Wenn dein Gesicht einen Nebenjob in Russland hat

Geh nach Russland, haben sie gesagt. Du wirst viel improvisieren müssen, haben sie gesagt. Vielleicht machst du plötzlich beruflich ganz was anderes, haben sie gesagt.

Fast vier Jahre später bin ich immer noch langweilige Journalistin, dafür aber umgeben von Leuten, die hier in Russland tatsächlich komplett andere Berufe ausüben. Und, noch besser: Sie tun das, ohne davon auch nur irgendeine Ahnung zu haben. Bis ihnen plötzlich ein Foto in die Hände oder zumindest in die Timeline fällt. So ist es am Wochenende offenbar Zach Braff ergangen.

Die meisten kennen ihn als Schauspieler aus der Fernsehserie „Scrubs“, manchmal führt er auch Regie oder schreibt Drehbücher. Und nun ist Braff also auch noch Computerexperte: „Ich repariere Computer und Notebooks und richte sie ein,“ verspricht der Aushang, gefolgt von einer maximalen Schlagwortdichte an allem, was irgendwie mit Rechnern zu tun hat: WLAN, Internet, Viren, Windows, Appple, soziale Netzwerke, VPN, Odnoklassniki, VKontakte. Ja gut, da überschneidet sich jetzt einiges, aber hey – Zach, der hier noch deutlich jugendlicher aussieht, macht dir dafür einen guten Preis und gibt auf alles Garantie, versprochen!

Apropos Windows: Es ist noch keine drei Monate her, da machte diese Anzeige hier die Runde. Tim Erikson, Experte für Fenster, sah zwar verdächtig wie SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz aus. Aber nein, die inserierende Firma beharrte darauf, Erikson ist ein echter, schwedischer Experte. Als irgendwann zu viele Redaktionen nachfragten, kam als Nachschub, man arbeite inzwischen nicht mehr mit Erikson-Schulz zusammen. Schade, schade, schade.

Wenn dann der Computer virenfrei läuft und die Fenster keine kalte Luft mehr hineinlassen, fehlt zum Wohlfühlen nur noch ein bisschen Gesellschaft. Die wurde, als es die Moscow Times noch auf Papier gab, regelmäßig dort beworben, und jedes Mal haben wir uns als Redaktion in Grund und Boden geschämt.

Weniger für die angepriesenen Dienstleistungen selber, sondern mehr für die so offensichtlich gefälschten Fotos von Mila (Jessica Alba), Kristina (Candice Swanepoel), Julia (Romee Strijd) und den zwei Frauen, die hier offenbar beide Maria heißen, tatsächlich aber dann doch eher Adriana Lima und Alessandra Ambrosio.

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Immerhin erschien dann ja irgendwann der kleine Hinweis rechts neben den Anzeigen – so, wie wenn auf der Hochglanzverpackung einer Tütensuppe „Serviervorschlag“ steht. Und wir merken uns: „Geh nach Russland“ ist komplett unnötig. Sei prominent genug, und dein Gesicht macht sich hier ganz alleine selbstständig.

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