Russball, Folge 54: Die WM hat ihr erstes Wunder

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Heute gilt’s, Deutschland spielt gegen Südkorea – wenn ihr das hier lest, mache ich wahrscheinlich in einem kleinen AirBnB in Kasan gerade die erste Tasse Tee des Morgens. Trotzdem müssen wir noch mal über das Schwedenspiel reden. Da stehen wir also auf dem Fan Fest oben an der Lomonossow-Uni mit Freunden, ein paar im Trikot, zwei haben eine große Fahne mitgebracht. Ich fühle mich 30 Prozent schuldig wegen des Lärms, den wir den Studenten zumuten, 30 Prozent nervös, 40 Prozent froh, an einem der schönsten Orte der Stadt zu sein und 20 Prozent dankbar, dass es so eine laue Sommerabendstimmung ist. Ja, das sind 120 Prozent. Ist halt ein besonderer Abend.

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Besonders, weil wir schon vor dem Anpfiff alle paar Minuten von russischen Fans angesprochen werden, die dringend ein gemeinsames Foto wollen, mit uns und mit der Fahne. Einer von ihnen hat ein Kreuz so breit wie ein Fußballtor und Hände so groß wie der Kopf von Manuel Neuer – jedenfalls kommt mir das so vor, denn ich sitze auf dem Boden und er steht. Deutschland, sagt er, klasse, sagt er, er kann auch ein Wort Deutsch, warte: Coburg! Coooburg, da ist er mal gewesen, jetzt bitte lächeln. Seinem Kumpel fällt es bereits deutlich leichter, die Kamera zu fokussieren als den eigenen Blick. Aber dass Deutschland das Ding hier natürlich gewinnt, das wollen sie uns noch mit auf den Weg geben. So geht das alle paar Minuten. Fahne, Lächeln, Foto, Deutschland schafft das! Und wir so: Noch ein Foto, na gut, hoffentlich habt ihr Recht, toitoitoi gegen Uruguay.

Bis zum Anpfiff ist unser Grüppchen gewachsen. Michail stößt dazu, den ich mal bei einer Reportage kennengelernt und nun zufällig hier getroffen habe – damals war er noch „Herr Antonov“, aber wenn man nebeneinandersteht und nebeneinanderleidet, wer siezt sich da? Dann setzt, nach einigen Spielminuten, diese russische Frauenstimme hinter uns ein: „Links! Spiel nach links! Los jetzt! Schießen, du musst schießen.“ Die Frau zur Stimme heißt Natalia, als das Spiel wegen Nasenbeinbruch unterbrochen ist, diskutiert sie hitzig mit Michail, wer der beste deutsche Fußballer aller Zeiten ist. Schweinsteiger, sagt sie. Müller, also Gerd, hält er dagegen.

Die letzten Spielmomente muss ich hier nicht beschreiben. Schon aber, dass es danach komplett unmöglich wird, auch nur ein paar Schritte Richtung Ausgang zu gehen. Alle paar Meter Schulterklopfen, Fotobitten, besonders charmant von zwei Frauen: Nein, danke, nicht ihr mit aufs Bild – nur die Fahne. Irgendwann wird sie eingepackt, damit wir überhaupt vorankommen. Im Shuttlebus heimwärts ist der deutsche Sieg plötzlich komplett egal, denn es sind Mexikaner anwesend, große Begeisterung.

Kurze mexikanische Musikeinlage, dann übernehmen die Russen, singen die Nationalhymne, „Katjuscha“ und ein Lied, dass ich irgendwann mal hier im Chor gelernt habe, wo jemand auf dem Pferd durch die Nacht reitet und Russland liebt. Auf den letzten paar Metern heimwärts dann noch dieser eine Mann, der uns sieht, die Faust hebt, und „Krooos!“ ruft – das kann sich alles gerne heute Abend in Kasan noch mal so anfühlen.

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⚽ Der ein oder andere, der sich auch abseits der WM für Russland interessiert, hat vielleicht schon mal gehört, dass das hier ein Land ist, in dem gelegentlich Wunder geschehen – vor allem in Sachen Infrastruktur. Eine Müllkippe behelligt seit Jahrzehnten die Menschen im Umland mit Gestank und Sorgen um Schlimmeres – ein Anruf bei Putins Telefon-Fragestunde, und das Ding wird dichtgemacht. Die Schneehaufen vor deiner Tür werden einfach nicht geräumt? Schreib „Nawalny“ drauf, und weg sind sie!

Auch die WM hat nun ein solches Wunder, es geschah in der Gastgeberstadt Nischni Nowgorod. Russlands Straßen sind, jedenfalls abseits von Metropolen wie Moskau oder St. Petersburg, berüchtigt für ihren schlechten Zustand. Schlaglöcher führen hier regelmäßig zu Protestaktionen. In Nischni hatte sich nun ein Prachtexemplar aufgetan, so groß, dass angereiste Fußbalfans darin (!) für Fotos posierten. Es kam, was nach so viel öffentlicher Aufmerksamkeit kommen musste, berichtet Lentatsch: Ein Tag später, und das Ding war aufgefüllt. Ein Loch weniger in Nischni. Ein Wunder!

⚽ Der Beweis, dass die Kategorie „Arschloch“ keiner einzelnen Nationalität vorbehalten ist, haben in den ersten WM-Tagen sowohl Briten als auch Russen angetreten. Fans beider Staatsangehörigkeiten wurden dabei beobachtet, wie sie in Wolgograd Nazi-Lieder sangen und den Hitlergruß zeigten. Immerhin: Die Briten hat man nach der Heimreise erwischt, zwei von ihnen dürfen für drei bzw. fünf Jahre kein Spiele der englischen Nationalmannschaft mehr besuchen, bei zwei weiteren steht die Entscheidung noch aus.

⚽ Es ist nicht das erste Mal bei dieser WM, dass mir eine Grafik von Reuters begegnet, die irgendwie schick aussieht, bei der ich aber auf Anhieb nicht so richtig verstehe, wozu sie gut ist. Auch diese fußballförmige Visualisierung hier ist ziemlich komplex, man muss sich durch einiges an Erklärungen scrollen, um zu begreifen, wie sie funktioniert.

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Dann allerdings ist sie ziemlich spannend, hat einen hohen Spielwert und beantwortet viele Fragen: Bei welchen Vereinen spielen die WM-Fußballer, sortiert nach Kontinent? Wer aus dem Schalker Kader ist der Nationalspieler mit den meisten Länderspielen, und für welches Land spielt er? In welchen Ländern der Welt sind Spieler aus Südkorea als Legionäre im Einsatz? Kann man sich gut bookmarken für demnächst, wenn das mit den spielfreien Tagen losgeht.

⚽ Was merkt man von der Fußball-Weltmeisterschaft, wenn man in keiner der Gastgeberstädte ist, sondern tief in der russischen Provinz? Jana George lebt seit einem guten Jahr in Stawropol, 1500 Autokilometer südlich von Moskau im Nordkauksus. Sie unterrichtet dort Deutsch und bloggt außerdem über den Alltag, wie ihn ihre deutsch-russische Familie dort erlebt.

An ihrem aktuellen Blogpost „Fußball in Stavropol? Es geht um die Wurst!“ fand ich vor allem interessant, wie teuer es ist, wenn man seine Kinder zum Fußballtraining anmelden will, und warum das so ist. Da blickt man auf die Nachwuchsprobleme, die der russische Fußball hat, noch mal mit ganz anderen Augen. Lesenwert, diese Notiz aus der Provinz – auch wegen der Rätselfrage am Schluss.

⚽  Wie gut klappt das hier in Russland derzeit mit der Verständigung, also: sprachlich gesehen? Was man so hört, ist es weniger ein Fall von „All die Englisch-Fortbildungen für Bahnschaffner und Metro-Kassiererinnen haben sich echt ausgezahlt“ und eher ein Fall von „Naja, nach zehn Minuten kam zufällig jemand vorbei, der Englisch sprach, der hat dann geholfen.“ Einmal war dieser Jemand offenbar Jewgeni Feldman, ein bekannter russischer Fotograf.

Er berichtet von einer Bahnfahrt zwischen den WM-Gastgeberstädten Nischni Nowgorod und Saransk: „Der Zug war voller Ausländer. Die Schaffnerin sprach kein Englisch. Schließlich habe ich die Bettwäsche verteilt, erklärt, dass man sie hinterher zurückgeben muss, und die Leute auf den elektronischen Passagierlisten abgehakt.” Merke: Nicht jeder freiwillige Helfer hat eine offizielle Volunteer-Uniform an.

⚽ Im Moment sind ja ziemlich viele Isländer in Russland, mindestens einer von ihnen wird nach der WM dauerhaft hier bleiben: Hörður Björgvin Magnússon spielt in der kommenden Saison bei ZSKA Moskau, für zweieinhalb Millionen Euro trennt sich Bristol City von ihm. Falls der Name dem ein oder anderen bekannt vorkommt: Ja, das ist der Mann, der beim Spiel gegen Argentinien dafür zuständig war, Lionel Messi zu stoppen.

⚽ Mir ist ein Lied begegnet für die Leute, die mit Fußball überhaupt nichts anfangen können. Es ist schon ein paar Jahre alt (man merkt’s vor allem an der Frisur der Sängerin), aber gut, die großen Gefühle sind ja zeitlos. Und so singt sie denn, Irina Otijewa: „Ich hasse Fußball, ich kann das nicht gucken, ich kann da nicht mitfiebern. Er ist schon wieder mit blauen Flecken heimgekomen und mit einer zerrissenen Hose. Ich hasse Fußball, entschuldige, aber was ist das für ein Spiel? Man braucht wenig Verstand, um Leuten die Beine zu brechen.“

⚽ Was man hier im Stadion bei den WM-Spielen so zu essen bekommt, ist beliebig und langweilig: Popcorn, Hot Dogs, labbrige Baguettes in den Varianten „Schinken-Käse“ und „irgendwas Gemüseartiges“, Erdnüsse. Aber immerhin, eine authentisch russische, besondere Kleinigkeit hat es aufs Menü geschafft: Lebkuchen aus Tula. Die Stadt ist für zwei Dinge bekannt, Lebkuchen und Samoware, aber wer will im Stadion schon Tee trinken. Also sind es die Lebkuchen geworden, mit süßer Füllung, und was soll ich sagen: Die Fans scheinen da ziemlich drauf abzugehen.

⚽ Das Gefühl, wenn du etwas versuchst, in Worte zu fassen, und dann kommt jemand anderes und bringt es besser auf den Punkt – das hat mir unlängst Alice Bota beschert. Sie ist für die ZEIT hier in Moskau, und wir haben beide zu beschreiben versucht, wie sich unsere Stadt in diesen Tagen anfühlt – vor allem, wenn man bedenkt, dass hier gerade angereiste Fans Freiheiten haben, von denen dauerhaft hier lebende Russen nur träumen können.

Und nein, das wird hier jetzt kein fishing for compliments, ich bin mit meiner Variante, „Die Freiheit der anderen“ zufrieden. Aber den Text von Alice, „Russen, was ist los mit euch?“, finde ich sprachlich einfach wunderbar, zum Beispiel diese Einschätzung hier: „Dieser freundliche kleine Ausnahmezustand wird womöglich ein paar Fragen aufwerfen.“

⚽  Was übrigens auch am Rande zu diesem Thema gehört: Wie viel höflicher, freundlicher, professioneller die Leute in allerlei Dienstleistungsjobs derzeit hier in Russland sind. Das merkt man, auch am Flughafen:

⚽ Eigentlich versucht die russische Regierung ja gerade, während alle mit der Weltmeisterschaft beschäftigt sind, eine Erhöhung des Rentenalters durchzudrücken. In der Hoffnung, dass es weniger Widerstand gibt, weil alle Fußball gucken und sich für Politik in diesen Wochen nicht interessieren. Allein, der Trick scheint nicht zu funktionieren. Eine aktuelle Umfrage zeigt: 26 Prozent der Befragten sehen zwar die WM als wichtigstes Ereignis der vergangenen Woche, aber 25 Prozent die Rentenpläne, das Thema wird also durchaus wahrgenommen.

Gleichzeitig rutschen die Zustimmungswerte für Präsident Putin in allen abgefragten Kategorien deutlich nach unten. So sagen aktuell nur noch 67 Prozent, dass sie ihm vertrauen und 69 Prozent sind mit seinem Handeln zufrieden. Beide Werte lagen in der Vorwoche noch bei 75 Prozent. Parallel laufen Vorbereitungen für Demos gegen die neue Rentengesetzgebung in mindestens sieben russischen Städten.

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Was noch fehlt: Ein Text aus der Irish Times, der mir in den vergangenen Tagen öfter begegnet ist, immer mit Kommentaren in dieselbe Richtung: Wann, wann, wann stirbt endlich dieser Irrglaube unter englischsprachigen Journalisten aus, dass „Vlad“ die Kurzform von „Vladimir“ ist? Vlad ist ein eigener Name, noch dazu rumänisch, nicht russisch. Wer Wladimir abkürzen möchte, sagt „Wowa“.

Wenn die Times also „Thanks Vlad for a World Cup full of contradictions“ und damit Putin meint, ist das, als wolle man Angela Merkel danken und schreibe deshalb „Danke, Anke“. Trotzdem soll der Text hier verlinkt sein. Weil er unterm Strich mehr interessante Beobachtungen und Einordnungen liefert als die Überschrift nervt.

Mehr dann nächste Woche – bis dann, macht’s gut, und viel Spaß beim Gucken des Kasan-Spiels heute Abend!



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Tula, das Bielefeld von Russland

Tula Lenin Kreml

Die Bielefeldverschwörung ist inzwischen ja so verbreitet, dass quasi keine Radiomoderation mehr ohne auskommt. Ach Bielefeld, haha, gibt’s das also doch? Am Wochenende war ich in Tula, zwei Zugstunden von Moskau, und bin dabei zu der Erkenntnis gekommen, dass es auch Tula möglicherweise nicht wirklich gibt.

Oder genauer: Dass Tula keine Stadt ist, sondern eine Simulation, die prüfen soll, wie gelassen man russischen Absurditäten so begegnet. Ein Ort, wo immer wieder Dinge anders laufen, als es der westlich sozialisierte, bestenfalls an die Metropole Moskau gewohnte Menschenverstand vermuten lässt. Und wo dann dezent protokolliert wird, wo auf der Skala zwischen „Die haben doch den Schuss nicht gehört“ und „Hach, Russland. Immer für eine Überraschung gut“ die Reaktion des Besuchs liegt.

Das Hotel

Gute Online-Bewertungen, freundliche Rezeptionistin, alles tiptopsauber, das Zimmer so groß, dass man eine Schlafcouch reinstellen und zu viert dort übernachten könnte. Und dann noch die Aussicht auf so ein richtig schönes Hotelfrühstück. Nur, dass halt der Lift kaputt ist (kein Schild, aber nach einigen Minuten Handygucken im Morgentran merkt man es ja irgendwann) und keine Treppe in Sicht. Aber gut, das Zimmermädchen da hinten hat einen Wagen, also wird sie doch sicher… voilà: Personalaufzug!

Unten dann eine Mischung aus Russischem (Kascha, Blini, Sirniki) und wildem, international gemeintem Mix (Chocolate Chip Cookies, Bratwürste, Schafskäse mit Oliven). Für den Alibisalat bastle ich mir ein Dressing, schließlich steht hier der übliche Ständer mit einer hellen und einer dunklen Flüssigkeit. Hinsetzen, probieren, bäh! „Entschuldigung, aber ich glaube, da ist ein Fehler passiert. In den Flaschen da, das ist nicht Öl und Balsamico, sondern Öl und Sojasauce.“ – „Ja, stimmt, das ist Sojasauce. Das wissen wir.“ – „Hm, okay, ich glaube, viele Gäste würden sich über ein Schildchen freuen.“ – „Ja? Okay, machen wir Schilder dran.“

Mit demselben Impuls, der andere im Flugzeug Tomatensaft trinken lässt, frage ich noch, ob der leere Teller mit Eggs Benedict wieder aufgefüllt wird oder ich zu spät dran bin. Nein nein, fünf Minuten! Schon nach drei steht eine freundliche Kellnerin am Tisch und bringt eine Untertasse, darauf ein Toast, darauf eine halbe Scheibe Schinken, darauf ein Ei, darauf ein Klecks Hollandaise, natürlich mit Haut, denn das hier ist: kalt. Nicht „vor zehn Minuten zubereitet und dann abgekühlt“, sondern „lieber Gast, hier für dich auf den Tisch, frisch aus dem Kühlschrank“.

Serviert mit demselben großäugigen Enthusiasmus, mit dem einem Kinder Gemaltes vorlegen und warten, dass man darin den Walfisch/das Sturmtief/die Schokotorte erkennt. Und der es unmöglich macht, nicht mindestens ein paar Anstandsbissen kaltes Ei mit schnittfester Sauce zu essen.

Der Kreml

Ja, auch andere Städte als Moskau haben einen, und der von Tula ist klein und in der Wintersonne wirklich ausnehmend schön. Man geht einfach durch den Torbogen und ist auf dem Gelände. Angeblich soll es hier aber auch ein Museum geben, ach, da ist ein Schild zum Ticketverkauf. Klug haben sie das gemacht mit dem Ticketkiosk am Ende der Reihe kleiner Läden, alle offen, alle einladend. Samoware, Lebkuchen, Schnitzereien.

Tula Kreml

Nur der Ticketladen ist natürlich geschlossen, wohl dauerhaft, wie der Blick durchs Fenster zeigt: ein leerer Stuhl mit leerem Tisch und leeren Regalen. Ach so, und da links, auf einem zweiten Stuhl: eine Frau, die diesen leeren Laden bewacht. Weil in Russland jede Rolltreppe, jede Schranke und jedes Garagentor halt jemanden braucht, der sie hütet. An die Scheibe klopfen also? Oder statt Museum einfach in die Wintersonne setzen und was lesen? Einfache Entscheidung.

Der Bahnhof

Der Bahnhof von Tula ist der Beweis, dass es Russland schafft, parallel in verschiedenen Jahrhunderten zu existieren. Im für jeden zugänglichen Wartesaal gibt es hohe Decken, wallende Gardinen, kränkliche Grünpflanzen und gleich mehrere Steckdosen mit dem Schild: „Gadget-Aufladepunkt“. Ja, okay, daneben hängt ein Disclaimer, der ein ganzes A4-Blatt füllt (Spannungsschwankungen, Haftungsausschlüsse), aber hey: Sowas müssen deutsche Bahnhöfe erst mal nachmachen.

Tula Bahnhof Steckdose

Die Toiletten sichern unterdessen zwei Arbeitsplätze, den der Putzfrau und den der Kartenverkäuferin. In einer Art Vorhof, umringt von Deko-Zaun und weiteren Grünpflanzen, sitzt sie in einer Kabine, nimmt die 20 Rubel Gebühr entgegen und händigt dafür eine Quittung aus. Dann zeigt sie vor sich auf die kleine Fensterbank ihres Häuschens, in die ein Kugelschreiber aufrecht hineingerammt wurde und so eine Rolle tiefgraues, einlagiges Klopapier festhält. „Nehmen Sie sich was mit,“ sagt die Frau. Was sie nicht sagt: Die Toiletten sind allesamt von der Loch-im-Boden-Variante.

Gadget-Ladepunkt: 2016. Toiletten: 1916, bestenfalls. Die haben doch den… äh… hach, Russland. Immer für eine Überraschung gut.

Tula Bahnhof Toilette

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