Deutsche Post-Agentur, Moskauer Filiale

dpa kscheib briefkästen

„Es gibt nur zwei Kräfte, die Licht in alle Ecken der Welt bringen“, hat Mark Twain mal geschrieben, „die Sonne am Himmel, und die Associated Press hier unten.“ Keine Rede von dpa, aber gut. Konnte er ja nicht wissen, dass die 2018 mal dafür sorgen, dass hier in Moskau Post richtig ankommt.

Eventuell habe ich das ein oder andere Mal erwähnt, dass die Russische Post kein Ausbund an Zuverlässigkeit ist: Sie bringt zwar wunderhübsche Briefmarken raus, das restliche Kerngeschäft ist weniger erfreulich: Post nach Deutschland kann mehrere Wochen dauern, Post nach oder gar innerhalb von Russland kommt gerne mal kaputt oder auch gar nicht an (ja, auf die Kölner Weihnachtpost aus dem Jahr 2015 warten wir immer noch).

„Wir hatten mit Post nach Russland noch nie Probleme, lassen Sie es uns probieren “ sagt irgendwann Mitte November ein Optimist in Stuttgart, als wir telefonieren. Während der WM habe ich für seine Redaktion gearbeitet, nun geht es um die Abrechnung. Ich schweige taktvoll, bitte ihn ein paar Wochen später, mir das (natürlich nicht angekommene) Ding als PDF zu schicken, und denke nicht mehr weiter darüber nach.

Weihnachten komt, Weihnachten geht, die Gäste für Silvester sind schon eingeladen, da klingelt es. Nein, kein Postbote – oder wenn, dann nur nebenberuflich, als Freundschaftsdienst: F., unser Nachbar und für dpa hier in Moskau, steht vor der Tür, mit meinem Brief aus Stuttgart. Und so schön es ins Erzählschema passen würde, wenn die russische Post es wieder mal verbockt hätte – diesmal scheint sie, ganz im Gegenteil, mitgedacht zu haben.

Denn auf dem Umschlag stehen zwar meine Straße und Hausnummer, aber die gilt für ein ganzes Gelände mit mehreren hundert Wohnungen und Büros. Die Nummern für Korpus (Wohnblock) und Kwartira (Wohnung) fehlen. Andererseits: Post aus dem Ausland ist auf unserem Compound nicht selten, viele Journalisten und Diplomaten leben hier, etliche Redaktionen haben hier ihre Räume – Associated Press irgendwo nebenan, dpa einmal quer über den Hof.

Hm, ein Brief aus Deutschland. Da gibt es doch hier diese eine Firma, die heißt doch auch irgendwie mit „deutsch“ – so mag es sich der freundliche Postzustellmensch gedacht haben. Also hat er den Brief in das Haus getragen, in dem dpa sitzt – und dort oben auf die ganzen Postfächer gestellt. Den Rest hat dann ein freundlicher dpa-Redakteur im Rahmen der Nachbarschaftshilfe übernommen. Kaum fünf Wochen nach dem Absendedatum in Stuttgart, und der Brief liegt, entgegen aller Erfahrungswerte, bei mir auf dem Tisch.

Es gibt nur zwei Kräfte, die Post in alle Ecken Moskaus bringen: die Russische Post, und auf den entscheidenden letzten Metern dann dpa.

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Günter aus Stuttgart soll Touristen nach Russland locken

Wie soll man sie nach Russland locken, diese Deutschen? Die Werbeagentur „Stereotactic“ hat sich das gefragt, und ihre Antwort heißt: Günter. Persönlich finde ich das erst mal nachvollziehbar, ich komme aus einer Familie mit hoher Günter-Dichte. Um allerdings auch andere Familien zum Russlandurlaub zu animieren, braucht das Video dann doch noch ein paar weitere Argumente.

Günter aus Stuttgart, der für diesen Namen eigentlich ein wenig zu jung ist, muss also deutsche Klischees abbilden. (Schön zum Vergleich: Das Video derselben Agentur für die chinesische Zielgruppe.) Dass er nicht einfach ins Blaue reist, sondern einen Plan abarbeitet, versteht sich also von selbst.

FeelRussia | Gunter from STEREOTACTIC on Vimeo.

Günter aus Stuttgart hat alles vorher recherchiert und gebucht.  Günter aus Stuttgart zählt auf dem roten Platz Kremltürme und Soldaten. Günter aus Stuttgart hakt ab, was er erledigt hat. Und dann dreht Günter aus Stuttgart durch und macht mal was ganz was Verrücktes. Botschaft an die Deutschen: Kommt nach Russland, dann müsst ihr endlich nicht mehr so deutsch sein.

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