Quantified Self Beijing – wenn Menschen sich messen

Zweimal am Tag horcht Polly Yang in sich hinein. Ob sie gerade froh ist oder traurig, vertraut die 17-Jährige aus Peking dann einem kleinen Panda an. „Mood Panda“ heißt das Programm, mit dem Polly ihre Gefühle festhält und sich so einen Überblick verschafft. „Meine Stimmung verändert sich oft“, erzählt sie, zum Beispiel, wenn eine schlechte Schulnote sie runterzieht. „Drei Tage fröhlich am Stück, das war in diesem Monat bisher das längste.“

Polly Yang

Kennengelernt haben wir uns bei „Quantified Self Beijing„, der ersten chinesischem Konferenz nach dem „Quantified Self„-Prinzip. Bei dieser Idee der beiden Wired-Mitarbeiter Gary Wolf und Kevin Kelly geht es darum, dass Menschen ihr Leben protokollieren. Ihre Herzfrequenz, ihre Ernährung, ihre Schlafzeiten, ihre Stimmung wie Polly.

Seth Roberts zum Beispiel – Psychologieprofessor an der Tsinghua-Universität, Diät-Erfinder, Bestsellerautor und Eröffnungsredner bei der Konferenz heute in Peking – hat täglich Leinöl gegessen und parallel festgehalten, wie gut er auf einem Bein die Balance halten kann. Weltbewegend? Vermutlich nicht. Interessant aber allemal, die Akribie, mit der sich „Quantified Self“-Leute selbst zum Forschungsthema machen.

„Wir alle lieben Daten“, sagt Polly über sich und die vier Mitschüler, mit denen sie unter Anleitung ihres Lehrers Wallen Mphepö die Konferenz organisiert hat. Ein Großprojekt, kurz vor dem Schulabschluss. Es soll sich gut auf dem Lebenslauf machen, wenn Polly sich für einen Studienplatz an amerikanischen Unis bewirbt. „Perfekt wäre, wenn ich nach Berkley gehen könnte“, sagt sie. Dann gäbe es bei ihrem „Mood Panda“-Account mehr als nur drei fröhliche Tage in Folge.

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