Garry Kasparov bei der #rp17: Links zum Weiterlesen

Garry Kasparov bei der re:publica, das ist nur eine von vielen Sessions, bei der ich dieses Jahr gerne gewesen wäre. Aber in Kiew ist Eurovision und man kann nur eines haben. Stattdessen habe ich also, nach mehrfachen „Interessiert dich bestimmt“-Hinweisen von Freunden, den Kasparov-Auftritt bei YouTube geguckt (ab 7:19) , mehrfach genickt, ein paar mal gegrinst, und vor allem gedacht: Das reicht noch nicht.

Foto: re:publica/Jan Zappner
Foto: re:publica/Jan Zappner

Zu wenig Zeit war das, um in die Tiefe zu gehen – auch, weil er sich die Session mit Claudio Guarnieri von Amnesty International teilte, was nur so halbgut zusammen passte. Andererseits: Wie schön eigentlich, wenn eine Session endet und man sich wünscht, sie wäre noch nicht vorbei. Für alle, denen das auch so ging, habe ich einige Kasparov-Zitate ausgesucht und zu ihnen Links zum Weiterlesen zusammengestellt.

Darüber, warum mit der Verbreitung des Internets nicht auch automatisch die Meinungsfreiheit wächst:

„Many of these devices allow governments to go after people, to find those who are spreading dissenting views, and eventually to prosecute them.“

„Devices“ ist ein bisschen umständlich formuliert, konkret sieht man diesen Mechanismus in Russland in den sozialen Netzwerken. Alexander Biwschew hat das am eigenen Leib erlebt – er ist Lehrer und Dichter und wurde zu 300 Stunden Arbeit verurteilt, weil er online ein Gedicht veröffentlichte, in dem er Russlands Annektion der Krim kritisierte. Andere Fälle, in denen ihr Verhalten in sozialen Netzwerken Russen vor Gericht brachte, dokumentiert die Serie „Jailed For A Like“. Und Pavel Durov, der Gründer von VKontakte, hat das Land verlassen, der eigenen Sicherheit zuliebe. 2011 hatte er sich geweigert, die VK-Seiten von Oppositionellen zu sperren. Danach war er zunehmend ins Visier der Behörden geraten.

Darüber, welche Unternehmen sich den Internet-Regelungen autoritärer Staaten beugen:

„…the double standards in the behaviour of big corporations, that are expressing their concerns about individual privacy in the free world, but at the same time are ready to comply with draconian regulations in countries like Russia, China or elsewhere, by protecting their business and endangering, at the same time, the lives, real lives, of people who are relying on these technologies to spread their message.“

Russland versucht seit einiger Zeit, durchzusetzen, dass große Internetunternehmen die Daten ihrer Nutzer auf russischen Servern speichern. Eine Petition dagegen hat knapp 45.000 Stimmen bekommen, vor allem wegen Sorgen, dass die russische Obrigkeit dann frei auf die Daten (kritischer) Nutzer zugreifen kann. (Vielleicht sind die Behörden es leid, vergeblich bei Twitter anzufragen, wenn sie solche Nutzerdaten bekommen wollen.)

Von Facebook konnte man lesen, dass es sich diesem Anliegen verweigert hat – trotzdem ist es bis heute in Russland erreichbar. LinkedIn hingegen ist in Russland geblockt, seit es den Server-Umzug verweigerte. Google wiederum hat tatsächlich einige seiner Server nach Russland umgezogen, Apple hat ähnlich reagiert, Twitter prüft das offenbar gerade.

Über die Prioritäten im russischen Staatshaushalt.

„Putin is making cuts on social security, on housing, on education, on everything except military, security and propaganda. That’s a war budget.“

Russland spart zwar inzwischen selbst am Rüstungsbudget, es ist aber immer noch einer der großen Batzen im Etat. Die Washington Post rechnet vor: 30 Prozent des Staatshaushalts gehen an Militär und Geheimdienste, für die Gesundheitsversorgung sind nicht einmal 3 Prozent eingeplant.

Vor einem knappen Jahr blamierte sich Dimitri Medwedjew beim Versuch, einer alten Frau zu erklären, warum es bei den Renten nicht mal einen Inflationsausgleich gibt. Besonders sichtbar wird das Sparen auch bei Medikamenten für HIV-positive Patienten. Bei der Palliativmedizin ist die Situation in Russland so katastrophal, dass sich immer wieder Schwerkranke das Leben nehmen.

Über Pro-Putin-Trolle:

„…look at the ratio of investment and return: It’s much cheaper than buying tv ads, and what’s also important is a huge amount of deniability. So you do these things, but technically, you can always deny: This is not us.“

Wer sich dafür interessiert, was ein Troll so kostet: Ljudmilla Sawtschuk hat das publik gemacht. Sie hat knapp zwei Monate in einer „Troll-Fabrik“ in St. Petersburg gearbeitet, für ein Monatsgehalt zwischen 40.000 und 50.000 Rubel. Im Gespräch mit Spiegel Online hat sie berichtet, dass es noch weitere Troll-Fabriken gebe, dort würden auch Pro-Putin-Kommentare auf Deutsch verfasst.

Journalisten, die über diese Trolle berichten, riskieren, selber zum Ziel zu werden, wie Jessikka Aro erlebt hat. Und, auch wichtig: Nicht jeder, der Kommentarbereiche mit Pro-Putin-Beiträgen zuspammt, wird dafür auch aus dem russischen Machtapparat heraus bezahlt.

Weiterlesen

Tür auf, einer raus, einer rein

Attest Visum Moskau Skoromed

Eine Dönerbude, daneben eine Stahltür ohne Türschild. Durch den neonbeleuchteten Gang, vorbei an dem Verschlag, in dem man Schuhe reparieren lassen kann. Im Lösungsmittelgeruch die Treppe rauf: Zweiter Stock, Anmeldung. Hallo, ich brauche ein Gesundheitszeugnis für ein Visum. Ja, Russlandvisum. Ja, auch einen AIDS-Test. Pass und Meldebescheinigung hier, bitte – da hinten steht mein Name auf Kyrillisch.

Und jetzt? Ah, ein Laufzettel. Die Ärzte warten in ihren Räumen, auf dem Gang davor stehen die Kunden, um sich begutachten zu lassen und dann eine Bescheinigung zu bekommen. Rein in die Plastik-Schuhüberzüge und los.

Vierter Stock, Zimmer vier

– „Guten Tag.“
– „Guten Tag. Die Jacke bitte ausziehen.“
– (…)
– „Sie stellen sich da rein, und dann nach links.“
– (…)
– „Nach links.“
– „Ich steh doch links.“
– „Nach links drehen. Und dann (unverständliche Verben im Imperativ)!“
– „Ich weiß nicht, was das heißt.“

Die Frau im blauen Kittel grinst und stellt sich so vor die Tür der Röntgenkabine, dass ich sie sehen kann. Sie guckt mich an, atmet tief ein und hält dann die Luft an. Ah, danke. Alles klar. Die Röntgenmaschine röntgt den Oberkörper, ich atme aus und komme wieder raus.

– „Sind Sie verheiratet?“
– „Ja.“
– „Hatten Sie schon mal Tuberkulose?“
– „Nein.“
– „Okay, fertig.“

Ein Jahr lang gelten die Visa für uns ausländische Mitarbeiter der Moscow Times, und die einzige Konstante von einem Visum zum nächsten ist, dass sich die Vorgaben und Abläufe jedes Mal ändern. Bisher zum Beispiel musste ich selber mich immer nur um den AIDS-Test kümmern, den Rest hat die Personalabteilung organisiert. Warum das diesmal anders ist? „Die Regeln haben sich geändert.“ Das ist fast so schön wie die Rundmail neulich: „Die Einladungsschreiben für eure neuen Visa verzögern sich wegen einer Verspätung.“

Auf der To-do-Liste, gemailt von der Personalabteilung zusammen mit den Adressen drei autorisierter Kliniken, stehen Krankheiten, die nach anderen Zeiten klingen. Tuberkulose. Syphillis. Lepra, ganz biblisch. Eine Freundin übersetzt die Testliste ins Englische, ich erkenne obskure Begriffe aus dem „Medical Love Song“ von Monty Python. „Weicher Schlanker“ – klingt nach Wiener Kaffeehausspezialität. Weitere Gründe, eventuell kein Russland-Visum zu bekommen: Chlamydien und psychische Probleme.

Vierter Stock, Zimmer neun

– „Sie sind aus Deutschland? Ich hatte in der Schule Deutsch, Moment, ein Wort weiß ich noch: ‚der Zug‘!“
– „Ah, ja, toll, ‚der Zug‘. Und ‚der Arzt‘ sicher auch, oder?“
– „Nein, das Wort kenne ich nicht.“
– „Das heißt врач. Doktor. Wie Sie.“
– „Hm. Haben Sie Allergien?“
– „Ja.“
– „Gegen was?“
– „Staub.“
– „Was für Staub?“
– „Hausgemachter.“ (Was weiß ich, wie „Hausstaub“ auf Russisch heißt. Aber „hausgemacht“, damaschni, das Wort steht hier auf jeder Speisekarte. Also: einmal Stauballergie nach Hausmacherart.)
– „Hausgemacht? Also wie hier im Zimmer?“
– „Ja.“
– „Okay, ich schreibe mal ‚keine Allergien‘. Zeigen Sie mal Ihre Hände.“
– (…)
– „Hände umdrehen.“
– (…)
– „Zeigen Sie mal Ihren Bauch.“
– (…)
– „Zeigen Sie mal Ihren Rücken.“
– (…)
– „Hatten Sie schon mal Hautkrankheiten?“
– (Hatte das nicht jeder? Pubertäre Ekzeme in den Armbeugen. Hitzepickel. Zählen Windpocken?) „Nein.“
– „Okay. Sie schreiben hier Ihren Namen hin, ihr Geburtsdatum, das heutige Datum. Und dann hier unterschreiben.“

Das Zögern bei „Arzt“ da gerade, hieß das jetzt, dass sie gar keine Ärztin ist? Edel geschminkt, weißer Kittel – kann auch eine Kosmetikerin gewesen sein, Händezeigenlassen gehört ja nun zu beiden Berufsbildern. Und so ein Türschild, auf dem „Dermatovenerologe“ steht, ist schnell angefertigt. Vielleicht sogar bei dem Schuster im Erdgeschoss, nebenberuflich.

Andererseits: Macht’s einen Unterschied, so lange ich hinterher meine autorisierte Bescheinigung einer autorisierten Klinik bekomme? Immerhin kostet der Spaß hier bloß 1500 Rubel, also 20 Euro. Beim European Medical Center, wo die Ärzte garantiert Ärzte sind und fließend mehrsprachig noch dazu, sollten dieselben Diagnosen 300 Dollar kosten.

Zweiter Stock, Zimmer sechs

– „Guten Tag.“
– „Guten Tag.“
– „Bitte da hin.“
– (…)
– „Einmal eine Faust machen.“
– (…)
– „Festhalten.“
– (…)
– „Moment noch, das Pflaster. So. Das ist alles.“

Das Röhrchen mit dem Blut bleibt im Zimmer, die blauen Plastikschluppen kommen in den Mülleimer an der Rezeption. Was bleibt? Drei Zimmer, drei Frauen – eine blau bekittelt, eine weiß, eine türkis. Eine Bescheinigung, hoffentlich, in ein paar Tagen.

Über die Strahlendosis dieser Röntgenkiste denke ich jetzt jedenfalls nicht nach, sondern lieber darüber, was an diesem Vormittag wohl der Test auf psychische Probleme war. Die Frage nach der Ehe? (Fliegt raus, wer in Tränen ausbricht, hysterisch lacht oder ein Foto von Putin aus der Handtasche holt?). Oder einfach der ganze Prozess?

klinik gesundheitszeugnis füße moskau

Weiterlesen

Moskauer Leitungswasser – kann man das trinken? (Teil 2)

(Das hier ist der zweite Teil einer Bestandsaufnahme zum Thema Moskauer Leitungswasser. Den ersten Teil gibt es hier.)
 

Kann man das Moskauer Leitungswasser nun also trinken oder nicht? Theorien und Behauptungen gibt es viele, bloß kein eindeutiges Ergebnis. Dafür aber aber ein bei Amazon bestelltes kleines Päckchen mit erfreulich vielen Teststreifen, Behältern und Pipetten – keine Profi-Ausrüstung, aber genug für einen ersten Überblick. Also, Handschuhe an und los.

Weil er die meiste Zeit braucht, ist der Bakterientest als erstes dran. Aus dem Küchenwasserhahn etwas Wasser auf das Pulver im Röhrchen geben, zuschrauben, 20 Sekunden schütteln. Nun muss die Mischung an einem warmen Ort stehen, das durch die Wasserrohre permanent aufgeheizte Badezimmer passt also genau. In 48 Stunden, verspricht die Anleitung, wird die lila Flüssigkeit gelb, falls Bakterien gefunden werden. 24 Grad Celsius sind dafür genau richtig, der Test verlangt 70 bis 90 Grad Fahrenheit.

moskau leitungswasser bakterien

Nächster Test: Kupfer – wichtig vor allem, wenn im Haushalt Babies oder kleine Kinder leben. Kein Röhrchen diesmal, sondern ein Teststreifen. Kurz ins Wasser stippen, abschlackern (nur einmal bitte) und nach zwei Minuten die Farbe am Ende des Streifens mit der Skala im Testheftchen vergleichen. 1,3 parts per million gibt der Test als Obergrenze vor, das Ergebnis liegt deutlich darunter.

moskau leitungswasser kupfer

Der Test auf Eisen im Wasser kommt als nächstes – laut Umweltbundesamt hat der Grenzwert hier vor allem „ästhetische Gründe“, sprich: Das Wasser wird irgendwann schmutzigbraun und schmeckt seltsam.

Auch die Testanleitung legt diesmal Wert auf Ästhetik, aber wer Profi-Gummihandschuhe hat, der hat auch das Einfühlungsvermögen, den Teststreifen fünf Sekunden lang sanft, aber bestimmt durch die Luft zu wedeln. Und das war dann auch schon das Spektakulärste an diesem Teil des Tests.

moskau leitungswasser eisen

Als Kind NRWs kennt man sich mit Nitrat, Nitrit, der Landwirtschaft und dem Grundwasser zwangsläufig aus. (Details zum Beispiel hier oder hier.) Beim Wassertest in Moskau war keins von beidem ein Problem. In beiden Fällen zeigte das Teststäbchen die Farbe am untersten Ende der Skala an.

moskau leitungswasser nitrat nitrit

Der nächste Teststreifen hat gleich drei Felder – für den pH-Wert, den Härtegrad (etwas vereinfacht ist das der Kalkgehalt) und für Chlor. Eintauchen, 15 Sekunden warten, vergleichen, und siehe da: zum ersten Mal ist etwas nicht, wie es sein sollte. Der Farbton des mittleren Feldes zeigt, was man in Moskau jeden Morgen unter der Dusche erlebt: Das Wasser hier ist extrem hart, die Haare brauchen mehr Shampoo, um sauber zu werden.

Der pH-Wert liegt der Farbe nach zwischen 7,5 und 8,5 und damit innerhalb der Vorgaben der deutschen Trinkwasserverordnung, der Chlorgehalt bei null – tatsächlich wird Moskaus Wasser laut offiziellen Angaben seit ein paar Jahren nicht mehr gechlort, sondern stattdessen mit Natriumhypochlorit behandelt (das findet man sonst z.B. in Reinigungsmitteln für verstopfte Rohre).

moskau leitungswasser pH härte chlor

Zwei Teststäbchen sind noch übrig, eines für Blei, eines für Pestizide. Der Versuchsaufbau ist hier ein wenig anders: kein Farbabgleich nach dem Eintauchen, sondern zehn Minuten, in denen die Plastikstäbchen flach auf der Küchenzeile liegen. Dass danach auf jedem Stäbchen nur eine blaue Linie erscheint, heißt auch hier: negativ, keine Substanz gefunden.

moskau leitungswasser blei pestizide

Beim Teströhrchen, das es im Badezimmer schön warm hatte, ist auch zwei Tage später alles noch lila. Gelb hätte, siehe oben, einen Bakterienbefall angezeigt, so hingegen kann man den Inhalt sorgenfrei ins Klo schütten und eine Wassertest-Bilanz ziehen: Das Wasser mag extrem hart sein, ansonsten deuten die Versuchsergebnisse auf kein Problem hin. Kein Flaschenwasser also mehr in Zukunft?

Für mich schon. Weil es eben nur ein kleiner Do-it-yourself-Test ist, keine anständige Laboranalyse. Weil er bestenfalls etwas aussagt über das Wasser, das an diesem einen Vormittag aus diesem einen Hahn gekommen ist, in dieser einen Küche, dieser einen Wohnung, diesem einen Gebäude an dieser einen Straße – in dieser Riesenstadt Moskau. Weil die paar Rubel für Wasser aus der Flasche keine große Investition sind. Und weil das Wissen, dass es wohl kein Chlor ist, vielleicht dafür aber Natriumhypochlorit, am Geschmack und Geruch dieses Wassers so gar nichts nichts ändert.

Und nächstes Mal reden wir dann über mal über die Reinheit von Wodka.

Weiterlesen

Moskauer Leitungswasser – kann man das trinken? (Teil 1)

Wer in Moskau lebt, geht mit Wasser anders um. Kein Schluck aus der Leitung mehr nach dem Zähneputzen. Den Lieferanten für unser Wasser – stilles in Fünf-Liter-Kanistern, Mineralwasser in Flaschen – haben wir samt Kundennummer direkt von den Vormietern übernommen.

Bei Reisen in der Region stehen selbstverständlich Flaschen mit Trinkwasser auf dem Zimmer, selbst in günstigen Hotels. In der Redaktion kümmern sich die Putzfrauen darum, dass regelmäßig die leeren Wasserbehälter an den Zapfstellen gegen volle ausgetauscht werden.

Warmwasser Moskau
Foto: Anna Stollenwerk

Von warmem Wasser wollen wir hier gar nicht erst anfangen. Das kommt gerne mal so wie auf dem Foto aus der Leitung; da stirbt der Impuls, es zu sich zu nehmen, einen abrupten Tod. Aussagen zur Qualität des kalten Wassers klingen unterdessen seit Jahrzehnten nach Radio Eriwan. Im Prinzip kann man das schon trinken, aber…

 

Zeit für einen Versuch. Dazu morgen mehr.

Weiterlesen

Der wichtigste Mitarbeiter der US-Botschaft in Peking

Streng nach Organigramm arbeitet in der amerikanischen Botschaft hier in Peking natürlich niemand, der wichtiger ist als der Botschafter. Gary F. Locke war schon Obamas Wirtschaftsminister, davor Gouverneur von Washington, außerdem ist er der erste US-Botschafter in China, der selbst chinesische Wurzeln hat. Kein ganz unwichtiger Mann, sicherlich.

Deutlich mehr Macht hat aber einer seiner Mitarbeiter. Keine Ahnung, wie er heißt oder was er vorher so gemacht hat. In seinem aktuellen Job jedenfalls entscheidet er, wie meine Mitbewohner und ich unsere Tage verbringen. Drinnen oder draußen? Museum oder Straßenbummel? Wenn raus, dann wann am Tag? Für Mitbewohner 2, der ziemlich sportlich ist, entscheidet der Botschaftsmann, ob im Freien gelaufen wird oder im Fitness-Studio. Und für uns alle, ob ein Maskentag ist oder kein Maskentag.

Ausgeübt wird diese Macht beiläufig und gut organisiert. Mit einem Tweet pro Stunde. Der hier zum Beispiel erklärt, warum ich mich heute zum Arbeiten nicht in den Innenhof gesetzt habe, sondern ins Café.

 

Wobei „very unhealthy“, sehr ungesund, noch nicht das obere Ende der Skala ist. Schließlich gibt es noch „hazardous“, gefährlich. Schon „ungesund“ kann bedeuten: Kratzen im Hals, Husten, eine Sicht wie bei leichtem Nebel. Ein Segen, wenn es dann, wie in der Nacht zu Dienstag, regnet und den Dreck aus der Luft wäscht. Dann meldet der Botschafts-Account:

 

Immer im Winter wird die Luftverschmutzung schlimmer, sagen die Pekinger. Was das bedeutet, zeigen diese Fotos hier. Ich hoffe, der wichtigste Botschaftsmann hat eine gute Maske und einen kurzen Weg zur Arbeit.

Weiterlesen