Andrea Yu macht was mit Medien

Der wichtigste Name beim Parteikongress in Peking? Xi Jinping, natürlich. Der mit der skurrilsten Geschichte? Möglicherweise Andrea Yu aus Australien. Vier mal durfte sie bei Kongress-Pressekonferenzen eine Frage stellen – „ganz bestimmt ein Rekord für ausländische Journalisten“, frotzelt die New York Times. Denn normalerweise kommt vor allem der mit einer Frage zu Wort, der nicht allzu kritisch ist, sondern den Mächtigen eine gute Vorlage zum Schaulaufen gibt.

Bisher waren das meist chinesische Journalisten, nun also Andrea Yu. Warum? Weil sie immer am selben Platz sitzt und Blickkontakt hält – so hat Yu das dem Wall Street Journal begründet. Dann aber doch nachgelegt: „Sie wissen, dass meine Fragen sicher sind.“ Denn ihr Arbeitgeber, CAMG, klingt ausländischer, als er es ist. Stephen McDonell, China-Korrespondent des australischen Fernsehsenders ABC, hat Yu interviewt, und in dem Gespräch bestätigt sie: Das Unternehmen ist in chinesischem Besitz. Kollegen geben Yu die Fragen vor, die sie zu stellen hat – auch das räumt sie ein. Das ganze Interview von McDonnell mit Yu zeigt deutlich: Hier sind zwei Gesprächspartner. Einer davon ist Journalist.

Eine Regierung, die sich nun also auch ausländische „Journalisten“ als Stichwortgeber heran holt. Eine junge „Journalistin“, die sich als westliches Gesicht zur Legitimation einer Schau-PK hergibt. Und, als wäre das nicht absurd genug, auch noch ein Unternehmen, das diese seine Angestellte via Twitter als „what a babe!“ feiert, weil sie – unter anderem Namen – auf einem Zeitschriftencover posieren darf.

Ob nun Andrea Yu oder als Andrea Hodgkinson – sollte sie eine journalistische Karriere anstreben, muss sie ab jetzt damit leben, dass diese Episode findet, wer ihren Namen googelt. Der Tweet, der ihren Einsatz als Cover-Girl feiert, ist inzwischen gelöscht. Bei der staatlichen Zeitung „People’s Daily“ sind sie allerdings wohl derselben Meinung wie bei CAMG, was Yus Babe-ness angeht. Hier landete sie in der Fotostrecke „Beautiful Scenery“ (Bild 7). Schöne Kulisse, definiert vom Staatsmedium als: „Hostessen, Reporterinnen und Delegierte.“

 

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