Moskauer Leitungswasser – kann man das trinken? (Teil 2)

(Das hier ist der zweite Teil einer Bestandsaufnahme zum Thema Moskauer Leitungswasser. Den ersten Teil gibt es hier.)
 

Kann man das Moskauer Leitungswasser nun also trinken oder nicht? Theorien und Behauptungen gibt es viele, bloß kein eindeutiges Ergebnis. Dafür aber aber ein bei Amazon bestelltes kleines Päckchen mit erfreulich vielen Teststreifen, Behältern und Pipetten – keine Profi-Ausrüstung, aber genug für einen ersten Überblick. Also, Handschuhe an und los.

Weil er die meiste Zeit braucht, ist der Bakterientest als erstes dran. Aus dem Küchenwasserhahn etwas Wasser auf das Pulver im Röhrchen geben, zuschrauben, 20 Sekunden schütteln. Nun muss die Mischung an einem warmen Ort stehen, das durch die Wasserrohre permanent aufgeheizte Badezimmer passt also genau. In 48 Stunden, verspricht die Anleitung, wird die lila Flüssigkeit gelb, falls Bakterien gefunden werden. 24 Grad Celsius sind dafür genau richtig, der Test verlangt 70 bis 90 Grad Fahrenheit.

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Nächster Test: Kupfer – wichtig vor allem, wenn im Haushalt Babies oder kleine Kinder leben. Kein Röhrchen diesmal, sondern ein Teststreifen. Kurz ins Wasser stippen, abschlackern (nur einmal bitte) und nach zwei Minuten die Farbe am Ende des Streifens mit der Skala im Testheftchen vergleichen. 1,3 parts per million gibt der Test als Obergrenze vor, das Ergebnis liegt deutlich darunter.

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Der Test auf Eisen im Wasser kommt als nächstes – laut Umweltbundesamt hat der Grenzwert hier vor allem „ästhetische Gründe“, sprich: Das Wasser wird irgendwann schmutzigbraun und schmeckt seltsam.

Auch die Testanleitung legt diesmal Wert auf Ästhetik, aber wer Profi-Gummihandschuhe hat, der hat auch das Einfühlungsvermögen, den Teststreifen fünf Sekunden lang sanft, aber bestimmt durch die Luft zu wedeln. Und das war dann auch schon das Spektakulärste an diesem Teil des Tests.

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Als Kind NRWs kennt man sich mit Nitrat, Nitrit, der Landwirtschaft und dem Grundwasser zwangsläufig aus. (Details zum Beispiel hier oder hier.) Beim Wassertest in Moskau war keins von beidem ein Problem. In beiden Fällen zeigte das Teststäbchen die Farbe am untersten Ende der Skala an.

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Der nächste Teststreifen hat gleich drei Felder – für den pH-Wert, den Härtegrad (etwas vereinfacht ist das der Kalkgehalt) und für Chlor. Eintauchen, 15 Sekunden warten, vergleichen, und siehe da: zum ersten Mal ist etwas nicht, wie es sein sollte. Der Farbton des mittleren Feldes zeigt, was man in Moskau jeden Morgen unter der Dusche erlebt: Das Wasser hier ist extrem hart, die Haare brauchen mehr Shampoo, um sauber zu werden.

Der pH-Wert liegt der Farbe nach zwischen 7,5 und 8,5 und damit innerhalb der Vorgaben der deutschen Trinkwasserverordnung, der Chlorgehalt bei null – tatsächlich wird Moskaus Wasser laut offiziellen Angaben seit ein paar Jahren nicht mehr gechlort, sondern stattdessen mit Natriumhypochlorit behandelt (das findet man sonst z.B. in Reinigungsmitteln für verstopfte Rohre).

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Zwei Teststäbchen sind noch übrig, eines für Blei, eines für Pestizide. Der Versuchsaufbau ist hier ein wenig anders: kein Farbabgleich nach dem Eintauchen, sondern zehn Minuten, in denen die Plastikstäbchen flach auf der Küchenzeile liegen. Dass danach auf jedem Stäbchen nur eine blaue Linie erscheint, heißt auch hier: negativ, keine Substanz gefunden.

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Beim Teströhrchen, das es im Badezimmer schön warm hatte, ist auch zwei Tage später alles noch lila. Gelb hätte, siehe oben, einen Bakterienbefall angezeigt, so hingegen kann man den Inhalt sorgenfrei ins Klo schütten und eine Wassertest-Bilanz ziehen: Das Wasser mag extrem hart sein, ansonsten deuten die Versuchsergebnisse auf kein Problem hin. Kein Flaschenwasser also mehr in Zukunft?

Für mich schon. Weil es eben nur ein kleiner Do-it-yourself-Test ist, keine anständige Laboranalyse. Weil er bestenfalls etwas aussagt über das Wasser, das an diesem einen Vormittag aus diesem einen Hahn gekommen ist, in dieser einen Küche, dieser einen Wohnung, diesem einen Gebäude an dieser einen Straße – in dieser Riesenstadt Moskau. Weil die paar Rubel für Wasser aus der Flasche keine große Investition sind. Und weil das Wissen, dass es wohl kein Chlor ist, vielleicht dafür aber Natriumhypochlorit, am Geschmack und Geruch dieses Wassers so gar nichts nichts ändert.

Und nächstes Mal reden wir dann über mal über die Reinheit von Wodka.

9 Kommentare zu “Moskauer Leitungswasser – kann man das trinken? (Teil 2)

  1. Wissenschaftliches Vorgehen ftw! Es ist auffallend, wie viel Gemurkel sich um Leitungswasser rankt, fast egal wo – also überall, wo es überhaupt Wasserleitungen bis in alle Wohnungen gibt.

    Wir Münchner sind ja besonders stolz auf unser Leitungswasser, da es praktisch Gebirgsbächen entströmt (was nur zu einem Bruchteil stimmt, aber egal), rein ist und köstlich schmeckt – vor allem auf meiner Seite der Isar (die andere hat eine andere Quelle). Und dann lasse ich mir irgendwann im November das erste Vollbad der Saison ein und stehe vor einer hellrotbraunen Wannenfüllung – deutlich heller und klarer als auf dem Moskauer Beispielbild, aber immer ein wenig beunruhigend.

    1. Bei mir hat es dazu geführt, dass ich manchmal beim Deutschlandbesuch morgens unter der Dusche stehe und denke: Krass, duschen mit Trinkwasser. Und dann schon aus Prinzip einmal den Mund aufmachen muss.

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