Russball, Folge 34: In diesen Hotels wollt ihr keine WM-Zimmer buchen

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Das Wichtigste zuerst: Bei der Fußball-Weltmeisterschaft im Sommer wird es Bier im Stadion geben. So richtiges, mit Alkohol drin. Das hat Witali Mutko jetzt noch mal klargestellt.

Eigentlich war schon länger klar, dass Russland für das Turnier eine Ausnahme von seinem Alkoholverbot im Stadion macht, dann allerdings kursierten Gerüchte, in Rostow gelte das Verbot vielleicht doch… alles vom Tisch. Es wird Budweiser ausgeschenkt und Klinskoje, ist ja beides von derselben Firma. Und preiswert wird’s offenbar auch.

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⚽ Heute um 10 Uhr endet die aktuelle Verkaufsrunde für WM-Tickets – eine von fünf Runden insgesamt und die erste, an der ich mich beteiligt habe. Dabei ließ sich auch gleich eine Frage klären: Ja, die Tickets der extra eingeführten Billigkategorie stehen tatsächlich allen Leuten offen, die in Russland leben – es entscheidet der Wohnort, nicht die Nationalität. Was ja auch sinnvoll ist: Wer hier lebt, auf dem russischen Arbeitsmarkt nach russischen Konditionen bezahlt wird, steht finanziell anders da als jemand, der vielleicht in London, Paris oder Baden-Baden lebt, aber einen russischen Pass hat.

45 Prozent der Anträge auf Tickets kamen in dieser Runde aus dem Ausland. Zu den Top-Ten-Ländern mit dem größten Interesse gehören neben Deutschland auch die Niederlande – dabei ist deren Mannschaft ja noch nicht mal qualifiziert. Umgekehrt schickt England zwar ein Team zur WM, das Interesse im Land ist aber eher niedrig: Von mehr als 4 Millionen Ticketanträgen kamen gerade mal 26,670 aus England – das ist Platz 15.

⚽ Da ist sie also, die Liste der russischen Hotels, die mit überhöhten Zimmerpreisen während der WM Fußballfans abzocken wollten. Russlands Tourismusbehörde hat ihre Namen veröffentlicht, Auszüge kann man nun überall lesen: 5000 Prozent Preissteigerung bei einem Null-Sterne-Hotel in Kaliningrad (genau genommen sogar 5283 Prozent, aber wer will da pingelig sein). Auch große Ketten wie Hampton by Hilton sind beteiligt.

Das Hotel "Agora" in Kalinigrad steht an der Spitze der schwarzen Liste
Das Hotel „Agora“ in Kaliningrad steht an der Spitze der schwarzen Liste

Die komplette Übersicht gibt es bisher nur auf Russisch. Darum, als kleiner Service für euch, hier eine Übersetzung der offiziellen Liste überteuerter Hotels ins Deutsche. Könnt ihr ja bookmarken, falls ihr plant, im Sommer nach Russland zu kommen – dann wisst ihr, wo ihr eher nicht buchen wollt. Und wer keine solchen Reisepläne hat: Bitte jetzt kurz und energisch runterscrollen. Da gibt es dann Neues von Sepp Blatter, okay?

Kaliningrad

Hotel „Agora“
Apartment-Komplex „Longin“
Hotel „Berlin“
Apartment-Komplex „Orangefarbenes Haus“

Moskau

Hotel „Tschaikowski“
Hotel „Slawjanka“
Hotel „Stari Gorod“
Hotel „City Comfort“
Hotel „Seven Hills Trubnaja“
Hotel „Deco“
Hotel „LeonArt“
Hotel „Kamergersky“
Hotel „Petrowka“
Hotel „Max 2“
Hostel „Napoleon“

Rostow am Don

Hotel „Kolibri“
Hotel „1007. Nacht“
Hotel „Dom 17“
Hotel „Kokos“ (lohnt einen Blick bei Google Maps, das Hotel hat eine eigene Autowaschanlage)
Hotel „Pamir“
Hotel „Don Major“
Hotel „Otschakowski“
Hotel „Avenue“
Hotel „Agathe“ (liegt im Vorort Bataisk, nicht in Rostow selber)
Apartment-Komplex „Akropolis“
Hotel „Tichie Sady“
Banja-Hotel „Russkiy Stil“
Hotel „Raspberry Paradise“
Hotel „Kars“

Samara

Hotel „Tonika“

Rund um Sotschi

Hotel „Fidan“, Sotschi
Hotel „Crystal“, Sotschi
Hotel „Alean“, Anapa
Kempinski Grand Hotel, Gelendschik
Hotel „Intourist“, Krasnodar

Wolgograd

Hotel „Astoria“, Wolgograd
Hotel „Lukomorje“, Wolgograd
Hotel Hampton by Hilton Profsojusnaja, Wolgograd
Hotel „Gallery Park“, Wolgograd
Hotel „Stalingrad“, Wolgograd

Warum aus Jekaterinburg, Kasan, St. Petersburg, Nischni Nowgorod und Saransk keine Hotels auf der Wucherpreisliste stehen? Schwer zu sagen. Vielleicht sind die Kontrolleure vor Ort einfach weniger aufmerksam.

⚽  Neues von Sepp Blatter – wobei, können wir an der Stelle mal kurz innehalten? Wie habt ihr den Mann gerade im Kopf ausgesprochen? Sepp, mit weichem, stimmhaftem S – wie bei Sahne, Samt, Silber? Oder Sepp mit stimmlosem, scharfem S – Skulptur, Sex, Skala? Ja, das ist wichtig. Nein, das sind keine Assoziationen zu Blatter. Geht’s noch. Pfff.

Sepp Blatter also hat am Montag dieses Bild hier getwittert, das aussieht wie das Cover eines Computerspiels, aber der Aufschrift nach wohl doch eher ein Buch ist: „Sepp Blatter: Der Fußball und ich – eine offenherzige Geschichte“.

Coming soon, so so – veröffentlicht der Blattersepp also wirklich ein Buch auf Russisch? Eine deutschsprachige Vorlage scheint es jedenfalls nicht zu geben. Infos zum Verlag? Keine. Berichterstattung in russischen Medien? Nix. Und dann noch diese seltsame Schreibweise: Auf Russisch heißt dem Mann seit Jahren „Зепп Блаттер“ – weiches S, zwei P. Auf dem getwitterten Cover hingegen steht Сеп Блаттер – scharfes S, ein P – und das auch noch in einer so komischen Schrift, dass es wie „Set Blatter“ aussieht.

Also: Wo hat er sich das so amateurhaft zurechtphotoshoppen lassen? Und warum sollte das in Russland erscheinen – weil man hier noch zu ihm hält? Putin hat den eigentlich gesperrten Blatter ja als persönlichen Gast zur WM eingeladen. Die russischen Reaktionen auf Blatters Tweet sind bisher vor allem eines: verwirrt. „Wieso heißt der denn jetzt Set Blatter?“„Seth, Horus und Osiris Blatter.“

⚽  „War doch kein Rassismus! War doch nur Spaß!“ So lasen sich viele Reaktionen in der russischen Sportpresse, nachdem Spartak Moskau in einem Tweet seine schwarzen Spieler als „Schokolade, die in der Sonne schmilzt“ bezeichnet hatte. Nun, wie sich rausstellt, war es dann doch Rassismus, Russlands Fußballverband hat Spartak deshalb zu einer Geldstrafe verurteilt. Das Strafmaß zeigt dann auch direkt, wie ernst das Thema Rassismus hier im Profifußball genommen wird: Der Leiter von Spartaks Öffentlichkeitsarbeit muss 20,000 Rubel Strafe zahlen – ganze 286 Euro.

⚽  Drew, ein Freund hier aus Moskau, war übers Wochenende in Wolgograd, also habe ich ihn gebeten, doch mal Fotos vom Baufortschritt am Stadion mitzubringen. Sieht gut aus, durchaus, und erinnert mehr als nur ein bisschen ans Vogelnest in Peking.

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Auch eine Straßenbahn hat er bei seinem Kurztrip fotografiert, komplett im dunkelroten WM-Design, mit dem Schriftzug der „Gastgeberstadt Wolgograd“. Drew hatte genug Zeit, das Foto zu machen, denn sowohl die schicke WM-Tram als auch seine in die Gegenrichtung standen still, berichtete er: „Kein Strom auf der Leitung – hoffentlich kriegen die das bis Juni noch hin.“

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⚽ „Womit beschäftigt sich Philipp Lahm nach dem Abschluss seiner Karriere?“, fragte Championat.ru im vergangenen September (Die Überschrift wurde dann noch mal geändert, aber in der URL kann man die ursprüngliche Variante noch sehen). Das hat der Konkurrenz von der Zeitschrift „Futbol“ so gut gefallen, dass sie vier Monate Schamfrist verstreichen ließen und dann diese Woche ihren eigenen Artikel zum selben Thema veröffentlichte. Überschrift: „Business-Lunch“. Unterzeile: „Womit beschäftigt sich Philipp Lahm nach dem Ende seiner Karriere?“

„Vor neun Monaten verabschiedete sich Philipp Lahm vom Fußball ohne eine Träne im Auge und mit breitem Lächeln im Gesicht“, heißt es da. In Lahms neuem Leben habe der Ball keinen Platz mehr, stattdessen gehe es nun um gesunde Ernährung, Fanprojekte und den Kampf gegen Rechts. Es geht auch nicht nur um Lahm: Timo Hildebrand, so erfahren wir, ist bei Veganz eingestiegen, Marcell Jansen investiert in Sportkleidung. Und zum Eiskrem-Döner-Kleidung-Portfolio von Lukas Podolski schreibt „Futbol“ sehr hübsch: „Podolski mag nach Japan gewechselt sein, aber seine Seele bleibt in Köln. Und sein Geld auch.“

⚽ Wenn ein Geschäftsmann bis zu 100.000 Rubel (rund 1400 Euro) in etwas investiert, dann rechnet er sich aus, dass er das Geld mit seiner Investition auch wieder rausholt. Das gilt auch, wenn der Geschäftsmann ein Krimineller ist, das Geschäftsmodell Betrug und die Zielgruppe ahnungslose WM-Touristen: Laut einem Bericht von „Kommersant“ kaufen Verbrecher derzeit ausrangierte Geldautomaten auf, um sie während der Fußball-WM aufzustellen und damit Menschen abzuzocken, die glauben, sie könnten dort Geld abheben.

Wie verhindert man also, dass man Opfer dieser Masche wird? Zum Beispiel, indem man nur Automaten nutzt, die in Bankgebäuden, großen Einkaufszentren und Hotels, am Flughafen oder in Regierungsgebäuden stehen – sprich: da, wo Sicherheitskräfte darauf achten, dass niemand ein manipuliertes Gerät aufstellt. Oder indem man darauf achtet, ob der Geldautomat lange Zeit im Standby ist oder unvermittelt neu startet. Weitere Hinweise hat die russische Zentralbank auf ihrer Website veröffentlicht.

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So, fertig. Wobei: Beim Korrekturlesen ist mir dieser eine Satz in der Einleitung aufgefallen: „Das hat Witali Mutko jetzt noch mal klargestellt.“ Wie absurd ist das bloß, dass Witali Mutko zum Thema WM noch irgendwas klarzustellen hat? Mutko, der wegen seiner Doping-Verwicklung lebenslang von allen Olympischen Spielen gesperrt ist, der seine Ämter beim russischen Fußballverband und beim WM-Organisationskomitee deshalb ruhen lässt?

Aber es bleibt ihm ja immer noch sein Job als stellvertretender russischer Ministerpräsident. Und wenn er als solcher dann halt gelegentlich mal was klarstellen muss, was mit der Fußball-WM zu tun hat – nun, das lässt sich wohl leiderleider nicht vermeiden.

Bis nächste Woche!



 

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Russball, Folge 32: Anstoßen mit Bier und Doping-Cocktails

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Ein internationales Sportturnier in Russland, im Jahr 2018 – nein, es geht nicht um die Fußball-Weltmeisterschaft, jedenfalls nicht direkt. In diesen Tagen entscheidet sich nämlich in Moskau, wer Europas beste Eiskunstläufer sind.

Diese Woche habe ich also sowohl für sechs Leute Karten für die Eiskunstlauf-EM gekauft (fünf Minuten online, einschließlich einem Anruf direkt beim Veranstalter, weil ich noch eine Frage hatte) und für zwei Leute Interesse an diversen Moskauer WM-Spielen angemeldet (15 Minuten online, einschließlich der Suche nach so Infos wie „welche Passnummer hat Ihre Begleitung“ und einer Extrarunde „Ihre Kreditkarte ist keine Visakarte, und Visa ist doch unser Sponsor, das geht so aber nicht!“). Es könnte alles so einfach sein. Ist es aber nicht.

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⚽ Wo wir schon an der Grenze zwischen Eisfläche und Stadionrasen stehen: Jewgeni Pljuschtschenko hat als Eiskunstläufer mehr als ein Jahrzehnt lang Goldmedaillen bei EM, WM und Olympischen Spielen gesammelt. Jetzt meldet er sich mit einer Idee zum Fußball zu Wort, oder vielmehr: zu den Gehältern russischer Fußballspieler.

Dass in Russland besserer Fußball gespielt würde, wenn mehr Spieler auch mal Erfahrungen bei einem ausländischen Verein sammeln würden, ist unbestritten. Das hohe Gehaltsniveau im russischen Vereinsfußball, wo viele Clubs dem Staat oder reichen Staatskonzernen gehören, verhindert das meist. Pljuschtschenko, selber Fußballfan, fordert jetzt, den russischen Spielern deutlich weniger zu zahlen: „Das Existenzminimum sind derzeit 11.000 Rubel. Man muss die Spielergehälter auf 30.000 Rubel festlegen.“ Damit läge laut dieser Übersicht „Profifußballer“ etwas über „Schaffner“ (22.0000), auf einer Höhe mit „Museumsangestellter“, aber deutlich unter „Weihnachtsmanndarsteller“ (55.000).

⚽ Wie schön, wenn man sich mal fünf Minuten nicht mit der Frage „Ist Donald Trump ein Rassist?“ beschäftigt, sondern mit Fußball. Leider bleibt da dann immer noch die Frage: „Ist der Social-Media-Mensch von Spartak Moskau ein Rassist?“ Anlass ist ein inzwischen gelöschter Tweet, in dem schwarze Spartak-Spieler beim Training als „Schokolade, die in der Sonne schmilzt“ bezeichnet wurden. (Nicht der erste Vorfall dieser Art bei Spartak.) Das gab den verdienten Ärger – von der Anti-Rassismus-Initiative „Kick it Out“, von der FIFA und nicht zuletzt auch von der russischen Fan-Gruppe „CSKA Against Racism“.

Die betroffenen Spieler selber haben inzwischen in einem Statement betont, bei Spartak gebe es keinen Rassismus. Was sollen sie auch sonst tun, schließlich ist der Verein ihr Arbeitgeber. Auch die Leser von Sports.ru meinen mehrheitlich: Das war doch nur ein Witz, alles halb so schlimm. Ich persönlich würde trotzdem beide Fragen – die nach Trump und die nach Spartak – mit einem Ja beantworten.

Wer nicht versteht, warum auch ein positiv besetzter Begriff wie „Schokolade“ eine rassistische Bezeichnung sein kann, der liest am besten mal bei Jezebel nach, was die damalige Chefredakteurin Dodai Stewart 2011 über eine ähnlich gelagerte Werbekampagne geschrieben hat: „Einen schwarzen Menschen mit Schokolade zu vergleichen (…) ist nichts anderes als Objektifizierung.“

⚽ Falls übrigens jemand von euch britische Medien liest und dort Artikel findet, in denen kritisch über Russlands WM-Vorbereitungen, die Sicherheit im Lande oder gewalttätige Hooligans berichtet wird: Für Marija Sacharowa, Pressesprecherin des russischen Außenministeriums, ist das alles Teil einer Kampagne. Sie behauptet, der Staat habe zahlreiche englische Medien angewiesen, vor der WM eine Schmierkampagne gegen Russland zu fahren.

Die Nachrichtenagentur TASS zitiert dazu Waleri Gassajew, der früher die russische Nationalmannschaft trainiert hat. Er sieht das genau so wie die Ministeriumssprecherin. Schmutzige Propaganda. Eine gezielte Kampagne. Alle nur neidisch, die Briten. TASS, das sollte man vielleicht noch kurz erwähnen, gehört übrigens dem russischen Staat.

⚽ Die Zahl der Deutschen in Moskau ist in den letzten Jahren deutlich gesunken. Aber damit ist jetzt Schluss, in diesen Tagen startet ein Gegentrend, und zwar im Rheinland! Konstantin Rausch vom 1. FC Köln steht offenbar vor dem Wechsel zu Dynamo, selbst die Ablösesumme soll schon vereinbart sein: Westi spricht von zwei Millionen Euro. (Dynamo ist im Moment hier auch mit einer anderen Personalie in den Schlagzeilen: Fliegt Stürmer Pawel Pogrebnjak raus, weil er, statt selber auf dem Platz zu stehen, lieber in Italien als Zuschauer im Stadion war? Ganz schön doof, davon dann auch noch Fotos zu posten.)

So oder so: Wahrscheinlich hat sich Rausch, der auch die russische Staatsangehörigkeit hat, überlegt, dass er so seine Chancen steigert, bei der WM zum Kader der russischen Nationalmannschaft zu gehören. Und ich überlege mir schon mal, ob ich den Neuzugang aus Köln unseren Lieblingsnachbarn vorstellen soll. Falls sich die Gelegenheit ergibt, man weiß ja nie.

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⚽ Wie schaffe ich jetzt den Übergang von „Köln“ zu „Bier“? Doof, dass es da so gar keinen Zusammenhang gibt – das finde selbst ich als Altbiertrinkerin schade. Jedenfalls rechnen Experten damit, dass der Bierverbrauch in Russland dieses Jahr zum ersten Mal seit zehn Jahren wieder zunehmen wird. Interessante Faustregel eines der Experten, den Wedomosti zum Thema befragt hat: Findet in einem Land eine Fußball-Weltmeisterschaft statt, dann treibt das den Bierkonsum um rund fünf Prozent in die Höhe.

Ein paar russische Bier-Fakten für den Hinterkopf: Ja, es stimmt tatsächlich, dass Bier hier rechtlich erst seit dem Jahr 2013 als alkoholisches Getränk gilt – vorher lag die Schwelle bei 10 Prozent Alkoholgehalt. Wer seine Einkäufe bei Russlands großem Online-Supermarkt „Utkonos“ macht, findet dort bis heute die Kategorie „Alkoholische Getränke und Bier“. Ja, man kann russisches Bier sehr gut trinken – auch, wenn in Moskau viele Läden eher Stella, Heineken und Budweiser auf der Karte haben. Bei der russischen Bierkonsumprognose sind übrigens Fußballfans aus Deutschland und England explizit als Hoffnungsträger erwähnt – schließlich kommen sie „aus Ländern mit hoch entwickelter Bierkultur“.

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⚽ Noch mal zum Thema Getränke: Der Preis für den besten Einstiegssatz geht diese Woche an James Ellingworth, der sich im Moskauer Büro von Associated Press um die Sportthemen kümmert. „Würden Sie eine Probe aus dem Doping-Labor von Sotschi trinken?“, beginnt seine Reportage, in der er Absonderliches berichtet: In dem Gebäude, das einst im Mittelpunkt des Dopingskandals bei den Winterspielen 2014 stand, ist nun eine Kneipe mit einem ganz besonderen Humorverständnis. Auf ihrer Cocktailkarte finden sich neben den Klassikern auch diverse Drinks, die Doping-Anspielungen im Namen tragen. Möchte vielleicht jemand ein Glas „Meldonium“? Oder eine „B-Probe“?

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⚽ Dass sich Russlands Fußballvereine schwer damit tun, ihre Stadien vollzukriegen, war hier ja schon mal Thema. Nun gibt es dazu neue Zahlen: Während der Zuschauerschnitt in der Bundesliga 2016/17 bei 40.693 Gästen lag, waren es in Russland bloß 11.415.

Wer den ganzen Bericht liest, findet dort aber auch eine positive Prognose: Nachdem Polen (2012) und Frankreich (2016) die Fußball-Europameisterschaft ausgerichtet hatten, sei in beiden Ländern der Zustrom an Fans gewachsen. Solch eine Entwicklung sei auch in Russland möglich. Und wenn das nicht reicht: In Wladikawkas wollen sie ihren Fußballverein wieder zum Leben erwecken, der 1995 Meister war und 2014 insolvent. Spätestens das wird ja dann wohl der nötige Schub in Richtung Fußballbegeisterung sein!

⚽ Russian Football News hat eine Serie gestartet, die nach und nach alle WM-Austragungsorte vorstellen will. Die erste Folge, in der Moskau präsentiert wird, liegt auf der nach oben offenen Trockenheits-Skala leider irgendwo zwischen Brockhaus und Sägespänen. Immerhin, zwei interessante Facetten finden sich in dem Zehntausend-Zeichen-Riemen: Ein Rückblick auf ein dunkles Kapitel in der Geschichte des Moskauer Luschniki-Stadions und der Hinweis, dass es unweit der Metro-Haltestelle Taganskaja ein hausgroßes Bild des russischen Supertorwarts Lew Jaschin gibt.

Die ultimative Lew-Jaschin-Mauer bleibt aber weiterhin dieses Exemplar hier, von dem Ende letzten Jahres Fotos im Netz die Runde machten. Schlichter Slogan: „Onkel Lew ist cooler als (Manuel) Neuer“

⚽ Russlands Parlament will verhindern, dass bei der Fußball-WM im Sommer gefälschte Eintrittskarten kursieren. Ein neues Gesetz sieht vor, dass Fälscher hohe Bußgelder zahlen müssen: Zwischen 50.000 und 70.000 Rubel, also pi mal Daumen 700 bis 1000 Euro, wenn ein einzelner Mensch versucht, mit Fake-Tickets Geld zu machen. Ein bis anderthalb Millionen, wenn ein ganzes Unternehmen Karten fälscht.

Im Gesetzesentwurf sind auch die Strafen festgelegt, die für den Schwarzmarkthandel mit WM-Tickets fällig werden: das 20- bis 25-fache des Ticketpreises, mindestens aber 50.000 Rubel – das ist, siehe oben, für viele Russen ein Monatsgehalt. Also durchaus eine Dimension, in der das mit der Abschreckung funktionieren könnte.

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Zum Schluss noch mal ein Blick auf die Themen vom Anfang, also auf die Disziplinen „Eislaufen“ und „Tickets kaufen“. Zu ersterem könnt ihr euch schon mal einen Termin vormerken: Am 28. Januar kommt um kurz nach 18 Uhr auf Deutschlandfunk Kultur „Künstler auf Kufen – Eiskunstlauf in Russland“. Ein Feature von Gesine Dornblüth, die bis letzem Jahr hier in Moskau Korrespondentin war. Kann also nur gut werden.

Was Fußballfans in Deutschland zum Thema Kartenkauf wissen müssen, hat Markus diese Woche bei Radio Eins erzählt. Und dabei auch direkt ein Thema aufgegriffen, das ich auch schon allerlei Leuten erklären musste: Warum ihr euch nämlich zur WM nicht einfach eine Privatwohnung in Russland mieten könnt, sondern da noch ein bürokratischer Haken dran ist. Wie gesagt: Es könnte alles so einfach sein.



 

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Russball, Folge 28: Homophobie unter russischen Fußballfans

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Willkommen zu Russball, wo euch versprochenerweise diese Woche niemand frohe Weihnachten wünschen wird – schließlich ist das kommende Wochenende hier in Russland ein ganz normales und Weihnachten erst im Januar. Stattdessen eine Quizfrage: Was dauert in Spanien zehn Tage, in Frankreich 14, in Italien 16, in Deutschland 22 und in Russland 80 Tage? Könnt ihr ja beim Lesen mal im Hinterkopf draufrumdenken.

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⚽ Watutinki – ein Name, den man sich merken muss, und dessen Herkunft die Süddeutsche hier erklärt. In Watutinki also wird die deutsche Fußball-Nationalmannschaft ihr WM-Quartier haben. Kein Strandleben in Sotschi, leiderleider, stattdessen ein Hotelkomplex in einem Moskauer Vorort mit rund zehntausend Einwohnern. Rund zwei Monate vor WM-Anpfiff soll dort ein neuer Gebäudetrakt fertig werden und, wenn man sich die DFB-Bilder anschaut, ziemlich schick aussehen.

Aktuell hat der „Watutinki Hotel Spa Complex“ noch einen, sagen wir mal, eher traditionellen Charme: dunkles Holz, Blumenmuster, bodenlange Gardinen, hier und da glänzt mal ein Kofferständer oder eine Stehlampe aus Metall. Gelsenkirchener Barock trifft Neunzigerjahre-Jugendzimmer.

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Die Fifa zeigt in ihrer Übersicht auch noch diesen weitgehend tageslichtfreien Besprechungsraum. Aber wie gesagt, das ist der Ist-Zustand – nicht die Hotelvision, die da ab April hoffentlich wahr wird. Ob im neuen Flügel dann wohl dieselben Preise gelten wie im alten? Dann können sich die Fußballspieler schon mal auf taschengeldtaugliche Behandlungen freuen: Laut Hotelpreisliste gibt es im Spa- und Therapiebereich ein EKG schon für 500 Rubel (7 Euro), zehn Minuten Whirlpoolbad für die Beine kosten sogar nur 250 Rubel, und wer sich mal richtig was gönnt, bekommt für 1000 Rubel eine halbe Stunde den Rücken massiert, „vom siebten Halswirbel bis zum Steißbein“. Ist das auch geklärt.

⚽  Apropos DFB und Hotels: Letzte Woche hatte ich ja hier erwähnt, dass die Werbung für das Fan-Camp am Nordrand von Moskau mit einer sehr viel besseren ÖPNV-Anbindung lockt, als tatsächlich existiert. Das scheint allerdings die Fans nicht vom Buchen abzuhalten: Eines von vier möglichen Paketen ist bereits komplett ausverkauft.

⚽  Und wenn hier eh gerade so eine Art DFB-Themenschwerpunkt entsteht, dann noch eine Information, die zwar nichts mit Russland zu tun hat, mir aber am Herzen liegt: Nachdem ein Unterstützer der Initiative „Sleeping Giants“ bei Twitter darauf hingewiesen hat, wirbt der DFB seit ein paar Tagen nicht mehr auf der Hetzseite Breitbart. Eine höfliche Beschwerde, und schon wieder ein Werbekunde weniger für Rassisten. Es geht voran.

⚽ Die Fußball-App „Forza Football“ hat sich mit Stonewall UK zusammengetan, um Fußballfans zu ihrer Haltung zu Schwulen und Bisexuellen zu befragen. „Would you feel comfortable if a player in your national team came out as gay or bisexual?“, heißt die Hauptfrage, auf die weltweit 76 Prozent aller Befragten mit „ja“ geantwortet haben. Für Russland liegt die Zahl der Umfrage zufolge bei 47 Prozent, das sei eine deutlich höhere Akzeptanz als noch vor drei Jahren (21 Prozent).

Klingt gut, aber hält es dem Realitätstest stand? Gerne hätte ich mal einen Blick auf die Methodik der Homophobie-Umfrage geworfen – wie viele der insgesamt „mehr als 50.000 Befragten auf fünf Kontinenten“ kamen denn aus Russland? Leider stand niemand für eine Stellungnahme zur Verfügung.

Aus dem Bauch heraus kommt mir so viel Akzeptanz unter russischen Fußballfans eher unwahrscheinlich vor, und siehe da: Sports.ru hat seinen Lesern dieselbe Frage gestellt. Ergebnis bei knapp 45.000 Stimmabgaben russischer Leser: Rund 70 Prozent würden negativ auf das Coming-Out eines schwulen oder bisexuellen Spielers in der russischen Nationalmannschaft reagieren.

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⚽ Rechtlich gehört die Krim zur Ukraine, faktisch hat Russland sie annektiert. Nun berichtet ein Newsportal mit Sitz auf der Krim, dass man von dort aus keine Karten für die Fußball-Weltmeisterschaft im Internet kaufen könne – egal, ob man angibt, in Russland oder in der Ukraine zu leben.

Die FIFA erklärt,sie habe keine geographischen Beschränkungen einbauen lassen, wollen nun aber schnell dafür sorgen, dass das Problem gelöst wird. Menschen auf der Krim, die dennoch Probleme beim Buchen haben, können unterdessen tricksen: Wer mobil und mit russischer SIM-Karte auf die Seite geht, kann ganz normal seine Karten aussuchen.

⚽ Moskau macht seinen Taxiunternehmen Auflagen, wenn sie eine Lizenz für die Dauer der WM bekommen wollen. Dazu gehört nicht nur, dass die Fahrer keine ausstehenden Knöllchen haben dürfen. Sie bekommen auch alle eine Broschüre ausgehändigt, um ihr Englisch zu verbessern.

Maxim Lixutow, Moskaus stellvertretender Bürgermeister und Transportchef, zählt auf: „Sie sollten zum Beispiel ausländischen Touristen die Tarife erklären können, (….) die Fahrtdauer oder die beste Route zum Ziel benennen.“ Das Wichtigste sei, dass niemand vom Taxifahrer übers Ohr gehauen werde (im Gegensatz zu damals beim Confed-Cup.

⚽ In der großen Tradition von Paul dem Oktopus wirft die BBC einen Blick auf die russischen WM-Orakeltiere. Was soll ich sagen, es ist ein Erdmännchen dabei, und das ist exakt so niedlich, wie ihr es euch gerade vorstellt. Hier geht’s zum Video.

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⚽ Was man halt so an Ideen hat, wenn ein neues Jahr vor der Türe steht: Leonid Fedun möchte den russischen Fußball revolutionieren. Der Mann hat durchaus ein eigenes Interesse an Russlands Fußballzukunft, immerhin gehört ihm Spartak Moskau. Nun schlägt er beispielsweise vor, die Begegnungen in der Liga nicht mehr komplett auszulosen. Stattdessen sollen einige Vereine gesetzt werden, so dass die Spiele im November und März in den milderen Regionen des Landes ausgetragen werden statt im Schneegestöber.

Auch zur Zahl der Teams in Russlands höchster Liga hat Fedun eine klare Vorstellung: In der RFPL sollen künftiger nur noch Mannschaften spielen, die mindestens 15.000 Fans ins Stadion locken, alles andere rechne sich einfach nicht. (Interessanter Nebenaspekt: Spartak nimmt Fedun zufolge pro Spiel zwischen 50 und 60 Millionen Rubel ein, also unter einer Million Euro.) Nach dieser Regel gäbe es also weniger Klubs als bisher in der Liga, sie sollten dafür aber öfter spielen, um eben mehr Geld reinzuholen. Feduns ganzen Revolutionsplan, auch zum russischen Pokal und zum Umgang mit Nachwuchsspielern, dokumentiert Sport Express.

⚽ Zwei Monate ist es her, dass Lokomotive Moskau einen englischsprachigen Twitteraccount gestartet hat. Alles mit Hilfe von Google Translate, witzelte der Verein in seinem ersten Tweet. Knapp 300 Tweets später, und was als Witz gedacht war, scheint wie eine plausible Alternative zu dem Sprachmurks, der da regelmäßig rausgehauen wird.

Was lernen wir daraus? Erstens: Muttersprachler engagieren lohnt sich. Und zweitens: Solange das so wenige Russen glauben, wird es bei der Fußball-WM garantiert genau so viele unterhaltsame Fehlübersetzungen geben wie 2014 bei den Winterspielen in Sotschi.

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Zum Schluss noch ein kleiner Servicehinweis für alle, die erwägen, sich während der WM in Russland mit dem Zug fortzubewegen. РЖД, Russlands Eisenbahn-Staatskonzern, hat eine Frage beantwortet, die regelmäßig für Streit zwischen Passagieren führt: Wer im Langstrecken-Liegewagen die obere Liege gebucht hat, darf nicht einfach auf die untere umziehen. Auch der Stauraum unter der unteren Liege und das Tischchen, an das man sich zum Essen setzen kann, gehören dem Passagier, der die untere Liege gebucht hat. Also, ihr seid gewarnt.

Ach so, und das mit den 22 Tagen in Deutschland und 80 in Russland? Ist natürlich die Winterpause der obersten Fußball-Liga. Macht’s gut, bis nächste Woche – und keine frohe Weihnachten!



 

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Russball, Folge 27: Das DFB-Fan-Camp in der Moskauer Pampa

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Doping. Rassismus. In dieser Russball-Woche müssen wir mal wieder über die großen Probleme des russischen Fußballs reden. Aber keine Bange – es geht auch um Geld, um Fußball im Schnee, um DFB-Werbung für eine Moskauer Fan-Unterkunft und um Schadenfreude.

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⚽ Ach komm, dann fangen wir mit der Schadenfreude auch direkt an. Deren Anlass ist, natürlich, die Champions-League-Begegnung zwischen dem FC Liverpool und Spartak Moskau. Liverpool hat sowas von gewonnen7:0, ein Fiasko für Spartak. Noch nie ist ein russischer Verein in einem europäischen Wettbewerb so abgewatscht worden. Dmitri Alenitschew, bis vergangenes Jahr Spartaks Trainer, spricht von einem Schock und einem inakzeptablen Ergebnis. Rekordnationalspieler Alexander Kerschakow sieht die Niederlage als Beleg dafür, wie schwach der russische Vereinsfußball im Allgemeinen ist. „Die russische Titanic“, titelt Sport Express.

Und was machen die russischen Fußballfans aus der Niederlage? Klar doch: Witze. Der hier zum Beispiel macht gleich in mehreren Versionen die Runde:

Der hier spricht für sich selbst:

Und der hier ist zwar nicht von einem Russen, gewinnt aber den Preis für die steilste These:

⚽ Parallel zu den Begegnungen der Champions League gibt es die Jugendliga der UEFA, bei der dieselben Vereine gegeneinander antreten, diesmal aber auf U19-Level. Und da hat es allem Anschein nach einen schweren rassistischen Vorfall gegeben. Schon bei der Hinrunde zwischen Liverpools U19-Mannschaft und der von Spartak hatte es rassistische Rufe der Spartak-Fans gegen Bobby Adekanye gegeben, Spartak musste zur Strafe sein Stadion teilweise sperren. Nun stand die Rückrunde an, und diesmal ist es ein Spartak-Spieler, der ausfällig geworden sein soll: Leonid Mironow, ausgerechnet der Kapitän, soll Rhian Brewster rassistisch beleidigt haben.

Wichtig wird in den nächsten Tagen nicht nur, ob die UEFA diesmal deutlicher reagiert als bei dem Vorfall im Hinspiel. Natürlich sind solche rassistischen Attacken das Letzte, was Russland ein halbes Jahr vor der WM braucht. Gegen Mironow läuft nun ein Verfahren, sein Agent dementiert. Das Schlusswort aber gehört diesem Liverpool-Fan, der aus dem Champions-League-Spiel und der U-19-Begegnung ein knappes Fazit zieht:

⚽ Apropos Rassismus: Ihr erinnert euch an das Banner einiger Zenit-Fans, die meinten, den serbischen Kriegsverbrecher Ratko Mladic feiern zu müssen? Die UEFA hat reagiert, Zenit darf beim nächsten Spiel in einem europäischen Turnier keine Karten für den Sektor verkaufen, in dem das Banner hing. Stattdessen soll dort ein Antidiskriminierungs-Slogan wehen. Außerdem zahlt der Verein eine Geldstrafe: 10.000 Euro.

⚽ Dass Zenit hier nicht nur mit einer Negativschlagzeile auftaucht, hat der Verein Branislav Ivanović zu verdanken. Dessen Fallrückzieher-Tor in der Europa League gegen Real Sociedad war so schön – na, guckt halt selbst. Zucker.

⚽ Hilft ja nichts, wir müssen über Doping reden. Wieder mal. Also, eine Bestandsaufnahme: Das IOC hat Russland von den Winterspielen in Südkorea ausgeschlossen, nachweislich saubere russische Sportler dürfen aber unter neutraler Flagge antreten. Witali Mutko darf ein Leben lang keine olympischen Sportveranstaltungen mehr besuchen – derselbe Mutko, der als Russlands ranghöchster Fußballfunktionär der Oberorganisator der russischen Fußball-WM ist.

Was heißt das jetzt? Kommt drauf an, wen man fragt. Für die FIFA hat die Sperre „keinen Einfluss auf die Vorbereitungen“ für die WM – bitte gehen Sie weiter, hier gibt es nichts zu sehen. Für Wladimir Putin heißt es möglicherweise, dass er mit dem „Wir gegen den Rest der Welt“-Argument noch mehr Zustimmung für seine Wiederwahl bekommt. Russische Sportler und Sportfunktionäre sehen eine politische Entscheidung. Und Mutko? Der staatlichen Nachrichtenagentur TASS hat er gesagt, dass er jederzeit zum Rücktritt bereit ist – wenn es nötig ist. Aber darüber müsse man im Moment ja nicht reden.

⚽ Mir ist ein Werbelink für das deutsche Fan-Camp in die Hände gefallen. Das „DFB-Reisebüro zusammen mit dem Fan Club Nationalmannschaft powered by Coca-Cola“ bietet deutschen WM-Reisenden an: Unterkunft in einem russischen 4-Sterne-Hotel, aus Deutschland angereiste Orga- und Sicherheitsleute, Public Viewing und andere Bespaßung. Gerade, wer vielleicht unsicher ist, ob er sich in einer Großstadt und mit der fremden Sprache zurechtfindet, kann hier auf Nummer sicher gehen.

Stutzig gemacht hat mich allerdings der Ort, den das „DFB-Reisebüro zusammen mit dem Fan Club Nationalmannschaft powered by Coca-Cola“ sich ausgesucht hat. Das Holiday Inn Winogradowo wird beworben als „durch die öffentlichen Verkehrsmittel optimal an das lebendige Zentrum Moskaus angeschlossen“. Das stimmt allerdings nur, wenn man „optimal angeschlossen“ definiert als: Fußweg zur Bushaltestelle, Viertelstunde Busfahrt, Fußweg zur Metro, halbe Stunde Metrofahrt, umsteigen, noch mal eine Station mit der Metro fahren, dann wieder Fußweg. Das sind knapp anderthalb Stunden, um vom Hotel des „DFB-Reisebüros zusammen mit dem Fan Club Nationalmannschaft powered by Coca-Cola“ bis zum Roten Platz zu kommen.

Wer noch genauer wissen will, wie weit draußen dieses Hotel liegt, kann dabei das nützliche russische Wort „Oblast“ lernen. Es heißt sowas wie „Landkreis“ oder „Umland“, die Moskauer Oblast beginnt also da, wo Moskau endet. Dieses Holiday Inn, noch weiter nördlich vom Zentrum als der Ikea in Khimki – also, ich war mir sicher, dass das schon Moskauer Oblast ist. Aber nein: Genau hier streckt das Stadtgebiet (ähnlich wie damals Stefan Effenberg) einen langen Finger nach oben aus: Links und rechts ist längst Oblast, aber das Hotel des „DFB-Reisebüros zusammen mit dem Fan Club Nationalmannschaft powered by Coca-Cola“ liegt in einem schmalen Moskau-Korridor. Ich hab das hier mal mit Windows Paint einem hochprofessionellen Bildbearbeitungsprogramm eingezeichnet – rot schraffiert ist die Moskauer Oblast:

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Guckt man bei Tripadvisor, was Gäste an diesem Hotel kritisieren, klingt das so: „abgelegen (nur mit Auto zu empfehlen)“ – „praktisch keine öffentlichen Verkehrsmittel“ – „it would be a nightmare to even think of getting there by public transport“. Optimal angeschlossen ist anders. Kreativ noch dem Moskauer Stadtgebiet zugeschlagen stimmt aber definitiv.

⚽ Der Daily Telegraph hat einen Scoop zu Rubin Kasan: Offenbar hat der Club, der immerhin in Russlands oberster Liga spielt, seit Monaten seine Spieler nicht mehr bezahlt. Mehr als 11 Millionen Euro in ausstehenden Gehältern sind es laut Telegraph; der Absatz über Rubins Führungsriege liest sich wie das Skript für eine Klischee-Soap über Russland: „Präsident Radik Schaimijew steht auf Platz 88 auf der Liste der reichsten Männer in Russland. Kuratoriumsvorsitzender ist Rustam Minnichanow, Präsident von Tatarstan und ein Verbündeter von Präsident Wladimir Putin. Rubins Sportdirektor ist Rustem Sajmanow, der im Zusammenhang mit einem Mord verhaftet wurde und im Gefängnis saß.“

Nach Deutung des Telegraph entsteht aus der Finanzkrise das Risiko, dass Rubins Leistungsträger abgeworben werden. Kasans Lokalmedien halten sogar eine gezielte Strategie für möglich: „Vielleicht will der Klub so diejenigen Legionäre loswerden, die nutzlos und teuer sind?“, fragt Wetschernjaja Kasan. Vom Verein gibt es bisher nur ein dünnes „Kein Kommentar“, ein Agent, der mehrere Rubin-Spieler vertritt, hat die Zahlungsrückstände aber bestätigt. Und bei Werder fragen sie sich schon mal, ob Maxime Lestienne unter den Bedingungen nicht vielleicht nach Bremen wechseln möchte.

⚽ Schon mal von den Ewenken gehört? Nein? Dann vielleicht von den Dolganen? Auch nicht? Beides sind Völker, die zu den russischen Ureinwohnern gehören und vorwiegend in Sibirien leben. Wie es aussieht, wenn da jemand im Dezember auf die Idee kommt, ein informelles kleines Fußballturnier zu organisieren? Na, so:

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Zum Schluss noch dies hier: Wenn schon Hotelbesitzer und Fluglinien ihre Preise erhöhen, um von der Fußball-Weltmeisterschaft zu profitieren, dann bleibt das Umland von St. Petersburg (volle Punktzahl für alle, die jetzt gerade „Ah, Oblast!“ gedacht haben) auch nicht untätig. Dort erwägen Lokalpolitiker darum nun, während des Turniers die Steuern für Buchmacher zu verdoppeln. Gewettet wird schließlich immer, erst recht während großer Turniere. Gut möglich, dass andere russische Regionen nachziehen und eine ähnliche Regelung einführen.



 

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Russball, Folge 25: So sieht er also aus, der russische WM-Freiwillige

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Worüber man so spricht, wenn man sich mit Freunden zum Pelmeni-Kochen trifft: Ist das jetzt toll, ein Konzert im Staatlichen Kremlpalast zu sehen, oder nicht? Geschichtlich interessanter Ort – ein Plus. Plätze verdammt weit weg von der Bühne – ein Minus. Und wie stehen wir eigentlich zu dem Gebäude selbst, das da nach dem Krieg als Klotz aus Beton und Glas zwischen die ganzen historisch-schönen Kirchen auf dem Kremlgelände gesetzt wurde?

Am Freitag könnt ihr euch selber ein Bild machen. Dann findet in dem Palast zwar kein Konzert statt, dafür aber die Auslosung der WM-Gruppen. Schließlich sind es nicht mal mehr 200 Tage bis zum Anpfiff des Eröffnungsspiels.

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⚽ Zum Start darum heute ein Video. RIA Novosti hat es vor einigen Jahren veröffentlicht, als der Staatliche Kremlpalast 50 Jahre alt wurde. Als repräsentativen Ort für die Parteitage der KPdSU hatte Chruschtschow ihn damals bauen lassen. Und wenn die Kommunisten gerade nicht tagten, fanden schon damals Ballettaufführungen oder Konzerte in dem Gebäude statt.

Inzwischen sind viele Pop-Größen dort aufgetreten – Christina Aguilera, Joe Cocker, Leonard Cohen – selbst Modern Talking. Im Februar kommen Kraftwerk, und das passt dann vielleicht ja sogar ganz gut zu diesem Fremdkörper, für den selbst RIA als staatliche Nachrichtenagentur keine allzu netten Worte übrig hatte: „Ein Stück Architektur, von Offiziellen in Auftrag gegeben, für das uns unsere Nachkommen wohl kaum danken werden.“

⚽ Dass die WM-Auslosung ansteht, führt übrigens auch dazu, dass viele Medien in den Tagen davor ihre grundsätzlichen Analysen veröffentlichen: Schafft es Russland über die Gruppenphase hinaus, auch wenn der Gastgeber laut FIFA-Rangliste die schwächste Mannschaft des Turniers ist? (Eher nicht.) Welche Städte haben die interessantesten Stadien? (Moskau, St. Petersburg und Jekaterinburg.) Wie wird die russische Wirtschaft dastehen, wenn das Turnier beginnt? (Vermutlich besser als heute.) Welche Probleme müssen die Organisatoren in den Griff bekommen? (Rassismus, Hooligans, Terrorgefahr.) Wie reagiert die FIFA auf Berichte über systematisches Doping im russischen Fußball? (So gut wie gar nicht.)

Die Bestandsaufnahme der FIFA klingt naturgemäß sehr viel optimistischer. Gianni Infantino hat sich extra vor der Auslosung interviewen lassen und verspricht: Partystimmung, gute Orga, moderne Stadien, außerdem strenges Vorgehen gegen Doping und Diskriminierung. Selbst der Videobeweis hat es ins Promo-Video geschafft – dabei hat der beim Confed-Cup, dem WM-Probelauf, ja oft gehakt.

So oder so: Der 1. Dezember ist ein guter Anlass, um sich einen Überblick zu verschaffen, wo Russland ein gutes halbes Jahr vor der Weltmeisterschaft steht. Zeit dafür wird sogar während der Auslosung am Freitag sein: Das Ganze soll zwar eine Stunde dauern, von 16 Uhr bis 17 Uhr deutscher Zeit. Das eigentliche Losverfahren, wer mit wem in einer Gruppe landet, dauert laut Plan aber nur eine gute halbe Stunde. Der Rest sind Reden, Interviews, Musik – da lohnt es sich, wenn man ein bisschen Lesefutter gebookmarkt hat.

⚽  Ratko Mladic wird wegen seiner Kriegsverbrechen im früheren Jugoslawien den Rest seines Lebens im Gefängnis verbringen – das ist nach dem Urteil aus der vergangenen Woche klar. Das Massaker von Srebrenica mit rund 8000 Todesopfern ist der bekannteste, aber bei weitem nicht der einzige Fall, wegen dem Mladic vor Gericht stand.

Am Tag nach der Urteilsverkündung spielte Zenit St. Petersburg in der Europa League gegen Vardar Skopje, und einige Zenit-Fans waren sich nicht zu fein, ein Banner mit der Aufschrift „Ratko Mladich, ein serbischer Held“ im Stadion aufzuhängen. Unterstützung für einen Mann, der tausende Menschenleben auf dem Gewissen hat. Mehr zu den Verbindungen zwischen serbischen und russischen Neonazis im Fußball kann man hier nachlesen. Die UEFA ermittelt nun wegen Rassismus – gut möglich, dass Zenit sein nächstes Spiel im leeren Stadion bestreiten muss.

⚽ Wo wir gerade beim Thema Rassismus sind: Zeit Online hat einen interessanten Text darüber, wie russische Neonazis ihre deutschen Gesinnungsgenossen in verschiedenen Kampfsportarten trainieren. Lesenswert vor allem, wenn man bedenkt, dass sich Neonazi-Szene und Hooligan-Szene ja durchaus überlappen.

⚽ Eine große Ladung Sowjet-Nostalgie, dafür keine Spur von Maskottchen oder Matrjoschkas, auch der Pokal steht nur ganz klein unten in der Ecke: Gestern hat das russische Organisationskomitee das offizielle Plakat der Fußball-Weltmeisterschaft vorgestellt und es ist, wenn ihr mich fragt, richtig gut gelungen. Retro, lässig, einprägsam und ein Tribut an den legendären sowjetischen Torwart Lew Jaschin. Ich würd’s mir aufhängen.

Foto: FIFA
Foto: FIFA

⚽ Was auch zur WM-Vorbereitung gehört: Die Ausbildung der ganzen Freiwilligen. Viele von ihnen sind Studenten, an den Unis in den Austragungsorten wurde mit viel Aufwand um Helfer geworben. Und auch dort, wo keine Spiele stattfinden, sind während der Weltmeisterschaft Freiwillige im Einsatz. 120 von ihnen werden zum Beispiel gerade in Krasnodar ausgebildet. Dort, ein paar Stunden entfernt von Sotschi, sollen einige Nationalmannschaften während des Turniers ihre Trainingsanlagen haben.

Wie diese Ausbildung der Helfer aussieht, kann man im Moment ganz gut bei Instagram verfolgen. So ganz erlaubt ist das vermutlich nicht, trotzdem posten immer wieder Teilnehmer ein paar Fotos aus ihren Schulungen. So wissen wir dank Tatjana aus Samara nun also auch, wie er so aussieht, der typische Волонтёр (Wolontjor): Lächelnd, natürlich, den Ausweis an einem Band um den Hals. In der einen Hand eine Landkarte, am anderen Handgelenk eine Uhr, damit er auch pünktlich ist. Dann noch das klingelnde Handy in der Hosentasche, den FIFA-Schriftzug auf dem Bauch, und auf der Brust irgendetwas, das der Ausbilder mit „Anti-Stress“ beschriftet hat.

То чувство, когда ты в волонтёрах и рассказывают тебе, а не ты кому-то пытаешься донести нужную информацию 😅 Алексей Мокеев сегодня провёл активный урок по городской инфраструктуре и достопримечательностям для условной группы "туристов" из Саранска 😊 . Наша команда оказалась в лидерах среди 4-х команд. Оказалось не так легко отгадать место по фотографии или составить полный маршрут от пункта А к пункту Б, по карточкам с адресами улиц) Надо заняться изучением туристического маршрута #ЧМ2018 . До урока нам рассказали много исторических нюансов о Куйбышеве и Самаре! Кто бы мог подумать, что Самара была столицей России до 1991 года 😎 . . . #СамараЖдетЧМ2018 #ЧМ2018Самара #ВолонтерыЧМ2018 #ВолонтерыСамары #ДобровольцыРоссии #МолодежьСамары #Молодежь63

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Ein Bild weiter geblättert, und der Freiwillige auf dem Plakat fängt auch noch an zu sprechen: „вежл(иво)“ und
„доброжел(ательно)“ steht dann in seiner Sprechblase, „höflich und freundlich“. Nur, was er denkt, das hat Tatjana leider nicht fotografiert.

⚽ So emsig wie bei der Ausbildung der WM-Freiwilligen in Samara scheinen sie beim Stadionbau dort übrigens nicht zu sein: Kein Stadion liege mit den Bauarbeiten so weit zurück wie das in Samara, berichtet Sport Express. Einer der Verantwortlichen lässt sich aber zitieren, man werde dennoch auch dort rechtzeitig fertig werden.

Das wirft allerdings die Frage auf: Um welchen Preis? Human Rights Watch hat gerade erst wieder darauf hingewiesen, dass die FIFA zu Menschenrechtsthemen wie der Sicherheit von Stadion-Bauarbeitern zwar gerne Papiere veröffentliche, aber nicht wirklich etwas unternehme. Wenn nun in Samara, wo die Temperaturen aller Wahrscheinlichkeit erst Ende März wieder über den Nullpunkt steigen werden, der Zeitdruck noch steigt, kann das für die Bauarbeiter dort nichts Gutes heißen.

⚽  43 Champions-League-Spiele lang musste sich Igor Akinfejew die Sprüche anhören, die Witze, die Kritik. So lange dauerte die Pechsträhne des ZSKA-Torwarts, während der er in jedem dieser Spiele mindestens ein Tor zuließ.

Dann kam, heute vor einer Woche, das Spiel gegen Benfica Lissabon – ein klares, sauberes 2:0 für die Moskauer. Aufatmen bei Akinfejew – nur die Fans müssen sich jetzt wohl ein paar neue Pointen einfallen lassen.

⚽ Eventuell habe ich an dieser Stelle schon ein- bis zwanzigmal erwähnt, wie gut die Öffentlichkeitsarbeit von Zenit St. Petersburg ist, vor allem mit Blick auf soziale Netzwerke und das Internet überhaupt. Insofern ist das hier nicht überraschend, aber trotzdem saucool: Bei Giphy gibt es jetzt eine eigene, verifizierte Seite mit Zenit-GIFs.

Die Logik dahinter ist simpel und überzeugend: GIFs sind populär, benutzen werden die Fans sie also sowieso. Also, dann doch besser die, die wir ihnen liefern, als andere, auf denen wir vielleicht nicht so gut aussehen. Aktuell schafft Zenit so mit gerade mal 51 hochgeladenen GIFs schon fast 200.000 Abrufe.

via GIPHY

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Zum Schluss noch zwei Folge-Tipps für diejenigen von euch, die bei Twitter sind: Benedikt hat nicht nur geholfen, den beschrifteten WM-Helfer zu entziffern, er spricht auch fließend Russisch und hat Ahnung von Fußball. Und meine früheren Kollegen bei der Moscow Times haben jetzt auch einen eigenen Account für Nachrichten und Service rund um die Fußball-WM – auf Englisch, also auch ohne Russisch-Kenntnisse nützlich.

Ach so, und wenn ihr bei Twitter mitverfolgen wollt, was das russischen Fernsehen aus der WM-Auslosung am Freitag macht: Ich versuche mal, das live zu twittern – zuschauen und mitreden könnt ihr dann hier. Bis dann!



 

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Russball, Folge 20: Liebe Kaliningrader, bitte keine Fußballfans hauen!

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Goldene Regel für Russlandkorrespondenten: Egal, wie wenig dein Bericht wirklich mit dem Präsidenten zu tun hat, wie wenig der sich für das Thema interessiert oder darauf Einfluss nimmt: Putin muss in die Überschrift.

Dein Redakteur freut sich, weil er sofort weiß, wie er das Thema bebildert. Dein Leser freut sich, weil er jemanden wiedererkennt. Selbst die Suchmaschine würde sich freuen, wenn sie es könnte. Okay, du strickst mit an einem Putin-Bild, das ihm noch mehr Macht zuschreibt, als er ohnehin schon hat. Aber hey, Regeln sind Regeln. Womit wir beim Thema wären.

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⚽ „Wird Russland bei der Fußball-WM 2018 Putin blamieren?“, fragt also regelkonform Newsweek-Autor Teddy Cutler. Was folgt, ist eine ziemlich lange Passage, die grob sagt: Ist echt nicht schön für einen WM-Gastgeber, wenn die eigene Mannschaft beim Turnier im eigenen Land schwach spielt. Cutler meint, sich unter anderem an ein 7:0 von Deutschland gegen Brasilien bei der letzten WM zu erinnern. Joah. Nö.

Was uns der Artikel trotz seiner Putin-Überschrift eigentlich sagen will, kann man auch einfach hier bei TASS nachlesen: Russland ist im monatlichen FIFA-Ranking weiter abgerutscht, auf Platz 65. Das sagt allerdings nur bedingt etwas über die tatsächliche Stärke der Mannschaft aus: Als Gastgeber muss sich Russland nicht für die WM qualifizieren. Während andere Mannschaften also Punkte aus der Quali sammeln, punktet die russische Nationalelf nur bei gelegentlichen Freundschaftsspielen, die für die FIFA-Statistiker deutlich weniger zählen.

⚽ Apropos: Gerade haben sich Russland und Brasilien auf ein Freundschaftsspiel im kommenden Frühjahr geeinigt. 23. März in Moskau, das steht fest – in welchem Stadion wird noch bekanntgegeben. Jedenfalls hat der Präsident des brasilianischen Fußballverbands versprochen, keine B-Mannschaft zu dem Spiel zu schicken, sondern auch Stars wie Neymar.

⚽ Kleiner Service für die Anhänger von Lokomotive Moskau oder generell alle Fußballfans, die sich einfach besser über den russischen Ligafußball informieren wollen: Der aktuelle Tabellenzweite hat seit der vergangenen Woche nun auch einen englischen Twitter-Auftritt. Wer ihm jetzt folgt, kann also später behaupten, von Anfang an dabei gewesen zu sein. Der erste Tweet zeugt schon mal von Humor:

⚽  Rassismus und Hooligans – zwei Themen, um die es hier bei Russball schon oft ging und – traurig, aber garantiert – auch noch öfter gehen wird. Heute diesmal nur ganz kurz und in Zahlen: Rassistische Idioten unter den Fans von Spartak Moskau haben ihrem Verein eine Strafe eingebrockt. Beim nächsten Spiel im Rahmen eines UEFA-Wettbewerbs muss ein Block von mindestens 500 Sitzplätzen frei bleiben. Stattdessen soll dort ein Banner für Toleranz und Gleichberechtigung wehen.

Die zweite Zahl betrifft die bei der Fußball-Weltmeisterschaft gesperrten russischen Hooligans. Stand 9. Oktober stehen auf der offiziellen Liste des russischen Innenministeriums 374 Menschen, die keine WM-Veranstaltungen besuchen dürfen. Manche sind sogar bis zum Jahr 2020 gesperrt. Auch der Name Alexeij Jerunow, einer der brutalsten russischen Hooligans, soll sich auf der Liste finden.

⚽ Kaliningrad wird der westlichste WM-Austragungsort sein, und Bürgermeister Alexander Jaroschuk ist schon voll im Thema. In einem Radiointerview hat er nicht nur eine Vision von Staus und Überfüllung an die Wand gemalt („der Verkehr wird sehr stark eingeschränkt sein, nahezu verboten, bis auf Shuttlebusse für Fans“), sondern auch direkt noch die Kaliningrader zum Wohlverhalten aufgerufen.

Wer Englisch spricht, sagte Jaroschuk, soll sich nützlich machen und Touristen helfen oder zumindest ein bisschen Smalltalk mit ihnen machen. Vor allem aber, ganz wichtig: Bitte keine angereisten Fußballfans verhauen! Ach so, und wer sich fragt, wie eine Stadt von rund 400.000 Einwohnern mit erwarteten 70.000 bis 100.000 Besuchern umgeht – auch da hat der Bürgermeister einen Plan: Die Kaliningrader, schlägt er vor, sollten am besten die Stadt verlassen und sich irgendwo auf dem Lande ein bisschen entspannen.

Kaliningrads Bürgermeister Alexander Jaroschuk
Kaliningrads Bürgermeister Alexander Jaroschuk
(Foto: Westpress Kaliningrad/ A. Podgorchuk, Klops.ru/ CC-BY-SA 4.0)

⚽  Selbst die Militär- und Geheimdienstexperten vom Fachdienst Jane’s widmen sich der Fußball-Weltmeisterschaft. Den Fußballfans, die zur WM nach Russland reisen, sagen sie „ein erhöhtes Risiko von Verletzungen und Schäden an ihren Besitztümern“ voraus.

Weitere Kernaussagen: Cyberattacken seien wahrscheinlich, bei Taschendiebstahl oder Raub müsse man sich darauf gefasst machen, dass die russische Polizei wenig hilfreich sei und dem Vorfall womöglich gar nicht erst nachgehe. Russlandreisende „mit nicht-weißem ethnischem Hintergrund“ müssten außerdem damit rechnen, „zum Angriffsziel von Fußballfans oder von radikalen Gruppen zu werden.“ Weitere Details will das Jane’s-Team veröffentlichen, wenn im Dezember die Spielansetzungen feststehen.

⚽ Wo wir gerade bei Warnungen für WM-Reisende sind: Die ägyptische Website „Youm7“ greift einmal ganz tief in die Stereotypenkiste und warnt die Fußballfans unter ihren Lesern davor, sich eine Russin anlachen zu wollen. Geldgierig seien die, entweder sehr dünn oder sehr dick, selten irgendetwas dazwischen. AP hat mit der Autorin des Artikels gesprochen – sie legt Wert auf die Feststellung, das seien keine Vorurteile, sondern ihre persönlichen Erfahrungen.

Einen Grund gibt es übrigens tatsächlich, weshalb die WM-Reisevorbereitungen für Ägypter deutlich aufwendiger sind als für andere Landsleute: Seit Ende 2015 ein russisches Passagierflugzeug über dem Sinai abgestürzt ist, hat Russland alle Flugverbindungen zwischen den Ländern gestoppt. Dass sie in den wenigen Monaten bis zur Weltmeisterschaft wieder aufgenommen werden, ist unwahrscheinlich.

⚽ Und noch ein WM-Reisender, aber fangen wir mit einer kleinen Textaufgabe an: Joseph B. ist Präsident eines großen Sportverbandes. Im Rahmen eines Korruptionsskandals sperrt ihn der Verband im Jahr 2015 für acht Jahre von all seinen Sportveranstaltungen. B. geht in Berufung, die Sperre wird auf sechs Jahre reduziert. In welchem Jahr darf Joseph B. wieder zu einer Sportveranstaltung gehen? Rechne vorteilhaft.

Wer als Antwort 2021 ausgerechnet hat, darf sich zwar ein Fleißkärtchen nehmen, wird sich aber im kommenden Jahr wundern. Denn was die Textaufgabe vergaß, zu erwähnen: Joseph B. ist gut befreundet mit Wladimir P., in dessen Land 2018 eine große Sportveranstaltung stattfindet. Dank persönlicher Einladung seines Freundes wird B. nun also doch im Stadion sein. Der Sportfunktionär B. mag gesperrt sein, der Privatmann B. hingegen reist zur Weltmeisterschaft. Und was sagt die FIFA? „So lange er dort keine offizielle Funktion hat, dürfte das in Ordnung gehen.“

⚽  Ziemlich viel Ausblick auf die WM war das jetzt, darum zum Schluss noch ein Blick in die Neue Zürcher Zeitung. Deren Autor denkt einen Schritt weiter und geht der Frage nach, was eigentlich nach dem Turnier aus den prächtigen neuen Stadien wird. In Wolgograd zum Beispiel spielt dort dann der FC Rotor, der sich aktuell so gerade noch in der 1. Division (Russlands zweiter Liga) hält. Eine Arena, von der in Deutschland selbst mancher Erstligist nur träumen kann:

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Zum Schluss noch eine Frage. Fändet ihr es nützlich, wenn ich in Zukunft in jeder Russball-Folge einen Tipp zur WM-Reisevorbereitung einbaue? Was man vorher kaufen, runterladen, lesen, einpacken sollte? So ein bisschen wie diese App-Sammlung hier, aber eben auch Bücher, Kleidung, Sprachkurse und anderes Reisezubehör für Fußballfans? Sagt mir gerne Bescheid, was ihr davon haltet – entweder per Blog-Kommentar oder bei Twitter. Ich bin gespannt!



 

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Russball, Folge 16: Liverpool, Spartak und sowjetische Kunst

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Diese Russball-Folge beginnt mit einem „herzlich willkommen“ an alle neuen Leser. Falls ihr wegen des Facebook-Posts von Franziska Bluhm hier seid, freut mich das sehr – ein Lob für ein Digitalprojekt ausgerechnet von Franzi, da geht man schon etwas aufrechter. Wenn da nur nicht dieser Druck wäre, dass diese Ausgabe dann natürlich besonders gut werden muss… Besser nicht weiter drüber nachdenken, sondern loslegen.

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⚽  Sehr schöne Aktion, die sich der FC Liverpool vor seiner Abreise nach Moskau hat einfallen lassen: Unter dem Hashtag #MyLFCMatchdayImage konnten Fans ihre Bilder zum Champions-League-Spiel gegen Spartak Moskau twittern, aus den vier besten wählten die Twitter-Follower dann ihren Favoriten aus. Gleich mehrere Motive bedienen sich bei sowjetischer Plakatkunst, das hier ist mein Lieblingsbild (und was für einen großartigen Namen hat sich denn bitte der Fan hinter diesem Bild ausgedacht: „Jürgeneedabiggerboat“ – das musste ich, Klopp hin oder her, mir auch erst mal laut vorsprechen):

Das eigentliche Spiel war dann eher mittelinteressant, will sagen: Es hat nicht nennenswert dabei gestört, sich mit den anderen Mitguckern zu unterhalten. Immerhin, 1:1, das freut natürlich Spartak mehr als Liverpool. Außerdem habe ich zwei Dinge zum ersten Mal gesehen: 8 (in Worten: acht) Minuten Nachspielzeit und eine Art Golfwägelchen, in dem die verletzten Spieler vom Rasen runter chauffiert werden. Für diesen Zuschauer eine klare Sache: „Ein neuer Service von Uber.“

⚽  Eine Runde Moskauer Stadtnachrichten: Zum einen hat Tatjana Potjajewa, die städtische Ombudsfrau für Menschenrechte, erheben lassen, wie viele rassistische Vorfälle es rund um die Moskauer Fußballstadien seit 2014 gegeben hat: knapp 100, beteiligt waren sowohl Fans als auch Spieler. Nun hat die Ombudsfrau vorgeschlagen, dass bei Fußballspielen in Zukunft spezielle Beobachter eingesetzt werden, die bei Fällen von Rassismus oder anderer Diskriminierung den Schiedsrichter informieren.

Die andere Stadtnachricht ist eine Prognose: Moskaus Tourismusbehörde hat mal durchgerechnet, wie viele Fußballfans im kommenden Jahr wohl zur WM anreisen, und da kommen schon ziemlich stolze Zahlen zusammen: Eine Million Fans erwartet Alexey Tichnenko, der die Behörde leitet – im Schnitt wahrscheinlich für einen Aufenthalt von drei Tagen. Dass die Zahl so hoch ist, liegt auch daran, dass Moskau aufgrund seiner Lage und der guten Flugverbindungen für viele Fans der erste Anlaufpunkt in Russland sein wird, von dem sie dann zum eigentlichen Spielort ihrer Mannschaft weiterreisen.

⚽  Wenn in Russland um den Pokal gespielt wird, machen das in den frühen Runden zunächst einmal die Teams der unteren Ligen untereinander aus. Im September steigen dann auch die Vereine der russischen Premjer Liga ein, und für eine ganze Reihe von ihnen ist die Sache nach nur einem Spiel auch schon wieder durch: Allein von den Top Vier der aktuellen Tabelle – Zenit St. Petersburg, Lokomotive Moskau, dem FK Krasnodar und ZSKA Moskau – hat es kein Verein in die nächste Pokalrunde geschafft, insgesamt flogen mehr Premjer-Liga-Klubs raus als weiterkamen.

Bemerkenswert ist, was Moskowski Komsomolez dazu schreibt. Offenbar hat der Pokal in Russland einen so niedrigen Stellenwert, dass viele Spitzenteams nicht allzu traurig sind, wenn sie früh wieder ausscheiden: „Von Jahr zu Jahr versuchen wir in dieser Turnierphase, die Vereine zu erwischen, die das Turnier sabotieren“, heißt es da. „Wir versuchen zu erkennen, wer gezielt nicht kämpft, nur mit einer Reservemannschaft aufläuft oder absichtlich den Sieg wegschenkt.“ Nach einer ausgiebigen Analyse kommt MK aber zum Ergebnis: Dieses Jahr haben die meisten Spitzenklubs tatsächlich aus Unvermögen verloren, nicht aus Absicht. Muss man vielleicht zweimal lesen, geht aber tatsächlich als gute Nachricht durch.

⚽  Die Kollegen von Championat.ru haben im Kalender geblättert und festgestellt, dass die aktuelle Liga-Saison zu genau einem Drittel vorbei ist. Darum haben sie eine kleine Rangliste der besten Spieler aufgestellt, sortiert nach Position. Gerankt werden allerdings nur diejenigen, die bei mindestens der Hälfte der bisherigen Begegnungen auch im Einsatz waren. Bei den Torhütern hat Alexander Dowbnja es auf Platz eins geschafft, nicht zuletzt wegen der Leistung im Spiel seines SKA-Energija Chabarowsk gegen Spartak vor ein paar Wochen:

⚽  Witali Mutko ist ein vielbeschäftigter Mann: Sein Amt als russischer Sportminister hat er im vergangenen Jahr zwar abgegeben, aber stellvertretender Ministerpräsident und Vorsitzender des russischen Fußballverbandes, das sind immer noch zwei Vollzeit-Jobs auf einmal. Immerhin, seit diesem Frühjahr ist es nur noch eine Doppel- statt einer Dreifachbelastung. Da hatte die FIFA nämlich entschieden, dass Mutko nicht mehr im FIFA-Rat sitzen darf, weil das dann doch eine zu große Verquickung seiner verschiedenen Jobs gewesen wäre. (Wir lernen: Wenn der Filz sich erkennbar in einer einzelnen Person manifestiert, wird es irgendwann selbst der FIFA zu viel.)

Seit der vergangenen Woche nun ist die von Mutko hinterlassene Lücke wieder gefüllt: Nach einigen Monaten ohne russischen Vertreter ist Alexej Sorokin in den FIFA-Rat nachgerückt. Wer nun glaubt, diesen Namen auch schon in Verbindung mit diversen Jobs gehört zu haben, liegt nicht ganz falsch: Modeschöpfer Alexej Sorokin und Admiral Alexej Sorokin sind allerdings dann doch andere Leute – dieser Alexej Sorokin, der nun am großen FIFA-Tisch sitzt, ist „nur“ der Leiter des Organisationskomitees für Russlands Fußball-WM im kommenden Jahr.

⚽ Wenn wir heute schon mit Kunst angefangen haben, dann hören wir jetzt auch mit Kunst auf: Das hier ist eines meiner Lieblingsbilder in der Neuen Tretjakowgalerie, wo in Moskau Gemälde aus der Epoche des Sozialistischen Realismus ausgestellt werden:

#goalkeeper #дейнека #russiaisreadyforworldsoccercup #germangoalkeeper

Ein Beitrag geteilt von Andrea Novelli (@andreanovellinsta) am

Alexander Deineka hat diesen Torwart in den Vierzigern gemalt, der Mann (also Deineka) war den Sowjetmächten genehm, lieferte brav Erbaulich-Patriotisches und wurde dafür oft ausgezeichnet. Sein Torhüter im Hechtsprung, der den Ball links aus dem Bild rausschiebt, ist auch der Ausgangspunkt für einen Artikel der Kulturjournalistin Milena Orlowa über Fußball in der russischen Kunst.

Veröffentlicht wurde der Überblick auf dem offiziellen WM-Portal, leider nur auf Russisch, aber keine Bange: Schon das Durchscrollen liefert einen guten Überblick, wie der Fußball russische Künstler beeinflusst hat. Zückerchen für Berliner: die Erinnerung an Johannes „Hanne“ Sobek auf dem Gemälde „Hertha greift an, Hanne am Ball“ von Nikolaus Sagrekow.

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Das war’s dann auch schon mit dieser Russball-Folge. Es sei denn, es interessiert sich noch jemand für eine wahrhaft schwerwiegende Folge der Fußball-WM: Die Arbeitsgemeinschaft Durlacher Altstadtfest hat sich entschieden, ebendieses Durlacher Altstadtfest zu verschieben, damit es nicht mit der Weltmeisterschaft… das ist euch egal? Ihr wisst nicht mal, wo Durlach liegt? Banausen, allesamt. Bis nächste Woche!



 

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Russball, Folge 9: Springt eine Hummel mit dem Fallschirm ab

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Probleme, die man als Bloggerin nicht hat: „Nun haben wir schon einen Spezialbereich auf unserer Website, jetzt soll er auch immer schön frisch aussehen“. Aber gut, das hat sich die Nachrichtenagentur TASS mit ihrem Schwerpunkt zur Fußball-WM nun selber eingebrockt. Sowas will, auch bei mauer Nachrichtenlage, gefüllt sein. In größtmöglicher Detailtreue und kleinstmöglicher Relevanz wird deshalb also nun dort der Fortschritt bei den WM-Vorbereitungen dokumentiert.

So erfahren wir, dass in Kasan möglicherweise riesige Blumensträuße den Weg zum Stadion flankieren sollen, eingewickelt in Flaggen der Teilnehmerländer. Dass in Kaliningrad ein 25 Meter hoher Strommast gebaut wird, der aussehen soll wie WM-Maskottchen Sabiwaka. Und wem das alles noch zu interessant ist, der findet diese Meldung: Bei der Rasen-Aussaat im Stadion von Rostow wurden sechs verschiedene Sorten Grassamen verwendet. Sechs! Verschiedene! Sorten! So viel besser als fünf, und sieben wäre ja nun auch wirklich übertrieben.

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⚽ Kleines Update zur Meldung aus der vergangenen Woche, wonach Russland während der WM spezielle Ausnüchterungszentren für betrunkene Fußballfans einrichten will: Das hat offenbar bei dem ein oder anderen für Unruhe gesorgt, weil die sogenannten Wytreswiteli in der Sowjetunion nicht den besten Ruf hatten.

Vize-Ministerpräsident Witali Mutko muss also den Erklärbär geben: „Sie werden als Ausnüchterungseinrichtungen bezeichnet, dabei sind sie dazu da, menschenwürdige Bedingungen herzustellen,“ beteuert er. Wer zu viel getrunken habe, brauche nun mal einen Ort, um seinen Rausch auszuschlafen.

⚽ Rostow war in der Premjer-Liga bei Anschi Machatschkala zu Gast und mit dem, was man da im Stadion vorfand, erkennbar unzufrieden. „Die Anschi-Arena ist bereit für das Spiel, aber der Platz…“ twitterte der offizielle Rostow-Account und fügte noch ein besorgtes Emoji hinzu. In der Tat: Im Grün des Spielfeld sieht man zahlreiche fußgroße, braune Löcher, das Ergebnis ist eher ein Acker als ein Erstligaplatz. Von der Heimmannschaft gab es keine Twitter-Reaktion, offenbar war man mit Wundenlecken ausgelastet: Trotz ramponierten Rasens gewann Rostow auswärts mit 1:0.

https://twitter.com/rostovfc/status/893486363139424256

⚽ Aiden McGeady ist Fußballprofi aus Schottland, von 2010 bis 2014 hat er für Spartak Moskau gespielt. In einem Interview hat er nun erzählt, wie nach mehreren Niederlagen in Folge die Vereinsführung völlig selbstverständlich einen Termin arrangierte, bei dem Spartaks oberste Ultras der Mannschaft die Meinung sagen bzw. brüllen durften.

„Einer von den Ultras hat zu (einem brasilianischen Spieler) gesagt, wenn ich dich noch einmal nach einer Niederlage in einem Nachtclub sehe, dann schlag ich dir die Fresse ein,“ erzählt McGeady. Nicht die einzige surreale Szene des Termins, der in seiner Gänze hier nachzulesen ist. „Und dann haben sie den Raum verlassen, und als sie rausgingen, hatten sie alle Waffen hinten in ihren Jeans stecken.“ (Und der Spartak-Sprecher so: Kann ich weder bestätigen noch dementieren, was fragt ihr mich als nächstes, nach irgendwas aus dem Jahr 1967?)

⚽ Jede Nationalmannschaft hat ja so ihre eigenen Erfolgsrezepte, die russische wird Anfang September in einem Testspiel mal die pragmatische Methode probieren: Willst du gewinnen, dann suche dir einen Gegner, bei dem das auch realistisch ist. In diesem Fall ist das Dynamo Moskau, zur aktuellen Saison frisch in Russlands oberste Liga aufgestiegen und dort derzeit, wenn man wohlwollend sein will, so gerade noch im Mittelfeld platziert. (Übrigens gibt es dazu eine interessante Parallele im englischen Profifußball, die allerdings schon ein paar Jahre her ist.)

⚽ Nützlich, was die Berner Zeitung da veröffentlicht hat: ein kleines Vereinsporträt von ZSKA Moskau, reduziert aufs Wesentliche. Ein bisschen Statistik zu den Liga-Erfolgen der jüngsten Zeit, ein Überblick der bekannten, oder besser: der halbwegs bekannten Spieler.

Die Berner formulieren das mit nicht allzu viel Takt so: „Auch im Sturm sind keine renommierten Fussballer zu finden.“ Das lässt, aus Schweizer Perspektive, hoffen. Denn wenn die Young Boys Bern in der Champions League weiterkommen wollen, müssen sich am 15. und am 23. August gegen ZSKA behaupten.

⚽ Russland hat gerade den Tag des Fallschirmjägers begangen – das ist hier eine große Sache, mit ganz eigenem Ritual. Männer in blau-weiß geringelten Leibchen betrinken sich, planschen in den Springbrunnen der Stadt und prügeln vor lauter Enthemmung auch schon mal auf Journalisten ein.

Im Vergleich dazu hatte, wer auch immer beim FK Ural aus Jekaterinburg im Kostüm des Maskottchens steckt, einen fast schon entspannten Tag. Okay, er oder sie musste zu Ehren der Fallschirmjäger selber aus einem Flugzeug springen, aber immerhin mit Hochkulturkomponente: Die Spieler des FK Ural werden angesichts der orange-schwarzen Vereinsfarben auch шмели genannt, also die Hummeln. Für das Video des fliegenden Hummelmaskottchens konnte es also nur eine musikalische Untermalung geben, natürlich von Nikolai Rimski-Korsakow:

⚽ Da wollte sich jemand an Wladimir Putin ranwanzen, ist damit aber auf die Nase gefallen. Der jemand, immerhin Bürgermeister der sibirischen Stadt Tscheremchowo, hatte wohl im Handbuch autoritärer Führungsfiguren nachgelesen, dass diese sich gerne als Macher präsentieren, die alle wichtigen Entscheidungen selber treffen. (Wir erinnern uns an die urbane Legende, wonach Stalin höchstselbst die Moskauer Metro-Ringlinie erfunden hat.) Aber: Keine Regel ohne Ausnahme.

Besagter Bürgermeister sagte also vor Publikum, er rechne damit, dass die russische Fußball-Nationalmannschaft sich bei der WM nur dann ernsthaft Mühe geben werde, wenn Putin selbst sie trainiert. Was der, geschmeichelt oder nicht, sofort von sich wies. Ranwanzen gescheitert. Aber wenn Russland dann – so ganz ohne jemals von Putin trainiert worden zu sein – bei der WM im eigenen Land wie beim Confed Cup in der Gruppenphase ausscheidet, will es wieder keiner gewesen sein.

⚽ 11 Freunde nimmt den Fall Yohan Mollo als Anlass einer Bestandsaufname: Wenn russische Fans einzelne Spieler rassistisch oder schwulenfeindlich beschimpfen, wie reagieren dann die Vereine? Und was, wenn dem Spieler der Kragen platzt und er den Stinkefinger zeigt? (Mollo selbst sagt, er habe einen Freund auf der Tribüne gemeint, nicht die Fans.) Was bleibt, ist ein Klima, in dem der Fokus auf dem Verhalten des angegriffenen Spielers liegt – nicht auf den Fans und ihren Pöbeleien.

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Zum Schluss noch ein kleiner Hinweis, damit ihr euch emotional wappnen könnt: Bei der nächsten Russball-Folge wird hier alles ein bisschen anders sein, aus Gründen. Aber das seht ihr ja dann. Eine schöne Woche noch!



 

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Russball, Folge 7: Warum liegt hier überhaupt Stroh?

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Diese Folge Russball entsteht, während die Frauenfußballteams von Russland und Deutschland bei der Europameisterschaft gegeneinander spielen. Kurz vor der Halbzeit, Deutschland führt 1:0, da kann man gut nebenher ein bisschen bloggen. Zum Beispiel diese Übersicht von Sky Sport zum Thema Legionärinnen. Sie zeigt: Selbst wenn man das deutsche Team rausrechnet, bleiben immer noch 41 Teilnehmerinnen des Turniers übrig, die ihr Geld in der Bundesliga verdienen.

Nur zwei der teilnehmenden Nationen haben dem Bericht zufolge keine einzige Bundesliga-Spielerin im Kader: England und Russland. (Dass das mit den Legionären für Russlands Fußball-Männer eine große Baustelle ist, davon war ja letzte Woche hier schon mal die Rede.)

 

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⚽ Wir befinden uns im Jahre 2017 nach Christus. Ganz Russland hat sich mit der Korruption beim Bau der WM-Stadien abgefunden. Ganz Russland? Nein! Ein von unbeugsamen Bauern bevölkertes Dorf im Süden des Landes hat aus Protest sein eigenes Stadion gebaut – komplett aus Stroh.

 

Уровень! Ставрополье, креативно и с юмором:-) #россия #russia #arena #stadium

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41.000 Rubel Budget, 4500 Strohballen als Material, Bauzeit unter einer Woche. Dazu ein Schild am Eingang: „Beim Bau wurde kein einziger Rubel gestohlen oder abgezweigt.“ Getauft haben die Erbauer ihr Strohprojekt übrigens „Zenit-Arena“, in Anspielung an das Petersburger Krestowski-Stadion, bekannt wie kein anderes für Mauscheleien und explodierende Baukosten. (Eine gute Zusammenfassung dazu hat der Economist gerade veröffentlicht.)

⚽ Offiziell hat Wladimir Putin noch nicht gesagt, ob er im kommenden Jahr noch einmal bei der Präsidentschaftswahl antritt. Ein offizieller Wahlkampfauftritt war es also nicht, als er am vergangenen Freitag im Staatsfernsehen fast drei Stunden lang Fragen von Schülern beantwortete. Ist ja auch ein dankbarer Termin: keine allzu kritischen Fragen, nur talentierte, fotogene Kinder und ein volksnaher Präsident.

Nur bei einem Thema wollte Putin sich lieber nicht aus der Deckung wagen. Fragen zur Opposition, zum Feminismus, zum Bevölkerungswachstum, alles kein Problem. Aber eine Prognose zum Abschneiden der russischen Nationalmannschaft bei der WM im eigenen Land? Auf keinen Fall. Also entstand folgendes Gespräch zwischen Putin und Pascha (kurz für Pawel), einem Jungen, dessen Team laut Moderator bei der „WM der Waisenhaus-Mannschaften“ gewonnen hatte.

Pascha: Wladimir Wladimirowitsch, bitte sagen Sie: Wird unsere Nationalmannschaft bei der Fußball-Weltmeisterschaft gewinnen?
Putin: Pascha, wer von uns beiden ist Weltmeister, du oder ich?
Pascha: Ich.
Putin: Dann sag mir bitte, als Spezialist: Wird unsere Nationalmannschaft bei der Fußball-Weltmeisterschaft gewinnen?

Einen kurzen Moment lang sah man Pascha die Sorge an, darauf nun ernsthaft antworten zu müssen, dann retteten ihn Applaus und Gelächter. Durch die Geräuschkulisse hörte man nur noch, wie Putin „Setz dich“ sagte. Und Pascha, ganz diplomatisch: „Alles ist möglich.“


 

⚽ Geldbuße für zwei Moskauer Vereine: Spartak Moskau und Dynamo Moskau müssen beide rund 3600 Euro Strafe zahlen, in beiden Fällen geht es um Rassismus von Fans. Die Details hat Reuters hier – wie auch eine Warnung des Fußballverbands: Wenn sich solche Vorfälle wiederholten, heißt es da, seien auch strengere Strafen denkbar. 

⚽  Was ich auch noch nicht wusste: Es gibt in Russland einen Bayer-Leverkusen-Fanclub, der sich den (deutschen) Namen „Russische Pillendreher“ gegeben hat. Gerade mal 29 Mitglieder hat der Club, dafür aber eine ziemlich professionelle Website, wo man nachsehen kann, wo sie denn so sitzen, die russischen Bayer-Fans.

Russische Städte von Moskau bis Barnaul sind da vertreten, andere Mitglieder leben in WeißrusslandKasachstan oder der Ukraine. Gelernt habe ich das alles bei Twitter, von Anna. Wer sich für einen russischen Blick auf deutschen Fußball interessiert, sollte ihr folgen. 

⚽  Nach dem Eiffelturm, dem Empire State Building und der Elbphilharmonie hat nun endlich auch das Petersburger Stadion einen Twitter-Account. Genauer gesagt: Das Stadiondach. Der Account ist erst ein paar Tage alt, hat also bisher erst wenige Tweets zu bieten: „Heute bin ich geschlossen“steht dann da, oder „Hallo alle, noch eine halbe Stunde bis zum Spiel.“  

Seltsamerweise fehlt die Nachricht „Heute bin ich geschlossen, aber ihr werdet trotzdem nass.“ So geschehen beim Spiel von Zenit gegen Rubin Kasan, das Video von Lifenews zeigt fallende Tropfen und einen Fan, der im Sitzen den Regenschirm aufgespannt hat. So ein teures Stadion, und trotzdem nicht ganz dicht. Vielleicht sollte man vorsorglich für die WM schon mal Kontakt zu Moskaus Schönwetterpiloten knüpfen.

⚽ Für viele Fußballfans wird die Weltmeisterschaft im kommenden Jahr sicherlich ihr erster Russlandbesuch sein – und damit eine Gelegenheit, sich mit den schwerfälligen Namen vertraut zu machen, die öffentliche Einrichtungen hier oft haben. MOSTRANSAWTO zum Beispiel ist zuständig, wenn man sich in und um MOS(kau) TRANSportieren lassen möchte mit dem Gefährt, zu dem der Russe AWTObus sagt.

Der neue Mostransawto-Chef Wladislaw Muraschow überlegt sich gerade, wie man das Busfahren für zugereiste Fans einfacher machen kann: WIFI in den Bussen wird demnächst getestet und soll bis kommenden Sommer weit verbeitet sein. 1700 neue Busse werden angeschafft. Vor allem aber soll man künftig beim Einsteigen einfach die Kredit- oder EC-Karte vors Lesegerät halten können und so bezahlen – kein Kleingeld, keine aufladbare Buskarte. Schließlich, so Muraschow, würden im Moskauer Umland ja auch einige der Mannschaften untergebracht.

⚽  Die Sport-Website Championat.ru hat eine neue Reihe gestartet. Unter dem Motto „Как это работает“ („Wie es funktioniert“) stellen sie unterschiedliche Aufgabenfelder rund um den Fußball vor. Schiedsrichter zum Beispiel, PressesprecherKonditionstrainer, aber auch Spezielleres wie die Arbeit eines Kameramanns beim Vereinsfernsehen. Die Texte holen gerne mal historisch aus – zum Beispiel mit diesem Video aus der Anfangszeit des Spartak-Vereinsfernsehens. Der Clip scheint aus dem Jahr 2002 zu stammen, als Spartak in einer Champions-League-Gruppe mit BaselLiverpool und Valencia spielte:

 

Besonders lesenswert aus dieser Reihe: der Artikel über die Übersetzer russischer Fußballclubs. Als Mitte der Neunziger brasilianische Legionäre wie Luis RobsonLeandro Samarone und Leonidas nach Russland kamen, sei das Thema erstmals relevant geworden, schreibt Championat. Heute haben dem Bericht zufolge nur der FK Tosno und Dynamo Moskau Mannschaften, bei der alle Spieler Russisch sprechen. 

„Der Prozentsatz der Leute, die Englisch sprechen, ist in unserer Stadt sehr niedrig“, erzählt der Übersetzer von Anschi Machatschkala. „Wenn die Spieler also in die Stadt gehen wollen, etwas einkaufen, sagen sie mir Bescheid und wir gehen zusammen.“ Die Tabelle am Schluss des Artikels verrät schließlich noch: Rubin Kasan ist eine ligaweite Ausnahme, denn dort übersetzt mit der 29-jährigen Ada Nasirowa eine Frau. 

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Bei der EM hat das deutsche Team unterdessen noch ein Tor geschossen, Elfmeter, aber immerhin, ein Tor. Da hat’s wohl doch nicht geholfen, dass die Russinnen vorher noch eine optimistische Luftballondeko getwittert hatten – drei pralle Ballons in den russischen Farben, drei schlappe in den deutschen. Abpfiff, das Spiel ist vorbei, diese Russball-Folge auch. Bis nächste Woche!



 

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Alltagsrassismus, oder: Warum man nicht mit „City Mobil“ Taxi fahren sollte

Woran ich mich auch nach fast an einem Jahr in Russland nicht gewöhnt habe (und auch nicht gewöhnen möchte), ist der Alltagsrassismus. Du unterhältst dich mit jemandem, den Du seit Monaten kennst, über seine Wohngegend: „Wär ne gute Ecke, wenn die ganzen Tadschiken nicht wären.“ Jemand anderes, mit dem Du regelmäßig Zeit verbringst, fasst seinen Urlaub zusammen: „Gutes Wetter, aber das war voller Türken da, und du weißt ja, wie die stinken.“

Jedes andere Gespräch bis zu diesem Punkt war komplett normal, es sind Bekanntschaften entstanden, Freundschaften – und dann kommt so eine Aussage. Ansprechen hilft auch nicht: „Ach komm, Du weißt doch, wir Russen haben es nicht so mit der politischen Korrektheit.“ Als wäre das die Baustelle.

Von der Alltags-Homophobie („der Typ ist mir suspekt, sein Name klingt schwul“) und dem Alltags-Antisemitismus („in Wirklichkeit ist nicht Putin an der Macht, sondern die jüdische Weltverschwörung“) haben wir dann noch nicht mal angefangen; geschweige denn von der Tatsache, dass das keineswegs hinter vorgehaltener Hand geäußerte Meinungen sind, durch den Filtermechanismus gedrungen nach vier Glas Wodka.

Kein Innehalten, kein betretenes „das ist mir so rausgerutscht“, keine Anzeichen dafür, dass man gerade etwas Schlimmes oder auch nur Ungewöhnliches gesagt haben könnte.

Was genau der Punkt ist, denn solche Sprüche sind tatsächlich Alltag – auch von gebildeten Menschen, Menschen mit Auslandserfahrung. Menschen, bei denen ich einen weiteren Horizont erwartet hätte. Das geht Hand in Hand mit dem Hurra-Patriotismus, der um so sichtbarer ist, je mehr den Russen ein gemeinsames Feindbild präsentiert wird; sei es nun die Regierung in der Ukraine oder die westliche Sanktionspolitik.

Ich wünschte also, ich wäre überrascht gewesen, bei Facebook auf den folgenden Post zu stoßen. Er zeigt einen Screenshot aus der App, mit der man sich einen Wagen von „City Mobil“ kommen lassen kann. Auf der Liste der Zusatzleistungen: Klimaanlage, Kindersitz, Raucher-Auto, slawischer Fahrer.

 

Ja, tatsächlich, einen slawischen Fahrer kann sich der geneigte Passagier herbeirufen, sogar kostenlos, im Gegensatz zum Kindersitz, der immerhin 100 Rubel kostet. In der englischen Fassung der App ist von „slavonic“ statt „slavic“ die Rede, weshalb ich mich kurz gefragt habe, ob wohl „russischsprachig“ gemeint sein könnte.

Taxi City Moskau Rassismus 

Aber nein, das russische Original sagt eindeutig „slawisch“ – und bei einem russischen Taxi-Unternehmen ist die Wahrscheinlichkeit, dass man „russischsprachig“ extra buchen muss, ja auch eher gering. Bisher hat hier noch jeder Taxifahrer russisch gesprochen, viele waren aber keine Russen. Sondern Turkmenen, Usbeken, Kasachen.

Zentralasiaten fegen Moskaus Straßen, schaffen den Müll weg, ackern auf Baustellen – und sind hier die Hauptzielscheibe für Ausländerfeinlichkeit. City Mobil kennt also seine Kunden, wenn es ihnen anbietet, sich auf Wunsch lieber von einem Russen (Polen? Serben? Bulgaren?) fahren zu lassen.

Was bleibt, sind eine Frage und eine Antwort. Die Frage ist, wie Apple eigentlich Apps mit rassistischen Inhalten behandelt. Grundsätzlich gibt es durchaus Vorschriften, besonders stringent scheinen sie aber nicht zu sein.

Und die Antwort? Bei Bekannten entdeckt man manchmal erst nach einiger Zeit, woran man ist. Bei City Mobil wissen wir es jetzt alle. Die Antwort kann also nur heißen: anderswo bestellen.

(Hat tip an Grace, durch die der FB-Post in meiner Timeline erschienen ist, und an Sebastian für Infos zu Apples Regelungen.)

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