Die dritte China-Woche in Links

China’s ‚New Left‘ Grows Louder – Brian Spegele über die Unruhe unter den Anhängern von Bo Xilai und warum es für die Parteispitze schwierig ist, gegen die Neue Linke vorzugehen. „The new leftists act as defenders of the vision Mao once laid out for China: Rejecting them outright would risk exposing party leaders to sensitive questions around the very foundation the party is built on.“

Daddy Dearest: Disgraced Chinese Politician Bo Xilai’s Son Defends Him – Hannah Beech über Bo Guagua, der für seinen Vater in die Bresche springt – und die Frage, warum er das für seine Mutter nicht getan hat. „Does the son’s defense of his father (…) provide hints that Bo père will be fighting the allegations in a way that his wife did not when she admitted to her crimes at her sentencing? “

Foxconn workers on iPhone 5 line strike in China, rights group says – Adam Gabbatt über die drei- bis viertausend Arbeiter, die nach Angaben von China Labor Watch im Foxconn-Werk in Zhengzhou streiken. „The majority of Foxconn employees taking part in the strike worked on the „onsite quality control line“, according to China Labor Watch. It said the strike meant iPhone 5 production lines were „in a state of paralysis for the entire day“.“

Line Dancer aus Zeulenroda in China ausgezeichnet – Heidi Henze schreibt über die Tanzgruppe, mit denen wir in München auf unseren Flug nach Peking gewartet haben. Dort haben sie zwischen den Stuhlreihen am Gate getanzt, später in Luoyang dann einen Preis mitgenommen.

On investment, China politics aren’t black and white – Joseph J. Schatz über China als Thema in der Debatte der US-Präsidentschaftskandidaten. „Black-and-white campaign slogans don’t easily translate into economic policy, including the exquisitely complex U.S.-China economic relationship.“

Tencent
Yujia Lee, Medienbotschafter-Alumna, arbeitet bei Tencent.

Skypes Konkurrenz aus China: Der Chatdienst Weixin – Felix Lee über den Erfolg des Internet-Unternehmens Tencent (bei unserem Besuch dort letzte Woche hatten unsere Gastgeber viel Spaß mit der im Text erwähnten „Schüttelfunktion“). „Auslandschinesen sind (…) nicht nur kräftige Kapitalgeber. Zuweilen verhelfen sie auch chinesischen Online-Unternehmen zum Welterfolg.“

Volunteer Coders Team Up to Fix China’s Horrid Online Train Ticketing Site – David Wertime über Pläne, unter  12306NG.org eine besser funktionierende Alternative zur chinesischen Bahn-Buchungsseite 12306.cn zu programmieren. „Among the site’s most vexing new features is the ability (read: requirement) that users wait in a “virtual line.” “

Why China Lacks Gangnam Style – Evan Osnos kommt zu dem Schluss, dass es Chinesen schwer fällt, ihrer eigenen Kultur mit Humor zu begegnen. „In Chinese cultural circles there is a name for this: the “ ‘Kung Fu Panda’ problem,” named for the 2008 DreamWorks movie.“

Weiterlesen

Journalistenhumor und Zeitungsapokalypse

„Andeutungen, Witze, Symbole, Ironie. Das bringe ich jungen Journalisten bei. Nicht nur die Recherche, nicht nur das Schreiben.“ Normalerweise kommen nach einem Zitat Name und Funktion des Menschen, der es gesagt hat, vielleicht noch das Alter. Hier nicht, um den Mann zu schützen, der da spricht.

Überrascht hat mich bisher an China, wie offen Menschen hier über kontroverse Themen reden. Wenig überraschend ist, dass man sie damit nicht zitieren sollte.

Tsinghua University School of Journalism and Communication
Rund 500 chinesische Nachwuchs-Journalisten werden derzeit an der Tsinghua University School of Journalism and Communication in Peking ausgebildet.

Andeutungen, Witze, Symbole, Ironie. Um sagen zu können, was gesagt werden muss, aber nicht darf. In der journalistischen Berichterstattung, aber auch im Gespräch unter Kollegen. Gewöhnungsbedürftig, mit Experten zu reden und sich plötzlich in Parabel-Land wiederzufinden. Aber auch einprägsam.

„In Russland funktioniert Wandel so: Da ist ein altes Haus. Das sprengen wir. Dann bauen wir ein neues. In China funktioniert Wandel so: Da ist ein altes Haus, aber da leben ja Leute drin. Also können wir es nicht sprengen. Stattdessen renovieren wir es, Raum für Raum. Manche Leute leben dann schon in neuen, schicken Zimmern, andere in alten, heruntergekommenen. Denen sagen wir: Haltet durch, bald kommen die Handwerker auch zu euch.“

Oder auch:

„Reagan, Gorbatschow und Deng Xiaopin gehen zusammen spazieren und kommen an eine Gabelung. An jedem der beiden Wege steht ein Schild, links „Kapitalisten“, rechts „Kommunisten“. Reagan läuft als erster weiter, ohne zu zögern, den linken Weg entlang. Gorbatschow guckt sich um, ob auch keiner schaut, zieht den Hut tief ins Gesicht und läuft auch links entlang. Auch Deng Xiaopin sieht sich um, ob jemand herguckt. Als die Luft rein ist, tauscht er die Schilder – und geht dann auch links lang.“

Mit der Zukunft der diversen Mediengattungen ist es hier übrigens wie in Deutschland: Viele steile Thesen, keine einheitliche Richtung. Der Kollegenhumor allerdings ist fatalistisch: „Wäre doch jetzt ein guter Zeitpunkt für die Regierung, die Auflagen zur Gründung von Zeitungen abzuschaffen. In zehn Jahren sind sie dann eh alle eingegangen.“

Weiterlesen