Putin der Woche (XLI)

putin der woche comedy club 2

Gesehen: In einem Sketch im „Comedy Club“, beim russischen Fernsehsender TNT. Nicht der echte Putin, natürlich – aber eine gar nicht mal so unähnlich aussehende Version.

Begleitung: Donald Trump. Er sitzt in seinem Büro, als Putin anruft. Trump kommt das ungelegen, er beendet das Gespräch schnell, sie verabschieden sich. Unmittelbar darauf betritt Putin Trumps Büro.

Text:
Putin: „Guten Tag.“
Trump: „Guten Tag. Äh, wie… wie sind Sie denn so schnell…“
Putin: „Wir haben einen Kampfjet, der schafft es in einer Sekunde bis nach Amerika.“
Trump: „Ja?“
Putin: „War nur ein Witz. Wir haben hier in der Nähe ein Büro angemietet.“
Trump: „Wo?“
Putin: „Hier, im Weißen Haus. Direkt über Ihnen.“
Trump: „Ernsthaft?“
Putin: „War nur ein Witz. Es war doch der Kampfjet.“

Subtext: Putin kann Trump alles erzählen – und tut das auch. It’s funny cause it’s true.

Oben-Ohne-Punkte: 0/10.

(Den ganzen „Comedy Club“ gibt es hier zum Nachgucken, der Sketch mit Putin und Trump beginn ungefähr bei 40 Minuten.)

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Micky Maus im Bolschoi – ein Programmhinweis für Valentinstag

Valentinstag ist ja nun wirklich der egalste der egalen Tage. Erst recht, wo es in Russland so viele andere, viel blumiger benannte Gedenk- und Feiertage gibt. Gerade war erst Tag der Diplomaten, demnächst ist schon wieder Tag des Vaterlandsverteidigers. Auch der Tag der Geodäsie- und Kartografiearbeiter steht bald wieder ins Haus, im April dann der Tag der Kosmonauten, bis zum Tag der russischen Rechtsanwälte dauert es leider noch etwas länger.

Freunde haben uns zu Weihnachten einen Kalender geschenkt, in dem der Einfachheit halber einfach täglich an jemanden oder etwas erinnert wird: Zahnärzte. Rodelhügel. Große Hoffnungen.

Up next: World #Radio Day. #russia #calendar #andnowyouknow

Ein von Katrin Scheib (@katrinscheib) gepostetes Foto am

Es war allerdings dann doch der Valentinstag, der dafür sorgte, dass ich vorhin schon in unseren Bouquet an Fernsehsendern geguckt habe, ob auch ja der russische Disney-Kanal dabei ist. Denn der zeigt am 14. abends um 19.25 Uhr einen neuen Film, in dem passiert, was hier in Moskau eigentlich Alltag ist: Ein Touri-Pärchen aus dem Ausland beschließt, die großen Moskauer Attraktionen abzuklappern, und geht darum ins Bolschoi-Theater. Das Paar heißt: Micky und Minnie.

Disney-Figuren zu Besuch in Russland, in einem neuen Film von zehn Minuten Länge. Das ist, wie der Sprecher begeistert verkündet, noch nie da gewesen in der Geschichte des Zeichentrickfilms – das Gegenstück wäre wahrscheinlich ein Clip, in dem Mascha und der Bär das Empire-State-Building besuchen. Eine kleine russisch-amerikanische Annäherung in Zeiten größtmöglicher Distanz.

Ob es im Bolschoi dann wirklich nur Folklore und „Kalinka“ gibt wie in dem Trailer, oder nicht auch ein bisschen Ballett? Was sich die zwei an ihrem romantischen Abend wohl noch so ansehen? Und ist das eigentlich eine absichtlich altmodisch gezeichnete Variante von Micky Maus, so stilisiert und ganz ohne Farbe im Gesicht?

Ich bin, möglicherweise zum ersten Mal, echt gespannt auf Valentinstag.

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Putin der Woche (VII)

Foto: ITV
Foto: ITV

Gesehen: In einer Pressemitteilung von ITV zu einer neuen Serie.

Begleitung: Beyoncé, Boris Johnson, Nigel Farage, Russell Brand und Andy Murray.

Text: „Willkommen in der Welt der Newzoids, einer aktuelle Animations-Sketch-Show, die sich über Popstars, Politiker, Sportler und Fernsehstars lustig macht und die unsere populärsten Promis so zeigt, wie man sie nie zuvor gesehen hat.“

Subtext: Okay, Beyoncé erkennt jeder, Boris mit den Wischmopphaaren auch. Murray kriegt nen Tennisschläger in die Hand, sehr gut, Ukip-Rosette ans Revers für Farage und ein paar Halsketten und nen irren Blick für Russell Brand. Und Putin? Ach Gott, zieh ihm halt kein Hemd an, dann merken die Leute schon, wer’s sein soll.

Oben-Ohne-Punkte: 10/10.

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Mit Top Gear von der Ukraine Richtung Weißrussland

Als wir noch recht neu hier in Moskau waren, hing in vielen Metro-Zügen Werbung für die Live-Show von „Top Gear“. Hingegangen sind wir zwar nicht, so gerne ich mal eine Runde Auto-Fußball live gesehen hätte – noch zu viele Baustellen, zu viel Trubel im Leben. Aber zu den Moskauern und ihrer Liebe für protzige, dicke Autos, die reichlich billigen Sprit wegsaufen, passt die Sendung ausgezeichnet.

Wenn aus einem Fiat Panda eine Stretch-Limo wird, aus einem anderen Kleinwagen ein Space Shuttle oder für eine Fahrt zum Nordpol die Reifen mit Wodka gekühlt werden, dann läuft Top Gear. (Ganz abgesehen von den Prominenten im „reasonably priced car“, von denen man sich immer gut ein paar Clips angucken kann.) Es gab hier in Russland sogar mal einen eigenen Ableger der Show, aber der war ein Flop – die Russen wollten lieber das britische Original sehen. Wer mal beim Durchschalten auf N24 „Top Gear USA“ erwischt hat, kann das Gefühl vermutlich nachvollziehen.

An die Originalsendung mit Jeremy Clarkson, Richard Hammond und James May kommt halt kein Ableger ran – auch wenn Clarkson ein ziemlicher Möpp ist, mit zweifelhaftem Humor und Kolumne in der Sun. Darum hier ein kleiner Wochenendfund: Clarkson, Hammond und May fahren durch die Ukraine, in besonders sparsamen Wagen. Ihre Aufgabe: Den Tank trotzdem möglichst schnell leerfahren – denn ihre Route führt Richtung Weißrussland, nach Tschernobyl.

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Überbrückungshilfe bis zur nächsten Sherlock-Staffel

Die Sherlock-Macher spielen gelegentlich auch selbt mit Fanfiction-Ideen und liefern Futter für Sheriarty-Anhänger...
Die Sherlock-Macher spielen auch selber mit Fanfiction-Ideen und liefern Futter für Sheriarty-Anhänger…
Pfingsten ist vorbei, die vorerst letzten „Sherlock“-Folgen im deutschen Fernsehen sind gelaufen. Nun also ein, zwei Jahre warten auf die neue Staffel, mal sehen, und dazwischen Andeutungen, Gerüchte und gelegentliche Fotos vom Dreh. Was tun, bis dahin?

Bei Archiveofourown.org gibt es aktuell mehr als 55.000 von Fans ausgedachte Geschichten rund um den Fernseh-Sherlock; hinzu kommen noch diejenigen, die auf den Büchern von Sir Arthur Conan Doyle und den Kinofilmen basieren. Auch Fanfiction.net und Livejournal bieten einiges an Sherlock-Kreativität, bloß weniger übersichtlich und oft ziemlich gruselig formatiert.

Fanfiction, das hat mit dem Original im schlimmsten Fall so viel zu tun wie der letzte Rest Billig-Erdbeershampoo mit einer frisch gepflückten, sonnenwarmen Erdbeere. Einerseits.

Sherlolly
…und Sherlolly-Shipper.
Andererseits findet, wer klug sucht, auch Geschichten, die den richtigen Ton treffen, die Figuren nicht verbiegen, sondern plausibel weiterentwickeln. Stories, die ihre Tausende von treuen Lesern verdienen. Wonach also suchen?

Wer den Detektiv-Aspekt schätzt, findet mit dem Schlagwort casefic Geschichten, in denen Sherlock neue Fälle lösen muss. Auch bestimmte Figurenkonstellationen haben ihr Kürzel, wobei es da meist um Liebe und/oder Sex geht: Allen voran Johnlock (John Watson und Sherlock), aber auch Sherlolly (Sherlock und Molly), Sheriarty (Sherlock und Moriarty) oder Mystrade (Mycroft Holmes und Inspektor Lestrade).

Autoren, die sich bewusst sind, dass ihr Sherlock nur wenig mit dem Original zu tun hat, kennzeichnen das mit OOC (out of character); spielen die Geschichten in einer anderen als der BBC-Welt, wird mit AU (alternative universe) verschlagwortet. Und wer nur wenig Zeit hat, sucht nach drabbles oder vignettes, also extrakurzen Geschichten. Wenn dann die Nutzer-Bewertung stimmt (50 Kudos oder mehr sollten es schon sein), lohnt sich das Lesen.

Sogar ein eigenes Genre haben die Fan-Autoren erfunden: Ein „221B“ (benannt nach Sherlocks Hausnummer in der Baker Street) muss genau 221 Wörter haben – von denen das letzte mit B beginnt.

(Dieser Text ist so ähnlich auch in der Wochenendbeilage der WAZ erschienen.)

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Was Douglas Adams die Kondome sind, das ist Clare Balding der #Sochitrolley

Anfang der Neunziger hat Douglas Adams in Göttingen aus „Last Chance To See“ gelesen, seinem Buch über bedrohte Tierarten. In einer Anekdote geht es um Delphine im Jangtsekiang. Adams ist mit einem Fernsehteam unterwegs und will Unterwasseraufnahmen machen, um zu verdeutlichen, wie laut es dort im Fluss ist – die Delphine macht der Lärm orientierungslos.

Der BBC-Toningeneur hat kein Unterwassermikro dabei, aber eine Idee. Mit einem Kondom soll ein normales Mikro wasserdicht gemacht werden. Also: Kondomkaufen in Shanghai, ohne Chinesischkenntnisse. Mit Pantomime können sie ihr Anliegen zwar vermitteln, bekommen aber statt Kondomen Verhütungspillen ausgehändigt.

„Not want rubberover, pill better!“ – „No“, Mark said, „we definitely want rubberover, not pills.“ – „Why want rubberover? Pill better!“ – „You tell him“, said Mark. „It’s to record dolphins“, I said, „or, not the actual dolphins, in fact – what we want to record is the noise in the Yangtze that… it’s to do with the microphone…“ – „Oh, just tell him you want to fuck somebody“, he said, „and you can’t wait.“

Am Ende kaufen sie neun Kondome, sicherheitshalber. Die Unterwasseraufnahme gelingt.

Was eine ziemlich lange Anekdote ist, um zu vermitteln, wie kreativ gerade Fernsehleute bei Einsätzen manchmal sein müssen. Und seit gestern weiß ich, wer die legitimen Nachfolgen von Douglas Adams und seinem BBC-Team sind: Reporterin Clare Balding und ihr Team – auch von der BBC. Sie sind in Sochi im Einsatz, samt Arbeitsgerät: dem Sochitrolley.

Irgendeinem Supermarkt fehlt jetzt ein Einkaufswagen. Dafür hat das BBC-Team eine eigene Schaltzentrale auf Rädern, mit Scheinwerfern, Monitor, Getränkehalter, Rucksackhaken, BBC-Logo, Regenschirmen – ein Einsatzwagen. Und neuerdings auch ein Renner bei Twitter.

Mehr als 2500 Tweets mit dem Hashtag #Sochitrolley gab es in den ersten 24 Stunden, seit der Trolley erstmals erwähnt und gezeigt wurde, mindestens einmal war der Begriff auch schon trending topic.

Ziemlich sympathisch, dieser Spaß am Improvisieren und am Möglichmachen. Und klar, dass die BBC nun regelmäßig dafür sorgt, dass der Einkaufswagen im Bild ist. Mal sehen, wie lange der Ruhm des #Sochitrolley noch reicht – der Nachfolger lauert schon.

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Schreib das auf, Sorkin!

„Let Bartlet Be Bartlet“ – The West Wing, Staffel 1, Folge 19

14. Juli. Ein guter Tag, um eine Beobachtung aufzuschreiben – nach sieben Staffeln „The West Wing„, einer Staffel „Studio 60 on the Sunset Strip“ und bisher einer Staffel „The Newsroom„. Alle sind sie von Aaron Sorkin, und alle belegen: Sorkin liebt Text, und zwar auf Papier.

„Tomorrow“ – The West Wing, Staffel 7, Folge 154

Wenn in einer dieser Serien („Sports Night“ kenne ich nicht gut genug) etwas so richtig wichtig ist. Wenn es den Plot vorantreibt. Wenn eine Hauptfigur eine Motivation braucht, eine Beziehung einen Gründungsmythos, dann ist das ein Fall für Stift und Papier. Ein Politiker weiß, wie er einen guten O-Ton anbringt. Aaron Sorkin lässt solche Statements aufschreiben.

Bei The West Wing ist das auf Anhieb plausibel. Schließlich geht es hier ständig um Texte – die Gettysburg Address, die Declaration of Independence, die Bibel, die vielen Amendments. Jede Rede, die Sam, Toby und später Will verfassen. Es gilt das geschriebene Wort.

Und damit Du, lieber Zuschauer, nicht verpasst, was hier gerade wichtig ist, nimmt sich Leo McGarry eine Serviette und einen Kuli: „Bartlet for America“, die Idee zur Kandidatur. Und später, damit der Präsident aufhört, Kompromisse zu schließen, und wieder für seine Überzeugungen einsteht: „Let Bartlet Be Bartlet“.

„The Harriet Dinner, Part 2“ – Studio 60 on the Sunset Strip, Staffel 1, Folge 14

Bei „Studio 60“ geht es um eine Fernseh-Show, die Texte hier sind keine Dokumente für die Ewigkeit, sondern Skripte für die nächste Folge. Und doch: Sender-Chefin Jordan jubelt Produzent Danny einen Zettel unter, geschrieben mit Eyeliner: „I’m crazy about you.“ Die Serie hatte nur eine Staffel, die Liebesgeschichte von Jordan und Danny hätte mehr Zeit verdient gehabt. Aber die Szene mit dem Zettel auf dem Dach fühlt sich im Tempo genau richtig an – und gibt der Show einen Dreh, der bis zum Finale reicht.

„We Just Decided To“ – The Newsroom, Staffel 1, Folge 1

Und dann „The Newsroom“. In der ersten Folge lässt sich die Hauptfigur Will MacAvoy bei einer Podiums-Diskussion zu einer Wutrede hinreißen über den Zustand der USA. Auslöser war eine reichlich naive Frage aus dem Publikum („Können Sie sagen, warum Amerika das beste Land der Welt ist?“) und eine Frau, die Will daraufhin im Publikum zu sehen glaubt.

„We Just Decided To“ – The Newsroom, Staffel 1, Folge 1

Sie schreibt ihm Zettel, auf denen steht: „It’s not. But it can be.“ Will hält die Frau später für eine Halluzination. Dass sie keine war, sondern seine Ex-Freundin, bedingt und prägt fast alles, was danach in der Serie geschieht. Wie die Papierserviette, auf der zum ersten Mal die Idee stand, dass Jed Bartlett US-Präsident werden könnte.

14. Juli. Heute Abend beginnt die zweite Staffel „The Newsroom“.

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