„Mr Penumbra’s 24-Hour Bookstore“ in fünf Zitaten

Mr PenumbraDas Schöne an Taschenbüchern ist ja die niedrige Hemmschwelle. Mit dem Bleistift was anstreichen, oben eine Ecke umfalten als Markierung – alles erlaubt, im Gegensatz zu Hardcovern.

Bei „Mr Penumbra’s 24-Hour Bookstore“ hat es sich besonders gelohnt, die Taschenbuch-Ausgabe zu kaufen. So viele Stellen hab ich lange nicht mehr in einem Buch markiert, einfach weil es so viel Grund gab zum Freuen und Nochmallesen. Es geht, sehr vereinfacht, um Bücher, um das Internet, um das Leben und was man draus macht.

Clay zum Beispiel macht gerade seinen Job als Buchladenhüter, programmiert ein bisschen vor sich hin, da betritt Kat den Laden und will gucken, was er am Laptop so tippt.

She’s scrolling fast through my code, which is a little embarassing, because my code is full of comments like Hell, yeah! and Now, computer, it is time for you to do my bidding. „This is great,“ she says, smiling. „And you must be Clay?“ It’s in the code – there’s a method called clay_is_awesome. I assume every programmer writes one of those.

Robin Sloan (der vorher so Dinge wie „Fish“ gemacht hat und von dem sich auch diese Kurzgeschichte zu lesen lohnt) bringt beiläufig viele anschauliche Beschreibungen unter. Wenn Clay zum Beispiel vor schlechtem Gewissen ganz hibbelig ist, beschreibt Sloan das so:

If fidgets were Wikipedia edits, I would have completely revamped the entry on guilt by now, and translated it into five new languages.

So zeichnet er das Gesicht von jemandem, dessen Welt gerade aus den Fugen geraten ist:

He has the strangest expression on his face – the emotional equivalent of 404 PAGE NOT FOUND.

Und auch wenn sich Clay ein bisschen in Kat verguckt hat, gibt er ihr als Erzähler beim gemeinsamen Ausflug nach New York einen Seitenhieb mit:

Kat bought a New York Times but couldn’t figure out how to operate it, so now she’s fiddling with her phone.

Die Leistung daran ist, dass hier beides klappt: Sloan findet eine neue Art, Dinge zu sagen. Aber es klingt nicht bemüht, nicht mit Gewalt auf Was-mit-Internet getrimmt.

Sowieso ist das ein Buch, das an vielen Stellen kippen könnte, aber nicht kippt. Google zum Beispiel ist hier zwar ein mächtiger Konzern, aber dessen Riesenambitionen kommen eher absurd rüber, nicht wie ein ernsthaftes Streben nach Weltherrschaft. Ein Text über Google, in dem niemand „Datenkrake“ schreit – war mir nicht klar, dass das auf dem deutschen Markt überhaupt erlaubt ist.

Clay kann eine gelungen programmierte Datenvisualisierung ebenso bewundern wie ein historisches Buch mit dicker Staubschicht auf dem Rücken. Es gibt in „Mr Penumbra’s 24-Hour Bookstore“ auch keinen Gewinner, kein „Das Internet ist das Ende aller Bücher“ und kein „Was Bücher können, wird das Web nie schaffen“. Es gibt nur eine Geschichte um Daten, um Geheimnisse und Versuche, sie zu lösen.

Dass sich zwei Welten begegnen können, ohne zu kollidieren, zeigt vielleicht am besten die Stelle im Roman, in der mit Google-Technologie ein geheimnisvolles altes Buch vollautomatisch eingescannt wird:

There’s a low, gut-rumbling hum, then a high warning chime, and then the book scanner leaps into action. The floodlights start strobing, turning everything in the chamber into a stop-motion movie. Frame by frame, the scanner’s spidery arms reach down, grasp page corners, peel them back. It’s mesmerizing. I’ve never seen anything at once so fast and so delicate. This thing loves books.

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