Putin der Woche (XLVIII)

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Gesehen: Auf der Crowdfunding-Seite von Wjatscheslaw Nesterow. Der Künstler plant einen Kalender namens „Putin für jeden Tag“, der bis zum Jahr 2120 gelten soll – wenn auch nur mit einem Eintrag pro Jahr.

Begleitung: Ein Dinosaurier im Handtaschenformat. Wobei mir das Bild, wo Putin mit einem Ameisenbär Gassi geht, fast noch besser gefällt.

Text: Ein Eintrag pro Jahr, ein Blick in die russische Zukunft – das klingt dann zum Beispiel so: „2016: Das Problem mit der Korruption ist gelöst. Sie ist nun legal und steuerpflichtig.“ – „2030: Die russische Fußball-Nationalmannschaft gewinnt den Hauptpreis im Sportlotto.“ – „2033: Die Ägäis wird in Nicht-gay-is umbenannt“.

Noch Fragen? Die beantwortet der Künstler selbst: „Keine dieser Illustrationen hat einen politischen Kontext. Wenn Sie hier einen entdecken, dann sind das nur Ihre eigenen Gedanken, aber nicht die Gedanken von Wjatscheslaw Nesterow, der hat keine Gedanken.“

Subtext: Im März wird Putin mal wieder wiedergewählt – richten wir uns also besser darauf ein, dass das noch lange so bleibt.

Oben-Ohne-Punkte: 0/10

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Russball, Folge 16: Liverpool, Spartak und sowjetische Kunst

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Diese Russball-Folge beginnt mit einem „herzlich willkommen“ an alle neuen Leser. Falls ihr wegen des Facebook-Posts von Franziska Bluhm hier seid, freut mich das sehr – ein Lob für ein Digitalprojekt ausgerechnet von Franzi, da geht man schon etwas aufrechter. Wenn da nur nicht dieser Druck wäre, dass diese Ausgabe dann natürlich besonders gut werden muss… Besser nicht weiter drüber nachdenken, sondern loslegen.

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⚽  Sehr schöne Aktion, die sich der FC Liverpool vor seiner Abreise nach Moskau hat einfallen lassen: Unter dem Hashtag #MyLFCMatchdayImage konnten Fans ihre Bilder zum Champions-League-Spiel gegen Spartak Moskau twittern, aus den vier besten wählten die Twitter-Follower dann ihren Favoriten aus. Gleich mehrere Motive bedienen sich bei sowjetischer Plakatkunst, das hier ist mein Lieblingsbild (und was für einen großartigen Namen hat sich denn bitte der Fan hinter diesem Bild ausgedacht: „Jürgeneedabiggerboat“ – das musste ich, Klopp hin oder her, mir auch erst mal laut vorsprechen):

Das eigentliche Spiel war dann eher mittelinteressant, will sagen: Es hat nicht nennenswert dabei gestört, sich mit den anderen Mitguckern zu unterhalten. Immerhin, 1:1, das freut natürlich Spartak mehr als Liverpool. Außerdem habe ich zwei Dinge zum ersten Mal gesehen: 8 (in Worten: acht) Minuten Nachspielzeit und eine Art Golfwägelchen, in dem die verletzten Spieler vom Rasen runter chauffiert werden. Für diesen Zuschauer eine klare Sache: „Ein neuer Service von Uber.“

⚽  Eine Runde Moskauer Stadtnachrichten: Zum einen hat Tatjana Potjajewa, die städtische Ombudsfrau für Menschenrechte, erheben lassen, wie viele rassistische Vorfälle es rund um die Moskauer Fußballstadien seit 2014 gegeben hat: knapp 100, beteiligt waren sowohl Fans als auch Spieler. Nun hat die Ombudsfrau vorgeschlagen, dass bei Fußballspielen in Zukunft spezielle Beobachter eingesetzt werden, die bei Fällen von Rassismus oder anderer Diskriminierung den Schiedsrichter informieren.

Die andere Stadtnachricht ist eine Prognose: Moskaus Tourismusbehörde hat mal durchgerechnet, wie viele Fußballfans im kommenden Jahr wohl zur WM anreisen, und da kommen schon ziemlich stolze Zahlen zusammen: Eine Million Fans erwartet Alexey Tichnenko, der die Behörde leitet – im Schnitt wahrscheinlich für einen Aufenthalt von drei Tagen. Dass die Zahl so hoch ist, liegt auch daran, dass Moskau aufgrund seiner Lage und der guten Flugverbindungen für viele Fans der erste Anlaufpunkt in Russland sein wird, von dem sie dann zum eigentlichen Spielort ihrer Mannschaft weiterreisen.

⚽  Wenn in Russland um den Pokal gespielt wird, machen das in den frühen Runden zunächst einmal die Teams der unteren Ligen untereinander aus. Im September steigen dann auch die Vereine der russischen Premjer Liga ein, und für eine ganze Reihe von ihnen ist die Sache nach nur einem Spiel auch schon wieder durch: Allein von den Top Vier der aktuellen Tabelle – Zenit St. Petersburg, Lokomotive Moskau, dem FK Krasnodar und ZSKA Moskau – hat es kein Verein in die nächste Pokalrunde geschafft, insgesamt flogen mehr Premjer-Liga-Klubs raus als weiterkamen.

Bemerkenswert ist, was Moskowski Komsomolez dazu schreibt. Offenbar hat der Pokal in Russland einen so niedrigen Stellenwert, dass viele Spitzenteams nicht allzu traurig sind, wenn sie früh wieder ausscheiden: „Von Jahr zu Jahr versuchen wir in dieser Turnierphase, die Vereine zu erwischen, die das Turnier sabotieren“, heißt es da. „Wir versuchen zu erkennen, wer gezielt nicht kämpft, nur mit einer Reservemannschaft aufläuft oder absichtlich den Sieg wegschenkt.“ Nach einer ausgiebigen Analyse kommt MK aber zum Ergebnis: Dieses Jahr haben die meisten Spitzenklubs tatsächlich aus Unvermögen verloren, nicht aus Absicht. Muss man vielleicht zweimal lesen, geht aber tatsächlich als gute Nachricht durch.

⚽  Die Kollegen von Championat.ru haben im Kalender geblättert und festgestellt, dass die aktuelle Liga-Saison zu genau einem Drittel vorbei ist. Darum haben sie eine kleine Rangliste der besten Spieler aufgestellt, sortiert nach Position. Gerankt werden allerdings nur diejenigen, die bei mindestens der Hälfte der bisherigen Begegnungen auch im Einsatz waren. Bei den Torhütern hat Alexander Dowbnja es auf Platz eins geschafft, nicht zuletzt wegen der Leistung im Spiel seines SKA-Energija Chabarowsk gegen Spartak vor ein paar Wochen:

⚽  Witali Mutko ist ein vielbeschäftigter Mann: Sein Amt als russischer Sportminister hat er im vergangenen Jahr zwar abgegeben, aber stellvertretender Ministerpräsident und Vorsitzender des russischen Fußballverbandes, das sind immer noch zwei Vollzeit-Jobs auf einmal. Immerhin, seit diesem Frühjahr ist es nur noch eine Doppel- statt einer Dreifachbelastung. Da hatte die FIFA nämlich entschieden, dass Mutko nicht mehr im FIFA-Rat sitzen darf, weil das dann doch eine zu große Verquickung seiner verschiedenen Jobs gewesen wäre. (Wir lernen: Wenn der Filz sich erkennbar in einer einzelnen Person manifestiert, wird es irgendwann selbst der FIFA zu viel.)

Seit der vergangenen Woche nun ist die von Mutko hinterlassene Lücke wieder gefüllt: Nach einigen Monaten ohne russischen Vertreter ist Alexej Sorokin in den FIFA-Rat nachgerückt. Wer nun glaubt, diesen Namen auch schon in Verbindung mit diversen Jobs gehört zu haben, liegt nicht ganz falsch: Modeschöpfer Alexej Sorokin und Admiral Alexej Sorokin sind allerdings dann doch andere Leute – dieser Alexej Sorokin, der nun am großen FIFA-Tisch sitzt, ist „nur“ der Leiter des Organisationskomitees für Russlands Fußball-WM im kommenden Jahr.

⚽ Wenn wir heute schon mit Kunst angefangen haben, dann hören wir jetzt auch mit Kunst auf: Das hier ist eines meiner Lieblingsbilder in der Neuen Tretjakowgalerie, wo in Moskau Gemälde aus der Epoche des Sozialistischen Realismus ausgestellt werden:

#goalkeeper #дейнека #russiaisreadyforworldsoccercup #germangoalkeeper

Ein Beitrag geteilt von Andrea Novelli (@andreanovellinsta) am

Alexander Deineka hat diesen Torwart in den Vierzigern gemalt, der Mann (also Deineka) war den Sowjetmächten genehm, lieferte brav Erbaulich-Patriotisches und wurde dafür oft ausgezeichnet. Sein Torhüter im Hechtsprung, der den Ball links aus dem Bild rausschiebt, ist auch der Ausgangspunkt für einen Artikel der Kulturjournalistin Milena Orlowa über Fußball in der russischen Kunst.

Veröffentlicht wurde der Überblick auf dem offiziellen WM-Portal, leider nur auf Russisch, aber keine Bange: Schon das Durchscrollen liefert einen guten Überblick, wie der Fußball russische Künstler beeinflusst hat. Zückerchen für Berliner: die Erinnerung an Johannes „Hanne“ Sobek auf dem Gemälde „Hertha greift an, Hanne am Ball“ von Nikolaus Sagrekow.

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Das war’s dann auch schon mit dieser Russball-Folge. Es sei denn, es interessiert sich noch jemand für eine wahrhaft schwerwiegende Folge der Fußball-WM: Die Arbeitsgemeinschaft Durlacher Altstadtfest hat sich entschieden, ebendieses Durlacher Altstadtfest zu verschieben, damit es nicht mit der Weltmeisterschaft… das ist euch egal? Ihr wisst nicht mal, wo Durlach liegt? Banausen, allesamt. Bis nächste Woche!



 

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Wedding Crashers in Machatschkala

Freitag Ausstellung, Samstag Theater, Sonntag Ballett. Das vergangene Wochenende war so bildungsbürgerlich, das glaubt einem wieder keiner. Eine empirische Anomalie, drei ganz unterschiedliche Abende. Beim Balet Moskva gab es „Equus“, ein Stück, das damit spielt, was eigentlich so einen geschundenen Tänzerkörper von dem eines Arbeitstieres wie dem Pferd unterscheidet. Die Grenzen zwischen Keuchen und Schnauben sind da ebenso fließend wie die zwischen Kostüm und orthopädischer Bandage. Und dazu auch noch Livemusik von drei Streichern und einem Pianisten – runde Sache.

Das Theater am Samstag war – mal wieder – eine Empfehlung der besten aller möglichen Russischlehrerinnen, genau genommen von ihr und ihrer Enkelin: Puschkins Erzählungen am Theater der Nationen, inszeniert von Robert Wilson, mit Musik von Cocorosie.

Prall, lebhaft, verspielt, mit viel musikalischem Schmackes und einem Schuss Pekingoper. Und obendrauf noch der Stolz, erstmals eine Theateraufführung komplett auf Russisch zu sehen, ohne Obertitel, ohne andere Hilfsmittel, und der ganzen Handlung folgen zu können. Jetzt verstehe ich, warum es so schwer ist, dafür Karten zu bekommen.

Eigentlich wollte ich aber – hallo, Überschrift – von der Ausstellung am Freitag erzählen. Die Surab-Zereteli-Galerie hier in Moskau steht und hängt voll mit Dingen, bei denen ich im Hinterkopf meinen Vater höre: „Kunst kommt von Können. Das hier ist Wunst.“ Überlebensgroße Ganzkörperporträts von Charlie Chaplin. Sich von der Wand runterbeulende Keramikblumensträuße. Entwürfe für Skulpturen wie das „Ist-es-nun-Peter-der-Große-oder-doch-Kolumbus“-Denkmal.

Gottseidank hat das Goetheinstitut hier zwei Säle leerräumen lassen und eine eigene Ausstellung veranstaltet, „Die Grenze“. Es geht grob darum, wo Europa endet und wo Asien beginnt, zu diesem Thema haben Künstler Videos, Installationen und Skulpturen beigetragen.

Taus Makhacheva hat von ihren Fotos gleich stapelweise Abzüge machen lassen, die Besucher dürfen sich bedienen. „19 a day“ heißt die Serie, denn im September 2014 hat Taus sich schick gemacht und den ganzen Tag damit verbracht, in der Stadt Machatschkala in Dagestan auf möglichst vielen Hochzeiten zu tanzen. Oder zu essen. Oder mit dem Brautpaar zu posieren. Oder einfach nett mit den anderen Gästen zu plaudern, auch wenn sie sie keinen von ihnen kannte – Taus war auf keiner der Hochzeiten eingeladen.

Dutzende prunkvolle Hochzeitssäle gibt es in Machatschkala; viel Gold, viel Glanz, und im September sind sie quasi durchgängig ausgebucht. Bräute mit Kopftuch, Bräute mit Krönchen, Bräute mit Schleier. Das mag sich nach Asien anfühlen oder nach Europa, der ungeladene Gast auf 19 Hochzeiten zu sein, spielt jedenfalls noch auf einer ganz anderen Ebene mit dem Thema Grenze und Grenzüberschreitung.

19 a Day

Allein schon dieses Motiv hier drüber: Die Brautleute, die wahrscheinlich gerade beide denken „Also von meiner Seite ist die nicht!“. Der Mann links, betont ernsthaft. Die Frau rechts, betont abgelenkt. Und über allem die Künstlerin, die in einer halben Stunde schon wieder mit einem anderen Paar posieren wird. Und keiner hat’s gemerkt.

Freitag Ausstellung, Samstag Theater, Sonntag Ballett. Ein abwechslunsgreiches, unterhaltsames Wochenende mit vielen Denkanstößen.

Nächsten Samstag gehen wir mal wieder zum Fußball.

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Remote Moscow startet in die zweite Saison

Remote Moscow tour

Und plötzlich steht man auf einer Metro-Rolltreppe, eine Hand am Geländer, eine in der Luft. Man geht langsam auf die Zehenspitzen, und die Leute vor und hinter einem machen mit. Schließlich haben wir alle dieselben Stöpsel im Ohr. Wir sind unterwegs mit „Remote Moscow“.

Das Projekt kommt von Rimini Protokoll und Feodor Elutine, entwickelt haben sie es vergangenes Jahr zusammen mit dem Goetheinstitut: einen Stadtrundgang mit ferngesteuerten Teilnehmern, die per Funk Kommandos ins Ohr bekommen, Denkanstöße und manchmal auch kleine Manipulationsversuche in Sachen Gruppendynamik.

Sehenswürdigkeiten? Egal. Das hier ist Moskau auf der Metaebene. Und ohne groß zu spoilern kann man sagen: Dieser Rundgang macht was mit seinen Teilnehmern. Noch heute komme ich manchmal an Ecken vorbei und denke, ach, da sind wir doch so gerannt, weil… und da mussten wir durch diesen Innenhof, um…

Schon letztes Jahr war „Remote Moscow“ schnell so populär, dass man Tickets zügig buchen musste und immer wieder weitere Termine ergänzt wurden. Aktuell ist das Projekt im Bereich „Innovation“ für eine Goldene Maske nominiert, immerhin Russlands wichtigster Theaterpreis. Und gerade wurde bekannt, dass es eine zweite Saison „Remote Moscow“ geben wird. Am 14. Mai ist der erste Termin, auf Englisch gibt es die Tour erstmals wieder in der Woche darauf, am 21.

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Eier, wir brauchen Eier

Im MAMM, dem Moskauer Multimedia Art Museum, stellen junge Fotografen der Rodtschenko-Schule gerade ihre Werke aus. Aufgefallen ist mir dort ein Video von Polina Kanis, es ist fast 20 Minuten lang.

Man muss dazu keinen Hintergrund wissen oder irgendeinen Subtext ausdeuten. Einfach angucken, und schon ist da – gerade im Herbst, gerade in Moskau – dieses Gefühl von Wiedererkennen: Ja, so einen Tag hatte ich auch schon mal.

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Putin des Monats (II)

Gesehen: Beim Kölner Auktionshaus Breker, das sich auf Spielzeug und Musikautomaten spezialisiert hat. Hergestellt wurde die Figur vom Schweizer Christian Bailly, am 14. oder 15. November wird sie versteigert.

Begleitung: Als Begleitmusik hört man Spieluhr-Glöckchen und ein leichtes mechanisches Surren; unterlegt ist das Video außerdem mit Schostakowitschs Suite für Jazzorchester Nr. 2.

Text: Auf dem Schreibtisch der milde lächelnden Figur liegt das Dokument, mit dem die Krim zu einem Teil Russlands erklärt wurde. Datiert ist das Blatt auf März 2014.

Subtext: Kalt lächelnd Zeitgeschichte machen ist Musik in meinen Ohren.

Oben-Ohne-Punkte: 0/10, nackt sind allenfalls die Augenhöhlen.

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Bei Flickr wird aus Einkaufszetteln Kleinstkunst

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Nürnberger Bratwürstchen, dicke Rippe, Chicken Wings, Rumpsteak, Schweinesteak. Es war die Einkaufszettel gewordene Fleischeslust, die Kathrin Jebsen-Marwedel im Mai vor einem Supermarkt fand. Alles erledigt, brav durchgestrichen, wie auch Kräuterbaguette und Eisbergsalat. Allerdings: Komplett war die Liste dann doch nicht abgearbeitet: kein Strich durch „Deo, Holger“, keiner durch „Tzaziki“.

Was für viele Einkäufer lästiger Bodensatz im Einkaufswagen ist, hat für die Grafik-Designerin Potential. Zusammen mit Jan Uhing, einem befreundeten Illustrator, hat sie deshalb eine Flickr-Gruppe gegründet. Hier zeichnen Menschen mit Fantasie unter dem Motto „Who lost this shopping list?“ die Geschichten hinter den Zettelfunden.

Who Lost this Receipt or Shopping List -Group.

Geschichten wie die von Hannelore, die für ein Abendessen mit ihrem ersten Online-Date einkauft. Von Traudel und ihrem heimlich für die WM gekauften Fernseher. Von Jonna und ihrem Papa, die hinter dem Rücken der Veggie-Mama sonntags volle Kanone Gulasch futtern. Von Helga, Heinz und den Rosen zum Hochzeitstag. Und eben die von Holger, Gastgeber eines Grillabends, dessen Gäste sich überraschend flott wieder verdrückten, wegen Deo-losem Holgerschweißmief.

Ein Detail, eine ungewöhnliche Kombination – alles kann den Impuls für eine illustrierte Geschichte geben. „Ich habe auch schon Einkaufswagen umgeparkt, weil ich zehn Wagen weiter vorne in der Einkaufswagenstation einen Einkaufszettel entdeckt habe“, bekennt Kathrin Jebsen-Marwedel.

Dass die Auseinandersetzung mit Einkaufslisten nicht nur die Kreativität anregt, sondern auch das Vokabular beeinfluss, merkt man spätestens, wenn man sie nach Tricks fragt, um ergiebige Zettel zu finden: „Ich glaube“, sagt sie dann, „wir in der Gruppe haben einen Scannerblick für Einkaufszettel entwickelt“.

10 07 2014

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