Das Trinkspiel zur Fußball-WM in Russland

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Ein Gastgeberland, das gerade auf ein historisches Tief im FIFA-Ranking gerutscht ist. Ein Weltmeister, der in seinen letzten Spielen vor Turnierbeginn so gar nicht überzeugen konnte. Wer von der Fußball-Weltmeisterschaft in Russland nicht allzu viel Spannung erwartet, der muss sie sich eben schöntrinken.

So entstand die Idee für ein WM-Trinkspiel. Mit ein paar Leuten, die alle in Russland leben oder das mal getan haben, haben wir Klischees, Floskeln und Pannen gesammelt, auf die wir uns bei der Weltmeisterschaftsberichterstattung gefasst machen müssen. Der Spielmodus funktioniert dann ähnlich wie beim Eurovision Drinking Game:

Ihr braucht: Freunde, Gläser und Getränke. Klassisch russisch ist natürlich der Wodka, es geht aber sehr gut auch mit Tschatscha – dem Grappa, den man hier in jedem georgischen Restaurant bekommt. Wer komplett furchtlos ist, entscheidet sich für Medowucha, quasi russisches Met. Vor alle wird ein volles Glas gestellt und nach jeder Runde sofort nachgefüllt. Als Snacks bieten sich saure Gurken, Grenki, Tschetschil und Chips an. Dann nur noch den Fernseher anschalten – für ein komplettes Spiel, einen Bericht in den Nachrichten oder ein Hintergrundstück. Abwarten, was zu sehen und zu hören ist. Und das regelmäßige Nachgießen nicht vergessen.

– ⚽ Die Bond-Floskel. Für jeden Satz, der eine Variation des Filmtitels „Liebesgrüße aus Moskau ist“: Trink einen Schluck!

– ⚽ WatuTINki und SborNAja. Jemand betont den Ort des DFB-Quartiers oder das russische Wort für Nationalmannschaft falsch. Trink einen Schluck!

– ⚽ Der Lada. Ein Lada fährt durchs Bild oder steht am Straßenrand. Trink einen Schluck!

– ⚽ Der unnütze Putin. Putin ist immer gut, da werden die Leute hellhörig. Auch, wenn er ohne wirklichen Zusammenhang erwähnt wird. Putins Armee, Putins Wähler, Putins Kabinett – geschenkt. Putins Fußballmannschaft, Putins Kunstrasen, Putins Kreuzbandriss: Trink einen Schluck!

– ⚽ „Das Riesenreich“. Wann immer Russland mit dieser abgenutzten Phrase beschrieben wird: Trink einen Schluck!

– ⚽ Die Alliterationshölle. Jedes Mal, wenn jemand „der Rubel rollt“ sagt: Trink einen Schluck!

– ⚽ Ist hier Polen? Jemand behauptet, „Prost“ heiße auf Russisch „na sdorowje“. Trink einen extragroßen Schluck!

– ⚽ Kyrillisch-Missbrauch. Es werden kyrillische Schriftzeichen eingeblendet, aber so verwendet, als wären es deutsche – я als R, д als A. Betäube den Schmerz mit einem Schluck!

– ⚽ Die Fischeier. Jemand isst Kaviar. Trink einen Schluck!

– ⚽ Das Schnäpschen. Jemand trinkt Wodka. Lass ihn nicht allein und trink einen Schluck!

– ⚽ Die Schappka Uschanka: Jemand hat eine Fellmütze an. Trink einen Schluck!

– ⚽Der Hattrick. Jemand isst Kaviar, trinkt Wodka und hat eine Fellmütze auf. Trink dein Glas leer!

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Günter aus Stuttgart soll Touristen nach Russland locken

Wie soll man sie nach Russland locken, diese Deutschen? Die Werbeagentur „Stereotactic“ hat sich das gefragt, und ihre Antwort heißt: Günter. Persönlich finde ich das erst mal nachvollziehbar, ich komme aus einer Familie mit hoher Günter-Dichte. Um allerdings auch andere Familien zum Russlandurlaub zu animieren, braucht das Video dann doch noch ein paar weitere Argumente.

Günter aus Stuttgart, der für diesen Namen eigentlich ein wenig zu jung ist, muss also deutsche Klischees abbilden. (Schön zum Vergleich: Das Video derselben Agentur für die chinesische Zielgruppe.) Dass er nicht einfach ins Blaue reist, sondern einen Plan abarbeitet, versteht sich also von selbst.

FeelRussia | Gunter from STEREOTACTIC on Vimeo.

Günter aus Stuttgart hat alles vorher recherchiert und gebucht.  Günter aus Stuttgart zählt auf dem roten Platz Kremltürme und Soldaten. Günter aus Stuttgart hakt ab, was er erledigt hat. Und dann dreht Günter aus Stuttgart durch und macht mal was ganz was Verrücktes. Botschaft an die Deutschen: Kommt nach Russland, dann müsst ihr endlich nicht mehr so deutsch sein.

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Wir sind Journalisten

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Tag zwei und schon sind die mitgebrachten Vokabelkarten alle vollgeschrieben. Wo kann man die denn nachkaufen? Olga korrigiert erst mal von Karte auf Kärtchen, schließlich sind die Russen ähnlich große Fans des Diminutivs wie die Niederländer. Also: Wo kaufen, die Kärtchen? „In Kaliningrad? Nirgends“, sagt sie. „Das ist ein Problem.“

Problematisch fühlen sich auch manche Übungen an: ein langhaariger Mann im T-Shirt, mit Bart und prominenter Nase, daneben ein Anzugträger mit Schnäuzer – und die Aufgabe, sie aufgrund der Bilder zu beschreiben. Geliefert werden dazu nicht nur Vokabeln für Haare, Augen, Gesicht, sondern auch direkt für den Charakter. Seltsam, das. Als kleinstmögliche Form von Gegenwehr also die Sätze zur Optik zwar mit „Er hat…“ angefangen, die zum Wesen dagegen mit „Ich glaube, dass…“ Keine Ahnung, ob das irgendwas besser macht.

Dann doch lieber die Klischees über einen selbst. In der Übung zu Possesivpronomen tauchen Berufe und ihre zugehörigen Gegenstände auf, nach dem Sparkassenspot-Prinzip: Du bist Sekretär. Dein Stuhl, Dein Fax, Deine Dokumente. Sie sind Direktor. Ihr Auto, Ihre Idee, Ihr Geld.

Besonders schön, und darum hier als komplette Liste: Was bei der Übung auf „Wir sind Journalisten“ folgt.

Unsere Zeitschrift.
Unsere Zeitung.
Unser Computer.
Unsere Nachrichten.
Unser Geld.
Unsere Zigaretten.

Auf Nachfrage liefert Olga dann noch das Wort für „Kartenspiel“ nach. Und („Das gehört zum russsischen Journalisten-Klischee!“) den Begriff Кожаная куртка. Auf Deutsch: Lederjacke.

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