Warum es politisch ist, wenn wir Schneeräumfahrzeuge sehen

Diese Woche haben wir in Moskau die erste richtige Ladung Schnee des Winters bekommen. Schön, weil die Stadt endlich mal nicht mehr grau aussieht, und weil man mit großen Augen die ganzen Räumfahrzeuge bestaunen kann. Gerade auf unserer Straße ist da einiges unterwegs, denn sie ist für viele Wichtigmenschen aus dem Kreml der Weg zur Arbeit.

Ein Verbund aus vier, fünf Schneepflügen, die gleichzeitig auch noch Frostschutzmittel sprühen, ist also kein seltener Anblick. Dieser Oschi von einer Maschine hier war mir dann aber doch neu.

Kann gut sein, dass dieser Schneefresser auch früher schon im Einsatz war und mir nur nicht aufgefallen ist. Speziell ist in diesen Tagen aber definitiv, wie viel Platz die Schneeräumerei in den Hauptnachrichten der staatlich kontrollierten Fernsehsender einnimmt.

Wir sehen Straßen im Schnee – und die Kamera schwenkt zu den Räumfahrzeugen, die am Straßenrand mit laufendem Motor auf ihren Einsatz warten. Wir sehen Autos, die über frisch geräumte Straßen rollen – und die Arbeiter, die sich nach ihrem Räumeinsatz an einer Tasse mit etwas Heißem drin aufwärmen. Minutenlang derselbe Zyklus aus fallendem Schnee, Schneeräumen und wieder fließendem Verkehr.

Der Grund für diese medialen Schneeräumfestspiele lässt sich mit einem Wort zusammenfassen: Orenburg. 16 Stunden lang saßen Autofahrer dort eingeschneit fest, ehe die Räum- und Rettungskräfte sich ihrer annahmen. Ein Mann erfror, eine Frau starb kurz nach ihrer Rettung. Im Netz machte danach die Beschwerde eines der Eingeschneiten die Runde: “Wie kann es sein, dass in Russland die Ausrüstung fehlt, um durch den Schnee zu den Menschen zu kommen und sie zu retten?“

Dieses schwere Gerät, das wir in diesen Tagen so prominent in den Abendnachrichten der Staatssender sehen, hat also nicht nur die Aufgabe, Straßen vom Schnee zu befreien. Vor allem zeigt es Präsenz.

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