Eine Woche Instadvent

Advent, Advent, was man so kennt. Immerhin, eines ist dieses Jahr neu: der Instadvent. Freunde, Kollegen, Bekannte von Ex-Kollegen, die heute Freunde sind – seit einer Woche posten wir Tag für Tag ein weihnachtliches Foto bei Instagram, schön verhashtagt mit #instadvent und dem Datum, also #1von24, #2von24 und so weiter.

Eine gute Fingerübung, die dazu zwingt, täglich die Augen offen zu halten nach Motiven. Noch hält es sich auch gut die Waage zwischen Wärme, Gemütlichkeit, Vorfreude und Kitsch, Ironie, Distanz. Den fetten Besinnlichkeitshebel hat noch keiner umgelegt, stattdessen schleicht sich das Weihnachtsgefühl allmählich ins Bild – was ja auch die Idee ist beim Advent.

#instadvent #1von24

Ein von N Dave (@ruhrpoet) gepostetes Foto am

Weihnachtsdeko à la Karstadt. #instadvent #2von24 #Dortmund #ifttt

Ein von Katharina Kierig (@kakakiri) gepostetes Foto am

Schrottwichteln. Spannend. #instadvent #3von24

Ein von @kaehler_s gepostetes Foto am

#5von24 #instadvent Rotes Türchen für die Fünf

Ein von @peterssan gepostetes Foto am

#Winterleuchten #Westfalenpark #nofilter #instadvent #6von24

Ein von @anni_kari gepostetes Foto am

"Sag, wenn er wieder weg ist!" #instadvent #7von24

Ein von @textaufgabe gepostetes Foto am

Wer noch mitmachen will: Montag geht es weiter mit #8von24.

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Ein Facebook-Trick für große Nachrichtenlagen

Wenn sich bei einem Thema in kurzer Zeit viel entwickelt, ist das für Onlinejournalisten gleichzeitig schön und schrecklich.

Schön, weil wir ein Medium zur Hand haben, mit dem sich diese Bewegung gut abbilden lässt. Erst die schnelle, kurze Meldung veröffentlichen, dann mit Details und Kontext ergänzen. Das Platzhalter-Symbolfoto durch ein richtiges ersetzen. Aus „Hauptbahnhof Essen gesperrt“ wird „Hauptbahnhof Essen wegen Oberleitungsschaden gesperrt“, dann „Hauptbahnhof-Sperrung dauert bis in den Feierabendverkehr“ und, aller Erfahrung nach, „Hauptbahnhof Essen frühestens Montag wieder offen, und auch das nur, wenn es am Wochenende nicht regnet“.

Schrecklich, weil viele Leser die erste, schnelle Meldung über die Facebookseite finden und sie von dort weiterteilen. Und auch, wenn auf der Website längst eine andere, präzisere Überschrift steht, zeigt Facebook immer noch die ursprüngliche an. Klar, man kann die Artikel-Updates von Hand drunter in den Kommentaren posten, aber elegant ist anders.

Praktisch also, dass man Facebook-Posts zwingen kann, den einmal geposteten Artikel später noch mal anzusehen und eine aktualisierte Fassung anzuzeigen. Dazu öffnet man zunächst den Post in einem eigenen Tab, indem man auf die Zeitangabe der Veröffentlichung klickt.

capello 1 

Per Klick auf den Pfeil nach unten, der oben rechts am Beitrag steht, öffnet sich ein kleines Menü. Die Funktion heißt „Refresh share attachment“ oder auf Deutsch-Ungelenk „Geteilten Anhang aktualisieren“. Nach dem Klick legt sich eine Vorschau des aktuellen Posts über den bestehenden – zum Vorführen habe ich hier in der Überschrift aus „funds“ mal „money“ gemacht:

capello 2 

Jetzt noch bestätigen, und schon ist alles auf Stand. Sehr nützlich, die Funktion – und zumindest für englischsprachige Seiten auch schon seit einiger Zeit verfügbar. Darüber hinaus scheint das aber noch nicht groß die Runde gemacht zu haben: Gestern entdeckt, seitdem schon zwei Dutzend Kollegen damit erfreut.

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Endlich alle Stempel für den neuen Job

Moscow Times  
Wo hört Bürokratie auf und fängt absurdes Theater an? In Russland kann man sich das gut und oft fragen, egal, ob es ums Visum geht, um einen Büchereibesuch oder irgendwas dazwischen. In einem Land, wo man schon mal sieben Stempel braucht, um eine Fahrt in einem Pendlerzug filmen zu dürfen, dauert manches halt ein bisschen länger – auch die Wartezeit, bis es in Sachen Job etwas zu verkünden gibt.

Jetzt aber: Auf den neuen Visitenkarten steht „редактор социальных медиа“, oder, wenn man sie umdreht, „Social Media Editor“, darüber das blaue Logo der Moscow Times. Eine unabhängige Tageszeitung, die nicht in Staatsbesitz ist – was in Russland dieser Tage so schnell zu einer Seltenheit wird, dass es einen gruselt. Gleichzeitig ist seit Beginn des Konflikts in der Ukraine die Nachfrage nach unabhängiger Berichterstattung besonders groß: Anfang Februar hatte die Moscow Times 50.000 Fans bei Facebook, heute sind es schon deutlich über 200.000; bei Twitter ist das Wachstum ähnlich.

Ich arbeite also nun wieder auf Englisch, was nach rund einem Jahrzehnt Pause etwa dem entspricht, wie andere das „ich hab mal wieder das Motorrad aus der Garage geholt“-Gefühl beschreiben. Ok, der AP-Style sitzt noch nicht komplett wieder, manchmal rutscht noch ein britischer Begriff dazwischen oder em-dash und en-dash gehen durcheinander, aber das wird noch. Es hat sich hier jedenfalls sehr schnell sehr richtig angefühlt – schon jetzt würde es mir fehlen, von der Fotoredakteurin morgens nicht mehr mit „Hey dude, what’s up?“ begrüßt zu werden.

Sanoma Independent MediaUnd es macht großen Spaß, sich in so Neuerungen reinzufrickeln wie die, dass wir rund um die Welt und durch alle Zeitzonen gelesen werden. Kein klassischer Morgen-Peak mehr in der Online-Nutzung, sondern verschiedene Spitzen im Tagesverlauf. Da kann es schon mal sein, dass der stärkste Facebook-Post des Tages einer ist, der erscheint, wenn alle Redakteure schlafen.

Ein dicker Pluspunkt ist auch, dass dieses kleine britisch-russisch-holländisch-kanadisch-irisch-georgisch-amerikanisch-(deutsche) Team jeden Tag über ein Land diskutiert, recherchiert und berichtet, das ich noch entdecke. Aber eben in einer Sprache, in der ich den Debatten, Einschätzungen und Argumenten folgen kann.

Das Wichtigste aber bleibt: Unabhängiger Journalismus ist in Russland rar. Dafür zu sorgen, dass er sein Publikum findet – hier und international – ist nicht die schlechteste Aufgabe, die man dieser Tage haben kann.

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Ein Jahr ohne West-Essen als Facebook-Projekt

Am Tag, als Russland seinen Lebensmittelmarkt abschottete, entschied sich Eva Mala für die Öffentlichkeit. Die 29-jährige Tschechin mit russischen Wurzeln lebt in Moskau, gibt hier Sprachunterricht und betreibt neuerdings eine Facebookseite: 365 Days Of Russian Ban On Food. Ein Jahr lang will sie dort Mahlzeit für Mahlzeit dokumentieren, wie sie sich ernährt – und wie sich die Ernährung im Laufe des Jahres verändert.

„Es gibt auf den diversen Websites so viele Kommentare zu dem Thema, die manchmal gar nicht stimmen, also will ich das korrigieren“, erklärt sie. Den Facebooknutzern wolle sie zeigen, wie es tatsächlich hier aussehe, was wirklich geschehe. „Denn die Menschen im Westen denken, hier gibt es nichts mehr zu essen, und die Russen denken, das Einfuhrverbot ist eine super Sache. Keiner von beiden hat Recht.“

Bisher sind es erst knapp über 100 Facebook-Nutzer, die Eva auf den Teller gucken wollen. Dass die Seite schon bald wachsen wird, liegt nahe – denn die Einblicke in Evas Essens-Alltag sind nicht nur anschaulich, sondern auch gut so getextet, dass der Genussmensch durchkommt.

Nicht jedes Glas Wasser will sie posten, sonst aber alles – auch, wenn es am Wochenende mal zu viel Wein war oder eine ganze Tafel Schokolade nach einem harten Tag. Das ist der Plan.

Schon vor dem Einfuhrverbot sei das russische Essen nicht allzu gut gewesen, findet Eva, die gerne kocht und nach Einschätzung ihres Freundes auch ziemlich gut. „Seit einem Jahr lebe ich jetzt hier, und das Problem waren immer niedrige Qualität und hohe Preise.“ Das selbstgebackene Brot aus russischem Mehl habe nicht richtig geschmeckt, und nun also auch noch das Einfuhrverbot. Seitdem, sagt Eva, sei ihr vor allem eines aufgefallen: die Sache mit dem Käse.

„Ich finde keinen Parmesan, keinen Camembert, keinen guten Blauschimmelkäse.“ Auch manche Obst- und Gemüsesorten seien in Noginsk, wo sie sich derzeit aufhält, schwer zu bekommen. Alles noch keine ernsthaften Probleme, aber das Einfuhrverbot ist ja auch erst ein paar Tage alt. Die Pizza mit sauren Gurken könnte da nur der Anfang sein.

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Der bisher schönste Tweet des Tages (IV)

…ist heute einer, wie er mir bei Twitter noch nie begegnet war – und bei dem ich auch erst nicht verstanden habe, wie er funktioniert. Hier ist er, nicht eingebettet, sondern als Screenshot. Aus Günden.

tweet russia 1 von 2

„Aus der Rubrik: Klicken Sie auf das Bild“ hat @zhgun drüber geschrieben. Wer das tut, sieht statt einer Login-Maske für „Russia“ auf einmal das hier:

russia tweet 2 vn 2

Warum ist das bemerkenswert? Nicht nur wegen der politischen Aussage, sondern vor allem, weil es derselbe Tweet ist, der da so unterschiedlich aussieht. Okay, seit ein paar Monaten kann man ja mehr als ein Foto an einen Tweet anhängen – hängt hier also ein weißes Russland-Bild und ein schwarzes USSR-Bild dran? Nachschauen ergibt: nein, nur ein einziges Motiv. Auch kein GIF, kein Video, nichts Komplexes. Ganz schlicht, und schlicht zu hoch für mich.

Die Auflösung kommt, natürlich, via Twitter (danke, Jan Wienken): Es liegt im Kern daran, dass es zwei verschiedene Arten sind, den Tweet anzuzeigen. Einmal in der Timeline, und einmal nach dem Klick als Overlay. Und da gelten in der Benutzeroberfläche von Twitter seit einiger Zeit verschiedene Designs, bei denen die transparenten Teile eines Bildes unterschiedlich ausgefüllt werden.

Wer sich genauer einlesen oder es selbst probieren will, findet hier eine genaue Anleitung, einschließlich Norman-Rockwell-Beispielbild. Ein schöner, verspielter Hack, der das Twitter-Design klug ausnutzt. Und jetzt, zum Rumspielen, der Tweet des Tages in der klickbaren Version – und noch ein paar, die nach demselben Prinzip funktionieren.

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Moppern über Méthode

Manches fehlt, im neuen Leben in der neuen Stadt. Und manches fehlt sowas von gar nicht.

Eidos Méthode ist ein CMS, auf dem gar nicht mal so wenige Zeitungen produziert werden. In Deutschland zum Beispiel die NRW-Titel der Funke-Mediengruppe (bei der ich im Prinzip arbeite, im Moment aber freigestellt bin), die Stuttgarter Zeitung, die Westfälischen Nachrichten und der Schwarzwälder Bote.

Weil in jeder Redaktion übers CMS geflucht wird, habe ich die letzten Jahre in Essen über Méthode geflucht. Das ist, nebenbei bemerkt, auch mutig, einem Redaktionssystem solch einen Namen zu geben. Gags mit „Der Wahnsinn hat…“ machen sich da von selbst, wenn wieder mal ein Artikel verschüttgegangen oder ein Export Richtung online gescheitert ist.

Nenn es Schadenfreude, nenn es Katharsis – jedenfalls hab ich mir den Spaß gemacht, Tweets zu Méthode zu sammeln. Nicht die vom Hersteller, sondern von Journalisten. Schließlich macht uns beim Fluchen in Vehemenz und Eloquenz so schnell keiner was vor. So lässt sich bei Twitter gut nachvollziehen, wo überall gerade Méthode eingeführt wird. (Wer etwas mehr Zeit hat: Hier ein ziemlich unfassbarer Mailwechsel dazu aus Australien.)

Am ausdauerndsten in seiner Frustration ist aber erkennbar der Mann von weiter oben: Chuck Plunkett, Politikchef der Denver Post. Nicht mehr ganz ein young man, aber angry, definitiv.

Druck macht Diamanten, Leid macht Dichter. Darum gehört das letzte Wort Dan Zak von der Washington Post:



Bloggen ist schön, macht aber viel Arbeit. Unter dem Motto „Schönes bleibt“ nutze ich deshalb den Moskauer Sommer, um ein paar Dinge aufzuschreiben, für die sonst immer die Zeit fehlte.

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Wie die New York Times es mit den Tweets zu #MH17 übertreibt

Wenn ein Tweet funktioniert, schick ihn noch mal“ – so stand das Anfang des Jahres in einem Text, in dem das Social-Media-Team der New York Times seine Erfahrungswerte aus dem Jahr 2013 vorstellte.

Der Text gehört auf die Leseliste für jeden, der sich mit Journalismus und Twitter beschäftigt, und auch diese Kernaussage ist überzeugend. Schließlich hat die NYT Leser rund um die Welt. Wird ein Tweet also nur einmal veröffentlicht, verpasst man ihn in einer anderen Zeitzone vielleicht. Außerdem lohnen gerade hintergründige Artikel auch Tage nach der Veröffentlichung noch das Lesen. Vor allem am Wochenende, wo unter @nytimes vorgeplante Tweets zeitgesteuert veröffentlicht werden, sei das Wiederholen darum inzwischen eine bewährte Methode, so das Times-Team.

Stimmt alles, im Prinzip. Aber das vergangene Wochenende war eine Ausnahme, denn es war das Wochenende nach dem Absturz von Flug MH17 über dem Osten der Ukraine. Die New York Times stellt einige Opfer des Unglücks vor, in Kurzporträts – und schickte dazu am Samstagabend (17.20 Uhr deutscher Zeit)
diesen Tweet raus:

Dann am Sonntagmorgen um 4.13 Uhr.

Und um 10.48 Uhr.

Das nächste Mal, mit neuer Foto-Kombo, um 16.15 Uhr.

Dann, inzwischen war Montag, um 1.27 Uhr.

Und, das bisher letzte Mal, um 8.13 Uhr.

Wenn es bei dieser Sieben-Stunden-Taktung bleibt, wird dieser Tweet also heute Nachmittag gegen 15 Uhr deutscher Zeit das nächste Mal veröffentlicht. In New York ist es dann noch halbwegs früh am Tag, kann also gut sein, dass noch die Automatik vom Wochenende greift.

Viel wichtiger aber ist: Alle sieben Stunden, das heißt nicht nur „Jeder soll eine Chance bekommen, diesen Tweet zu sehen“. Alle sieben Stunden heißt: „Wir nehmen in Kauf, dass derselbe Mensch in derselben Zeitzone diesen Tweet häufiger sieht.“ Mir zum Beispiel ist er seit Samstag viermal in der Timeline begegnet – und auch aufgefallen. Schließlich hängt extra ein Foto dran, es zeigt Gesichter – die doppelte Garantie, dass der Blick hängenbleibt. Das ist im besten Fall nur nervig, im schlimmsten Fall jedes Mal neu bedrückend und verstörend, je nachdem, wie betroffen man von dem Thema ist.

„Mit Bedacht genutzt dient das Recycling (von Tweets) unseren Lesern, indem wir ihnen (…) Inhalte dann liefern, wenn sie sie auch lesen können“, heißt es in dem Text beim Nieman Lab. In diesem Fall wäre ein bisschen mehr Bedacht und ein bisschen weniger Schlagzahl schön gewesen.

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Das British Museum ist das einzig wahre WM-Orakel

Wenig an der Fußball-Weltmeisterschaft ist so nervig wie die diversen Orakel. Wie schön, wenn sich das erledigt hätte, jetzt wo Paul selig im Tintenfischhimmel ist, aber nein: Pinguine, Schildkröten, Gürteltiere müssen herhalten für die Vorhersage.

Als bestes Orakel hat sich beim Spiel Deutschland-Portugal allerdings eine Institution entpuppt, die den Anspruch selbst gar nicht erhebt: das British Museum. Vom Stein von Rosette über den Lindow Man bis zu den Elgin Marbles gibt es Gründe satt, bei jedem London-Besuch dorthin zu gehen – und dann haben wir noch gar nicht über das Gefühl gesprochen, wenn man im Innenhof steht und durch die Glasdecke von Sir Norman Foster nach oben guckt. Hach.

Jedenfalls. Das British Museum hat einen riesigen Fundus, mit Weltberühmtem und weniger Bekanntem. Und während der WM hat sich ein kluger Social-Media-Mensch nun überlegt, zu jeder Begegnung die passenden Stücke aus dem Bestand zu twittern. Immer als Duo, eins pro Land der jeweiligen Begegnung.

Eine klasse Idee, die überraschend gut funktioniert und sich gar nicht zurechtgebogen anfühlt. Stattdessen macht es Spaß, Parallelen unter den Exponaten zu entdecken und über Unterschiede zu sinnieren:

Mit dem Tweet vor dem Anpfiff des Deutschland-Portugal-Spiels jedenfalls beweist das British Museum seherische Fähigkeiten. Denn welche Chancen hat schon ein Obstverkäufer gegen ein Nashorn?

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Der bisher schönste Tweet des Tages (III)

…ist dieser hier. Auch, wenn er schon ein paar Tage alt ist – und auf den ersten Blick kryptisch. Trotzdem. Wirklich.

Warum, zeigt sich erst im Zusammenhang mit den drei Tweets, die bisher über diesen Account veröffentlicht wurden. Man beachte den Abstand zwischen dem vorletzten Tweet und dem aktuellen.


Und während ich noch staune über so viel Hingabe und Geduld für eine einzige Pointe (ob sich Frank Furter eine Erinnerung im Kalender eigestellt hat?), hat David Weiner schon auf den Punkt gebracht, was da gerade passiert ist.

Wer jetzt noch nicht die Stimme eines ’sweet transvestite from Transsexual, Transylvania‘ im Ohr hat, für den hier noch mal kurz der Clip.

Warten lohnt sich eben.

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Was Douglas Adams die Kondome sind, das ist Clare Balding der #Sochitrolley

Anfang der Neunziger hat Douglas Adams in Göttingen aus „Last Chance To See“ gelesen, seinem Buch über bedrohte Tierarten. In einer Anekdote geht es um Delphine im Jangtsekiang. Adams ist mit einem Fernsehteam unterwegs und will Unterwasseraufnahmen machen, um zu verdeutlichen, wie laut es dort im Fluss ist – die Delphine macht der Lärm orientierungslos.

Der BBC-Toningeneur hat kein Unterwassermikro dabei, aber eine Idee. Mit einem Kondom soll ein normales Mikro wasserdicht gemacht werden. Also: Kondomkaufen in Shanghai, ohne Chinesischkenntnisse. Mit Pantomime können sie ihr Anliegen zwar vermitteln, bekommen aber statt Kondomen Verhütungspillen ausgehändigt.

„Not want rubberover, pill better!“ – „No“, Mark said, „we definitely want rubberover, not pills.“ – „Why want rubberover? Pill better!“ – „You tell him“, said Mark. „It’s to record dolphins“, I said, „or, not the actual dolphins, in fact – what we want to record is the noise in the Yangtze that… it’s to do with the microphone…“ – „Oh, just tell him you want to fuck somebody“, he said, „and you can’t wait.“

Am Ende kaufen sie neun Kondome, sicherheitshalber. Die Unterwasseraufnahme gelingt.

Was eine ziemlich lange Anekdote ist, um zu vermitteln, wie kreativ gerade Fernsehleute bei Einsätzen manchmal sein müssen. Und seit gestern weiß ich, wer die legitimen Nachfolgen von Douglas Adams und seinem BBC-Team sind: Reporterin Clare Balding und ihr Team – auch von der BBC. Sie sind in Sochi im Einsatz, samt Arbeitsgerät: dem Sochitrolley.

Irgendeinem Supermarkt fehlt jetzt ein Einkaufswagen. Dafür hat das BBC-Team eine eigene Schaltzentrale auf Rädern, mit Scheinwerfern, Monitor, Getränkehalter, Rucksackhaken, BBC-Logo, Regenschirmen – ein Einsatzwagen. Und neuerdings auch ein Renner bei Twitter.

Mehr als 2500 Tweets mit dem Hashtag #Sochitrolley gab es in den ersten 24 Stunden, seit der Trolley erstmals erwähnt und gezeigt wurde, mindestens einmal war der Begriff auch schon trending topic.

Ziemlich sympathisch, dieser Spaß am Improvisieren und am Möglichmachen. Und klar, dass die BBC nun regelmäßig dafür sorgt, dass der Einkaufswagen im Bild ist. Mal sehen, wie lange der Ruhm des #Sochitrolley noch reicht – der Nachfolger lauert schon.

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