Ein duPont für Coda, oder: Wenn du nicht weißt, wie du gucken sollst

Grafik: Columbia Journalism School
Grafik: Columbia Journalism School

Da saßen wir also in einem Konferenzraum in der Fabrika, dem vermutlich angesagtesten Bürogebäude von Tiflis. Draußen: Graffiti, Bänke mit bärtigen Hipstern, Frauengrüppchen auf Zigarettenpause. Drinnen: ein Dutzend Leute, aber nur zwei Gesichtsausdrücke. Ungläubige Begeisterung bei den Amerikanern und Briten im Team. Komplette Ahnungslosigkeit bei den anderen, also auch bei mir.

„Wir haben den duPont gewonnen“, hatte einer der beiden Coda-Chefs gerade gesagt. Es sollte das Zückerchen zum Ende einer Sitzung sein, in der wir vor allem darüber gesprochen hatten, was wir im kommenden Jahr so machen wollten. „Clash of Narratives“ fortsetzen zum Beispiel, die Doku-Reihe, die ein Thema anhand zweier Protagonisten mit entgegengesetzten Blickwinkeln erzählt. Vielleicht mal eine Graphic Novel ausprobieren. Mehr Leute erreichen, die unser kleines, noch recht junges journalistisches Projekt noch nicht kennen. Sowas halt.

Ein duPont also, soso, aha, vielleicht kann ich das schnell dezent unterm Tisch googeln? Nicht nötig, denn schon folgten die Erklärungen der Kollegen: „Wie der Pulitzer, nur für Radio und Fernsehen.“ – „Jeder Journalist in den USA kennt den.“ – „Erinnerst du dich an Serial? Die haben den letztes Jahr bekommen.“

Seitdem weiß ich, dass der duPont eine große Nummer ist. Dass ihn auch eine kleine Redaktion gewinnen kann, wenn sie sich ein starkes Thema und die richtigen Verbündeten sucht. Coda wurde ausgezeichnet für einen Podcast über schwulenfeindliche Gruppen in Russland, entstanden ist die Sendung zusammen mit den Kollegen von Reveal, einer Abteilung des Center for Investigative Reporting.

Hier erzählen die Kollegen, wie sie das Thema angegangen sind, vor welchen Gefahren sie sich schützen mussten, und wie es weiterging, seit der Podcast veröffentlicht wurde.

Die ganze Podcast-Folge kann man sich hier anhören. Ab morgen ist es dann eine preisgekrönte Podcast-Folge, denn heute Abend werden die duPonts in New York verliehen und bei Facebook live übertragen. Und der richtige Gesichtsausdruck wird sich diesmal garantiert von selber einstellen.

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