bei der ich dieses Jahr gerne gewesen wäre. Aber in Kiew ist Eurovision und man kann nur eines haben. Stattdessen habe ich also, nach mehrfachen „Interessiert dich bestimmt“-Hinweisen von Freunden, den Kasparov-Auftritt bei YouTube geguckt (ab 7:19) , mehrfach genickt, ein paar mal gegrinst, und vor allem gedacht: Das reicht noch nicht.

Foto: re:publica/Jan Zappner
Foto: re:publica/Jan Zappner

Zu wenig Zeit war das, um in die Tiefe zu gehen – auch, weil er sich die Session mit Claudio Guarnieri von Amnesty International teilte, was nur so halbgut zusammen passte. Andererseits: Wie schön eigentlich, wenn eine Session endet und man sich wünscht, sie wäre noch nicht vorbei. Für alle, denen das auch so ging, habe ich einige Kasparov-Zitate ausgesucht und zu ihnen Links zum Weiterlesen zusammengestellt.

Darüber, warum mit der Verbreitung des Internets nicht auch automatisch die Meinungsfreiheit wächst:

„Many of these devices allow governments to go after people, to find those who are spreading dissenting views, and eventually to prosecute them.“

„Devices“ ist ein bisschen umständlich formuliert, konkret sieht man diesen Mechanismus in Russland in den sozialen Netzwerken. Alexander Biwschew hat das am eigenen Leib erlebt – er ist Lehrer und Dichter und wurde zu 300 Stunden Arbeit verurteilt, weil er online ein Gedicht veröffentlichte, in dem er Russlands Annektion der Krim kritisierte. Andere Fälle, in denen ihr Verhalten in sozialen Netzwerken Russen vor Gericht brachte, dokumentiert die Serie „Jailed For A Like“. Und Pavel Durov, der Gründer von VKontakte, hat das Land verlassen, der eigenen Sicherheit zuliebe. 2011 hatte er sich geweigert, die VK-Seiten von Oppositionellen zu sperren. Danach war er zunehmend ins Visier der Behörden geraten.

Darüber, welche Unternehmen sich den Internet-Regelungen autoritärer Staaten beugen:

„…the double standards in the behaviour of big corporations, that are expressing their concerns about individual privacy in the free world, but at the same time are ready to comply with draconian regulations in countries like Russia, China or elsewhere, by protecting their business and endangering, at the same time, the lives, real lives, of people who are relying on these technologies to spread their message.“

Russland versucht seit einiger Zeit, durchzusetzen, dass große Internetunternehmen die Daten ihrer Nutzer auf russischen Servern speichern. Eine Petition dagegen hat knapp 45.000 Stimmen bekommen, vor allem wegen Sorgen, dass die russische Obrigkeit dann frei auf die Daten (kritischer) Nutzer zugreifen kann. (Vielleicht sind die Behörden es leid, vergeblich bei Twitter anzufragen, wenn sie solche Nutzerdaten bekommen wollen.)

Von Facebook konnte man lesen, dass es sich diesem Anliegen verweigert hat – trotzdem ist es bis heute in Russland erreichbar. LinkedIn hingegen ist in Russland geblockt, seit es den Server-Umzug verweigerte. Google wiederum hat tatsächlich einige seiner Server nach Russland umgezogen, Apple hat ähnlich reagiert, Twitter prüft das offenbar gerade.

Über die Prioritäten im russischen Staatshaushalt.

„Putin is making cuts on social security, on housing, on education, on everything except military, security and propaganda. That’s a war budget.“

Russland spart zwar inzwischen selbst am Rüstungsbudget, es ist aber immer noch einer der großen Batzen im Etat. Die Washington Post rechnet vor: 30 Prozent des Staatshaushalts gehen an Militär und Geheimdienste, für die Gesundheitsversorgung sind nicht einmal 3 Prozent eingeplant.

Vor einem knappen Jahr blamierte sich Dimitri Medwedjew beim Versuch, einer alten Frau zu erklären, warum es bei den Renten nicht mal einen Inflationsausgleich gibt. Besonders sichtbar wird das Sparen auch bei Medikamenten für HIV-positive Patienten. Bei der Palliativmedizin ist die Situation in Russland so katastrophal, dass sich immer wieder Schwerkranke das Leben nehmen.

Über Pro-Putin-Trolle:

„…look at the ratio of investment and return: It’s much cheaper than buying tv ads, and what’s also important is a huge amount of deniability. So you do these things, but technically, you can always deny: This is not us.“

Wer sich dafür interessiert, was ein Troll so kostet: Ljudmilla Sawtschuk hat das publik gemacht. Sie hat knapp zwei Monate in einer „Troll-Fabrik“ in St. Petersburg gearbeitet, für ein Monatsgehalt zwischen 40.000 und 50.000 Rubel. Im Gespräch mit Spiegel Online hat sie berichtet, dass es noch weitere Troll-Fabriken gebe, dort würden auch Pro-Putin-Kommentare auf Deutsch verfasst.

Journalisten, die über diese Trolle berichten, riskieren, selber zum Ziel zu werden, wie Jessikka Aro erlebt hat. Und, auch wichtig: Nicht jeder, der Kommentarbereiche mit Pro-Putin-Beiträgen zuspammt, wird dafür auch aus dem russischen Machtapparat heraus bezahlt.

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Die zweite China-Woche in Links

0:4-Heimniederlage für Beijing Guoan
0:4-Heimniederlage für Beijing Guoan

Zum Ende der zweiten Woche in China hier die nächste Runde Links mit Hintergründen, Aktuellem und ein bisschen Fußball zum Einstieg.

Beijing mauled by Changchun – eine kleine Meldung zur großen Pleite von Pekings Fußballteam Beijing Guoan am Samstag Abend. Da haben die ganze interessanten Schlachtrufe im Stadion auch nicht geholfen.

Big spurt in AIDS in Chinese above 50 years age – die Times of India mit recht aktuellen Zahlen zu HIV/AIDS in China. „A growing number of rural women left behind by husbands who sought employment in cities entered the sex trade, targeting mainly older men in rural areas.“

China Announces Plans For Party Congress and Prosecution of Bo Xilai – Austin Ramzy über Bo Xilais Ausschluss aus der Kommunistischen Partei kurz vor deren Kongress. „By announcing Bo’s impending prosecution in nearly the same breath as the date of the party gathering (…) the leadership seems determined to use Bo’s case to strengthen the ruling party rather than weaken it.“

China vows to curb imposed newspaper subscriptions – Wang Yuanyuan über das verordnete Ende der Pflicht-Abos von Parteipresse. „In 2011, 9,849 kinds of periodicals and 1,928 newspapers were printed and distributed in China.“

Sinkholes a Growing Problem in Urban Areas, Say Experts – Cui Zheng, Takehiro Masutomo und Liu Zhiyi über das im Ruhrgebiet auch nicht unbekannte Problem der Tagesbrüche. „Just this year, 99 sinkhole collapses occurred in Beijing between July 21 and August 12, according to statistics from a bridge maintenance company.“

Weibo, China’s Twitter, Abuzz with Sentiment Over Liu Xiang’s Olympic Fail – Eddie Xie analysiert die Gefühle chinesischer Microblogger zu einem olympischen Ereignis. „For the first time we have an ability to quantify and analyze sentiment from such a large population within China; a peek into the sentiment of China’s public sphere.“

Winter For Chinese Media: Why So Many Respected Journalists Are Leaving the Field – Yueran Zhang über chinesische Investigativjournalisten, die ihren Beruf aufgeben. “Good news! Martialist Zhao Jilong agreed to teach self defense skills (course topic: security issues for investigative journalists). Journalists are welcome to come!”

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