Ein Verwaltungsakt

Nummern ziehen

1. Durch den Haupteingang ins Gebäude rein. Kurz ratlos umgucken, schon steht ein Sicherheitsmann auf und kommt rüber: „Sie sprechen Englisch? Dann bitte dort hinein.“

2. Hinter der Tür wartet eine ältere Dame, freundlich und tatsächlich englischsprachig. Sie erklärt: Aus dem Gebäude wieder raus. Links rum, Eingang Nummer zwei. Ob wir unsere Pässe dabei haben? Gut, dann bis gleich.

3. Eingang Nummer zwei führt zu weiteren Sicherheitsleuten, einer gelangweilten Garderobiere und einigen Kabuffs mit verdunkelten Scheiben. Über den Türen leuchten Nummern. Wir ziehen jeder eine und warten.

4. Als die Nummer blinkt, ins Kabuff rein. Pass? Hier, bitte. Karte ausgefüllt? Nein, was für eine Karte? Die Frau verschwindet, kommt wieder mit einem Kärtchen in Urlaubspostgröße. Vorname, Nachname, Adresse, Staatsangehörigkeit. Aber auch: Ausbildung? Genauere Fachrichtung? Arbeitgeber? Einiges ausgefüllt, manches freigelassen. Die Frau guckt nicht mal drauf, tauscht aber das Kartenformular gegen ein Plastikkärtchen.

5. Zurück zum Haupteingang, diesmal direkt zur englischsprachigen Frau. Guten Tag, wie haben hier jetzt zwei Plastikkärtchen. Und nun? Sie läuft mit bis zur Sicherheitsschleuse, zeigt, wo man sie mit der Karte aufpiepst. Und durch.

6. Jacke abgeben, Rucksack auch. Dann weiter zur verglasten Kabine an der Treppe. Plastikkärtchen zeigen. Pass zeigen. Die Frau in der Kabine blättert, bis sie das Visum findet. Füllt einen schmalen Papierstreifen aus und reicht ihn hinaus.

7. Drin!

8. Später, auf dem Weg raus, zur Kabine gegenüber der ersten. Plastikkärtchen abgeben reicht nicht, der Papierstreifen vom Einlass muss es sein. Linke Hosentasche, rechte Hosentasche. Bitteschön. Stempel drauf. Kärtchen und Streifen bleiben bei der Kabinenfrau.

9. Jetzt nur noch rauspiepsen an der Schleuse. Wie, Sie haben kein Plastikkärtchen? Aber wie sind Sie denn dann…ach, Ausländer? Na, ich mach Ihnen schnell auf. Hier entlang. Schönen Tag noch.

(Was gab’s drinnen, was so ein Tamtam rechtfertigt? Akkreditierung für den direkten Zutritt zum Kreml, kostenlose Krankenversicherung, neue Staatsangehörigkeit? Morgen mehr.)

Ein Kommentar zu “Ein Verwaltungsakt

Schreib einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *