Russball, Folge 28: Homophobie unter russischen Fußballfans

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Willkommen zu Russball, wo euch versprochenerweise diese Woche niemand frohe Weihnachten wünschen wird – schließlich ist das kommende Wochenende hier in Russland ein ganz normales und Weihnachten erst im Januar. Stattdessen eine Quizfrage: Was dauert in Spanien zehn Tage, in Frankreich 14, in Italien 16, in Deutschland 22 und in Russland 80 Tage? Könnt ihr ja beim Lesen mal im Hinterkopf draufrumdenken.

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⚽ Watutinki – ein Name, den man sich merken muss, und dessen Herkunft die Süddeutsche hier erklärt. In Watutinki also wird die deutsche Fußball-Nationalmannschaft ihr WM-Quartier haben. Kein Strandleben in Sotschi, leiderleider, stattdessen ein Hotelkomplex in einem Moskauer Vorort mit rund zehntausend Einwohnern. Rund zwei Monate vor WM-Anpfiff soll dort ein neuer Gebäudetrakt fertig werden und, wenn man sich die DFB-Bilder anschaut, ziemlich schick aussehen.

Aktuell hat der „Watutinki Hotel Spa Complex“ noch einen, sagen wir mal, eher traditionellen Charme: dunkles Holz, Blumenmuster, bodenlange Gardinen, hier und da glänzt mal ein Kofferständer oder eine Stehlampe aus Metall. Gelsenkirchener Barock trifft Neunzigerjahre-Jugendzimmer.

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Die Fifa zeigt in ihrer Übersicht auch noch diesen weitgehend tageslichtfreien Besprechungsraum. Aber wie gesagt, das ist der Ist-Zustand – nicht die Hotelvision, die da ab April hoffentlich wahr wird. Ob im neuen Flügel dann wohl dieselben Preise gelten wie im alten? Dann können sich die Fußballspieler schon mal auf taschengeldtaugliche Behandlungen freuen: Laut Hotelpreisliste gibt es im Spa- und Therapiebereich ein EKG schon für 500 Rubel (7 Euro), zehn Minuten Whirlpoolbad für die Beine kosten sogar nur 250 Rubel, und wer sich mal richtig was gönnt, bekommt für 1000 Rubel eine halbe Stunde den Rücken massiert, „vom siebten Halswirbel bis zum Steißbein“. Ist das auch geklärt.

⚽  Apropos DFB und Hotels: Letzte Woche hatte ich ja hier erwähnt, dass die Werbung für das Fan-Camp am Nordrand von Moskau mit einer sehr viel besseren ÖPNV-Anbindung lockt, als tatsächlich existiert. Das scheint allerdings die Fans nicht vom Buchen abzuhalten: Eines von vier möglichen Paketen ist bereits komplett ausverkauft.

⚽  Und wenn hier eh gerade so eine Art DFB-Themenschwerpunkt entsteht, dann noch eine Information, die zwar nichts mit Russland zu tun hat, mir aber am Herzen liegt: Nachdem ein Unterstützer der Initiative „Sleeping Giants“ bei Twitter darauf hingewiesen hat, wirbt der DFB seit ein paar Tagen nicht mehr auf der Hetzseite Breitbart. Eine höfliche Beschwerde, und schon wieder ein Werbekunde weniger für Rassisten. Es geht voran.

⚽ Die Fußball-App „Forza Football“ hat sich mit Stonewall UK zusammengetan, um Fußballfans zu ihrer Haltung zu Schwulen und Bisexuellen zu befragen. „Would you feel comfortable if a player in your national team came out as gay or bisexual?“, heißt die Hauptfrage, auf die weltweit 76 Prozent aller Befragten mit „ja“ geantwortet haben. Für Russland liegt die Zahl der Umfrage zufolge bei 47 Prozent, das sei eine deutlich höhere Akzeptanz als noch vor drei Jahren (21 Prozent).

Klingt gut, aber hält es dem Realitätstest stand? Gerne hätte ich mal einen Blick auf die Methodik der Homophobie-Umfrage geworfen – wie viele der insgesamt „mehr als 50.000 Befragten auf fünf Kontinenten“ kamen denn aus Russland? Leider stand niemand für eine Stellungnahme zur Verfügung.

Aus dem Bauch heraus kommt mir so viel Akzeptanz unter russischen Fußballfans eher unwahrscheinlich vor, und siehe da: Sports.ru hat seinen Lesern dieselbe Frage gestellt. Ergebnis bei knapp 45.000 Stimmabgaben russischer Leser: Rund 70 Prozent würden negativ auf das Coming-Out eines schwulen oder bisexuellen Spielers in der russischen Nationalmannschaft reagieren.

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⚽ Rechtlich gehört die Krim zur Ukraine, faktisch hat Russland sie annektiert. Nun berichtet ein Newsportal mit Sitz auf der Krim, dass man von dort aus keine Karten für die Fußball-Weltmeisterschaft im Internet kaufen könne – egal, ob man angibt, in Russland oder in der Ukraine zu leben.

Die FIFA erklärt,sie habe keine geographischen Beschränkungen einbauen lassen, wollen nun aber schnell dafür sorgen, dass das Problem gelöst wird. Menschen auf der Krim, die dennoch Probleme beim Buchen haben, können unterdessen tricksen: Wer mobil und mit russischer SIM-Karte auf die Seite geht, kann ganz normal seine Karten aussuchen.

⚽ Moskau macht seinen Taxiunternehmen Auflagen, wenn sie eine Lizenz für die Dauer der WM bekommen wollen. Dazu gehört nicht nur, dass die Fahrer keine ausstehenden Knöllchen haben dürfen. Sie bekommen auch alle eine Broschüre ausgehändigt, um ihr Englisch zu verbessern.

Maxim Lixutow, Moskaus stellvertretender Bürgermeister und Transportchef, zählt auf: „Sie sollten zum Beispiel ausländischen Touristen die Tarife erklären können, (….) die Fahrtdauer oder die beste Route zum Ziel benennen.“ Das Wichtigste sei, dass niemand vom Taxifahrer übers Ohr gehauen werde (im Gegensatz zu damals beim Confed-Cup.

⚽ In der großen Tradition von Paul dem Oktopus wirft die BBC einen Blick auf die russischen WM-Orakeltiere. Was soll ich sagen, es ist ein Erdmännchen dabei, und das ist exakt so niedlich, wie ihr es euch gerade vorstellt. Hier geht’s zum Video.

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⚽ Was man halt so an Ideen hat, wenn ein neues Jahr vor der Türe steht: Leonid Fedun möchte den russischen Fußball revolutionieren. Der Mann hat durchaus ein eigenes Interesse an Russlands Fußballzukunft, immerhin gehört ihm Spartak Moskau. Nun schlägt er beispielsweise vor, die Begegnungen in der Liga nicht mehr komplett auszulosen. Stattdessen sollen einige Vereine gesetzt werden, so dass die Spiele im November und März in den milderen Regionen des Landes ausgetragen werden statt im Schneegestöber.

Auch zur Zahl der Teams in Russlands höchster Liga hat Fedun eine klare Vorstellung: In der RFPL sollen künftiger nur noch Mannschaften spielen, die mindestens 15.000 Fans ins Stadion locken, alles andere rechne sich einfach nicht. (Interessanter Nebenaspekt: Spartak nimmt Fedun zufolge pro Spiel zwischen 50 und 60 Millionen Rubel ein, also unter einer Million Euro.) Nach dieser Regel gäbe es also weniger Klubs als bisher in der Liga, sie sollten dafür aber öfter spielen, um eben mehr Geld reinzuholen. Feduns ganzen Revolutionsplan, auch zum russischen Pokal und zum Umgang mit Nachwuchsspielern, dokumentiert Sport Express.

⚽ Zwei Monate ist es her, dass Lokomotive Moskau einen englischsprachigen Twitteraccount gestartet hat. Alles mit Hilfe von Google Translate, witzelte der Verein in seinem ersten Tweet. Knapp 300 Tweets später, und was als Witz gedacht war, scheint wie eine plausible Alternative zu dem Sprachmurks, der da regelmäßig rausgehauen wird.

Was lernen wir daraus? Erstens: Muttersprachler engagieren lohnt sich. Und zweitens: Solange das so wenige Russen glauben, wird es bei der Fußball-WM garantiert genau so viele unterhaltsame Fehlübersetzungen geben wie 2014 bei den Winterspielen in Sotschi.

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Zum Schluss noch ein kleiner Servicehinweis für alle, die erwägen, sich während der WM in Russland mit dem Zug fortzubewegen. РЖД, Russlands Eisenbahn-Staatskonzern, hat eine Frage beantwortet, die regelmäßig für Streit zwischen Passagieren führt: Wer im Langstrecken-Liegewagen die obere Liege gebucht hat, darf nicht einfach auf die untere umziehen. Auch der Stauraum unter der unteren Liege und das Tischchen, an das man sich zum Essen setzen kann, gehören dem Passagier, der die untere Liege gebucht hat. Also, ihr seid gewarnt.

Ach so, und das mit den 22 Tagen in Deutschland und 80 in Russland? Ist natürlich die Winterpause der obersten Fußball-Liga. Macht’s gut, bis nächste Woche – und keine frohe Weihnachten!



 

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Vom Versuch, in Sotschi eine Karte für Deutschland-Kamerun zu kaufen

kscheib confed cup sotschi ticketsDass die deutsche Fußball-Nationalmannschaft und ich gleichzeitig in Sotschi sein würden, wusste ich vor einer Woche noch nicht. Der Besuch hier ist spontan, es ist auch nicht mein erster, die touristischen Attraktionen hab ich soweit alle durchgespielt.

Es bleibt also genug Zeit für einen kleinen Selbstversuch: Natürlich möchte ich gerne heute Abend das Spiel Deutschland – Kamerun beim Confed Cup sehen. Fehlt nur die Eintrittskarte. Und um die zu bekommen, stelle ich mich heute mal dumm und spreche kein Russisch, nur Englisch. Wie wohl die Mehrheit der ausländischen Fans, die im kommenden Jahr hierher zur Fußball-Weltmeisterschaft kommen werden.

1. Anlaufstelle: der Infostand unten im Hotel

Das ist ein bisschen gepfuscht, denn eigentlich sind die drei Damen hinterm Tresen dazu da, angereisten Journalisten und Offiziellen zu erklären, wo ihr Shuttle zum Stadion fährt. Aber es ist wenig los, ich frage kurz und bekomme dreifach simultan Auskunft in gutem Englisch: Tickets kauft man am Bahnhof, da kommt man am besten mit dem Taxi hin. Alles klar, das Taxi rufe ich per App, es kommt in 3 Minuten. Läuft.

2. Anlaufstelle: der Infostand vor dem Bahnhof

Nur leider vor dem falschen Bahnhof. Denn dummerweise wusste ich nicht, dass Adler (der Vorort von Sotschi, in dem das Stadion und auch mein Hotel liegen) zwei Bahnhöfe hat. Ich hätte nach „Adler, Olympischer Park“ gemusst, dass hier ist einfach nur „Adler“. Aber macht ja nichts, vor dem Haus steht ein Stand mit drei freiwilligen Helferinnen, geschätztes Alter: kurz vor volljährig. „Entschuldigung, wo kann ich hier Fußballtickets kaufen?“ Große Augen, Gekicher. Russische Satzanfänge. Dann nimmt eine ihren Mut zusammen und sagt, in akkuratem Schulenglisch: „Anderer Bahnhof. Bus 124.“ Und die andere ergänzt: „Oder Lastotschka. Vorortzug.“ 

3. Anlaufstelle: Fahrkartenschalter

Telegrammstil ist die Lösung, wer braucht schon ganze Sätze. Ich also: „Olympischer Park?“ – Sie so: „60 Rubel.“ – Ich so: „Danke. Wo?“ – Sie so: „Da.“ Und zeigt nach rechts. Meine Fahrkarte und ich wollen schon mal aufs Gleis, werden aber unterwegs von einer Kontrolleurin abgefangen. Sie sagt, dass man erst kurz vor der Abfahrt aufs Gleis darf, mein Zug aber erst in zwanzig Minuten kommt. Da ich heute kein Russisch kann, versteh ich das leider nicht, aber ihre Gesten sind eindeutig. Ich lasse mich also wegschicken, gehe aus dem Gebäude raus, noch ein bisschen aufs Meer gucken. Es regnet, aber Meer ist Meer. Zwanzig Minuten später sitze ich im Zug. Die Durchsagen sind auf Russisch und auf Englisch.

4. Anlaufstelle: ein Freiwilliger am anderen Bahnhof

Jetzt aber: Olympischer Park! Im diesmal richtigen Bahnhof steht ein junger Mann in Freiwilligen-T-Shirt, mit Freiwilligen-Bändel um den Hals. „Wo kann ich Tickets kaufen?“ Er sagt auf Russisch, dass er kein Englisch kann. „Tickets?“ Kopfschütteln. Als ich auf Russisch frage, ist er dagegen gleich im Thema: Tickets für die Bahn oder fürs Fußballspiel? Ah, okay, dann bitte dort aus dem Gebäude raus, die Treppe runter, dann sehen Sie’s schon.

5. Anlaufstelle: die Fan-ID-Zentrale

Echt jetzt? Dieses winzige Blechhäuschen, an dem „Kasse“ steht? Ohne ein einziges Fußball-Logo? Nein, das kann nicht sein, und das ist dann auch nicht: Hier gibt es zwar Tickets, aber nur für Leute, die in einem Elektrowägelchen übers Olympiagelände tuckern wollen. Ansonsten sieht man: Zäune, Zäune, geschlossene Türen, Sicherheitsmänner, Sicherheitshunde, Pfützen, Zäune… oh, da hinten ist ein Schild! Hier kann man seine Fan-ID abholen. Die habe ich zwar schon, aber wo es Fan-IDs gibt, gibt es bestimmt auch Leute, die sich auskennen. 

Leider hat die Freiwillige hier neben der russischen nur eine spanische Flagge am Oberteil, und Spanisch spreche ich weder heute noch sonst. Aber sie ist, wie die meisten Freiwilligen, motiviert und nett. Nachdem wir uns mit viel Lächeln und Kopfschütteln darauf geeinigt habe, dass wir uns nicht verstehen, ruft sie einen Bekannten herbei, der ein paar Meter weiter steht und nichts mit Fußball zu tun hat. Dafür weiß er, wo ich hin muss: „Aus dieser Türe raus und dann links, ein Haus mit viel Rot“ 

6. Anlaufstelle: Freiwillige. Viele Freiwillige

Aus der Tür raus und dann links finden sich einige Meter Asphalt, dann Pfützen, dann ein Zaun. Kein Haus, kein Rot. Aber da drüben, zurück Richtung Bahnhof, hat sich unter einem Wellblechdach eine Menschentraube gebildet. An den Regencapes und den großen Schaumstoff-Winkehänden erkenne ich: Freiwillige! Ein ganzes Nest! Die werden mir helfen! Was sie auch gerne wollen, nur… „Wo kann ich hier Tickets kaufen?“  – Großes Hallo, da spricht jemand Englisch! Der einsame Jungsfreiwillige dreht sich weg und starrt aufs Handy, die Mädchenfreiwilligen reden parallel auf Russisch auf mich ein. Was ich will? Ob ich Russisch kann? Ob ich eine Fan-ID abholen will?

„Eeeeeeeenglisch!“ ruft eine über den Hof, „spricht von euch irgendwer Eeeeeeeenglisch?“ Sie sind, kurz gesagt, ganz hinreißend und organisieren erst eine Freiwillige, die tatsächlich leidlich Englisch kann und um Geduld bittet, und dann sogar eine Freiwilligen-Leiterin, mit Megafon, Autorität und gutem Englisch. „Sie müssen zurück gehen Richtung Bahnhof, aber dann über den Parkplatz, über die Straße. Das Haus mit Rot außen dran.“ Ich bedanke mich, winke in die Gruppe und gehe los. Schaumstoffhände winken zurück.

7. Anlaufstelle: Das Haus mit Rot dran

Das Haus! Mit Rot! Genau genommen mit dem Confed-Cup-Schriftzug auf rotem Untergrund. Wäre dies ein Comic, man sähe in meinen Augen Fußball-Tickets. Was machen schon nasse Füße, wenn sie auf eine Tür zustapfen, über der „Self Service Terminals“ steht. Die Tür zum Ticket. Die Tür zum Glück. Die Tür ins Trockene.

Die Tür ist zu. Abgeschlossen, drinnen brennt kein Licht. Aber ein paar Meter weiter gibt es noch einen Eingang, mit einer Freiwilligen im Rentenalter. „Kann ich hier Tickets kaufen?“ – „Natürlich. Hier durch die Sicherheitsschleuse, das Handy bitte einmal da ins Körbchen, und dann da vorne anstellen.“ Je näher man dem Ziel kommt, desto leichter wird es. Als ich kurz darauf an einem Touchscreen stehe und auf die deutsche Fahne tippe, sagt eine Stimme neben mir auf Deutsch: „Entschuldigung, aber das ist nur zum Ausdrucken. Erst müssen sie dort bezahlen.“ Ein Freiwilliger, etwas schüchtern, aber spontan der Held seiner beiden Kolleginnen, die unser Gespräch mithören: Was, du sprichst Deutsch, fragt die eine auf Russisch, und als er nickt, sagt die andere nur: voll cool!

Es dauert dann alles noch ein bisschen. Schlange, Preiskategorien, wo möchte man sitzen. Dazu die ganzen Sicherheitswünsche der FIFA und des russischen Staates, ich gebe also trotz Fan-ID noch mal Geburtsdatum, Passdaten, Telefonnummer preis, werde noch einmal fotografiert. Aber gut, das ist halt so, und der nette Freiwillige steht stets einen halben Schritt daneben und guckt, ob er noch irgendwie helfen kann. Zum Abschied mache ich ihm noch ein paar Komplimente für seine Deutschkenntnisse. 

 

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Ich stehe vor dem Haus mit Rot dran im Regen und erkläre nach gut zwei Stunden den Selbstversuch für beendet. Was auch dringend nötig ist, denn ohne Russisch würde der Abzocker-Taxifahrer nicht verstehen, was ich von seiner Preisvorstellung für die Fahrt zurück ins Hotel halte. Wegelagerei dieser Art nimmt hier in Russland extreme Formen an

Was habe ich gelernt? Freiwillige sind Idealisten und versuchen zu helfen, wo und wie sie nur können. Das heißt aber nicht, dass man sich als Veranstalter einfach drauf verlassen darf, dass damit schon alles passt. Wenn das 2018 klappen soll mit den Fußballspielen in Sotschi, braucht es Englischkurse, mehr Wegweiser, generell bessere Informationen. Und bei den Fans die Bereitschaft, viel Zeit einzuplanen – und sich vielleicht zumindest ein paar Brocken Russisch draufzuschaffen.

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Sieben nützliche China-Apps

Was muss aufs Handy eines China-Reisenden? Diese sieben Apps helfen, sich einzuleben, von A nach B zu kommen oder mit anderen ins Gespräch. Die meisten dieser Apps sind kostenlos – und die, die was kosten, ihr Geld wert.

Das Zeichen für „Frau“ in der Schrifterkennung von KTdict

Pleco und KTdict C-D sind von vielen ausprobierten die besten Wörterbuch-Apps. Einfach zu bedienen, großer Wortschatz, Aussprache-Hilfen, alles da. Einmal Chinesisch/Englisch, einmal Chinesisch/Deutsch – wer doch mal eine Vokabel in der einen App nicht findet, kann mit der anderen ausgleichen.

Besonders gut an KTdict: Man kann mit dem Finger auf dem Display Schriftzeichen nachmalen und bekommt sie dann übersetzt.

Hinter Beijing on a Budget steckt Daniel McCrohan, der in China lebt und hier für den „Lonely Planet“ schreibt. In der App gibt er Tipps, wie man kostenlos oder für kleines Geld das Alltagspeking kennenlernt – zum Beispiel das Kaufhaus Tian Yi, in dem Chinesen Schnäppchen shoppen. Schal, Mütze, Notizblöcke, Handy-Hülle – ich bin mit zwei vollen Tüten rausmarschiert. Wer die App offline benutzen möchte, braucht die Bezahlversion.

MotionX-GPS ist keine spezifische China-App, aber seit zwei Jahren meine Begleitung. Nicht nur, weil man so von jedem neuen Ort eine Landkarte in der Tasche hat (vorher im WLAN runterladen). MotionX nutzt das GPS-Signal, um einem auf dieser Karte auch zu zeigen, wo man ist – und zeichnet den gelaufenen Weg auf. Heißt also: Einfach loslaufen in der neuen Stadt. Wenn jegliche Orientierung verschütt geht, kann man immer noch den getrackten Pfad zurücklaufen.

Besonders hohe Werte bei der Luftverschmutzug schickt die App auf Wunsch auch als Push-Meldung

Die Luft in Peking ist vielleicht nicht ganz so schlecht wie in Delhi, aber immer noch so ungesund, dass man es merkt. Brennen im Rachen, juckende Augen. Wie schlimm ist es heute? Atemmaske anziehen? Die Infos liefert CN Air Quality.

Während offizielle Daten zur Luftverschmutzung oft überraschend positiv sind, verwendet diese App als Quelle unter anderem Messwerte der Pekinger US-Botschaft. Die gibt es auch hier bei Twitter.

Von den zahlreichen U-Bahn-Plänen bin ich mit Explore Metro immer gut gefahren. Leicht zu bedienen, übersichtlich – außerdem gibt es Nutzer-Tipps, was man an den einzelnen Haltestellen unternehmen kann. Wenn jetzt bitte jemand noch was ähnlich Gutes für Busse programmieren könnte.

Keine Lust auf Körperkontakt in der U-Bahn? Taxis sind in Peking lächerlich billig. Allerdings müssen Aussprache-Anfänger mit Dialogen wie diesem leben: „Bitte nach Dongzhimen.“ – „Dongzhimen?“ – „Nach Dongzhimen.“ – „Dongzhimen?“ – „Dongzhimen!“ – „Ach DONGzhimen!“ (Folgt Wortschwall, der wohl grob bedeutet: Komische Ausländerin, hätte se ja auch mal direkt sagen können.)

Manchmal ist das lustig, für alle anderen Fälle zeigt TaxiBook gut lesbar auf dem Handybildschirm an: „Guten Tag, bitte bringen Sie mich nach…“ Bei der Liste der Ziele fehlt die Deutsche Botschaft, aber die Kanadische direkt nebenan ist drin.

Und hier ein paar Apps, die ihr euch sparen könnt: City Weekend (zeigt bei der Suche nach Veranstaltungen in Peking welche in Shanghai an), Beijing Guide (arg spärlicher Inhalt), Doodle Chinese (langweilig), Every Trail (hakelige Handhabung, ungenaue Ortung), China Goggles (tut’s nicht), Lost in China (tut’s nur selten).

 

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